LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gierksert bis Gilbert (Bd. 2, Sp. 55b bis 57a)
 
Gierksert M.: «Schluchzer» — s. Hick.
 
Gierléng ON.: «Guerlange» — Dorf im Südosten der belg. Prov. Luxbg., Gem. Messancy — B 68.
 
Giersch M.: «Giersch, Aegopodium Podagraria».
 
gierwen (nördl. Gutland geerwen, Nordösl. gjärwen) trans. Verb.: 1) «gerben»; 2) spaßh. übtr.: «prügeln».
 
Gierwer M.: «Gerber» (älter Laër — s. d.).
 
Gierwerei F.: «Gerberei» (älter Laërei).
 
Gierwerfett N.: «Gerberfett» (vielfach zum Abdichten gebr.).
 
gieweg (lok. gewig) Adj.: «schenkenswert» — déi Äppel sin nët méi g. (zu alt, runzelig zum Verschenken).
 
Giewel (lok. phV. cf. Ltb. 24) M.: «Giebel» — den ënneschte G. (der Sonne zugekehrter Giebel), den ieweschte G. (zur Schattenseite) — d'Jonge komme scho bei de G. pissen (die Tochter des Hauses ist schon erwachsen) — komm du nach eng Kéier laascht (bei) eise G. pissen (drohend) — mer leën d'Dunnen an de G. (wir bauen die Balken in den Nachbargiebel ein, wenn dieser gemeinschaftlich ist) — damit lok. bisw. volksetymologisch in Verb. gebracht: Giewelek (zu Kiewerlek gehörig — s. d.) M.: «Maikäfer» — volkstümlich verstanden: well s'ëmmer laascht d'Giewele fléien.
 
Giewelmauer F.: «Giebelmauer».
 
Giewelstäip F.: 1) «Stützmauer»; 2) «dummer Mensch».
 
Giewel ON.: «Göblingen» — Gem. Körich, Kant. Capellen — 312.
 
Giewelsmillen ON.: «Göbelsmühle» Gem. Bourscheid, Kant. Diekirch — 126.
 
Giewéng F.: «Freigebigkeit» — im Ausdruck: nët vu G. (Giwenech) sin (cf. auch Géiwéng).
 
Gif (Pl. Giwen — lok. phV.: Ostrand Géif, aber Echt., Vianden Gipp, F./Pl.: Gippen, Mosel vereinzelt Guff, Pl.: Guffen) M.: 1) «Flußgründling» — allgem.: «kleiner Fisch» — e fëscht nëmmen Dreeksschlapen, Kauzekeep a Gippen (Echt.); 2) übtr.: «kleiner, [Bd. 2, S. 56] schwacher Mensch» — 't as nëmmen (eppes ewéi) e G.
 
Giwenhief F.: «kleinmaschiges Hebegarn».
 
giganz Adv. nur in der Konstr. en as g. gaangen (gestorben) — wird auch für Sachen gebraucht.
 
Giggerliksmonturen (lok. Echt.) Pl. F.: «billige, auffällige Kleidung» — cf. Gickel.
 
giggesoartig (Echt.) Adj.: «dummstolz».
 
Gigolo (wie frz., Ton: 1) M.: 1) eigtl.: «Eintänzer»; 2) meist: «stutzerhafter Mensch» — dafür auch: Jhitzko, Jhitzki (s. d.); 3) gelegtl.: «Liebhaber, Begleiter» — ech hun hatt mat séngem G. gesinn.
 
Gigot (wie frz., Ton: 1) M.: 1) «Hammelkeule»; 2) «lebhaftes Tonstück, lustiger Tanz» (cf. frz. gigue) — früher gewöhnlich in der Fastnachtszeit üblich, bes. der Fleischerzunft eigen.
 
Gigotsarem (Pl.: alt — aremen, heute -äerm) M.: «oben keulenförmig gebauschter Ärmel» (meist an Frauenkleidern).
 
Giicht (Norden, Süden lok. Git, Nordösling Jit) F.: «Gicht» — d'faul (auch leie) G. an d'verfroosse (älter friesse «fressendes») Féiwer (krank im Bett und gesund bei Tisch, scheinkrank — cf. Schoulkränkt) — Hausmittel dagegen: zwou an eng hallef Onzen Terpetän, en halwe Läffel Äppelesseg, eng Grimmel Heffenuelech an zwee Gieler vun Äer, duerchernee geschafft an domat geschmiert, soll Wonner wierken — e stécht esou voller G. ewéi den Iesel voller Fierz.
 
Giicht- -floss M.: «Gichtfluß»; -watt F.: «Gichtwatte, wärmespendende Watte» — neol.: Thermogèneswatt; -wuurzel F.: «Diptamwurzel».
 
Giicht F.: «die mit einem Male im Hochofen aufgegebene Menge Erz oder Koks».
 
Giisch I F.: «Gesichtsausdruck».
 
Giisch II ON.: «Guirsch» — belg. Prov. Luxbg. — B. 27; en huet an de Giischer Pëtz gekuckt (er ist verrückt).
 
Giisch(t), Giischmei (Ton 2) F.: «Kinderspiel» — gängigste Spielart: ein an beiden Enden zugespitzes Hölzchen (Giisch, lok. gelegtl. auch Guuss «Gans», in Arlon Gatsch genannt) wird so (etwa auf einen Stein) gelegt, daß das eine Ende etwas hervorsteht; der Spielende schlägt mit einem Stock auf das Hölzchen, daß es fortspringt; die andern Spieler suchen es nun mit Hüten oder Schürzen im Flug abzufangen — meist ruft der Schlagende: Giisch, Guussert (Flaxweiler), die Auffangenden rufen: mei, nun erst erfolgt der Schlag (im Südwesten wird moin geantwortet); anderswo fragt der Schlagende erneut: hopp, worauf die Antwort schlo drop «schlag drauf» erfolgt, jetzt erst darf er schlagen; in Rodingen fragt der Schlagende: Bi (= frz. bille — das Giischspill heißt hier mat der Bill spillen), es wird ihm Jhi (= frz. joue «spiele») erwidert, nach einem weiteren Ruf: attrape-la «fang auf» erst erfolgt der Schlag — gelegentlich gilt es die Giisch in ein unter der ersten Treppenstufe abgegrenztes Viereck hineinzuschlagen: d'G. muss an d'Brak — dieses Spiel ist weil gefährlich, polizeilich verboten.
 
giisch(t)en intr. Verb.: «zischend aufbrausen» — s. gësch(t)en.
 
Giischt ON.: «Girst» Gem. Rosport, Kant. Echternach — 287.
 
Giischter- -dag M.: «Girster Tag» — Tag, an dem nach der Girster Klause gepilgert wurde (Mariä Himmelfahrt, daneben auch: 19. März); -hellegen M.: 1) «Nebenpatron der Girster Klause, hl. Lukas»; 2) «der jeweilige Eremit der Girster Klause» — cf. das folg.; -klaus F.: «Girster Klause», vielleicht erst im XVIII. Jahrhundert aufgekommener Name der Kapelle von Girst, der auf die nahe gelegene Klause zurückgeht, die nach Thiel (T'Hémecht VII, 1954, S. 99) nachweislich erst nach 1760 von einem Eremiten bewohnt worden sein soll. Das in der Kapelle verehrte Marienbild, das der Sage nach in einer Hasel gefunden wurde (Mutter Gottes vun der hieselter Heck), ist Ziel von Bittgängen und Prozessionen (s. G-dag). Zur Baugeschichte der Kapelle vgl. Staud-Reuter, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Dekanats Echternach (T Hémecht VI, 1953, S. 360). An der G. haftet als Gründungssage die Wanderlegende von dem Kreuzfahrer, der wunderbarerweise in einer Nacht aus türkischer Gefangenschaft in die Heimat entrückt wird. Als Wahrzeichen des Wunders gelten Kette und Krücke, die in der Kapelle aufgehängt sind. Auch die Legende von den entrückten Bausteinen wird von der G. erzählt; -knapp M.: «der Knopf in Girsterklaus» — um einen Gemahl zu erhalten, [Bd. 2, S. 57] wandte man sich u. a. nach Girsterklaus (auch nach Ieweschtklausen — s. d.) — und küßte den dort angebrachten Knopf: 't geet op Giischterdag de Knapp këssen (mit der Zeit, so heißt es, wurde der Knopf weggeküßt).
 
Gilbert (wie frz. Ton: 1) männl. Vorn.: «Gilbert» — dazu weibl. Gilberte.

 

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