LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Honger- bis Honolulu (Bd. 2, Sp. 173b bis 175a)
 
Honger- -baach F.: «Bach, der nur in Hungerjahren (nassen Jahrgängen) fließt, oder Bach, der leicht versiegt»; -bierchen M.: ähnlich dem vor. — Wann den H. leeft, da gët et e gutt (anderswo: e schlecht) Joer; dafür lok. auch: Aueroder, Pauerbierchen; -bierg M.: «an einem Abhang gelener Ort, wohin die Hirten das Vieh zu gewissen Zeit in einen eingezäunten Ort zusammentrieben, wo das Vieh angeblich nichts zu fressen bekam» (so erklärt man die vielen Flurn. mit dem Bestimmungswort Honger-) — cf. auch sub -buerg; -blumm F.: «Draba verna (L.)» — auch: -blimmchen — s. Wiselchen; -buerg F.: häufiger Flurname — cf. -bierg — im Raum von Flaxweiler-Wormeldingen volkstümlich mit (H)ungar (lux. Onger) zusammengebracht (sagenhafte Erinnerung an die Hunnen); -darem M.: 1) «Halbverhungerter»; 2) «Vielfraß»; -vull, -villchen M.: «Seidenschwanz, Bombycilla» (sporadischer Durchzügler, der nach dem Volksglauben nur in Hungerjahren in unseren Gegenden auftaucht, daher gelegtl. auch Peschtvull gen.); -gefill N.: «Hungergefühl» — ech hun esou en H. am Leif (cf. Fock II); -joer N.: «Hungerjahr» — früher: wann d'Kanner d'Brout verbëtzen, dann erzielt d'Groussmamm hine vun den Hongerjoren no de franséische Kricher; -kar, -kuer N.: «Mutterkorn, Scleroticum clavus»; -lidder M.: «Hungerleider, Bettler» (abfällig), auch: hongeregen Hond; -loun M.: «Hungerlohn» (wie hd.); -quetsch F.: «Tasche, Exoascus Pruni» — auch: Scharläiperchen, Schlaupen; [Bd. 2, S. 174] -reech M.: «großer Rechen» (der alle Ähren sammelt u. deshalb armen Leuten das Ährensammeln unmöglich machte); -schwarem M.: «Bienenschwarm, der zu spät ausgeht»; -sinnef M.: «lackblättriger Senf, schwarzer Senf, Brassica nigra, Sinapis nigra»; -woll F.: «Wolle, die getöteten Schafen abgeschoren wurde» — cf. auch Honds-.
 
Hongersnout F.: «Hungersnot».
 
Hongeschhaff M.: «Hungerhof» in der Gem. Berdorf.
 
hongereg Adj.: 1) «hungrig» — Spww.: Engem Hongregen as gutt kachen — Deen h. schlofe geet, (dee) steet gesond op — Besser h. schlofe gaang, wéi mat Schold opgestaang — Vergleiche: h. ewéi en ausgehéngerte Wollef, eng Kiirchemaus (meist aber: aarm) — esou vill h. ewéi eng Baach duuschtereg (nicht hungrig) — wenn die Kinder sagen: ech sin h. (es heißt nicht: ech hun Honger) so pflegt man ihnen scherzweise zu antworten: leck Salz, da gës de duuschtereg; 2) «schlecht bezahlt, daher geizig, armselig» — du h. Laus! esou en hongregen Doléiner — en hongrege Kärel, dee säi Wuert frësst — fir déi h. puer Su — wéi h.! (wie armselig); 3) «gering, schäbig» — e vergonnt engem emol nët eng h. Kuuscht — wat e Geméch fir déi h. puer Wierder ze soen; 4) «ungenügend gedüngt» (vom Boden) — en hongrege Buedem — eng h. Géigend.
 
Hongregkät, -keet F.: 1) «lächerliche, armselige Angelegenheit, Nichts»; 2) «kleinliches Verhalten».
 
Honneref ON. = Hauneref (s. d.).
 
hondseg Adj.: «unflätig» — h. Rieden — eng h. Opfouer.
 
hondsen, honzen intr. Verb.: 1) «nach Hund riechen» — in dieser Bed. dafür auch hëndsen; 2) «unflätige Reden führen» — cf. Aasch; dazu die Abl.. Gehonds N.: «unflätige Reden».
 
Hondserei, Honzerei F.: «zotenhaftes Gespräch, unzüchtige Handlung».
 
Hondsert, Honzert M.: «jem., der (gerne) zotenhafte Gespräche führt».
 
Honnären, Honneuren (mit und ohne Artikulation des anl. h-) Pl. M.: «Ehrenbezeigungen» in der Ra.: de Buergemeeschter huet d'H. gemat.
 
honneren intr. Verb. = onneren (s. d.) — Nösl. lok. phV. zu hënneren.
 
honnert Num. card.: 1) «hundert» —nët emol ee vun h. géif dat son — ech kënnt em der h. fir än nennen — Kinderscherz: So mol h.!, erfolgt das gewünschte Stichwort, so entgegnet der Frager du hues an d'Box gedonnert; 2) «sehr viel, große Anzahl» — 't waren hirer (op d'manst) h.; 3) substantivisch gebr.: Honnert N. «das Hundert» — ech hun em et schon Honnerte Mol gesot — e schwätzt an d'H. (auch: an d'Honnerten) eran (gelegtl. Zus.: bis d'Dausend(st) voll as — in dieser Ra. auch das Num. ord. — cf. honnertst) — ähnlich: e lieft an d'H. eran (er lebt planlos, ohne an die Zukunft zu denken) — e keeft (verkeeft) d'Nëss (m)am H. — ech hätt gär en H. Nëss.
 
Honnerter M.: 1) «die Zahl hundert» — maach emol den éischten H. voll; 2) «Hundertfrankenschein» — dat huet mech en etlech Honnerter kascht.
 
honnert- -älef in der Ra.: en as méi domm wéi h.; -järeg Adj.: «hundertjährig» — bes. in der Bezeichnung: honnertjärege Kalenner M.: «hundertjähriger Kalender» — sprichwörtlich gewordener Name, den anscheinend im Jahre 1721 als erster der Erfurter Buchhändler und Verleger Weinmann einer von ihm veranstalteten Neuausgabe einer Sammlung von Wetterbeobachtungen aus dem 17. Jahrhundert gegeben hat; im Verzuge der Wiederaufbaubestrebungen auf dem Gebiete des Ackerbaus nach dem 30jähr. Krieg versuchte der Abt Moritz Knauer aus dem Kloster Langheim a. Rhein eine rationellere Planung durch genaue Buchführung über die zwischen dem 21. März 1652 und dem 20. März 1659 von ihm gemachten Wetterbeobachtungen zu gewährleisten; nach damaligen astrologischen Vorstellungen mußte das Wetter sich alle sieben Jahre nach demselben Zyklus wiederholen; seither sind über 125 Neuausgaben dieser Beobachtungen in aller Welt (sic!) veranstaltet worden. (Nach A. HOFMANN, im Kosmos-Band 3, 1955) — bei andauerndem schlechten Wetter pflegen manche (nicht nur ältere) Leute eine Besserung vorauszusagen mit dem Hinweis: den honnertjärege Kalenner prophezeit ës — an solche «wetterkundigen» Leute ergeht dann auch die Frage: wat seet den honnertjärege Kalenner? — eng honnertjäreg Feier F.: «Jahrhundertfeier»; -mol Adv.: 1) «hundertmal»; 2) meist lediglich: «viele Male» — in volkstümlicher Übertreibung heißt es [Bd. 2, S. 175] gerne: ech war ewell (méi wéi) h. um Heischtermaart, obwohl dieser Markt nur einmal im Jahre stattfindet (s. Heischt) — ech hun der ewell h. gesot, du solls d'Fangeren dovun ewechloossen — et kann een (em) h. dat selwecht soën, hie léisst sech nët stéieren.
 
honnertst Num. ord.: 1) «hundertst» — nët den honnertsten Deel as wouer — deen H. géif dat nët soën, glewen; 2) häufig subst.: hie kënnt vom Honnertsten an d'Dausendst — hie lieft an d'Honnertst eran (cf. auch honnert sub 3).
 
Honolulu ON. in der Ra.: wäers de gutt zu H. (wo der Pfeffer wächst — ländlich-volkstümlich gerne zu hanner Lulu entstellt — anderswo statt dessen gerne: am Hindu(i)stan).

 

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