LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Hatzebierg bis Haupeschweier (Bd. 2, Sp. 118b bis 120b)
 
Hatzebierg ON.: Anhöhe bei Arlon, reich an feuerfester Erde.
 
Hatzel F.: 1) «Hutzel, nachlässig gekleidete Frau» — in dieser Bed. dafür auch Hatzelmrei; 2) «quicklebendiges, kleines Kind».
 
hatzeleg Adj.: «nachlässig gekleidet».
 
hatzelen trans. Verb.: 1) «rütteln, schütteln»; 2) «hacken, zerkleinern» — hatzel dat Flääsch net esou! (evtl. — mit einem stumpfen Messer).
 
Hatzelstréi N.: «Schüttstroh».
 
hatzen intr. Verb.: «voreilig handeln».
 
Hauch (Nösl. -ç) M.: 1) «Hauch»; 2) «Atem» — den H. as nach gaang (der Sterbende atmete noch); 3) «leichter Beschlag, Anflug an Scheiben»; 4) «dünner Wachsbelag auf Obst»; 5) übtr., bes. in neg. Raa.: «sehr wenig» — nët emol en H. dervu war wouer.
 
Hauch- / hauch- -bild N.: «auf Zellophan, früher auf Zelluloid gedrucktes Bild, das sich beim Hauchen krümmt» — dafür lok. Westen auch: hauchegt Bild, Stadtlux.: Hauchebild; -dënn Adj.: «hauchdünn».
 
hauchen (Nösl. -ç-) intr. Verb.: «hauchen, ausatmen» — ech h. an d'Hänn fir se waarm zu kréien — e ka gutt h. (er versteht das Trinken) — hauch mer an d'Maul (sot de Muppa zum Jauka) — ech hauchen der drop (= fläten der drop) — hauch mer an d'Gesiicht! (wenn die Ehefrau feststellen will, ob der Ehemann getrunken hat).
 
haudeg (lok. phV. wie haut) Adj.: «heutig» — bis op den haudigen Dag (bis heute — Ostrand) häidig, häitig (Mosel).
 
Hauer (aus dem Hd.) M.: «Hauer» (Bergmannspr.) — cf. dagegen das einheimische Haer, Häer.
 
hauer(ter), hau(r)enter Adv.: 1) «neulich, vor kurzem»; 2) lok.: «heuer, dieses Jahr, heutzutage»; 3) Wb. 06: hauerter = «gestern» (Mosel) — in dieser Bed. auch: hoënter. [Bd. 2, S. 119]
 
Hauf F.: 1) «Haube» — folklor.: bis zur Jahrhundertwende trugen die älteren Frauen, die etwas auf sich hielten, eng wäiss H., meist schon am frühen Morgen — fir ugedoën ze sin, well eng Fra konnt jo nët schuerkapp goën — früher auch die jüngeren Mädchen; die Hauben waren entweder aus Mousseline oder aus gestärktem Stoff (s. Bok); beim Kirchgang und feiertags trugen die älteren Frauen eng schwaarz H., die Mädchen flochten dagegen mancherorts ein Farbband (kein rotes) durch ihre weiße, oft aus Wolle gestrickte Haube (Bantenhauf — s. Band II); wenn die Haube den Haarbeutel und den Hinterkopf bedeckte, war es eng Biedemcheshauf, bedeckte sie dagegen nur den Scheitel, so war es eng opgemaacht(en) H.; sie wurden mat Banten unter dem Kinn gebunden (zu einem grousse Schlapp); manchmal lose seitlich hängen gelassen; Raa.: en huet séng gutt, frëndlech H. op (un — er ist gut gelaunt), auch vom Wetter: den Himmel huet keng frëndlech H. un, dagegen: en huet d'H. wënsch (schacks) sëtzen (übelgelaunt) — hätte mer hatt nach gutt ënnert der H.! (hätten wir unsere Tochter glücklich verehelicht); 2) spaßh.: «Kopf» — du kriss eng an d'H. (du bekommst einen Streich gegen den Kopf, aber auch: du wirst betrunken) — si danzen em op der H. — du kriss eng an, hannert d'H. (cf. das Verbum hauwen); 3) = Gléckshauf (s. d.) — en as mat der H. op d'Welt komm (wenn ein Stück der Embryonalhaut dem neugeborenen Kind am Kopf kleben blieb; dieses Kind wird reich, glücklich, tapfer, ist stich- und hiebfest); 4) bes. als Dim. Haifchen in verschiedenen übtr. Bed., etwa: a) «Labmagen der Wiederkäuer»; b) «Federbüschel auf dem Kopf der Vögel» — die Komp. s. sub Hauwen-.
 
Haufelëscht, Houfelëscht ON.: «Houffalize», wall. Ort der belg. Prov. Lux., Arr. Bastogne.
 
haulen (lok. Osten hailen) intr. Verb.: 1) «heulen» — 't muss ee mat de Wëllef h.; 2) «weinen» — en huet gehault (Part. Prät. so überall) ewéi eng (Mrei)Muedeléin — das Ostlux. unterscheidet: de Wand hault, aber de Bouf hailt («weint»); Spw.: Wann d'Fiiss haulen (erklärender Zusatz) dann as, lok. gët, et uerg kal — D'Schmoggler gin uecht, wou d'Honn nuets h. — zu greinenden Kindern: haul dach nët! — Abl.: Gehauls N.
 
haulereg Adj.: «zu lautem Weinen geneigt, weinerlich».
 
Hauli (lok.) M.: «Tölpel».
 
Hauneref, Hunneref, Honneref ON.: «Hanf, frz. Honville» — wall. Dorf der belg. Prov. Luxbg., Arr. d'Arlon, an der Sprachgrenze.
 
Haup, Hupp F.: «Hockerstellung» (meist im Pl. in adverb. Wendungen) — hien erzielt, an d'Kanner sëtzen op den Haupe ronderëm en — übtr.: du kriss op den Haupe gedanzt (das Handwerk wird dir gelegt werden, oder: du bekommst Schläge) — urspr.: engem op den Haupen danzen (wenig Achtung vor jem. haben) — d'Fra as him ëmmer op den Haupen (seine Frau überwacht ihn).
 
haupches Adv.: «in Hockerstellung» — haupches glëtschen (in Hockerstellung auf der Eisbahn gleiten).
 
haupen refl. Verb. = huppen (s. d.).
 
Haupert männl. Vorn.: «Hubert» (Var. dazu sub Hubert) — den Zënt H. (lok. Hoppert) «der hl. Hubertus», Bischof von Maastricht (um 709), dann erster Bischof von Lüttich (722 bis 727). Patron der Jäger vielleicht schon seit dem IX. Jhrh. (s. H.-dag, -juegd) und gleichzeitig Beschützer der Hunde. Daraus mag sich seine therapeutische Spezialität, die seit dem X. Jhrh. belegte Heilung der Tollwut, entwickelt haben (s. H.-kränkt). In zahlreichen Kirchen und Kapellen des Großherzogtums ist er Haupt- oder Nebenpatron. Die seit dem XV. Jhrh. belegte Legende einer Bekehrung durch Erscheinung eines Wunderhirsches mit leuchtendem Kreuz im Geweih (wohl Übertragung aus der Legende des hl. Eustachius) ist im Luxemburgischen mehrfach plastisch dargestellt (Kapitell in der Kirche von Rindschleiden, Wandrelief im alten Abteigebäude der Trinitarier in Vianden). Eine kirchliche Bruderschaft zu seinen Ehren gibt es in Garnich (seit 1665), Partikeln der wundertätigen Stola ebendort, sowie in Munshausen, Weicherdingen und Perlé; folklor.: all zwee Joer geet eng Prëssëssioun aus dem Éislek iwwert déi al Weën op Zënt H. (St. Hubert — in der belg. Prov. Luxemburg — cf. Haupeschprëzessioun) — dazu der Hausname: an Haupesch, Hoppesch.
 
Haupesch- -baach F.: «linker Zufluß der Halerbaach»; -bal M.: «Ball der Jägerinnung»; -bréitchen N.: «am Hubertustag oder in St. Hubert gesegnetes Brötchen, [Bd. 2, S. 120] zum Schutz gegen tolle Hunde» — Am Hubertustag wird in der Kirche von Hassel Salz, Brot und Hafer als Schutzmittel gegen Tollwut geweiht. Das Salz wird im Haushalt verbraucht, ein Teil des Brotes für etwaige Reisen zurückgelegt, den Rest gibt man Menschen und Tieren zu essen. Der Hafer wird teils dem Viehfutter, teils dem Brotgetreide beigemischt. In Bettel werden Salz und Brot geweiht, in Itzig nur Brot, in Sankt Johann im Stadtgrund Brötchen. In Itzig nähten früher die Frauen Krumen des geweihten Brotes als Schutzmittel gegen tollwütige Hunde in die Kleider ein. H. soll nicht schimmeln; -dag M.: «Hubertustag» (3. Nov. — meist Eröffnungstermin der Treibjagd) auch: Hoppeschdag; -juegd F.: «Treibjagd am Hubertustag» (bes. zu Munshausen, früher nur dort) — beginnt mit einer Messe, die von Jägern in voller Jagdausrüstung besucht wird (s. -mëss); -klub M.: «Hubertusklub» (Jägervereinigung) auch: Hubertusklub; -kränkt F.: «Hubertuskrankheit», volkstümliche Bezeichnung der Tollwut. — Früher war es üblich, daß ein von einem tollwütigen Tier Gebissener nach Saint-Hubert pilgerte. Dort wurde die Bißwunde ausgebrannt, dann ritzte der Priester dem Patienten die Stirnhaut, unter die er ein winziges Fädchen aus der Stola des Heiligen schob. Dann wurde die Wunde verbunden. An neun aufeinanderfolgenden Tagen oder auch erst am neunten Tag mußte der Kranke beichten und kommunizieren. Am zehnten Tag wurde der Verband entfernt und verbrannt. Während der Kur mußte der Patient eine Reihe weiterer Vorschriften erfüllen. Nach seiner Heilung galt er als immun gegen Tollwut und konnte für jeden der Tollwut Verdächtigen durch ein über ihn im Namen Gottes, der hl. Maria und des hl. Hubertus gemachtes Kreuzzeichen einen vierzigtägigen Aufschub der Krankheit (Zill) bewirken, so daß der Patient diese Zeit zu einer Wallfahrt nach Saint-Hubert ausnutzen konnte. Der Ausstand konnte mehrfach erneuert werden. Als Schutzmittel gegen Tollwut gelten Hubertusschlüssel (s. d.), -kreuze, -ringe, -medaillen, die in Saint-Hubert an die wundertätige Stola des Heiligen angerührt wurden, ferner Salz, Brot, Brötchen, Hafer, die vom Priester am H.-dag gesegnet werden (s. H.-bréitchen); -mëss M.: «Hubertusmesse» (in Munshausen, Senningerberg u. Beforter Kläuschen); -prëzessioun F.: «Hubertusprozession» — Jedes Jahr, oder auch jedes zweite oder dritte Jahr, pilgern aus einer Reihe von Dörfern des Öslings mehrere Personen (traditionsgemäß ein Mitglied aus jeder Familie) im Namen der ganzen Ortschaft iwer déi al Weën nach Saint-Hubert. Termin, je nach der Ortschaft, meist verschieden: Fronleichnam, Urbanstag (25. Mai), Samstag vor dem 1. Juli. Auch die Veranlassung wird verschieden angegeben: Verwüstung durch Naturgewalten, Viehseuche, Tollwut. Hingegen besteht volle Übereinstimmung über das in St.-H. niederzulegende Opfer, d. i. den Erlös, der vor Beginn der Wallfahrt in öffentlicher Versteigerung aus dem eintägigen Ertrag des Dorfes an Milchprodukten erzielt wurde (so wenigstens bis zum ersten Weltkrieg). Hieraus ergibt sich der Zusammenhang mit den mittelalterlichen Bannprozessionen (cruces bannales od. crois ordenoses genannt) nach St.-H., die nach einer päpstlichen Bestätigungsbulle aus dem Jahr 1139 auch von den Dörfern des Dekanates Bastogne unternommen werden mußten, die ursprünglich zu der genannten Opfergabe auch noch ein Brot aus jedem Haushalt hinzuzufügen verpflichtet waren. — Erwähnt sei auch die sog. grouss H. die, am Freitag nach Christi Himmelfahrt von Lendersdorf bei Düren (Rheinland) ausgehend, den äußersten Norden des Großherzogtums durchzieht, wo sie am folgenden Sonntag in Oberbeßlingen Halt macht. Dort schließen sich eine Reihe Luxemburger Pilger an. Es handelt sich um eine Gründung der Hubertusbruderschaft von Lendersdorf. Der Brauch ist 1534 zuerst dokumentarisch belegt; -schlëssel M.: «wundertätiger Schlüssel des hl. Hubertus» (eigtl. Eisenstift mit breitem Kopf, auf welchem ein Jagdhörnchen eingegraben ist; zum Schutz gegen tolle Hunde getragen oder zum Brennen des Hausviehs verwandt — ältere Form, dem Grundwort entsprechend, ein Schlüssel); -weier M.: «Hubertusweiher» — FN. zwischen Burglinster u. Schwachtgesmühle (an der Stelle eines abgegangenen Weihers, der Sage nach gesegnet, in den tollwütiges Vieh hineingetrieben wurde).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut