LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Hex bis hidden (Bd. 2, Sp. 153a bis 155a)
 
Hex lok. Redingen: Heckes F.: 1) «Hexe, Zauberin» — in vielen Ortschaften überleben Erinnerungen an den alten Hexenwahn, so etwa in Echternach: d'Howelécker H. (noch zu Anfang dieses Jhs. in Gesprächen als bekannt vorausgesetzt — ein Hexenprozeß aus dem XVII. Jh. erwähnt eine Hexe, die letzte, die in Echt. gefoltert wurde und nur durch das Dazwischentreten des Abtes dem Tode entrann) — d'Hexe säin op Tull danze gaangen; 2) im bes.: «Hexe im Märchen und beim Kinderspiel» — H., Gebäcks, am Uewe gebak, schmaach emol wéi gutt as dat (cf. auch sub Gebäcks, Gréidel) — in Abzählreimen in mannigfacher Abwandlung auf «sechs» reimend — Kinderspiele: déi dräi Hexen — Hexefënsterchen — Hexeklamanibus — Hexespigel; 3) «verführerisches Weib» — eng léif (vergaacheleg) H.; 4) «alte, boshafte oder häßliche Frau» — auch abgeschwächt, als Kosewort zu lebhaften Kindern: du kleng H. (dazu das Dim.: Hexelchen) —bisw. sogar mitleidig: 't as och alt eng aarm H. (geplagtes Weib), eng aarme geploten H.; dazu die Komp.: Fuer-, Wiederhex; 5) zu Buurg sub 2: «Scheuche in Menschenoder Tiergestalt, die zu oberst des Holzstoßes oder des strohumwickelten Baumes beim Fastenfeuer angebracht wurde» — d'Jongen hun d'H. verbrannt; 6) «Ziegenmelker, Caprimulgus» — cf. Fléimouk.
 
Hexe(n)- -biesem M.: «Hexenbesen» — im bes.: 1) «übermäßige Zweigbildung bei Bäumen»; 2) verschiedene Baumparasiten, etwa «Mistel»; -blumm F.: «Wolfsmilch, Euphorbia» — cf. auch Hexemëllech; -braulech(t), -brullecht F.: «Hexensabbat»; -danz M.: 1) «Tanz der Hexen an dem Sabbat»; 2) «Stelle, an der die Hexen tanzten» (wo das Gras eine von der Umgebung abstechende Farbe hat, oder nichts wächst) — häufig für ehemaligen Standort eines Kohlenoder Ziegelbrennermeilers (weil dort lange Zeit kein Gras wuchs); 3) übtr.: «Ort, an dem es ausgelassen zugeht»; -feierbränn Pl. M.: «Brände» (zur Hexenverbrennung) — bei Rod.: Beiname der Geistlichen; -fënsterchen F.: Spiel beim Viehhüten — Die Kinder legen die Enden eines feinen, biegsamen Grashalms (e schmanken Hallem) so aneinander, daß eine kleine runde Schlinge entsteht. Sie ziehen sie durch den Mund, so daß die Öffnung sich mit einem dünnen Speichelhäutchen überzieht, das wie ein Fenster oder ein Spiegel aussieht (daher auch Hexespigel). Nun lassen sie einige Tropfen vom Saft der Wolfsmilch (Hexeblumm, -mëllech) darauffallen und halten das Spiegelchen gegen die Sonne, wobei es in allen Farben des Regenbogens erglänzt; mit Einbildungskraft und gutem Willen erblickt der Betrachter, was er in Zukunft erwartet, etwa das [Bd. 2, S. 154] Bild der oder des Geliebten. Zerrinnt der Spiegel dreimal nacheinander, so ist es unnütz, das Schicksal weiter zu befragen; -fisek F. (M.): 1) «Zauberei»; 2) «Taschenspielerkünste»; -gaart M.: «ungeweihter Platz auf dem Kirchhof» (auch: -kiirfecht) — dafür auch: Hädeplaz, Hädeneck, Juddekierfecht. -haus (kindersprachlich) N.: «kleines alleinstehendes Haus»; -kand N.: «unartiges Kind»; -kessel M.: «schwierige, ausweglose Lage»; -klamanibus (Ga.) N.: «Fuchs zu Loche» (Knabenspiel); -kraut N.: 1) «Johanniskraut, Hypericum» — dafür auch: Gehaanskraut, Haartnol; 2) «Schellwurz, Schöllkraut, Chelidonium maius» — Hexekraitchen, du hues mech verhext; 3) lok. auch: «Mistel»; 4) «Hexenkraut, Circaea lutetiana» — früher zu Liebestränkchen im Wald gesucht; -kräs, -krees M.: «Hexenring», im Kreis stehende Hutpilze (gelegtl. Syn. von Hexendanz s. d.); -määschter, -meeschter M.: «Hexenmeister, Zauberer» — e séngt den H. (die Beschwörungszene aus dem Dicksschen Singspiel D'Mumm Séis); -mëllech F.: «weißer oder gelber Milchsaft» etwa von: Euphorbia (Zypressenwolfsmilch), Chelidonium majus (Schöllkraut) — volkstümliches Mittel gegen Warzen (cf. auch: Hexefënsterchen); -moss M.: «flacher Bärlapp»; -mudder F.: «alte, wüst aussehende Frau» (cf. Hex sub 3); -plaz F.: «Hexenmal» (rotbunter Hautfleck an Stoßstellen — Art Muttermal, angeblich unempfindliche Hautstelle); -prozess M.: 1) «Hexenprozeß»; 2) «mit unrechtlichen Mitteln ausgetragener Prozeß»; -schmier M.: «Salbe, mit der die Hexen sich einrieben, wenn sie auf dem Besen durch die Luft fahren wollten»; -schoss, -schotz M.: «Lumbago»; -steiwer M.: «Hexenpfennig»; -strank M.: «gemeine Waldrebe» (auch Juddesäl) — mat dem H. hun d'Hexen d'Wéckelkanner erwiergt; -thommes M.: sprichwörtlich gewordene Figur aus dem Singspiel D'Mumm Séis von Dicks.
 
hexen intr. Verb.: 1) «hexen, zaubern» — ech kann nët h. (ich kann das Unmögliche nicht möglich machen — bes., wenn man gedrängt wird); 2) Wb. 06: «erraten» (ein Spiel).
 
Hexerei F.: «Hexerei, Zauberwesen» — Geschwënnegkeet as keng H. — da's keng H., dat kann all Kand (leicht zu bewerkstelligen).
 
Hexeresch F.: «Orpheusgrasmücke, Sylvia orphea» — meist: schwaarz H. (wohl eher zu Heck — cf. Heckerchen).
 
Hibb(es), Hibbi männl. Vorn.: Kurzformen zu Hubert (cf. auch Haupert).
 
Hybridkléi (auch: Hibriskléi) M.: «Bastardklee» (frz. trèfle hybride) — dafür auch einfach: Hibri (Ton: 1), russeschen (Nout)kléi.
 
Hic M.: «Hauptschwierigkeit, Kernproblem» — do (dat) as den H.
 
hich Adj.: in der Ra.: uewen h. an ënne fich (cf. fich).
 
Hichel M.: «Untersatz bei Bienenkörben» — cf. Häich(t)el, Häicher.
 
Hick(ert) M.: «Schluckauf» — wann s de den H. (kritt) hues, da muss d'e Glas Waasser beieneen ausdrénken (an der d'Nues oder d'Oueren derbäi zouhalen) — du hues den H., hal den Otem un — Beschwörungsformel gegen den Schluckauf: H., Huck, Hack, ech hun dech (ze) dack (oder lok. Echt.: dou gräissliche Schlacks, ich hoan dich ze dacks), ech hun dech haut, ech hun dech mar, wann et keemols war, an elo nees fir d'drëtt, ma ech wëll dech nët . . . Ech hun dech nët, du dees mer ze wéi, eent zwee an dräi a kuck: fort as mäin ellenen Huck — e kënnt nët hannert den H. — ech wëllt, du häss den éiwegen H.!
 
hick(er)en intr. Verb.: «den Schluckauf haben» — iron.: e war esou sat (betrunken), e konnt emol nët méi h.
 
Hickecht F.: 1) «Wurf, Brut» (zunächst bes. von Ferkeln, wegwerfend von Kindern), — vun der selwechter H. (von derselben Familie, vom selben Bett) — vun der éischter H. (aus erster Ehe) — si si mat hirer ganzer H. op d'Kiirmes komm (mit ihren vielen Kindern); 2) «Ansammlung von Lebewesen» — ech froe mech, wéi de Schoulmeeschter déi ganz H. Meeschter gët; 3) beim Kegelspiel: «neun Kegel» — mir sin eng H. vir.
 
hickelen intr. Verb.: «kichern» — meist dafür kickelen.
 
Hiddemécher M.: 1) «Hütemacher» (Wb. 06) — cf. Hutt-; dazu der Hausname: an Hiddeméchesch; 2) übtr.: klengen H. «Sumpfrohrsänger, Acrocephalus palustris» — groussen H. [Bd. 2, S. 155] «Rohrdrossel, Acrocephalus arundinaceus» — dafür auch: Jäizert.
 
hidden (lok. phV. cf. Ltb. 73 — Part. Praet.: gehitt, gehutt, lok. gehéit, gehout) Verb.: A. intr.: 1) «das Amt des Hirten versehen» — säi Grousspapp huet gehutt (war Dorfhirte); 2) «Förster, Feldhüter sein» — en hitt am Gréngewald; 3) iron. übtr.: «Schule halten» — en hitt zu Huelemes (er ist Lehrer von Hollenfels); B. trans.: «hüten, bewachen» — hu mir d'Schwäin zesumme gehitt? (warum so familiär?) — d'Fuurcht hitt de Bësch (méi wéi de Fierschter) — d'Schwäi sin haut nët mat em ze h. (er ist sehr übler Laune heute) — Kinderspiel: d'Sau h. (s. Sau) — 't gët Zäit, datt en an d'Schoul kënnt, en as nët méi ze h. — de Mann muss de Bei hidden (cf. Bei M.); C. refl.: «sich hüten» — ech hu mech wuel gehitt, eppes ze soen — hitt dech virun dene Gezeechenten (die mit körperlichen Mängeln Behafteten stehen im Rufe, böse Charakterzüge zu haben, oder: in der Ungunst der Vorsehung zu stehen, oder: dämonische Kräfte zu besitzen).

 

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