LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Hies-chen bis Hiirt (Bd. 2, Sp. 158a bis 159b)
 
Hies-chen (Westen Hiessen — dafür auch: Hiesi — phV. cf. Ltb. 24) M.: Dim. zu Hues (s. d.) — im bes.: 1) «Kosename»; 2) «nettes Mädchen» — gelegtl. mit pejor. Nebensinn: en huet esou en H. bei sech.
 
Hieschpelt ON.: «Ischpelt, Tarchamps» — Gem. Harlingen, Kant. Wiltz — 74; dafür allg. I(i)schpelt — Ra.: wann d'Ribbe gutt gerode sin, dann heescht H. Tarchamps (zum Ausdruck des Stolzes der Einwohner).
 
Hiesel- neben Huesel- («Hasel-», nur in Kompositis; phV. cf. Ltb. 24): -bësch M.: «Haselwald» — im Schlaflied: . . . däi Papp as an den H., wann e kënnt da kriss de Nëss, Nëssercher mat Kären usw.; -noss F.: «Haselnuß» — lok. auch Ieselnoss — esu vill wäert wi en daf Heselnoss (Echt.).
 
Hieselter, Heselter M.: «Haselstaude» (Corylus).
 
Hieselter- -aascht M.: «Ast von der Haselstaude» (dient dem Huertegänger als Wünschelrute); -bengel M.: «Stock von der Haselstaude»; -gäert F.: «Haselrute»; -rutt F.; -widd (lok. -wigd) F.: «Haselrute» (zum Binden — nur -rutt auch wie -aascht als «Wünschelrute» gebr.); -säl, -seel N.: «Haselrute zum Binden»; -schinnen Plur. = -bengelen — s. Schinnenhatt; -staf M.: «Stab von der Haselstaude» — Folkl.: soll den Menschen, der ihn trägt, furchtsam machen, daher nicht von Erwachsenen als Stab gebr.
 
hiesch lok. phV. zu häersch (hiersch) — s. d.
 
Hiewan(n) F.: «Hebamme» — Fangeren ewéi eng H. (lange, dünne Finger) — cf. auch Hieffra; Hiewaansfangeren Pl. M.: «dünne, lange oder zimperliche Finger» — abschätzig: du mat déngen H.!
 
Hiewaanspoche (-poS) F.: «Ledertasche, deren Form an die Gerätetasche der Hebamme erinnert».
 
Hiewel M.: 1) «Hebel, Hebebaum» — muss ech mam H. kommen? (wenn jem. nicht aus dem Bett kommt); 2) Steinmetzspr.: «Rüststange, Netzbaum eines Gerüstes»; zu dieser Bed. das Komp.: Hiewellach N.: «Rüstloch beim Neubau» — auch: Steelach.
 
hiewen (lok. phV. cf. Ltb. 24; Flexion: Ind. Präs. heute du hiefs, hien hieft, lok.: en hëft, en heeft — noch bei Ga. hiifs, hiift, Wb. 06 't hiift mer — Präteritum, im Nordösl. noch ich huf(f), Konj. hif(f) — Imperativ allg. hief, bisw. hëff — Part. Prät. allg. gehuewen, lok. gehuef, gehoff, Ostrand und südl. Ösling gehowen, Nordösl. unterscheidet ich ha gehuawwen/ 't hatt mer gehawen) Verb.: A. trans.: «(empor)heben» — Spw.: Wat een nët h. kann, dat léisst ee leien (stoen) — Raa.: dee kann ech widder h. nach droën (gar nicht ausstehen) — Ga. (veraltet): e Kand iwwer Daf h. — hëff (lëff, leef) de Ki (= frz. cul), de Rescht kënnt no (wenn jemand träge dasitzt und nicht zur Arbeit will) — übtr.: mir mussen den Niveau h.! B. intr.: 1) «die Füße ungewöhnlich hoch heben, affektiert schreiten» — Echt.: en heeft ewi en Hoan an der Zalot (er geht stolz einher); 2) bisw.: «wiegen» — wivill huet e gehuewen? 3) «gären» — de Wäin hiift, huet ausgehuewen, ausgehuef [Bd. 2, S. 159] — d'Gebääss, den Hunneg hieft (schmeckt sauer, weil in Gärung); 4) «die Karten abheben» — u wiem as et fir ze h., wien hieft? C. unpers. mit dem Dat. der Person: «Brechreiz empfinden» — 't hieft mer, wann ech nëmmen d'Iesse richen — auch übtr.: 't hieft engem, wann een esou eppes gesäit; D. refl.: «aufstehen» — hief dech, dass ech laascht kommen! — zum Komp. erhiewen die lok. Abl.: erheeflich Adj.: «erheblich» — en e. Zomm (bedeutende Summe) und Erhewong F.: «Schätzung» in der Ra.: meiner Erhewong no (alle Echt.).
 
Hiewéng ON.: «Havange» — romanisch-lothringisches Dorf an der Sprachgrenze, mit zum Teil noch luxemburgischen Flurnamen (etwa: sur Brecken, au Guésbanne, dans la Hielle — lux. Brécken, Geessebann, Hiel) — Dép. Moselle, cant. de Fontoy.
 
Hiewéng F.: «gehobene Stimmung» — si waren an enger (betont) H. — dafür im allg. Gellecht (s. d.).
 
Hiewe(r)riech (-reech usw.) M.: «Getreidesense mit Rechen» — die gebogenen Holzzähne des Rechens dienen zum Hinlegen in Reihen am Boden, beim Mähen von Hafer, Gerste...; die Reihen am Boden heißen Schueden (s. d.) — für dasselbe Gerät auch: Huewerriech, Nieweriech (cf. auch Flaus sub 1).
 
Hiewerdang ON.: «Heverdingen, Habergy» — dtsprach. Dorf der belg. Prov. Luxemburg — B 56.
 
Hiewerléng M.: «Steiß», in der Ra.: dann hief den H. an d'Luucht (stehe auf, mache dich aus dem Staube!).
 
Hiewerlénger, Hiewerlänner M.: 1) «Einwohner des Pays de Herve» — dafür auch: Grasland, entstellt Uewerland; 2) «der fahrende Käsehändler» (aus Belgien) — s. Kéismann.
 
Hiewerléngesche Kéis M.: «Herver Käse» (Art Limburger).
 
Hiewerléngsgeroch M.: «Geruch von Schweißfüßen».
 
Hiewert M.: «Aufheber» (der bei der Papierbereitung die Bogen von den Filzen abnimmt — Ga.).
 
Hiff (lok. Mosel — Pl. Hiffen, Hiwen) F.: «besonderer Knüttel mit verdicktem Ende, gewöhnlich herausgerissener Pappelast» — sonst auch: Bor(r)i, Hiwo, Trigo, beim sog. Sauspill (cf. Sau).
 
Hiich F.: «Häufelpflug» — dafür meist Hok, Hooch (s. d.).
 
Hiichtel (Nordsöl. Hitel) M.: = Häichel II (s. d.).
 
Hiijhem M.: «Hirse» — cf. auch Hiejhem; dazu die Abl.: Hiijhemsbräi, Hiijhebräi M. = Hessebräi (s. d.).
 
Hiirt (alt Westrand Hart, Häert, cf. Bruch, Grundlegung, Karte 37/G — Nordösl. Hirt) M.: «Hirt» — et as keen H., sot d'Hiirtefra, en as nët vun der Gäissel an e gët och näischt derfir (der Sohn zeigt keine Eignung für den Hirtenberuf) — die Turteltaube singt: looss den H. goen, d'Kou kënnt (dreimal), dann: kuck! — dazu die Hausnamen: an Harden, an z'Hiirden (Zierden) — in Kompositis wird Hiirt meist zu -ert gekürzt: Guussert, Kéiert, Schwéngert usw. — Wahl des Hirten: Der Gemeindehirt wurde am Martinstag (Mäertesgemeng), am Michelstag (oder am darauffolgenden Sonntag), auch wohl an Weihnachten von den «Einsmännern» (s. Ääns) gedungen. Dafür mußte er zwei Maß Branntwein und ein Roggenbrot spenden. Die Wahl des Hirten war das letzte Recht der parakommunalen Vertretung der Einwohnerschaft. — Lohn des Hirten: Früher bestand der Hirtenlohn aus Getreide, dessen Maß nach der Kopfzahl der gehüteten Tiere berechnet wurde, später wurde er in Geld entschädigt. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts betrug der Kopflohn 10 Sous. Als Nebenlohn standen ihm verschiedene Abgaben zu, die er im Lauf des Jahres einsammelte. Für den Eber (Béier, Watz) hatte er Recht auf zwei Liter Hafer pro Mutterschwein (Weiler zum Turm). Für jedes Ferkel, das neu zur Herde kam, erhielt er en décke Su (Winnsu genannt), ebenso für jedes Mutterschwein, das wieder zur Herde stieß, wenn es geferkelt hatte. Zur Kirmes wurde in jedem Haus ein Hiirdekuch (Hiirdemëtsch) für ihn gebacken. Zu Ostern standen ihm in jedem Haus drei Ostereier zu, zu Pfingsten u. Weihnachten je ein Stück Kuchen, zur Fastnacht ein Schweinekinnbacken, Erbsen oder Linsen, Schmalz u. Mehl. — Besondere Befugnisse und Pflichten: Das Eintragen der für die Eichelund Bucheckermast (s. Aker) bestimmten Schweine in eine Liste und das Einbrennen des Dorfzeichens wurde vom Hirten in Gemeinschaft mit dem Bannhüter (Préiter) und einem Gemeinderatsmitglied vorgenommen. Als Lohn für das Einbrennen wurden auf dem Rundgang Eier eingesammelt, deren Erlös im Wirtshaus vertrunken wurde. Die Mast begann um Martini und dauerte, solange es hart gefroren war. Dabei hatte der Hirt einen Helfer, [Bd. 2, S. 160] den abwechselnd jedes Haus stellte, zusammen mit dem Essen für beide. (Nach «Lux. Land» II 453.)

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut