LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Gueder bis G-kät,- keet (Bd. 2, Sp. 88b bis 89b)
 
Gueder (lok. phV. cf. Ltb. 7) M.: 1) «zweiteilige Türe, Gittertor, Gattertor»; 2) «Gartenzaun, primitiver Zaun im allg.»; 3) «Hosenklappe» (cf. das Kompos. Boxegueder, sowie Deckels-, Falluedebox) — heute allg.: «Hosenschlitz» (in dieser Bed. in Stadtlux. weitgehend Kueder); 4) erweitert: «Hose, Hinterteil» — sief roueg, soss kriss de de G. ersielt — Dim.: Giederchen M.
 
guer (lok. phV. cf. Ltb. 7) Adv.: «gar sehr» (superlativisch) — g. nët — glat a g. nët (absolut nicht) — dat as esou g. (betont!) kleng (so sehr klein) — en huet en esou g. gelueft (von esouguer «sogar» fernzuhalten, und zwar nach Akzent u. Bedeutung) — elo soën ech g. näischt méi (verblüfft, sprachlos) — gelegentl. noch als Adj. in der Bed.: «fertig, gar» — de Kallek as g.
 
guerden, guurden (Ösl. gurden, lok. auch gurren, guren) trans. Verb.: 1) «gürten, fest zuziehen»; 2) «ordentlich prügeln» — s. erguerden.
 
Guergel, Guurgel (Nordösl. Gurgel) 1) «Gurgel, Kehle, Kehlkopf» — en huet mer d'Messer op d'G. gesat (mit Gewalt gezwungen) — e jeet alles duurch d'G. (vertrinkt alles) — ech huelen dech mat der G. (cf. auch Strass); 2) «Adamsapfel» (in dieser Bed. dafür [Bd. 2, S. 89] auch Batz — s. d. sub II/1); 3) «knotige Braunwurz, Scrophularia nodosa» — dafür auch heednescht Wondkraut.
 
Guergel, Gurgel, Gargel (letztere Var. bes. Mosel) M. und F.: «Nute in den Faußdauben, Gargel» — d'G. gët gerass — dazu die Zussetz.: Guergel-/ Gargelhuwwel, -kamp, -rësser M.: «Gargelhobel».
 
guergelen, guurgelen intr. Verb.: «gurgeln» — dafür auch: gargariséieren — Abl.: Guergelwaasser N.
 
Guéridon (wie frz.) M.: «Ziertisch» (Ga.: «Leuchtergestell»).
 
guerksen, guurksen intr. Verb.: «würgen» (bes. beim Erbrechen) — cf. auch: gierksen.
 
Guert, Guurt M.: «Gürtel» (cf. Gier(d)el) — bisw. F.: «dickes Band» etwa Guerdebet (Echt.: «Bett mit Gurtfederung»).
 
Guertstaf M., Guertstaang F.: 1) «Reitel, Holzhebel, womit die Fracht auf dem Wagen festgebunden wird» — dafür auch: Braholz, Knëppel, Redel, Haaspel auch einfach Guert; 2) «kleiner Stab, der beim vierrädrigen Wagen den hënneschte Won mit dem viischte Won am Langbaum befestigt».
 
Guet (lok. phV. cf. Ltb. 7) M. (gelegtl. F.): 1) «Gegenstück, Gegenpart» (bes. von paarigen Dingen z. B. Strümpfen, Handschuhen usw.) — wou as deem säi G.? — säi G. as nët méi (er sucht seinesgleichen) — do as de G. dervu fort (cf. auch Gläich) — wou as d'Guet vu mengem Schung?; 2) im bes. bisw. «Gatte» — so etwa im Echternacher Fastnachtslied: spazéire mat dem Hämelsgoat.
 
Guetcheslee F.: «Name einer überragenden Felswand südlich des «stuppechen Haff» bei Weyer».
 
Guets- s. Gott(e)s- — ëm Guetswëll! (ëm Gotteswëllen!).
 
Gueulard (wie frz. aber meist Ton: 1) M.: 1) «Schreihals»; 2) «obere Öffnung des Hochofens».
 
Gueuse (wie frz. gueuse) Gees F.: «das aus dem Hochofen geflossene, in Sandrinnen erstarrte Roheisen, wird in handliche Stücke zerschlagen».
 
Guewel (lok. /gO:vəl) F.: ostlux. Var. zu dem geläufigeren Gafel (s. d.).
 
guewelen intr. Verb.: «mit der Gabel arbeiten» (cf. sub Hä, Hee).
 
Gui (wie frz.) M.: «Mistel» — auch: Vulleläim, allgem.: Mëspel (s. d.).
 
Guichet (wie frz. aber Ton: 1 — gelegtl. /giSi) M.: «Abfertigungsstelle bei öffentl. u. privaten Betrieben» — e sëtzt am G. — ech stoung eng Stonn Schlaang beim G.
 
Guichetier M. = Gi(i)schtchen (s. d.).
 
Guide (wie frz.) M.: «Fremden-, Reiseführer».
 
Guide (wie frz.) F.: «Pfadfinderin» (engl. girl-guide) — blo (Muttergottes-) Guiden (katholische Pfadfinderinnen) — brong Guiden (religiös unabhängige Pfadfinderinnen) — 't as bei (an, ënnert) de Guiden.
 
guidéieren trans. Verb.: «lenken» — en as schwéier ze g.
 
Guido (gi:do) männl. Vorn. — s. Guy.
 
Guidon, Giddo(ng) M.: 1) «Lenkstange des Fahrrades» — spaßh.: en huet keng Loft am G. (er ist kurzatmig) — Arten: e preisesche (riichte) od. Gesondheets-, neb. Sports-, Course-, kromme G.; 2) «geschweifter Knebelbart».
 
Guignol (wie frz. aber meist Ton: 1) M.: «Puppenspiel».
 
Guillaume (wie frz. aber Ton: 1) männl. Vorn. — s. Gilli.
 
Guimauve (wie frz. aber Ton: 1) F. (bisw. M.): 1) «Eibisch»; 2) «Lederzucker» — Pater G. (= pâte de guimauve); Zussetz.: Guimauvestéi M.: «Heilwurztee».
 
Guimpe (wie frz.) F.: «Busenschleier, Art Brusttuch».
 
guindéiert (zu frz. guindé) Adj.: «geschraubt, überspannt, aufgeblasen» (cf. affektéiert).
 
Guipure (wie frz. aber Ton: 1) F.: «erhaben gestickte Spitze» (in der weibl. Kleidung als Einsatz, Besatz, Kragen und bei Blusen verwandt).
 
gujhelen (lok. Echt.) trans. Verb. in der unfesten Verb.: eppes eragujhelen (hastig essen).
 
Gulles (lok.) M.: 1) «Fresser» (dazu die folg. Abl.); 2) Var. zu Guillaume, Jules (s. d.) — ähnlich: Wulles.
 
gullësseg (lok. Osten) Adj.: «gefräßig, begierlich» — Var. (immer im Osten): gullezig; Abl.: G-kät,- keet F. (im allg. dafür gormangzeg — s. d.).

 

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