LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Hät, Heet bis Heckekläpper (Bd. 2, Sp. 139b bis 141a)
 
Hät, Heet (Pl. Häder, Heder) N.: 1) «Haupt» — nur noch sprichwörtlich: Den Houfert an d'Dommheet kommen aus engem H. (mit Anspielung an die sub 2) behandelte Bed.) — ähnlich: Vill Heder, vill Kabes (vill Huese, vill Gespréngs — tot capita, tot sensus) — veraltet in adverbialer Funktion: an d'H. (trifft sich mit frz. en tête — cf. antät) iwwer H. (kopfweise, oder in globo), etwa en huet de ganze Stall iwwer H. kaaft, en as d'Aarbecht iwwer H. ugaangen, e krut d'Aarbecht iwwer H. verlooss (in dieser Bed. gelegtl. auch iwwerhäden — cf. Akkuerd, dafür bisw.: am Ganzen); 2) «Kopfbildung des Gemüses» (beim Salat, Kohl, Sellerie) — de Kabes geet an d'Heder (cf. auch die sub 1) erwähnten Spww. — sowie Häderzalot); 3) «Samenkapsel des Flachses» (nur im Pl.) — im Nösl. dafür das Komp.: Léngheet.
 
häs, hees (he·s halblang) Adj.: «heiser» — eng h. Stëmm — h. an der Strass — ech hu mech h. geschwat, an et huet mer nët nogelauschtert — schwätz dech nët h.(well et huet kee Wäert).
 
Häser(t), Heser(t) M.: «Heiserkeit» — en huet (d)en H. — ech gi ménges (mäin) H. nët lass.
 
Hätsch F.: «Unke» (cf. Rh. Wb. «Hütsche» III/1045) — veraltet (daher meist Onk — s. d.), heute meist nur in Ortsbezeichnungen (in denen es sich zum Teil mit lok. Var. zu «Hecke» trifft).
 
Hätsche- -bagaasch M.: = Heckebagaasch; -bierchen M.: «Unkenbrunnen» (so belegt in Heiderscheid); -gaass F.: «Unkengasse» (so etwa in Arlon und Grosbous — hier wohnten meist ärmere Leute) — es heißt auch einfach: si wunnen an der Hätsch douewen (am Rande des Dorfes, in einem verlorenen Nebengäßchen); -gezei N., -pak M.: «gemeines Volk» (wie es in der Hätsch, Hätschegaas wohnt — cf. aber auch Heckepak).
 
hätschelen trans. Verb.: «liebkosen». [Bd. 2, S. 140]
 
Hätten fiktiver ON., ähnlich Haten (s. d.), mit dem es in Raa. zusammengenannt wird — en as vun H. (er möchte gerne haben, besitzt aber nichts) — Anklang an reale ONN., etwa: Hetten, Hitten, daher werden Wunschträume lok. abgetan mit der Ra.: Hätten, Hitten, Haten (cf. sub Hetten, Hitten).
 
Hechel F.: 1) «Hechel» — de Fluess gët duerch d'H. gezunn — übtr.: si hun en an d'H. geholl (sie haben mißgünstig über seine Fehler gesprochen) — folkl.: den Husijer (s. sub Houseker) hëlt d'Kanner op d'H. (Echt.) — Vergleich: s. sub gouereg; 2) «boshaft klatschsüchtiges Weib».
 
Hechelei F.: «mißgünstige Nachrede».
 
hechelen trans. Verb.: 1) «hecheln» — die gebrochenen (s. Briech) und geschwungenen Flachsfasern werden durch die Hechelen gezogen, darnach unterschied man 3 Sorten von Fasern: d'Hoer (die ganz feinen), d'Ëspen, Ospen (die gröberen) und d'Oseken (die sehr groben); 2) «mißgünstig besprechen»; Abl.: Gehechels N. (bes. sub 2) = Hechelei.
 
Hecheler M., Hechelesch F.: 1) «Arbeiter(in), der (die) den Flachs hechelt»; 2) übtr.: «jem., der üble Nachrede führt (und dadurch Streit zu stiften versucht)».
 
Hechelkamp-, -kämpchen M.: 1) «kammartiges Gerät zum Hecheln» (zum Entfernen etwaiger verbliebener Holzteilchen); 2) spaßh. übtr.: «Lästerzeitung, Bierzeitung» (Syrgegend).
 
Hecht M.: 1) «unreifer (kokettierender) Bursche» — bes. als Dim. Hechtchen (im Pl. nur das Dim. gebr.) Hiechtercher — d'Hechtercher aus der Stad — ech loosse mer awer vun esou engem jongen H. nët iwwert de Mond fueren — wat bas du mer awer en H.! (seltsamer Mensch, Kauz); 2) «Hechtsprung, Rolle» — e mécht en H. iwwer dräi Mann ewech; zu dieser Bed. das Verb.: hechten intr. — s. Hiecht.
 
Heck (Ostrand Hek) F.: 1) urspr.: «kleineres Waldstück», im bes. etwa «Eichenschälwald» (s. Louheck) — im Sinne von hd. «Hecke» (sub 2) galt ursprünglich nur Ho (s. d.); 2) heute gängig: «Hecke» — Spww.: Wou Hecke sin, do sin och Mëschen (das eine bedingt das andere) — Wann een an eng H. fällt, da weess een nët, wellechen Dar ee gestach huet (im bes. auf die unverheiratete Mutter bezogen) — Raa.: ech hun op d'Hecke geklappt (etwa wie beim Schlehenklopfen) awer ech sin näischt gewuer gin — 't as näischt (wéineg) bei (der) H. (das Gerücht ist unbegründet; es ist kein Besitz vorhanden) — ech sin (en aneren. deen hei as) nët vun der H. gepléckt (ich bin guter Abkunft), daher: 't geet ee keen hannert d'Heck siche, wou ee selwer font as gin (man strebt nach Anschluß an höhere soziale Schichten), aber auch: 't geet ee keen hanner eng H. siche, wou een nët selwer font as gin (gleich mit gleich gesellt sich gern) — en as hannert enger H. font gin (Findelkind, oder von geringer Herkunft) — ech hänke mech nët op d'H. (ich bin mir meiner sozialen Stellung bewußt und handle dementsprechend) — bleif bei (der) H.! (a) gehe nicht auf Abwege; b) halte dich bereit) — natierlech bas de bei H., wann et eppes ze maufele gët — d'Meedchen as duerch d'H. gezu gin (ist ledige Mutter) — e gouf hannert d'H. begruewen (op de Juddekierfecht — andere Raa sub hanner) — wann och kee Wolle do war, d'H. huet awer gewibbelt (wenn jem. beim Erzählen übertreibt) — d'Hecke sin nach naass (sténken nach), wou déng Lompen drop houngen (du bist noch zu jung, um mitzureden) — Folkl.: iwwer (all) Hecken an Traisch (wenn die Hexen sich eingesalbt hatten, bevor sie auf dem Besen davonritten, sprachen sie diese Zauberformel); 3) im bes.: «Staude, Busch» — meist in Komp.: Kréischels-, gelegtl. sogar Drauwenheck (Rebstock) — si hun eng H. Drauwen (eng Drauwenheck) um Haus — dafür weitgehend eher: eng Rief; 4) als Ortsbezeichnung, häufig lokal: «abgelegenes Randgebiet der Ortschaft» — so etwa östlich von Consdorf: op der H.; 5) Nordösl. im Pl. Hecken: «Reisig» —bréng Hecken eran fir Feier anzefänken! — 't gin o Hecke mat iwwer (es werden auch Reiser mit versteigert).
 
Hecke(n)- (im eigtl. Sinn zur Bez. der örtl. Herkunft; im übtr. pejorativ) -affekot M.: «Winkeladvokat, agrégé judiciaire»; -bagaasch M.: «Gesindel» (cf. auch sub Hätsche-); -baierchen M.: «armer Bauer» — (im Ösl. — der Lohhecken, aber wenig Ackerland besitzt); -benedikt M.: «Nelkenwurz, Geum urbanum»; -bier N.: «Steinbeere»; -daler M.: «Hecktaler, Glückspfennig»; [Bd. 2, S. 141] -déier (lok. Westösl.) N.: «Maikäfer» (cf. Kiewerlek); -duerf N.: «armseliges Dorf» — dat as och esou en H., wou een deem aner alles zum Express mécht; -éil M.: «Ringelnatter»; -fësch M.: «Aal»; -vollek N.: = -bagaasch (s. d.); -franséisch N.: «schlechtes Französisch» (dafür auch: Kichefranséisch, Echt. Trääsch (Trierisches) Fransisch); -fransous M.: 1) «Einwohner der lothr.-frz. Grenzbezirke, der gebrochen französisch spricht»; 2) spaßh. übtr.: «jem. der bei jeder Gelegenheit frz. spricht, ohne es genügend zu kennen»; -fräsch M.: «Laubfrosch»; -graatsch F.: «Zaungrasmücke» — dafür auch einfach: Heckerchen; -jong M.: «Wehrdienstverweigerer» (unter Napoleon); -kar N.: «in den abgetragenen Lohhecken geernteter Roggen» (bevorzugtes Roggensaatgut); -kläpper M.: «Wilderer, Waldläufer»;

 

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