LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Joërbegänknes bis Jokobskraut (Bd. 2, Sp. 241b bis 244a)
 
-begänknes N.: «Jahrgedächtnis» (wie -gedéng, -gezäit — s. d.); -brout N.: «genug Getreide, um das ganze Jahr Brot davon backen zu können» — en hëlt säi J. mat (von einem Verstorbenen, der lange Zeit kränkelte und viele Kosten verursachte); -dag (bisw. Ton: 3) M.: «Jahrestag» — dem Hd. nachgespr.: Joresdag — op de J.; -déngscht M.: «Jahrgedächtnismesse» (im Gegs. zu -gedéng, -gezäit wie -mass, s. d.); -gank M.: «Jahrgang» — dat war e gudde J. — ech hu mer de ganze J. an ee Buch banne loosst; -gedéng, -gezäit, lok. Mosel auch -gezäi (Pl. -er) M. und N.: 1) in der urspr. Bed. «Jahrgeding» (Versammlung der Familienvorstände des Dorfes, der Gemeinde — cf. etwa Aalscht I/S. 18 und Ääns I/S. 51) noch in Prairieblummen belegt (amerikaluxbg.) — wurde gängig Mäertesgemeng genannt; 2) «gestiftetes Jahresgedächtnis für verstorbene Familien-, Vereinsangehörige» — in dieser Bed. dafür auch: -begänknes; -honnert (Pl. -en, -er) N.: «Jahrhundert» — ech gi mam J. (mein Alter stimmt mit den Zehnern und Einern der Jahreszahl — cf. auch -zuel — überein); -laang (häufiger: jorelaang) Adv.: «jahrelang» — 't huet j. geschleeft an et konnt keen Enn kréien — gesteigert: joren- a jorelaang (dafür auch einfach: Joren a Joren); -loun M.: «Jahreslohn, jährlich erfolgende Vergütung»; -maart (Ton meist: 3) M.: 1) «Jahrmarkt»; 2) Ga.: «Volksball, Ball, wo die gemischte Menge, der große Haufen wogt» — daher: mir sin hei op kengem J. (hier wird nicht gelärmt) — 't mengt ee grad, 't wier een op engem J.; -mass (Ton meist: 3) F.: «Jahrgedächtnismesse» (auf Antrag, grundsätzlich mit dem Todestag eines einzelnen Familienangehörigen zusammenfallend — im Gegs. zu -begänknes, -gedéng, -gezäit); -zéngt (Pl. -en, -er) N.: «Jahrzehnt»; [Bd. 2, S. 242] -zuel F.: 1) «Jahreszahl» — ech gi mat der J. (cf. Joërhonnert) — neuerdings gerne dem Hd. nachgespr.: Joreszuel; 2) «Admiral» (Schmetterling) — auf der marmorierten Rückseite der Flügel zeigt sich eine Zeichnung der Zahl 8118 oder 980.
 
Joër(e)s- -dag M. s. sub Joër-; -zäit (alt gelegtl. Joësch-) F.: «Jahreszeit» — bei där J. (in dieser Periode des Jahres) — dafür auch: Saison (/tsε:zÕ); -zuel F. s. sub Joër-.
 
Joffer (lok. weithin fast wie /jəfər gespr.) F.: 1) der Grundbedeutung von «Frau» (cf. Fra I/S. 405) entsprechend: «unverheiratete Dame aus adliger Familie, Edelfräulein» — dafür gelegtl. auch Fräl(l)en (s. d. I/S. 409); 2) Verengung der Grdbed.: «Insassin eines (zunächst adligen) Nonnenstiftes» (etwa aus Bonneweg, Differdingen, Echternach, Hosingen, Mariental), später allg.: «Insassin eines Klosters» — diese Bed. heute vor allem noch in den Komp.: -gaass, -gässel, -gank (s. d.); 3) in den bürgerlichen Bereich übtr.: «unverheiratete erwachsene Person weiblichen Geschlechts» — daher gängigste Anrede an unverheiratete Damen (mit folgendem Familien- oder Vornamen) — weitgehend werden junge Damen schlechthin (deren Personalien dem Sprecher unbekannt sind) mit Joffer angeredet (d. h. also in Fällen, wo die landesüblichen Schriftsprachen dem guten Ton entsprechend «gnädige Frau» oder «Madame» vorschreiben) — spaßh. Bezeichnungen: d'J. Antiko (altmodisch gekleidete Frauensperson), d'J. Läppschass (vorlautes, eingebildetes Mädchen); 4) «erwachsenes, reifes, heiratsfähiges Mädchen» — 't gët ewell eng J. (in dieser Verwendung gerne auch das Dim. Jëfferchen) — der Arzt fragt etwas: as et scho J.? (wann et emol bis J. as, da vergeet dat vum selwen) — je nach der Gesprächslage bes. «unberührtes Mädchen»: wann et alt nach J. as — gelegtl., in höflicher Rede «Tochter»: a wéi geet et dann ärer (oder der) J.? (in besseren Kreisen tritt der Name dazu) — sot der Madame an der J. e schéine Bonjour — méng (eis) J. für méng Duechter gilt als unfein; 5) bes. Bedeutungsverengungen: a) «Lehrerin» (und zwar auch, wenn es sich um eine verheiratete Frau handelt) — mir hun eng streng J. — eis Joffer as bestuet — die Schulkinder wenden sich mit Joffer an die weibliche Lehrperson der Primär- und Mittelschulen — so heißt etwa die Handarbeitslehrerin: Bitzjoffer (cf. bitzen und Bitz- I/S. 115); b) «Pfarrersköchin» — wofür genauer: Zärejoffer (häufiger: -kächen) — d'J. Paschtouer (die Schwester des Pfarrers, die den Haushalt führt); c) «Servierfräulein, -dame, Verkäuferin» — eis J. wird gelegtl. für das Dienstpersonal (Hausfräulein) gesagt; d) al Joffer «unverheiratete ältere Dame» (meist mit bes. Betonung schrullenhafter Charaktereigenschaften); 6) in mannigfacher Übtr. außerhalb des Menschlichen: a) Joffer, Kurzform zu Waasserjoffer «Wasserjungfer» ist die gängigste einheimische Bezeichnung für die «Libelle» (soweit nicht unter dem Einfluß der Schule dem Hd. nachgebildetes Libell an dessen Stelle getreten ist.) Auf Grund seiner Frage Nr. 98 «Libelle (allgem.)» zeichnet der «Deutsche Wortatlas» (MITZKA) Bd. II/Karte 55 eine flächenhafte Vierteilung unseres Raumes ein: Spéngelschësser im größten Teil des Gutlandes; (Waasser)joffer im größten Teil des Öslings, der Kantone Mersch, Diekirch und Echternach, sowie im Moselrandgebiet; über die Grenzflüsse ragt hochsprachlich beeinflußtes Libell in die östl. Randgebiete herein; der äußerste Nordosten gehört mit Siwestécher zu einem geschlossenen Gebiet der Schneifel. Die hier zutagetretende Zweiteilung unseres Raumes in Joffer/Spéngelschësser erfaßt eher eine entomologische als eine wortgeographische Verschiedenheit. Soweit der Mundartsprecher überhaupt zwischen verschiedenen Libellenarten unterscheidet, formuliert er seine Unterscheidung folgendermaßen: déi eng si méi kleng, ganz dënn, bal wéi eng Spéngel mat engem décke gliese Kapp, a si hun eng Faarf, wéi wa s'aus Stol wieren — déi aner si vill méi grouss a méi déck, mat engem frääschleche Kapp, mat gréngelzege Flillécken a mat engem gielzeg grénge Bauch. Bei der «kleinen Libelle» kommen, vor allem im Bereich unserer Bäche Alzette, Attert, Eisch und Mamer verschiedene Arten von «Agrion» u. «Calopterix» (am häufigsten «Calopterix splendens»), seltener von «Lestes» in Frage, im Bereich unserer größeren Flüsse Mosel und Sauer (darüber hinaus [Bd. 2, S. 243] in den öslinger Talmulden) ist «Aeschna» die bekanntere Art, vor allem «Aeschna cyanea», sehr selten «Libellula depressa» (mit gedrungenerem Leib). Es ergibt sich für «Libelle» folgende innerluxemburgische Synonymik (ohne daß es in den meisten Fällen möglich wäre, eine geographische Lagerung zu umschreiben): A. Die «große, dickleibige, grüngelbe» (Aeschna, viel seltener Libellula depressa) heißt I. Waasserjoffer, wofür weitgehend das Simplex Joffer, daneeben gelegtl. Damm («Dame») und andere Komp., wie Waasserfra, -frächen, -mamm, -nënnchen, -popp, -pippelchen — II. Waasservull, spezieller Waasserhinchen, -héngchen, -int, an der Mosel vereinzelt Äisvull, Waasserpompel, -bompel, anderswo auch -wo, -spiecht, -päipel, -flibor (Waasserhinchen — s. d. — bezeichnet allg. den «Eisvogel»)III. Komposita mit -kapp, etwa Doude-, Stéierkapp, im Echternacher Raum fallen vom Kopf vor allem die Augen auf, daher heißt es dort Auestisser (= gemeinlux. Aëstéisser «Augenstößer» — wenn nicht zu verstehen ist: «der in die Augen Stoßende»), bisw. auch für die kleinere ArtIV. «Skorpion» (bes. im Tal der Eisch und der Mamer), und zwar in den Varianten Spierkel, Spierkeljoun (was auch «Maulwurfsgrille» und «Wasserskorpion» bezeichnet), seltener Krëppeljoun, Spioun; V. lok. bisw. Päiperlek und Millermoler (z. B. Wiltz), also «Schmetterling»; B. Die «kleinere, dünnleibige, dunkelblaue» (Agrion, Calopterix, seltener Lestes) heißt I. Waasserdéier (-déier = «Insekt», cf. Déier sub 2/c, I/S. 200 und Gedéiesch II/S. 22), spezieller Waasserméck, -ämerchen (womit es in die Nachbarschaft von «Grille» od. «Heuschreck» rückt), vereinzelt auch Lutméck, (blo) Stiech-, Mäméck, Waassermock, spuenesch Méck, Schnak lokal bisw. Stiech-, Weierdéier — II. Spéngel und Komp. dazu, vor allem Spéngelschësser, dann auch -kapp, -déier, -gréitchen, neben Spéngelschësser vereinzelt auch Spelleschësser (cf. dazu etwa Spelle-, Spillebeen «dünne Beine»), Loftschësser — III. Stécher(t), neben dem Simpl. vor allem die Komp. Aë-, Pane-, Siwe-, Sonnestécher (vorwiegend im Nordostösling belegt — Auesteecher aus Bollendorferbrück), bisw. auch Stiechdéier («stechendes Insekt»), Stiechpäipel — IV. Schneider, welcher Name im allgem. den «Weberknecht» (Phalangium) oder die «Bach-, Wiesenschnake» (Tipulo) bezeichnet, präziser bloe (schwaarze) Schneider, Gëftschneider, Schneiderbécks, Bëddelschnëdder (umgekehrt bezeichnet im Zentrum, Alzettetal der Name Spéngelschësser auch die «Wiesenschnake») — Auf «große» und «kleine» bezogen sind die Namen: Duchewiewer, Dräischterchen (vereinzelt ostlux.), Drumm (das I/S. 232 nachzutragende Wort gehört zu «Drohne», das in den Echternacher Vergilglossen des XI. Jahrhunderts, im Cod. Par. Lat. 9344 als «drano» und «drenon» aber auch schon als «dremon» erscheint), Geck om Bengel, Jubbelgeess, Hippe-, Huppe-, Hoppegääss/-bän, Pegeissi u. Schmettmeesser; b) «Distel im Getreidefeld»; c) «Ramme» — wofür auch Damm (s. d. sub 4 I/181, wo die oben sub a erwähnte Bedeutung «Libelle» nachzutragen ist); d) Joffer am Gréngen «türkischer Schwarzkümmel, Nigella arvensis» — dafür auch horeg Jëfferchen, Gréitchen am Gréngen (cf. oben sub a die Var. Waassergréitchen neben -joffer), Spanneblumm; e) Druckerspr.: «Abzug einer Drucksache oder einer Satzseite ohne Satzfehler» (die keine Umänderung erfordert) — eng J. plécken (eine neue Schrift zuerst benutzen).
 
Joffere(n)- -bettstréi N.: «Dosten, Origanum» (auch Léiffrabettstréi); -gaass, -gässel F.: «Kongregationsstraße in Luxemburg»; -gank M.: «Straße längs des früherenen Klarissinnenklosters in Echternach» (frz. Passage des demoiselles); -gras N.: «Sternmiere, Stellaria holostea»; -hond M.: «Schoßhündchen»; -kaffi M.: «Kaffeegesellschaft angehender Damen» — heute geht meist nur noch Rede von einer Party, älter Kränzchen; -kand N.: «uneheliches Kind» — dafür meist Medercheskand; -spéngel F.: «Haubennadel kleinster Art, kurze Stecknadel, Puppennadel».
 
Johann M.: 1) männl. Vorn. — meist dafür Jean, Jhang (die hd. Form am häufigsten spaßh. gebr. oder auf eingebürgerte Deutsche bezogen) s. auch Haans; 2) «Faktotum» — mengs de (vläicht), ech wier däi J.? — en as de J. am Haus (em d'Haus). [Bd. 2, S. 244]
 
Jokef (lok.) M.: «Hupe aus Weidenrinde, mit oboeartigem Mundstück» (dafür sonst Wapp — cf. auch Fip, Fupp).
 
Jockey (/ʒokε) M.: 1) «berufsmäßiger Rennreiter» — dazu die Komp.: Jockeyskap, -mitz F.: «Jockeymütze»; 2) lok. gelegtl. als Pferdename gebr.; 3) lok. (ländlich) für Joker (sonst im Lande: Stippi) im Kartenspiel.
 
Jokel männl. Vorn.: Var. zu «Jakob» — cf. Jacques.
 
Jokesbierg M.: «Jakobsberg» (Anhöhe mit Einsiedelei bei Bech, Kanton Echternach).
 
Jokob M.: 1) männl. Vorn.: «Jakob» (dafür in bes. Fällen lieber Jakob — s. d.) — im übrigen gilt dafür Jacques und Var.; 2) «Beerenwanze, Qualster, Pentatoma baccarum, Cimex baccarum» (vor allem an Himbeeren und Kirschen) — dafür auch Kréischelsdéier, Kréischelsbock, Sténkert; 3) volkst. Name der im Dienst der Schloßherrn von Bourscheid und Brandenburg stehenden Jäger; ihre Treffsicherheit brachte sie in den Ruf von Freijägern.
 
Jokobs- (cf. auch die sub Jakobs- erwähnten, und nur so belegten Komp.) -blumm F.: «Jakobskraut» — s. Jakobsstaf; -dag M.: «Fest des hl. Jakobus, am 25. Juli» — Bauernregeln: J. zeidegt d'Fruucht Nuecht an Dag — J. huet d'Séchel de Klank an d'Drauwen den Hank — J. muss den Aker (= «Eckerich», cf. I/16) esou déck ewéi e Kréiena sin — Op J. zeidegt de Weess, 't sief naas oder heess — J. gin d'Äppel an de Saaft — J. (zënt Jokob) bréngt Brout oder Hongersnout; -drauf F.: «frühreifende Traube» — dafür auch Aaschtdrauf (s. I/S. 10); -kraut M.: s. Jakobsblumm;

 

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