LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Jhi bis jhirp(s)en (Bd. 2, Sp. 233b bis 235b)
 
Jhi (überlang) M.: «Jot» (Name des Buchstaben J, aus dem Frz.).
 
Jhick I, ebenso häufig Jick meist M. (um Stadtlux. F.), dafür auch Jhicks, Jhicksert (lok.) M. (im Ösl. anlautend in allen Var. auch Sch-; meist im Pl. gebr.: Jhicken, Jhicksen, Jhickserten, Jhicker, Schicker): 1) «Knicker» — in dieser Bed. dafür auch Bueter (I/S. 164), Mierbel, Wak — die Kinder unterscheiden beim Spiel: décke J. (cf. [Bd. 2, S. 234]/ jhiips auch Aga, Bomm, Kätzchen, Gallacker) und klenge J. (diese meist aus Ton; neuerdings auch aus Glas); 2) «Hode»; 3) «kleine Kartoffel» — d'Grompere sin näischt hauer, 't sin nëmme Jhicken; 4) «Samenkapsel der Kartoffel».
 
Jhick II F.: 1) «Priem, Kautabak» — deen as keng J. Tubak wäert — du kriss eng op de Bak, dass de mengs, den Himmel wier eng J. an déi zwielef Apostelen eng Raiberband — iron.: eng J. um A (blau unterlaufenes Auge, Brillenhämatom); 2) Weiswampach: «Lutschbonbon» (aus Belgien in dieser Bed. übernommen: des chiques); 3) «geschwollene Backe» — en huet d'Zänn wéi an dobäi eng J., e gesäit nët driwwer.
 
Jhick III, Jhicki, Jhitzki M.: «Tölpel» — bisw. auch Jhiggo (cf. auch Gigot II/S. 56) — in Flüchen: non déi Jhicki!
 
j(h)icken I intr. Verb.: 1) «mit den Knickern spielen»; 2) Ösl. spaßh.: «kegeln» — auch trans.: märr gin éng j. — zu den beiden Bedeutungen die Abl.: Gej(h)icks N.
 
jhicken II intr. Verb.: 1) «Tabak kauen» — jhickt déng Bomi? — (a wat) jhickt de Pätter? — Pätter, jhickt nët! — jhicks de nët? (alles abweisende Redewendungen als Antwort auf dumme, allzu neugierige Fragen, übertriebene Ansprüche); 2) «(tüchtig) essen, kauen» — heivu jhicks de näischt (du brauchst dir nichts davon zu erwarten) — kuck wéi se j., 't as emol keen, deen e Wuert seet! (cf. zu dieser Bed.: wall. chiker, bei HAUST, Dict. Liég., S. 146); 3) iron., in der Ra.: dann hätt en et awer gejhickt (da wäre er richtig angekommen).
 
Jhickemrei spaßh. weibl. Vorn. in der abweisenden Ra.: J. och! (cf. jhicken II sub 1).
 
Jhickepittchen M.: «überstürzter, nervöser Mensch» — cf. Broseler I/S. 158.
 
Jhickert M.: 1) «Mensch, der gewohnheitsmäßig Tabak kaut»; 2) «tüchtiger Esser».
 
Jhicktubak M.: «Kautabak» — dafür auch: Strollentubak, Strolles.
 
Jhidd(es), Jhittes, Jhill(es) (lok. auch mit J- anlautend) männl. Vorn.: häufige Var. zu «Ägidius» (s. d. I/54, sowie Egidi, Ejhidi I/251 und Gitt II/59).
 
JhiffF.: «Ohrfeige, Backenstreich» (= frz. gifle — bei MEYER-GLODEN S. XIII) — dafür heute: Ouerfei, eng op de Bak.
 
Jhig, Gigue (wie frz.) F.: «Schulterstück» (bes. vom Rehbraten).
 
Jhilli I = Gilet (s. d. II/ 57 — daselbst auch das Komp. Jhillistäsch) — dazu nachzutragen: gräif an de J., an d'Jhillistäsch (bezahle!).
 
Jhilli II M.: «Chilisalpeter» (als chem. Dünger) — statt Chili (S-); in Fremdwörtern tritt gerne Jh- an die Stelle von anlautendem Sch- (cf. etwa jhäken), auch sonst ist der Wechsel jh-/sch- im Anlaut geläufig (cf. etwa jhipsen).
 
Jhin(a), Jhini weibl. Vorn.: Kurzform zu verschiedenen mit -gin(i)e auslautenden Namen, etwa: Virginie, Georgine.
 
jhiss(eg), jhesseg Adj.: 1) «fein, zierlich» (in Kleidung, Gebärden, Benehmen) — wéi et esou j. do kënnt!; 2) «stutzerhaft» (cf. etwa Hechtchen, Jénkerchen) — das Wort entspricht wenigstens in seiner Bedeutung dem afrz. «gent» und dem dazugehörigen Verbum «agencer» (= noch im XVI. Jh. «verschönern, schmücken»), dies ergibt in wall. Aussprache «adjincer» (HAUST, Dict. Liégeois, S. 11); schon bei Wb. 06 vermerkt, daher offenbar älter als das pejor. deutsche «Gent» (feiner Herr, Kavalier), eine im 19. Jh. in England aufgekommene Kurzform zu «gentleman»; Unabhängigkeit davon bezeugt auch die lux. Aussprache: ʒ·s /ʒ·seç; Anklänge fehlen in allen deutschen Mundartwörterbüchern der Nachbarschaft.
 
Jhipp(es), Jhippi (neben der lok. Aussprache Jipp-) M.: 1) (spaßh.) Kurzform zu «Josef» (cf. etwa Jheff); 2) «Dummer Mensch, Tölpel» — du aarme Jhippi, Jhippchen (zu dieser Bed. cf. auch Jabb, Jabbo und Japp).
 
Jhippchen, Schippchen N. (Plur. -ercher): «Kücken».
 
Jhips I M.: «Melasse» (bei der Zuckerbereitung aus Zuckerrüben gewonnener zähflüssiger Brotaufstrich) — dafür häufiger: Melaass, Rommels (Rommele)-gebääss, lok. im Wiltzer Raum: Daggi (= wall. daguet «goudron végétal» bei HAUST, Dict. Liégeois, S. 193).
 
Jhips II, auch Schips (zum Anlaut cf. Jhilli II) F.: «Spielmarke aus Bein» (cf. auch Jeton).
 
jhips, jhiips Interj.: das Schilpen der Vögel (Küken) nachahmend — vor allem in der Ra.: wann all Vulle päifen, da maach du j. (abweisend, zurechtweisend: «jetzt hast du zu schweigen»).
 
jhipsen, jhiipsen, auch schipsen (zum Anlaut cf. Jhilli II) intr. Verb.: 1) «piepen, schilpen» (von Vögeln, Küken); 2) «leise, mit heiserer, heller Stimme, kaum geöffnetem Munde sprechen» — daher heißt es gelegtl.: e war esou séier gelaf, e konnt nët méi j. (er kann vor Anstrengung nicht mehr atmen — cf. aber auch: géipsen, gipsen II/48), dazu die Abl.: Gejhips N. (s. Djipen).
 
Jhipsert M.: 1) «Vogel-, Kückenschrei»; 2) «leiser, heller Ton» — all Kéier, wann en um Stull gefréckelt huet, da gouf et e J. — bei Wiederholung, längerer Dauer: Gejhips N. (s. Djiipsert); 3) «junger (piepsender) Vogel, der noch nicht flügge ist»; 4) auf Menschen übertragen: «Grünschnabel, Hosenmatz, Schwächling» — ech wäerd dech J. nach fäerten (cf. auch die sub jhips, jhiips vermerkte Ra.).
 
Jhir(end), lok. auch Jierend, Jherr männl. Vorn.: «Gerhard».
 
Jhira, Jhirra M.: «gutes Essen» (cf. djêrå, djêre, djêri bei HAUST, Dict. Liégeois S. 225) — das veraltete Wort ist nur belegt bei MOSELLANUS 87.
 
Jhiraff (Ton: 1 i lang oder kurz) F.: 1) «Giraffe» — bes. im Vergleich: en Hals ewéi eng J.; 2) daher die übtr. Bed.: «hochaufgeschossenes, hageres Weib»; 3) «kleiner Schuttwagen» (Bergbau).
 
Jhiriën, Jhireën N. Pl., wofür auch Jhirimiri, Jhiremiri, Jhiresmires, Jheremiri N./M. (lok. Mosel: Jhiréngen F. Pl.): 1) zunächst wohl «Jeremiade» — daher: «unnützes Geklage, Gejammer» etwa in Echt.: 't as erem seines Jiresmires (= onnëtz Gekloochs); 2) erweitert: «unnützes Getue, Umstände, Ausreden» — maach nët esou vill J. (cf. frz. girie); 3) daraus abgezweigt «Seitensprünge, Faxen» — Echt.: dat säi Jhiriën, di ä vill Suë koasten; 4) in dinglicher Übtr.: «überflüssiger Zierat, Flitterwerk» — déi Fassad geféil mer besser ouni dee sëlleche J. — dazu die Abl.: Gejhirimiris N. — dies in weitester Bed. möglich, etwa: do wunne Lompekréimer, Dëppegéisser an nach esou G. — e simmelt Käppercher, Fixfeieschkëschten, Zigarebännercher an anert G. — hier nähert sich die Bed. offenbar dem Sammelbegriff «Kram».
 
jhirp(s)en, dafür lok. auch kirpen, schi(i)rp(s)en (Nösl. daneben: schurrepsen) intr. Verb.: «ächzen» (von der Türangel, ungeschmierten Maschinenteilen).

 

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