LWB Luxemburger Wörterbuch
 
hä, hee bis Hääsch- (Bd. 2, Sp. 124b bis 126a)
 
hä, hee Interjekt.: 1) Anruf — worauf gelegtl. die spaßh. Antwort erfolgt: as kee Stréi (anspielend auf das Subst. Hä, Hee «Heu») — hä, gäs d'eraus elo!; 2) meist unwillige Antwort auf einen (unhöflichen) Anruf; 3) Ausruf des Spottes (oft verdoppelt): hä hä (kurz), en huet d'Meedchen nët kritt — hä, laach en (et) aus! (mit der Geste des «Rübchenschabens») — hä, déi Éiner am Lach!; 4) barsche, unfreundliche Rückfrage (kurz abgehackt hε, meist nasaliert hẽ hẽ) = frz. «hein».
 
Hä, Hee (Echt. hA·u, hAi, Nösl. hAi) F.: «großer Holzhammer, Schlägel» — im allg. dafür meist das Komp.: Holzhä.
 
Hä, Hee (Ostrand ha·i Nösl. hAi) N.: «Heu» — Spww.: Wann d'H kräischt, da laacht d'Huewer (wenn es beim Heumachen regnet, so gedeiht der Hafer — Erkl.: wann et keen H. gët, da gët et alt Huewer) — Geschnidden Holz a gerappten H. fënt geschwë säi rechten Här (wird gern gestohlen) — Laang H. a wéineg Mëllech (Heu aus hochgewachsenem Gras hat wenig Nährwert) — Wien am H. nët guewelt an am Kar nët struewelt, am Hierscht nët fréi opsteet, dee ka kucke, wéi et de Wanter geet — Mat der Zäit mécht een H. (Geduld bringt Rosen) De Wollef frësst keen H. (sonst: verléiert séng Naupen nët) — Raa.: H. maachen (heuen), opmaachen (auf Haufen bringen), opgin (auf den Wagen reichen), trëppelen (auf dem Heuspeicher festtreten), rappen (die tägliche Futterration aus dem Schober reißen) — mer sin am Hä, mer gin an d'Hä — laf nët (esou), mer gi jo nët an d'H. (Anspielung auf die Eile, mit welcher das Heu eingebracht werden muß, soll die Ernte nicht verregnet werden) daher ähnlich: 't mengt een, du géings an d'H. (zu jem. der sich allzusehr beeilt) — hie mécht mer d'H. fir de Grumm (er erhält die Nachmahd als Lohn für die Mäharbeit, die er mir beim ersten Grasschnitt leistet) — d'H. schweesst (bei ungenügender Dürre), entbrennt (Selbstentzündung des gelagerten Heues) — d'H. as esou dir, datt et rabbelt — eng Rafecht H. (eine Futterration) — abweisend, ablehnend: da géing ech awer nach léiwer H. friessen — en huet Geld ewéi H. (im Überfluß)[Bd. 2, S. 125] e geheit alles durcherneen ewéi H. a Stréi.
 
Hä-/Hee- -bau (lok.) M.: «Heuboden»; -béckel (lok.) M.: «mit Heu gefüllter Stoffball», auch einfach Béckel (für Stoffball); -beschësser M.: «leichter, unerwarteter Regen zur Zeit der Heuernte» — dies nur lok., dafür meist: -verschësser M.; -blummen Pl. F.: «ungereinigter Grassamen» (von der Volksmedizin zu Heilzwecken, bes. zu Bädern und Aufschlägen gebraucht) — als Viehfutter gelegtl.: H. mat engem Gräppche Salz awer ouni Stëbs; -gafel (lok. -guewel, Ton: 2) F.: «Heugabel» (mit zwei oder drei Zinken) — hie bléif op der Strooss (baussent dem Haus), a wann et géif Heegafele renen, a wann Heegafele féilen, tréilen (ähnl.: Pickelen an Hägafelen, Hägafelen an al Fraën — «trotz heftigen Regens»); -geck M.: «leiterähnliches Gestell am Vorderwagen» (s. Geck sub 4/b); -gelädert Verbadj.: «mit Heuleitern versehen» (vom Heuwagen) — e ganzen heegelederte Won voll (sehr viel); -happ M.: «Heuhaufen, Wintervorrat an Heu auf der Tenne» (Ösling); im Gutland dafür: -knapp (s. d.); -hauscht M.: «Heuhaufen, Heuvorrat»; -jupp M., in der Ra.: H. spillen (ein Spiel der Kinder beim Festtreten des Heus auf dem Schober); -knapp (lok. -klapp) M.: «Heuhaufen auf der Tenne» (so im Gutland — im Ösling eher -happ) — Spw.: D'Welt as en H., deen am meeschten dru rappt, deen huet am meeschten — Ra.: e geet op den H. schlofen (im bes.: er hat es bei der Ehefrau verdorben); -krop M.: 1) «Heuhaken (mit dem das festgetretene Heu zur Futterration aus dem Heeknapp herausgerissen wird)» — den H. huet ëmmer misse fest am Häknapp agestach sin (weil gefährlich — heute weniger gebräuchlich); 2) im Pl. übtr.: «Krakelfüße beim Schreiben» (bes. bei Anfängern — s. Héngerkreep). -läder F.: «Sprossenleiter am Heuwagen» — dafür auch Summerläder; -maart M.: «Heumarkt auf dem Glacis in Luxemburg»; -mount M.: 1) «Juli» — 't as Wieder wéi am H. (schönes Wetter) — ganz allg. heißt es: wéi am H. (wie gewünscht); 2) «Heuernte» — déi Befërter hu keen H. (weil es auf dem Beforter Bann sehr wenig Wiesenland gibt) — d'Oktav as de Stater hiren H.; -schapp M.: «Verschlag zum Aufbewahren von Heu» — aber: e Schapp Hä «ein Büschel Heu», wofür lok. Nösl.: Schwapp; -som M.: «Heusamen» (im Ösl. wird der Pl. Haisomer statt gemeinlux. Heeblummen gebr.); -späicher M.: «Heuspeicher»; -sprénger, -spronk M.: 1) «Heuschrecke» (dafür im Süden auch Hippert) — en huet Been ewéi en Heesprénger (sehr hagere Beine); 2) «dünner Mensch»; 3) «kleine Drehknarre der Klibberjongen in der Karwoche» (= Garr I); 4) spaßh.: «Einwohner von Hesperingen» (s. Hesper) — eine volkstümliche Erklärung behauptet, ein des Ortes unkundiger Missionsprediger habe seine Predigten mit der Anrede «Meine lieben Heespringer» begonnen; -stack M.: lok. für -happ, -knapp (s. d.); -wieder N.: «sonniges, trockenes Wetter, wie es zur Heuernte günstig ist»; -wo F.: «Heuwaage»; -won M.: «Heuwagen, Leiterwagen zum Heueinbringen» — engem Vollert geet en H. aus dem Wee (cf. Fudder); -wuerm M.: «Heuwurm» (an der Mosel: Häworrem) — Räupchen des Traubenwicklers; sucht zur Zeit der Heuernte die Rebenblüten heim; das Räupchen der zweiten Generation tritt im August als Sauerwuerm an den jungen Beeren auf — dafür meist einfach: Mued.
 
häädnesch, heednesch Adj.: 1) «heidnisch»; 2) «gewaltig» — eng h. Freed; 3) adverbial: «sehr» (superlativisch) — e verdéngt h. vill (hädevill) Geld (= en Hädegeld — cf. Häd, Heed).
 
Häänz, Heenz M.: 1) männl. Vorn. — Var. zu Heng (s. d.); 2) sprichwörtl. Persönlichkeit in den spaßh. Raa.: hues de den (alen, rouden, blannen) H. nët kannt? (abweisend), häufig mit einem erklärenden Zus.: en hat eng Nues ewéi e Patt, oder: deen huet sech sénger Saache gekëmmert, an dee gouf en ale Mann (an 't gounge vill Leit mat sénger Läich); als Bestimmungswort in Ortsbezeichnungen: Häänzebierg, Häänzepark.
 
Hä-äppelcher (bes. in Echt. als Haiepelcher belegt) Pl. M.: «Mehlbeeren» (rote Früchtchen des Weißdorns) — gewöhnl. dafür: Millebieren, Hobizen, [Bd. 2, S. 126] Millebizen (-buzen), Munsebunselen u. ä.
 
hääpst, heepst (lok. Nösl. héipst) Adj.: «höchst, oberst» (Superlativ zu haapt — s. d.) — ech war bei där Hääpster än aus der Stad (zu einer einflußreichen Persönlichkeit) — da's dat Heepst (= d'Haap(t)saach; lok. dafür auch: d'Haapst, den Haapst).
 
Hääpsten, Hääpster M., Hääpst(esch) F.: «Anführer(in), Chef(in)» — lok. gelegtl. Heepter, där Hobisten än (Echt.).
 
Häärchen, Häerchen M.: Dim. zu Här (s. d.), im bes.: 1) «Ehrentitel des begüterten, alten Bauern» — dazu die Abl.: Häärchesgutt N.: «Bauern-, Herrengut» in der Ra.: hie verfréiss H. — en as ëm Häierchesgout komm (Echt.); 2) verallg.: «Hausherr, Großvater», oft mit dem Hausnamen verb.: Schmitts H.; 3) «Ehemann» (im Gespräch mit der Ehefrau) — a wéi geet et dann dem (ärem) H.?; 4) allg.: «ländliche Anrede» — wéi geet et dann, H.?
 
Häerchesbauer (lok. auch Äerches-) M.: «Herrenbauer» (häufiger Hausname begüterter Bauern — cf. etwa R. IX/86, 90).
 
Hääsberhaff Hofn.: «Heisburger Hof» (in der Gem. Bous).
 
Hääsch-/Heesch- (Hiesch)brech (lok. auch -borreg) ON.: «Hersberg» (Weiler bei Altrier) — Wallfahrtsort der Muttergottes zur Eiche (angerufen von unfruchtbaren Frauen, daher volksetymologisch zusammengebracht mit hääschen/heeschen II (s. d.)) — Gem. Bech, Kant. Echt. — 272.

 

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