LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Häerzklappen bis Häicher (Bd. 2, Sp. 129b bis 130b)
 
-klappen N.: «Herzklopfen» — ech hun H. krut (Schreck, Anstrengung, Spannung, Aufregung . . .); -kraitchen (auch als Hiirtskraitchen verstanden u. erklärt) N.: «Hirtentäschel, Capsella bursa pastoris» (dafür auch Gänsekäerz), früher vielfach als herzstärkend zu Aufgüssen verwendet; -kränkt (lok. auch Häerze-) F.: 1) «tödliche Krankheit, hitziges Fieber» — im Ösling bes.: «Lungenentzündung»; 2) iron.: «Liebschaft» (cf. -feler) — en huet d'H. (er ist verliebt); -kummer (lok. auch Häerze-) F.: 1) «Herzkammer» — en huet sech d'H. lassgefall; 2) das Dim. an der Häerzkimmerchen «im Innersten des Herzens»; [Bd. 2, S. 130] -lech Adj.: 1) «von Herzen kommend, gut» — si ware ganz h., wéi ech bei se goung — 't deet mer h. (= vun Häerze) leed — en häerzlecht Këndchen; 2) neol. als Adv. gebr.: «sehr» — 't läit em h. wéineg un där ganzer Saach — dazu die Abl.: -lechkät, -keet F.: si waren eng H. an elauter (cf. auch Ääschtlechkät); -oder F.: «Arterie» — 't as em eng H. geplatzt; -schlag M.: «Herzschlag», u. zwar: 1) «Bewegung des Herzens» — 't geet mat em zu Enn, den H. geet nët méi richteg, setzt aus; 2) (Ton: 2) «Schlaganfall» — e krut en H.; -téi M. = Hälriefkraut (s. d.); -trouscht M.: 1) «Herzenstrost»; 2) übtr.: a) «Melisse, Melissa off.»; b) «Melissengeist, Melissenwasser»; c) «großes Glas Branntwein» (eng grouss Drëpp — fir d'Fraën éischter eng Taass schwaarze Kaffi); -waasser N.: 1) «Herzbeutelwassersucht»; 2) «aufstoßende Säfte beim Sodbrennen»; -wéi M. (N.): «Herzweh» (med.) — cf. dagegen Häerzeleed, Häerzewéi: -wuurzel F.: 1) «Pfahlwurzel» — d'Fiichten hu keng H., do lafen d'Wuurzelen iwwert de Buedem 2) übtr.: «Ausbund» — in der Ra.: en as d'H. (vun) der Aarbecht (cf. Äärdwuurm).
 
Häerzelchen, Hierzelchen M.: «Tränendes Herz, Diclytra spectabilis».
 
häerz(el)eg Adj.: «herzig» — wéi h.!
 
Häerze(n)- / häerze(n)- -dout Adj.: «ganz tot» — ech hun d'Schnepp opgeraf, se war awer nach nët h.; -fräd, -freed F.: «tief empfundene Freude»; -grimmelchen F.: Kosename — ähnlich in mannigfacher Abwandlung mit anderen Grundwörtern: -rousenengelchen, -wuurm usw.; -läd, -leed N.: «Herzeleid» — Holz an H. wiisst all Dag; -loscht F.: «Herzenslust» — neuerdings: Häerzensloscht; -péng F.: «Herzschmerz» (nur eigtl. — anders das folg.); -wéi N.: «Herzeleid»;
 
häerzen Verb.: 1) trans.: «umarmen, liebkosen» — häufig: h. a këssen — dazu die Abl.: Gehäerz N. — 't war e G. ouni Enn; 2) intr.: «Sympathie, Verständnis, freundschaftliche Gefühle hegen für» — mir hun zu där Fra gehäerzt, esoulaang wéi se gelieft huet — se h. zouenän; 3) unpersönl.: a) «gefallen» — et häerzt nët méi (ich habe keine Freude mehr daran); b) «zu Herzen gehen» — 't häerzt nët esou, wéi wann et déi äge Kanner wieren (d'Häerz schwätzt nët) s. gehäerzt.
 
häerzensfrou Adj.: «von Herzen froh».
 
häerzensgutt Adj.: «herzensgut» — dat war en häerzensgudde Kärel.
 
Häerzeg (lok. Hierzeg) ON.: «Hachy, Herzig» — westlichster deutschsprachiger Ort der belg. Provinz Luxemburg, Arrondissement Neufchâteau — B 29; H. (mit Anklang an Häerz «Herz») as nët wäit vu Mäerzeg (Anklang an spaßhaftes Mäerzeg als Merci «danke») gelegtl. Zus.: a vu Fälen (s. d.).
 
häfeg, hefeg Adj.: «häufig»; Abl.: Häfegkät, -keet F.
 
Häfel-, Hefelplou M.: «Häufelpflug» — dafür lieber: Ho(och), Hok (s. d.).
 
häf(el)en, hef(el)en (Echt.: /hO·ufən, Nordösl.: hofen, lok. häffen) trans. Verb.: «häufeln» (bei z. B. Kartoffeln, Bohnen usw. die Erde lockern und anhäufeln); im allg. wird h. gebraucht für das Häufeln in Feld und Garten mit Häl (s. d.) oder Hooch (s. d.) in der Hand, im Gegs. zu héichen auf dem Feld mit Pferd und Häfelplou — dafür auch: héi(ch)en, hoken, hoochen.
 
Häichel I M.: «Butterfaß» (neben Bäichel — s. d.) — esou héich ewéi en H.
 
Häichel II, wofür lok. auch Häichtel, Hiichtel (Nösl. Hitel) M.: urspr. «Gras-, Heubausch, -garbe» — im allgem. wie Häicher I (s. d.).
 
häichelen I intr./trans. Verb.: «Butter machen» (dafür meist rompen oder bäichelen — s. d.) — zu Häichel I.
 
häichelen II (Wb. 06) intr./trans. Verb.: «heucheln» (dem Hd. nachgebildet) — dazu häicheleg Adj., Häichelei F., Häicheler M. (alle Wb. 06) — bisw. dafür auch: häächelen, heechelen (ähnlich nachgebildet — dafür: sech vermaachen, sech de schéine Männche maachen usw.), bisw. auch: Gehäichels N.
 
Häicher I (neben Häichel) M.: 1) «Strohwisch, Garbe» (in dieser Bed. dafür auch Häichtel, Hiichtel, Hitel) — bei guddem Wieder gët d'Huewer op Häichele gesat (in losen unter den Ähren gebundenen Garben); 2) «Behälter aus Strohgeflecht» — in dieser Bed. dafür weitgehend Bounebengel oder Mäicher (s. d.) vorgezogen; 3) «Untersatz des Bienenkorbs»; 4) veralteter [Bd. 2, S. 131] Erntebrauch: «letzte Garbe beim Dreschen, die ohne den gewohnten Dreschertakt ausgedroschen wurde zum Zeichen für den Bauern, daß er eine Stärkung bereitzuhalten habe» — si dreschen den H.; 5) «halbwüchsiger, kleiner Bube».

 

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