LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Hotterbuedem bis Houere(n)- (Bd. 2, Sp. 176b bis 179a)
 
-buedem M.: «aufgeschütteter Boden»; -maus F.: «Wühlmaus».
 
hottereg Adj.: 1) «leicht, locker, angeschüttet» (vom Boden — neg. Eigenschaft, mit der Nebenbed. der Unfruchtbarkeit); 2) «hoch aufgeschossenes Gras» (von geringem Nährwert) — an den naasse Wise wiisst nëmmen esou laangt hotteregt Geschir (ähnlich: laang Hä).
 
hotzeleg (lok. Osten — Waldbillig) Adj.: «unordentlich» — dazu die Abl.: Hotzel F.: «sorgloses, unordentliches Frauenzimmer», und die Verbadj.: ge-, verhotzelt (cf. auch das üblichere hatzeleg).
 
Hou, Hu M:: «Nu» — in der Ra.: 't war am H., an engem H. geschitt «im Nu» (ähnlich: an engem Ha «auf einen Hieb, auf Anhieb») — lok. dafür auch die Spielform: am Houder(h)ou (im Syrtal belegt).
 
hou hou Interj., das Hundegebell nachahmend (Ammenspr.) — auch subst.: Houhou M.: «Hund» (cf. etwa Wauwau); die Interj. hou wird gelegtl. auch gebr., um Ahnungslose (meist bei Dunkelheit, aus einem Versteck heraus) zu erschrecken.
 
hou-/Hou- (Ostrand hu-/Hu-) «Hoch-» als Präfix in der Wortbildung, wofür im Norden und Osten um Echt. héi-/hivorgezogen (zum Adj. héich). -älter M.: «Hochaltar»; -bësch M.: «Hochwald» — cf. auch -wald; -bescht Adj.: «allerbest» — am houbeschte Fuedem (in seinen besten Kleidern); -däitsch Adj.: «hochdeutsch»; -fest N.: 1) «hohes Fest» — déi véier Houfester si Krëschtdag, Ouschteren, Päischten an Allerhelegen; 2) nur M.: «Festtagskleidung» — en hat den H. un — e war an den (Aller-) H. geklät; -fes(ch)tdag, alt: -feschtdeg M.: «hoher Festtag»; -fes(ch)tlech Adj.: 1) «hochfestlich»; 2) verallgem.: «fein, vornehm» (von Kleidung und Essen) se koumen all h. geklät — et gouf en houfeschtlecht Iessen (cf. dagegen fäschtlech Bd. I/ 313); -geriicht N.: «Hochgericht» — als Flurn. bisw. F.: op der H(o)ugeriicht; -mass (meist Ton: 2) F.: «Hochamt» (dies in der gängigen Pfarreraussprache durchwegs ho:/γAm:t gespr.) — e versteet esouvill dervun ewéi d'Kallef [Bd. 2, S. 177] vun der H. — cf. auch Vesper; Zussetz.: an der Houmassenzäit; -männchen (Mosel auch: Héi-) M.: «senkrechte Strebe im Giebelgebälk» — s. Gespär; -middeg, -méidig Adj.: «hochmütig» — dafür lok. auch: houchmiddeg, héi gestach gelegtl. huëmiddeg, héimiddig, hiermiddeg; -spronks Adv.: «plötzlich auffahrend, sofort» — cf. auch: verspronks; -wald ON.: «Howald» — Ortsteil an der Grenze von Hesperingen und Luxemburg — 472.
 
Ho(u)chzäit (lok. auch /hux-, /huç-) F.: 1) allgem.: «weltliche und kirchliche Trauungsfeier» — Spw.: 't as keng H. esou kleng, se bréngt ('t gët) nach eng — Raa.: mer sin op dem Jhang séng H. geruff (ivitéiert) — mer waren op der H. — ech haën der eng, dass de mengs, 't wier H. a Kanddaf zougläich — wéini maacht der H.? (wann werdet ihr heiraten?) — mir maache (betont) keng H. (wir verzichten auf besondere Feierlichkeiten; böse Zungen ergänzen: se gi muerges fréi um Säitenaltor bestuet, an der Stad bestuet); 2) im bes.: «Hochzeitszug, die Gesamtheit der geladenen Gäste» — elo as d'H. grad erduerch — 't war eng groussaarteg, schéin H., elauter jong Këppelcher; Herkömmliche Hochzeitsgebräuche (nach HESS, Volkskunde, S. 183 ff.): Die Vorbereitung der H. nimmt alle Hände im Haus in Anspruch und erfordert oft die Hilfe der Dorfgenossen, die Nachbarmädchen helfen in Haus und Hof, indes die Burschen Botengänge tun. Früher wurde am Vorabend der H. das Hochzeitshaus verriegelt; die ortsansässigen Junggesellen fanden sich ein und gaben den Gästen Rätsel auf, ebenso die Gäste ihnen — der Brautmann hatte zu sorgen, daß der Sieg der Borscht (s. d.) zufiel. Nachdem er seinen Kameraden eine gewisse Summe Geldes (wohl als Preis für die «dorfeigene» Braut) gezahlt hatte, überließ er ihnen die Scheunentenne, wo während einer stürmischen Nacht getafelt, gezecht und gestritten wurde. Obrigkeitliche Verbote ergingen die Menge wider die Auslassungen bei Hochzeiten. Am Hochzeitsmorgen wird die Braut unter der Aufsicht der Mutter von der Nähterin und ihren Gespielinnen mit dem weißen Brautkleid, der Myrtenkrone (s. Brautkranz, -kroun) und dem Brautschleier (s. Brautwuel) geschmückt; die Stréibraut, die sich verfeelt hatte, wurde ohne weißes Kleid, noch Kranz, noch Schleier getraut. Der Bräutigam (Bräitche(s)- mann — s. d.) trägt an der linken Brustseite seines schwarzen Anzugs (s. Brautfrack, -gezei) ein weißes Blumensträußchen (aus künstlichen Blumen) — ähnlich die Braut (s. Brautbouquet), ähnlich die Virbraut, -bräitchen und der Virbräitchemann (s. d.). Vor dem Kirchgang wird ein warmer süßer Wein getrunken (s. Brautwäin). Dann empfängt das Brautpaar, auf einem Kissen oder einer weißen Serviette knieend den elterlichen Segen. Im Ösling fällt dem Spillmann, Geieklos, Fiddelpittchen oder Trotermates (s. sub Geieklos) die Aufforderung zum Hochzeitszug zu; er ruft ins Haus: Ech koum de Muergen douewen duerch d'Duerf, Do hu se mech gezuën duerch e Kuerf, All Jongen déi soten: déi schéinste Blumm Déi dréit wuel haut eng Mirekroun (Myrtenkrone) Déi schéinste Blumm as an dësem Haus, Nu Jonge, rufft mer déi Braut eraus. Hierauf singen die Dorfjünglinge: Eraus, eraus, du trauereg Braut, Heibausse steet eng liddereg Haut. Statt der Braut tritt ein Mädchen heraus, das auf dem Kopf einen Milchtopf oder einen Milchseiher trägt. Sie wird vom Fiddelpéitchen abgewiesen mit den Versen: Déi Braut, déi Braut, déi muss eraus, Eng Mëllechfra kënnt haut nët aus dem Haus. Dieses Spiel geht in mannigfacher Abwandlung weiter, bis endlich die Braut (traditionsgemäß weinend) aus dem Hause tritt. Der Fiedler begrüßt sie mit dem Gesang: Du brauchs jo nët ze kräischen, hie wäerd dech schon zerschmäissen. Der Bräutigam deklamiert vor der Braut: Zum éischte féieren ech iech ënnert e bloën Daach, Wou d'Gäns sech bueden, Dann zéie mer an e laangt a schéint Gemaach, duer si mer all (a)gelueden, An duerno hu mer hei eng fäi Saach, Bei Kuchen a bei Flueden. Op Dëscher a Bänken steet Iessen an Drénken, All Guddes as do, wat nëmmen z'erdenken. Allmählich bildet sich der Hochzeitszug, den früher die Musikanten eröffneten. Es folgen der Virbräitchemann mit der Braut, der Bräitchemann mit der Virbräitchen, beide Paare von Freundinnen und Freunden umgeben, dann folgen die Eltern (der Vater der Braut mit der Mutter des Bräutigams und umgekehrt), darauf die eingeladenen jungen Leute, zuletzt die Unverheirateten. Zur Kirche ging der Cavalier, Gevueder links, auf dem Heimweg [Bd. 2, S. 178] rechts von seiner Cavalière, Joffer, Gevuedesch (s. d.). Die Dorfjünglinge singen das «Lied von der traurigen Braut» (dazu unter Braut I/147). Während des Kirchgangs werden Schüsse abgefeuert. Die Trauung fand meist vor der Messe statt. Es ist wichtig zu wissen, wer darnach sich als erster erhob: wie fir d'éischt opsteet, dee muss et säi Liewe laang. Nach der Zeremonie trägt der Pfarrer in der Sakristei die Neuvermählten in das Pfarr-Register ein, die Eheleute entrichten die Stolgebühren. Nach der Messe ziehen die Dorfjungen ein Band über die Straße, fir d'Braut ze fänken. Der Bräutigam muß die Wegfreiheit erkaufen. Auch den Eintritt in das verschlossene Haus muß er erkaufen. Früher wurde darauf dem Bräutigam zum Zeichen seiner Hausherrenwürde der Schlüssel von den Eltern durchs Fenster herausgereicht, der Braut aber ein Besen, zum Zeichen, daß sie dienende Magd ihres Eheherrn sein will. Das Hochzeitsmahl beginnt unter derben Spässen. Unglaubliches wird erzählt über die Reichhaltigkeit der Speisenfolge in früheren Zeiten. Nach dem Essen versuchen die Junggesellen das Strumpfband der Braut heimlich unter dem Tisch zu lösen. Es wird versteigert und in kleine Stücke zerschnitten: alle männlichen Gäste heften sich eines davon an die rechte Brustseite. Sonstwo wird der Schuh der Braut versteigert. Das Band ist in den Landesfarben gehalten. Am Brezelsonntag (cf. Bratzel(e)sonndeg I/145) hat derjenige Gast Anrecht auf ein Brezelgeschenk, der dem jungen Ehepaar sein Bändchen noch vorzeigen kann. Nach dem Essen erscheint die Köchin mit verbundener Hand: d'Kächen huet sech verbrannt. Die Gäste lassen ihre Spende in den bereitgehaltenen Kochlöffel fallen. Der Hellechtsmann (s. d.) gibt mit einer lustigen Ansprache den Auftakt zu ausgelassener Fröhlichkeit. Jeder Gast singt ein Lied, der Fiddelpéiter das Éistandslidd (s. d. I/251 unten). Nun geht es zum Tanz, früher häufig auf der Tenne, heute durchwegs in den Tanzsaal des Dorfwirtshauses. Dann erfolgt ein Rundgang durch das Dorf, insbesondere durch alle Gaststätten des Ortes. Früher war es Brauch, daß derjenige, der an der Houchzäit vorbei kam, ein Stück Kranzkuch (cf. auch Gäipkuch) und ein Gläschen Branntwein aus einer mitgeführten Kluck (s. d.) bekam. Die Zeche in den besuchten Wirtshäusern bezahlten die Junggesellen oder sie wurde aus dem Erlös des versteigerten Strumpfbandes der Braut bezahlt. Der heimkehrenden Gäste wartet im Hochzeitshause ein nicht minder üppiges Abendessen. Nachdem die Braut eine Art Klagegesang über ihren Mann (Méng Mamm déi huet mir e Mann gin, O Gott, wat e Klengen as dat. . .) aufgeführt hat, ziehen sich die jungen Eheleute unter den Glückwünschen aller Gäste zurück. Die Schlafkammer wird möglichst geheimgehalten, da die Burschen sich sonst manchen Spaß mit der Bettstatt erlauben (cf. Brautnuecht). Hatte der Bauer (selbst) ein Rind geschlachtet, so erhielt der Pfarrer, wenn er beliebt war, gewöhnlich d'Pafestéck (de Péckmäifelchen), sonst mindestens einen Kuchen oder ein Kistchen mit guten Zigarren; gelegentlich auch Arloner Schnupftabak, wenn er ein Schnauwert war. Dauerte die Hochzeit je nach dem Vermögen der Eheleute und deren Eltern zwei Tage, so wurden alle weiblichen Gäste (und auch andere Dorfschönheiten) auf einen Leiterwagen gebracht, wie man sie gefunden, und unter Spässen durchs Dorf gefahren; 3) «Hochzeit» (Druckerspr.), wenn zweimal dasselbe Wort oder derselbe Satzteil gesetzt wurde. Neuerdings dafür: tuddelen.
 
Houchzäider (-zäiter, -zeiter) M.: «Hochzeiter, Bräutigam» — séngem H. schléit een näischt of.
 
Houchzäits- -dag M.: «Hochzeitstag»; -gaascht (Pl. -gäscht, auch -leit) M.: «Hochzeitsgast»; -geschenk N.: wie hd. — dafür auch -cadeau (Ton: 1) und sogar Cadeau de noces; früher gab es als H. auf den Dörfern nur Leintücher (eng Koppel Lellecher), eine Rolle Tuch, ein Stück Land, eine Wiese (von begüterten Verwandten); -gezei N.: 1) «Anzug des Bräutigams, Kleidung der Braut» (dafür präziser: Bräitchemanns-, Brautgezei) — Folkl. s. Braut; 2) übtr.: «feinere Kleidung überhaupt»; -kledéng F. = in ländl. Maa. d. vor. sub 1; -kutsch F.: «Hochzeitskutsche»; -leit Pl. M.: «Hochzeitsgemeinschaft» = auch -gäscht (alle zur Hochzeit geladenen Gäste); -nuecht F., wofür häufiger Brautnuecht; -räs, -rees F.: «Hochzeitsreise».
 
Houderou M.: «wilder, ausgelassener Bursche» — cf. Hallodri, Hou. [Bd. 2, S. 179]
 
Houer (cf. Ltb. 69) F.: 1) «Hure»; 2) lok. Mosel: «unreife, verkümmerte Traube an einem Blattwinkel» — in dieser Bed. dafür meist das Dim. Héierchen (s. d.), oder das Komp. Houerdrauf.
 
houer Adj.: 1) «moralisch verkommen, böse» — dat houere (od. houert) Framënsch! 2) abgeschwächt: a) «abgefeimt, listig»; b) von Dingen, die Tücke des Objektes bezeichnend, bes. etwa in Kraftwörtern und Flüchen: deen houeren nonditjësse Biesem hält erëm nët am Still; c) neuerdings sogar, der urprünglichen pejor. Bedeutung entfremdet, auch in belobigenden Ausrufungen gebr.: du houeren Heng, néng Kelen op ee Schlag ze geroden! — elo hat ech awer eng houere Chance.
 
Houerdrauf F. auch Ouerdrauf — s. Héierchen, Houer sub 2.
 
Houere(n)- (vielfach als Adj. empfunden — cf. houer);

 

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