LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Haupeschmëss bis Haushond (Bd. 2, Sp. 120b bis 122a)
 
-mëss M.: «Hubertusmesse» (in Munshausen, Senningerberg u. Beforter Kläuschen); -prëzessioun F.: «Hubertusprozession» — Jedes Jahr, oder auch jedes zweite oder dritte Jahr, pilgern aus einer Reihe von Dörfern des Öslings mehrere Personen (traditionsgemäß ein Mitglied aus jeder Familie) im Namen der ganzen Ortschaft iwer déi al Weën nach Saint-Hubert. Termin, je nach der Ortschaft, meist verschieden: Fronleichnam, Urbanstag (25. Mai), Samstag vor dem 1. Juli. Auch die Veranlassung wird verschieden angegeben: Verwüstung durch Naturgewalten, Viehseuche, Tollwut. Hingegen besteht volle Übereinstimmung über das in St.-H. niederzulegende Opfer, d. i. den Erlös, der vor Beginn der Wallfahrt in öffentlicher Versteigerung aus dem eintägigen Ertrag des Dorfes an Milchprodukten erzielt wurde (so wenigstens bis zum ersten Weltkrieg). Hieraus ergibt sich der Zusammenhang mit den mittelalterlichen Bannprozessionen (cruces bannales od. crois ordenoses genannt) nach St.-H., die nach einer päpstlichen Bestätigungsbulle aus dem Jahr 1139 auch von den Dörfern des Dekanates Bastogne unternommen werden mußten, die ursprünglich zu der genannten Opfergabe auch noch ein Brot aus jedem Haushalt hinzuzufügen verpflichtet waren. — Erwähnt sei auch die sog. grouss H. die, am Freitag nach Christi Himmelfahrt von Lendersdorf bei Düren (Rheinland) ausgehend, den äußersten Norden des Großherzogtums durchzieht, wo sie am folgenden Sonntag in Oberbeßlingen Halt macht. Dort schließen sich eine Reihe Luxemburger Pilger an. Es handelt sich um eine Gründung der Hubertusbruderschaft von Lendersdorf. Der Brauch ist 1534 zuerst dokumentarisch belegt; -schlëssel M.: «wundertätiger Schlüssel des hl. Hubertus» (eigtl. Eisenstift mit breitem Kopf, auf welchem ein Jagdhörnchen eingegraben ist; zum Schutz gegen tolle Hunde getragen oder zum Brennen des Hausviehs verwandt — ältere Form, dem Grundwort entsprechend, ein Schlüssel); -weier M.: «Hubertusweiher» — FN. zwischen Burglinster u. Schwachtgesmühle (an der Stelle eines abgegangenen Weihers, der Sage nach gesegnet, in den tollwütiges Vieh hineingetrieben wurde).
 
Haus (lok. phV. cf. Ltb. 79, Pl. Haiser — Dim. Hais-chen, s. d.) N.: 1) [Bd. 2, S. 121] «Haus, Wohngebäude» — Spww.: Un al Haiser an un al Huesen as ëmmer ze flécken (an alten Häusern u. alten Strümpfen ist immer zu flicken) — Keen H. ouni Maus (häufiger Zus.: kee Biedelmann ouni Laus — jedermann hat seine Plage) — Dee wëllt wunne reng, dee bleif a séngem H. eleng (im Dat. wird H. kurz gesprochen) — 't as keen H. esou kleng, et huet säi Kräiz eleng; Raa.: en as (huet) mer d'H. ausgelaf (um einen Gefallen zu begehren) — ech hun d'ganzt H. ausgesicht, awer ech hun näischt font (ich habe gründlich gesucht) — e kéiert d'H. op d'Kopp (idem) — ech hätt en H. op e gebaut (als Ausdruck vollsten Vertrauens) — du kënns mer nët an (bannen) d'H. — du bleifs mer schéin aus dem H.! — d'H. verléiert näischt (cf. verléieren) — si hun em d'H. iwwert dem Kapp verkaf, ugestach, ofgerappt . . . — en hält säin H. propper — 't as ee (Maanskärel) wéi en H. — grousst Haus: zu Ettelbréck as nach e grousst H. (Anspielung auf die Ettelbrücker Irrenanstalt, um anzudeuten, daß jem. geistig nicht normal scheint), dagegen in Echt.: grusst H. = das frühere St. Georgsstift nördlich der alten Pfarrkirche, später nach Howelek verlegt und neu errichtet, steht unter eigener Verwaltung (d'Spidoolshäieren) und unter der Kontrolle von Gemeinde und Staat (in Echt. heißt es demgemäß: e kënnt an d'grusst H. «er kommt ins St. Georgsstift») — folklor.: wann en neit H. gebaut gët, da geet een eran (Geburt) oder (lok. an) een eraus (Sterbefall) — wann een en neit H. gebaut huet, da soll een dat éischt Joer säi Feind dra wunne loossen, dat zweet Joer säi Frënd, an eréischt dat drëtt Joer soll ee selwer dra goën — e Jong ewéi eng Fauscht (s. d.) packt e Meedche wéi en H., e Meedche wéi eng Fauscht meeschtert e Jong ewéi en H. — im Plur. zur Maßbezeichnung: géi dräi Haus weider, sogar: dat Duerf huet nëmmen dräi Haus (hier auch neben Haiser); 2) «Haushaltung, Haushalt» — si féieren e grousst H. (neuerdings auch: e groussen Train) — si hale keen H. op (sie empfangen keine Gäste) aber auch: déi Fra weess nët H. opzehalen (die Frau versteht nicht hauszuhalten) — 't as nët méi gutt (liicht) H. ophalen — mat däm as nët méi H. opzehalen (es ist nicht mit ihm auszukommen — Ösl.) — dat as H. opgehalen (wenn zwei miteinander streiten, die zu einer Familie, einem Haus gehören); 3) im bes.: «Bauernhaus» — häufig in Verb. mit Haff (s. d.); 4) «Hausinsassen, Familie» — en as aus engem gudden H. (aus guter Familie) — d'ganzt H. weess et, war op de Been u. ä.; 5) «Firma, Kauf-, Gasthaus» — da's e gutt H.; 6) «Auge eines Hammers, einer Axt, einer Hacke, wodurch der Stiel gesteckt wird» (cf. hierzu auch Hais-chen) —Ablt.: Gehais N.: «Gehäuse» (wie hd.) — gelegtl. auch übtr.: elo rabbelt et am G. (jetzt setzt es Prügel) — en as nët méi liwwereg am G. (er ist nicht mehr im vollen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten).
 
Haus- / haus- -aarbecht F.: «Hausarbeit» (nämlich: die im Hause zu verrichtenden Arbeiten, im bes.: die Arbeiten der Hausfrau) — 't as gutt fir déi graff H. (von einem Dienstmädchen); -aarm Adj.: «heimlich arm»; -af M.: «Hausaffe, absonderlicher Hausgenosse»; -apdékt F.: «Hausapotheke»; -arrest M.: «Hausarrest»; -är(en) M.: «Hausflur»; -baken Adj.: «hausbacken» — im bes. in der Verb.: hausbake (neben hausgebake) Brout N.: «im Hause selbst gebackenes Brot» (im Gegs. zum Bäckerbrot — cf. Bauerebrout); -dauf F.: «Haustaube» (im Gegs. zu: wëll Dauf, Bësch-, Felddauf, Raz); -déier N.: «Haustier» (bisw. mit dem Nebensinn: «gerne im Hause weilendes Tier») — dem Noper säin Hond läit ëmmer dobaussen, eisen as dat rengsten H.; -deiwel M.: «Hausangehöriger, der die übrigen Familienmitglieder quält» — Kiirchenengel, H. (cf. auch Gaassenengel); -denn M.: «Hausflur aus festgetretener Erde»; -dir (Ton: gew. 2, im Ggs. auch 1) F.: «Haustüre» — komm du nach eng Kéier bei (laascht) eis H. pissen (drohende Abweisung) — du hues d'H. an d'Gaardendir opgelooss; -dokter M.: «Hausarzt»; -draach M.: «böses Eheweib»; -dronk M.: «Hausgetränk» (cf. Dronk sub 2); -éier F.: 1) «Ehrenerweisung im Hause, Gastrecht in überkommenen Formen» — si hu mer d'H. ugedoën (sie haben mich an der Schwelle empfangen und zur Schwelle zurückgeleitet) — iron.: wéi en d'Schnëss net gehalen huet, du hun ech em d'H. ugedun [Bd. 2, S. 122] (ich habe ihn über die Schwelle gejagt); 2) iron.: «Ehefrau» — elo kënnt méng H.; -flouer M.: «Hausgang»; -fra F.: «Hausfrau» — dat Kand gët eng gutt H., da's eent ewéi eng H.; -frënd M.: «Hausfreund» (auch iron.); -fridd M.: «Hausfrieden»; -gank M.: «Hausflur» — den H. as fiicht, 't gët Reen (weitere Raa. cf. Gank sub 4) — e war esou schei, e koum an den H. an e blouf do stoën; -gääscht M.: «Hausgespenst» — (gelegtl. auch im guten Sinn); -gebrauch M.: «Gebrauch im häuslichen Kreis» — dat as nëmme fir den H.; -geck M.: «anspruchsvoller, kleinlicher Hausangehöriger» — du bas (d)e gellegen H. (cf. auch -nar); -halen intr. Verb.: «haushalten» — dafür lok.: Haus ophalen; -halt M.: «Haushalt» — den H. dat géing nawell, ma d'Ëmkäschten sin zevill; -haltongsschoul F.: «Haushaltungsschule»; -hältesch, -hälterin F.: «Haushälterin» — dazu die Ablt.: haushälteresch Adj.: «haushälterisch» — dat as de Rescht Ueleg, géi méi h. (spuersem) dermat ëm!; -héich Adv.: «haushoch» — mir sin h. gewonn; -här M.: 1) «Herr des Hauses, Hausvorstand»; 2) bisw.: «Hausbesitzer» (wofür meist -määschter — s. d.); -hond M.: «Haushund»;

 

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