LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gier(d)elrous bis Giischterdag (Bd. 2, Sp. 55a bis 56b)
 
Gier(d)elrous F.: «Gürtelrose» (Hautkrankheit).
 
Gierg männl. Vorn.: 1) «Georg» (s. Georges); 2) spaßh. übtr.: «Laib Brot» (cf. Bärend sub 2); 3) in der Ra.: e kréit geschwënn den Här Gierg gesongen (iron. er wird bald sterben).
 
Gierganz (Ton: 1) M.: «weißer Kieselstein».
 
gierksen Nösl. gjärriksen intr. Verb.: 1) «würgen» — e gierkst un deem Stéck Brout an e kritt et nët of; 2) «Brechreiz verspüren» — 't huet mer am Haals gegierkst wéi wann ech mech misst iwwerschëdden — s. wierksen, guerksen, käerksen.
 
Gierksert M.: «Schluchzer» — s. Hick.
 
Gierléng ON.: «Guerlange» — Dorf im Südosten der belg. Prov. Luxbg., Gem. Messancy — B 68.
 
Giersch M.: «Giersch, Aegopodium Podagraria».
 
gierwen (nördl. Gutland geerwen, Nordösl. gjärwen) trans. Verb.: 1) «gerben»; 2) spaßh. übtr.: «prügeln».
 
Gierwer M.: «Gerber» (älter Laër — s. d.).
 
Gierwerei F.: «Gerberei» (älter Laërei).
 
Gierwerfett N.: «Gerberfett» (vielfach zum Abdichten gebr.).
 
gieweg (lok. gewig) Adj.: «schenkenswert» — déi Äppel sin nët méi g. (zu alt, runzelig zum Verschenken).
 
Giewel (lok. phV. cf. Ltb. 24) M.: «Giebel» — den ënneschte G. (der Sonne zugekehrter Giebel), den ieweschte G. (zur Schattenseite) — d'Jonge komme scho bei de G. pissen (die Tochter des Hauses ist schon erwachsen) — komm du nach eng Kéier laascht (bei) eise G. pissen (drohend) — mer leën d'Dunnen an de G. (wir bauen die Balken in den Nachbargiebel ein, wenn dieser gemeinschaftlich ist) — damit lok. bisw. volksetymologisch in Verb. gebracht: Giewelek (zu Kiewerlek gehörig — s. d.) M.: «Maikäfer» — volkstümlich verstanden: well s'ëmmer laascht d'Giewele fléien.
 
Giewelmauer F.: «Giebelmauer».
 
Giewelstäip F.: 1) «Stützmauer»; 2) «dummer Mensch».
 
Giewel ON.: «Göblingen» — Gem. Körich, Kant. Capellen — 312.
 
Giewelsmillen ON.: «Göbelsmühle» Gem. Bourscheid, Kant. Diekirch — 126.
 
Giewéng F.: «Freigebigkeit» — im Ausdruck: nët vu G. (Giwenech) sin (cf. auch Géiwéng).
 
Gif (Pl. Giwen — lok. phV.: Ostrand Géif, aber Echt., Vianden Gipp, F./Pl.: Gippen, Mosel vereinzelt Guff, Pl.: Guffen) M.: 1) «Flußgründling» — allgem.: «kleiner Fisch» — e fëscht nëmmen Dreeksschlapen, Kauzekeep a Gippen (Echt.); 2) übtr.: «kleiner, [Bd. 2, S. 56] schwacher Mensch» — 't as nëmmen (eppes ewéi) e G.
 
Giwenhief F.: «kleinmaschiges Hebegarn».
 
giganz Adv. nur in der Konstr. en as g. gaangen (gestorben) — wird auch für Sachen gebraucht.
 
Giggerliksmonturen (lok. Echt.) Pl. F.: «billige, auffällige Kleidung» — cf. Gickel.
 
giggesoartig (Echt.) Adj.: «dummstolz».
 
Gigolo (wie frz., Ton: 1) M.: 1) eigtl.: «Eintänzer»; 2) meist: «stutzerhafter Mensch» — dafür auch: Jhitzko, Jhitzki (s. d.); 3) gelegtl.: «Liebhaber, Begleiter» — ech hun hatt mat séngem G. gesinn.
 
Gigot (wie frz., Ton: 1) M.: 1) «Hammelkeule»; 2) «lebhaftes Tonstück, lustiger Tanz» (cf. frz. gigue) — früher gewöhnlich in der Fastnachtszeit üblich, bes. der Fleischerzunft eigen.
 
Gigotsarem (Pl.: alt — aremen, heute -äerm) M.: «oben keulenförmig gebauschter Ärmel» (meist an Frauenkleidern).
 
Giicht (Norden, Süden lok. Git, Nordösling Jit) F.: «Gicht» — d'faul (auch leie) G. an d'verfroosse (älter friesse «fressendes») Féiwer (krank im Bett und gesund bei Tisch, scheinkrank — cf. Schoulkränkt) — Hausmittel dagegen: zwou an eng hallef Onzen Terpetän, en halwe Läffel Äppelesseg, eng Grimmel Heffenuelech an zwee Gieler vun Äer, duerchernee geschafft an domat geschmiert, soll Wonner wierken — e stécht esou voller G. ewéi den Iesel voller Fierz.
 
Giicht- -floss M.: «Gichtfluß»; -watt F.: «Gichtwatte, wärmespendende Watte» — neol.: Thermogèneswatt; -wuurzel F.: «Diptamwurzel».
 
Giicht F.: «die mit einem Male im Hochofen aufgegebene Menge Erz oder Koks».
 
Giisch I F.: «Gesichtsausdruck».
 
Giisch II ON.: «Guirsch» — belg. Prov. Luxbg. — B. 27; en huet an de Giischer Pëtz gekuckt (er ist verrückt).
 
Giisch(t), Giischmei (Ton 2) F.: «Kinderspiel» — gängigste Spielart: ein an beiden Enden zugespitzes Hölzchen (Giisch, lok. gelegtl. auch Guuss «Gans», in Arlon Gatsch genannt) wird so (etwa auf einen Stein) gelegt, daß das eine Ende etwas hervorsteht; der Spielende schlägt mit einem Stock auf das Hölzchen, daß es fortspringt; die andern Spieler suchen es nun mit Hüten oder Schürzen im Flug abzufangen — meist ruft der Schlagende: Giisch, Guussert (Flaxweiler), die Auffangenden rufen: mei, nun erst erfolgt der Schlag (im Südwesten wird moin geantwortet); anderswo fragt der Schlagende erneut: hopp, worauf die Antwort schlo drop «schlag drauf» erfolgt, jetzt erst darf er schlagen; in Rodingen fragt der Schlagende: Bi (= frz. bille — das Giischspill heißt hier mat der Bill spillen), es wird ihm Jhi (= frz. joue «spiele») erwidert, nach einem weiteren Ruf: attrape-la «fang auf» erst erfolgt der Schlag — gelegentlich gilt es die Giisch in ein unter der ersten Treppenstufe abgegrenztes Viereck hineinzuschlagen: d'G. muss an d'Brak — dieses Spiel ist weil gefährlich, polizeilich verboten.
 
giisch(t)en intr. Verb.: «zischend aufbrausen» — s. gësch(t)en.
 
Giischt ON.: «Girst» Gem. Rosport, Kant. Echternach — 287.
 
Giischter- -dag M.: «Girster Tag» — Tag, an dem nach der Girster Klause gepilgert wurde (Mariä Himmelfahrt, daneben auch: 19. März);

 

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