LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Hädeblumm bis Häerd (Bd. 2, Sp. 127a bis 128b)
 
-blumm F.: 1) «Strohblümchen» (bot.); 2) gelegtl. für «Enzian»; -grond M.: «Humuserde» (= Bëschbuedem); -kraut M.: «Heidekraut» — (s. Häd 2).
 
Häd, Heed (lang) M.: «Heide» — 't as nach en H. (ungetauftes Kind) — gängige Bez. der Römer in der Sage.
 
Häde(n)-/Hede(n)- (in vielen Komp. in der Bed.: «gewaltig, riesig») -aarbecht F.: «schwierige, langwierige Arbeit»; -angscht F.: «große Angst»; -älter M.: «Heidenaltar» (gelegtl. als Flurn.); -bierg M.: «Flurbezeichnung bei Waldbillig»; Zussetz.: Hedebiergsmännchen M.: «Berggeist aus dem Hedebierg»; -geld N.: «übermäßig viel Geld» — dee Bouf huet mech schon en H. kascht — déi Affär huet em en H. abruecht; -hais-chen N.: «Heidenhäuschen» — FN.: op dem H. bei Wahlhausen (der Sage nach eine unterirdische Wichtelwohnung); -kand N.: «Heidenkind» — ech kafen en H. (heißt es, wenn ein Schulkind Briefmarken, Stanniol u. ä. zugunsten der Missionen sammelt); -kapp M.: «römische Münze mit Kaiserkopf»; -kar (lok. Heide-, Hädde-) N.: «Heidekorn, gemeiner Buchweizen» — dafür weitgehend einfach: wëll Kar (Kurzform Wëllker); eine bes. ertragreiche Abart heißt geckegt H. oder einfach de Geck; dagegen: wëll H. «Heckenknöterich», gënzen od. gréng H. «tatarischer Buchweizen»; -karpaangech M.: «Heidekornpfannkuchen» — der kritt et nët fir e H. (Wëllkeschpaangech) (nicht für vieles); -kiirch F.: «Heidenkirche» (beliebte Bezeichnung alter Kirchen, die der Volksglaube auf einen römischen Tempel zurückführen möchte), im bes.: 1) Flurn. bei Heiderscheid — lok. Sage: an der Krëschtnuecht lääft bei der Häddekiirch Wäin; 2) volktüml. Name der Kirche von Rindschleiden (der Sage nach stürzte der hl. Willibrord dort die Götzenbilder und bekehrte die Heiden zum Christentum); -klatz (-kloaz lok. Grevenmacher) F.: «dicke Gartenerdbeere» — s. Kloazberen; -lach N.: «Heidenloch» (lok. auch im Pl. gebr.) — häufiger Flurn., der mit dem Fund römischer Münzen u. altertümer zusammenhängt (so etwa zwischen Beles u. Esch a. d. Alz., zwischen Niederdonven und Machtum); -méi F.: «große Anstrengung» — e gët sech eng H. (meist vergeblich); -schlass N.: «Heidenschloß» — mehrfach von der Sage lokalisierter Flurn. (so etwa bei Itzig, Vichten); -spektakel M.: «Heidenlärm»; -stän, -steen M.: 1) «einzelner Felsblock im Gelände, Findling» (als [Bd. 2, S. 128] römischer Altar angesehen, cf. Deiwelsälter bei Diekirch); 2) -stengercher «Steinwürfelchen, aus römischen Mosaikfunden herrührend»; -tom M.: «Heidentum»; -wee M.: «Römerweg» — s. Kiem.
 
häder-/heder- (superlativisch — eigtl. «heiter») -haart Adj.: «hell und laut» (bes. vom Weinen) — ähnlich: lauden-, leinenhaart; -tréinen Pl. F.: «helle, dicke Tränen», in der Ra.: 't huet H. (an den Himmel) gekrasch.
 
Häd(schëft), lok. -schoft, -schënt, -schëf M.: «Ansammlung» (bes. von Menschen) — en hat dee ganzen H. Kanner mat op d'Kiirmes bruecht — den H. Leit hätt der misse gesin (diesen Menschenauflauf).
 
Häd-/Hedecht, -éng, -egen (lok. Ost. -igen, bisw. Hoadicht) F.: «Kopfende des Ackers, Ackerrand an den beiden schmalen Seiten, Feldscheide» (s. Uwänner) — Abl. zu Hät, Heet (s.d.).
 
Hädel, Hedel (lok. Osten Heidel) M.: «Kamm des Ackers, Ackerrücken».
 
Häden, Heden ON.: «Heyden» — Dorf in der belg. Prov. Luxemburg — dafür auch Prommbierg.
 
Häd(e)rouf M.: «Hederich» — (s. Sinnef).
 
häderen, hederen intr. Verb.: «Köpfe bilden» (von Pflanzen, etwa Kohl, Salat) — fir Schueberdag muss de wäisse Kabes h., soss gët et keen — d'Zalot hädert, mécht Häder, geet an d'Heder; dazu die Abl.: Häderzalot F.: «Kopfsalat» — zu Hät, Heet (s. d.).
 
Hä(e)r (lok.) M.: «Reiher» — etwa in Rosport: déi Fënter Hären (die Reiher des Fënter Waldes) — s. Räer.
 
Häerchen, Heërchen (Echt.: Häierchen) N.: « Härchen» — e fënt iwwerall en H. an der Zopp — nach en H. do war et geschitt (noch ein wenig).
 
häercheskleng, häerchesno Adv.: 1) «haargenau» — en huet mer alles h. (Hoer a Kleng) verzielt; 2) «auf ein Haar» (op en Hoer).
 
Häerd (Stadtlux. Hierd) F.: 1) «Herde» — A jidder H. as e raudegt Schof — Raa.: 't as keng H. mat em ze hidden (sonst meist: 't si keng Schwäi mat em ze hidden «man kommt schlecht aus mit ihm») — d'H. geet aus — de Schwéngert geet, kënnt mat der H., dreift d'H.; 2) «Menge, Ansammlung, große Anzahl» — d'Fra huet eng H. Kanner — wann ech esou al géif wéi méng Mamm, dann hätt ech nach eng H. Joeren ze liewen — en hat eng H. Uursaachen — eng H. Mol (sehr oft) — eng H. Leit; 3) «Mehrzahl, Durchschnitt» — wéi gesäit en aus? O, e geet alt mat der H. mat virun (er sieht aus wie die meisten Menschen) — auch: e geet mat der H. (er tut wie die andern, Durchschnittsmensch).
 
Häerd (Hierd, dies bes. Stadtlux.) M.: «Herd, Feuerstelle» — Wat schléit een Iech ze H. (was kann man Ihnen zum Essen anbieten?) — Echt.: holl e Brand voam Häerd a schlo him en op de Koap!

 

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