LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Jhemm bis Jhips (Bd. 2, Sp. 233a bis 234b)
 
Jhemm F.: 1) «unordentliches Weib»; 2) «Dirne» — lok. dafür auch Jhenn.
 
Jhéng F.: 1) «Fiedel» (verächtlich für Gei — s. d.); 2) «Leier» — lee mol eng aner J. op, dat do geet engem esou lues op de Su!
 
jhéngelen I (lok. jhängelen) intr. Verb.: 1) «hin und her schwanken, baumeln» — auch schwadderen, schwabbelen, wadderen, wabbelen (wie diese gelegtl. auch auf die Gehart bezogen: e kënnt do gejhéngelt) — lok. Ösl.: Gejhéngels N. — wat as dat fir e G. mat dir (lästiges Hin- und Hergehen, von Zimmer zu Zimmer z. B.); 2) bisw.: «keiner festen Meinung sein».
 
jhéngelen II intr. Verb.: «einen metallenen Ton geben, durch die Nase reden» (cf. auch d. folg.) — jau, huet d'Bäerbel gejhéngelt («ja», hat die Bärbel gewinselt).
 
jhéngen (lok. auch jéngen, jhingen) intr. Verb.: 1) «mißtönend spielen» — im Hämmelsmarsch (s. d. II/ S. 133) heißt es: 't as Kiirmesdag, an eng Gei jhéngt muerges an der Gaass; 2) «greinen, weinerlich reden» — dazu die Abl.: Gejhéngs N.; 3) «ächzen» (von ungeschmierten Maschinenteilen).
 
Jhéngert M.: 1) «schlechter Geigenspieler»; 2) «Kind, das viel weint».
 
Jhéngo, Jhingo (-ŋgo) M.: 1) «zerlumpter Mensch»; 2) «stolzer Geck» — dafür auch Jhitzko.
 
Jheni Vorn.: Kurzform zu «Eugen(ie)» und zu «Jonas» — bisw. auch für «Johanna» (cf. Jeanne, Jhänn).
 
Jherang, Gérant (Ton: 1) M.: «bevollmächtigter Geschäftsführer, Filialleiter».
 
Jhermanik, Jhermenik (-ek), Jhëm-, Jham- (Ton: 3) F.: 1) «technische Vorrichtung» (die dem Sprecher kompliziert erscheint) — 't kënnt mer näischt mat enger J. an d'Haus — 't muss een déi J. verstoën; 2) pejorativ: «Gegenstand, der nicht mehr zusammenhält» — da's esou eng J., wann een et brauch, dann as et nët an der Rei.
 
Jhestemecher M.: «Komödiant» (verächtlich) — e J. a soss näischt bäi der Heck (s. Gest).
 
Jhermeng, -méng männl. Vorn. = Germain (s. d.).
 
Jherméngs-, Jhermangstéi M.: «Abführtee» — cf. frz. thé de Saint-Germain.
 
Jhi (überlang) M.: «Jot» (Name des Buchstaben J, aus dem Frz.).
 
Jhick I, ebenso häufig Jick meist M. (um Stadtlux. F.), dafür auch Jhicks, Jhicksert (lok.) M. (im Ösl. anlautend in allen Var. auch Sch-; meist im Pl. gebr.: Jhicken, Jhicksen, Jhickserten, Jhicker, Schicker): 1) «Knicker» — in dieser Bed. dafür auch Bueter (I/S. 164), Mierbel, Wak — die Kinder unterscheiden beim Spiel: décke J. (cf. [Bd. 2, S. 234]/ jhiips auch Aga, Bomm, Kätzchen, Gallacker) und klenge J. (diese meist aus Ton; neuerdings auch aus Glas); 2) «Hode»; 3) «kleine Kartoffel» — d'Grompere sin näischt hauer, 't sin nëmme Jhicken; 4) «Samenkapsel der Kartoffel».
 
Jhick II F.: 1) «Priem, Kautabak» — deen as keng J. Tubak wäert — du kriss eng op de Bak, dass de mengs, den Himmel wier eng J. an déi zwielef Apostelen eng Raiberband — iron.: eng J. um A (blau unterlaufenes Auge, Brillenhämatom); 2) Weiswampach: «Lutschbonbon» (aus Belgien in dieser Bed. übernommen: des chiques); 3) «geschwollene Backe» — en huet d'Zänn wéi an dobäi eng J., e gesäit nët driwwer.
 
Jhick III, Jhicki, Jhitzki M.: «Tölpel» — bisw. auch Jhiggo (cf. auch Gigot II/S. 56) — in Flüchen: non déi Jhicki!
 
j(h)icken I intr. Verb.: 1) «mit den Knickern spielen»; 2) Ösl. spaßh.: «kegeln» — auch trans.: märr gin éng j. — zu den beiden Bedeutungen die Abl.: Gej(h)icks N.
 
jhicken II intr. Verb.: 1) «Tabak kauen» — jhickt déng Bomi? — (a wat) jhickt de Pätter? — Pätter, jhickt nët! — jhicks de nët? (alles abweisende Redewendungen als Antwort auf dumme, allzu neugierige Fragen, übertriebene Ansprüche); 2) «(tüchtig) essen, kauen» — heivu jhicks de näischt (du brauchst dir nichts davon zu erwarten) — kuck wéi se j., 't as emol keen, deen e Wuert seet! (cf. zu dieser Bed.: wall. chiker, bei HAUST, Dict. Liég., S. 146); 3) iron., in der Ra.: dann hätt en et awer gejhickt (da wäre er richtig angekommen).
 
Jhickemrei spaßh. weibl. Vorn. in der abweisenden Ra.: J. och! (cf. jhicken II sub 1).
 
Jhickepittchen M.: «überstürzter, nervöser Mensch» — cf. Broseler I/S. 158.
 
Jhickert M.: 1) «Mensch, der gewohnheitsmäßig Tabak kaut»; 2) «tüchtiger Esser».
 
Jhicktubak M.: «Kautabak» — dafür auch: Strollentubak, Strolles.
 
Jhidd(es), Jhittes, Jhill(es) (lok. auch mit J- anlautend) männl. Vorn.: häufige Var. zu «Ägidius» (s. d. I/54, sowie Egidi, Ejhidi I/251 und Gitt II/59).
 
JhiffF.: «Ohrfeige, Backenstreich» (= frz. gifle — bei MEYER-GLODEN S. XIII) — dafür heute: Ouerfei, eng op de Bak.
 
Jhig, Gigue (wie frz.) F.: «Schulterstück» (bes. vom Rehbraten).
 
Jhilli I = Gilet (s. d. II/ 57 — daselbst auch das Komp. Jhillistäsch) — dazu nachzutragen: gräif an de J., an d'Jhillistäsch (bezahle!).
 
Jhilli II M.: «Chilisalpeter» (als chem. Dünger) — statt Chili (S-); in Fremdwörtern tritt gerne Jh- an die Stelle von anlautendem Sch- (cf. etwa jhäken), auch sonst ist der Wechsel jh-/sch- im Anlaut geläufig (cf. etwa jhipsen).
 
Jhin(a), Jhini weibl. Vorn.: Kurzform zu verschiedenen mit -gin(i)e auslautenden Namen, etwa: Virginie, Georgine.
 
jhiss(eg), jhesseg Adj.: 1) «fein, zierlich» (in Kleidung, Gebärden, Benehmen) — wéi et esou j. do kënnt!; 2) «stutzerhaft» (cf. etwa Hechtchen, Jénkerchen) — das Wort entspricht wenigstens in seiner Bedeutung dem afrz. «gent» und dem dazugehörigen Verbum «agencer» (= noch im XVI. Jh. «verschönern, schmücken»), dies ergibt in wall. Aussprache «adjincer» (HAUST, Dict. Liégeois, S. 11); schon bei Wb. 06 vermerkt, daher offenbar älter als das pejor. deutsche «Gent» (feiner Herr, Kavalier), eine im 19. Jh. in England aufgekommene Kurzform zu «gentleman»; Unabhängigkeit davon bezeugt auch die lux. Aussprache: ʒ·s /ʒ·seç; Anklänge fehlen in allen deutschen Mundartwörterbüchern der Nachbarschaft.
 
Jhipp(es), Jhippi (neben der lok. Aussprache Jipp-) M.: 1) (spaßh.) Kurzform zu «Josef» (cf. etwa Jheff); 2) «Dummer Mensch, Tölpel» — du aarme Jhippi, Jhippchen (zu dieser Bed. cf. auch Jabb, Jabbo und Japp).
 
Jhippchen, Schippchen N. (Plur. -ercher): «Kücken».
 
Jhips I M.: «Melasse» (bei der Zuckerbereitung aus Zuckerrüben gewonnener zähflüssiger Brotaufstrich) — dafür häufiger: Melaass, Rommels (Rommele)-gebääss, lok. im Wiltzer Raum: Daggi (= wall. daguet «goudron végétal» bei HAUST, Dict. Liégeois, S. 193).
 
Jhips II, auch

 

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