LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Joffer bis Jongeblumm (Bd. 2, Sp. 242a bis 246a)
 
Joffer (lok. weithin fast wie /jəfər gespr.) F.: 1) der Grundbedeutung von «Frau» (cf. Fra I/S. 405) entsprechend: «unverheiratete Dame aus adliger Familie, Edelfräulein» — dafür gelegtl. auch Fräl(l)en (s. d. I/S. 409); 2) Verengung der Grdbed.: «Insassin eines (zunächst adligen) Nonnenstiftes» (etwa aus Bonneweg, Differdingen, Echternach, Hosingen, Mariental), später allg.: «Insassin eines Klosters» — diese Bed. heute vor allem noch in den Komp.: -gaass, -gässel, -gank (s. d.); 3) in den bürgerlichen Bereich übtr.: «unverheiratete erwachsene Person weiblichen Geschlechts» — daher gängigste Anrede an unverheiratete Damen (mit folgendem Familien- oder Vornamen) — weitgehend werden junge Damen schlechthin (deren Personalien dem Sprecher unbekannt sind) mit Joffer angeredet (d. h. also in Fällen, wo die landesüblichen Schriftsprachen dem guten Ton entsprechend «gnädige Frau» oder «Madame» vorschreiben) — spaßh. Bezeichnungen: d'J. Antiko (altmodisch gekleidete Frauensperson), d'J. Läppschass (vorlautes, eingebildetes Mädchen); 4) «erwachsenes, reifes, heiratsfähiges Mädchen» — 't gët ewell eng J. (in dieser Verwendung gerne auch das Dim. Jëfferchen) — der Arzt fragt etwas: as et scho J.? (wann et emol bis J. as, da vergeet dat vum selwen) — je nach der Gesprächslage bes. «unberührtes Mädchen»: wann et alt nach J. as — gelegtl., in höflicher Rede «Tochter»: a wéi geet et dann ärer (oder der) J.? (in besseren Kreisen tritt der Name dazu) — sot der Madame an der J. e schéine Bonjour — méng (eis) J. für méng Duechter gilt als unfein; 5) bes. Bedeutungsverengungen: a) «Lehrerin» (und zwar auch, wenn es sich um eine verheiratete Frau handelt) — mir hun eng streng J. — eis Joffer as bestuet — die Schulkinder wenden sich mit Joffer an die weibliche Lehrperson der Primär- und Mittelschulen — so heißt etwa die Handarbeitslehrerin: Bitzjoffer (cf. bitzen und Bitz- I/S. 115); b) «Pfarrersköchin» — wofür genauer: Zärejoffer (häufiger: -kächen) — d'J. Paschtouer (die Schwester des Pfarrers, die den Haushalt führt); c) «Servierfräulein, -dame, Verkäuferin» — eis J. wird gelegtl. für das Dienstpersonal (Hausfräulein) gesagt; d) al Joffer «unverheiratete ältere Dame» (meist mit bes. Betonung schrullenhafter Charaktereigenschaften); 6) in mannigfacher Übtr. außerhalb des Menschlichen: a) Joffer, Kurzform zu Waasserjoffer «Wasserjungfer» ist die gängigste einheimische Bezeichnung für die «Libelle» (soweit nicht unter dem Einfluß der Schule dem Hd. nachgebildetes Libell an dessen Stelle getreten ist.) Auf Grund seiner Frage Nr. 98 «Libelle (allgem.)» zeichnet der «Deutsche Wortatlas» (MITZKA) Bd. II/Karte 55 eine flächenhafte Vierteilung unseres Raumes ein: Spéngelschësser im größten Teil des Gutlandes; (Waasser)joffer im größten Teil des Öslings, der Kantone Mersch, Diekirch und Echternach, sowie im Moselrandgebiet; über die Grenzflüsse ragt hochsprachlich beeinflußtes Libell in die östl. Randgebiete herein; der äußerste Nordosten gehört mit Siwestécher zu einem geschlossenen Gebiet der Schneifel. Die hier zutagetretende Zweiteilung unseres Raumes in Joffer/Spéngelschësser erfaßt eher eine entomologische als eine wortgeographische Verschiedenheit. Soweit der Mundartsprecher überhaupt zwischen verschiedenen Libellenarten unterscheidet, formuliert er seine Unterscheidung folgendermaßen: déi eng si méi kleng, ganz dënn, bal wéi eng Spéngel mat engem décke gliese Kapp, a si hun eng Faarf, wéi wa s'aus Stol wieren — déi aner si vill méi grouss a méi déck, mat engem frääschleche Kapp, mat gréngelzege Flillécken a mat engem gielzeg grénge Bauch. Bei der «kleinen Libelle» kommen, vor allem im Bereich unserer Bäche Alzette, Attert, Eisch und Mamer verschiedene Arten von «Agrion» u. «Calopterix» (am häufigsten «Calopterix splendens»), seltener von «Lestes» in Frage, im Bereich unserer größeren Flüsse Mosel und Sauer (darüber hinaus [Bd. 2, S. 243] in den öslinger Talmulden) ist «Aeschna» die bekanntere Art, vor allem «Aeschna cyanea», sehr selten «Libellula depressa» (mit gedrungenerem Leib). Es ergibt sich für «Libelle» folgende innerluxemburgische Synonymik (ohne daß es in den meisten Fällen möglich wäre, eine geographische Lagerung zu umschreiben): A. Die «große, dickleibige, grüngelbe» (Aeschna, viel seltener Libellula depressa) heißt I. Waasserjoffer, wofür weitgehend das Simplex Joffer, daneeben gelegtl. Damm («Dame») und andere Komp., wie Waasserfra, -frächen, -mamm, -nënnchen, -popp, -pippelchen — II. Waasservull, spezieller Waasserhinchen, -héngchen, -int, an der Mosel vereinzelt Äisvull, Waasserpompel, -bompel, anderswo auch -wo, -spiecht, -päipel, -flibor (Waasserhinchen — s. d. — bezeichnet allg. den «Eisvogel»)III. Komposita mit -kapp, etwa Doude-, Stéierkapp, im Echternacher Raum fallen vom Kopf vor allem die Augen auf, daher heißt es dort Auestisser (= gemeinlux. Aëstéisser «Augenstößer» — wenn nicht zu verstehen ist: «der in die Augen Stoßende»), bisw. auch für die kleinere ArtIV. «Skorpion» (bes. im Tal der Eisch und der Mamer), und zwar in den Varianten Spierkel, Spierkeljoun (was auch «Maulwurfsgrille» und «Wasserskorpion» bezeichnet), seltener Krëppeljoun, Spioun; V. lok. bisw. Päiperlek und Millermoler (z. B. Wiltz), also «Schmetterling»; B. Die «kleinere, dünnleibige, dunkelblaue» (Agrion, Calopterix, seltener Lestes) heißt I. Waasserdéier (-déier = «Insekt», cf. Déier sub 2/c, I/S. 200 und Gedéiesch II/S. 22), spezieller Waasserméck, -ämerchen (womit es in die Nachbarschaft von «Grille» od. «Heuschreck» rückt), vereinzelt auch Lutméck, (blo) Stiech-, Mäméck, Waassermock, spuenesch Méck, Schnak lokal bisw. Stiech-, Weierdéier — II. Spéngel und Komp. dazu, vor allem Spéngelschësser, dann auch -kapp, -déier, -gréitchen, neben Spéngelschësser vereinzelt auch Spelleschësser (cf. dazu etwa Spelle-, Spillebeen «dünne Beine»), Loftschësser — III. Stécher(t), neben dem Simpl. vor allem die Komp. Aë-, Pane-, Siwe-, Sonnestécher (vorwiegend im Nordostösling belegt — Auesteecher aus Bollendorferbrück), bisw. auch Stiechdéier («stechendes Insekt»), Stiechpäipel — IV. Schneider, welcher Name im allgem. den «Weberknecht» (Phalangium) oder die «Bach-, Wiesenschnake» (Tipulo) bezeichnet, präziser bloe (schwaarze) Schneider, Gëftschneider, Schneiderbécks, Bëddelschnëdder (umgekehrt bezeichnet im Zentrum, Alzettetal der Name Spéngelschësser auch die «Wiesenschnake») — Auf «große» und «kleine» bezogen sind die Namen: Duchewiewer, Dräischterchen (vereinzelt ostlux.), Drumm (das I/S. 232 nachzutragende Wort gehört zu «Drohne», das in den Echternacher Vergilglossen des XI. Jahrhunderts, im Cod. Par. Lat. 9344 als «drano» und «drenon» aber auch schon als «dremon» erscheint), Geck om Bengel, Jubbelgeess, Hippe-, Huppe-, Hoppegääss/-bän, Pegeissi u. Schmettmeesser; b) «Distel im Getreidefeld»; c) «Ramme» — wofür auch Damm (s. d. sub 4 I/181, wo die oben sub a erwähnte Bedeutung «Libelle» nachzutragen ist); d) Joffer am Gréngen «türkischer Schwarzkümmel, Nigella arvensis» — dafür auch horeg Jëfferchen, Gréitchen am Gréngen (cf. oben sub a die Var. Waassergréitchen neben -joffer), Spanneblumm; e) Druckerspr.: «Abzug einer Drucksache oder einer Satzseite ohne Satzfehler» (die keine Umänderung erfordert) — eng J. plécken (eine neue Schrift zuerst benutzen).
 
Joffere(n)- -bettstréi N.: «Dosten, Origanum» (auch Léiffrabettstréi); -gaass, -gässel F.: «Kongregationsstraße in Luxemburg»; -gank M.: «Straße längs des früherenen Klarissinnenklosters in Echternach» (frz. Passage des demoiselles); -gras N.: «Sternmiere, Stellaria holostea»; -hond M.: «Schoßhündchen»; -kaffi M.: «Kaffeegesellschaft angehender Damen» — heute geht meist nur noch Rede von einer Party, älter Kränzchen; -kand N.: «uneheliches Kind» — dafür meist Medercheskand; -spéngel F.: «Haubennadel kleinster Art, kurze Stecknadel, Puppennadel».
 
Johann M.: 1) männl. Vorn. — meist dafür Jean, Jhang (die hd. Form am häufigsten spaßh. gebr. oder auf eingebürgerte Deutsche bezogen) s. auch Haans; 2) «Faktotum» — mengs de (vläicht), ech wier däi J.? — en as de J. am Haus (em d'Haus). [Bd. 2, S. 244]
 
Jokef (lok.) M.: «Hupe aus Weidenrinde, mit oboeartigem Mundstück» (dafür sonst Wapp — cf. auch Fip, Fupp).
 
Jockey (/ʒokε) M.: 1) «berufsmäßiger Rennreiter» — dazu die Komp.: Jockeyskap, -mitz F.: «Jockeymütze»; 2) lok. gelegtl. als Pferdename gebr.; 3) lok. (ländlich) für Joker (sonst im Lande: Stippi) im Kartenspiel.
 
Jokel männl. Vorn.: Var. zu «Jakob» — cf. Jacques.
 
Jokesbierg M.: «Jakobsberg» (Anhöhe mit Einsiedelei bei Bech, Kanton Echternach).
 
Jokob M.: 1) männl. Vorn.: «Jakob» (dafür in bes. Fällen lieber Jakob — s. d.) — im übrigen gilt dafür Jacques und Var.; 2) «Beerenwanze, Qualster, Pentatoma baccarum, Cimex baccarum» (vor allem an Himbeeren und Kirschen) — dafür auch Kréischelsdéier, Kréischelsbock, Sténkert; 3) volkst. Name der im Dienst der Schloßherrn von Bourscheid und Brandenburg stehenden Jäger; ihre Treffsicherheit brachte sie in den Ruf von Freijägern.
 
Jokobs- (cf. auch die sub Jakobs- erwähnten, und nur so belegten Komp.) -blumm F.: «Jakobskraut» — s. Jakobsstaf; -dag M.: «Fest des hl. Jakobus, am 25. Juli» — Bauernregeln: J. zeidegt d'Fruucht Nuecht an Dag — J. huet d'Séchel de Klank an d'Drauwen den Hank — J. muss den Aker (= «Eckerich», cf. I/16) esou déck ewéi e Kréiena sin — Op J. zeidegt de Weess, 't sief naas oder heess — J. gin d'Äppel an de Saaft — J. (zënt Jokob) bréngt Brout oder Hongersnout; -drauf F.: «frühreifende Traube» — dafür auch Aaschtdrauf (s. I/S. 10); -kraut M.: s. Jakobsblumm; -strooss F.: 1) «Jakobsstraße» (vielleicht die Pilgerstraße nach Santiago di Compostella oder die Himmelsleiter im Traum Jakobs) — 't as ewéi eng J. an deem Haus (das Haus ist beständig mit Gästen überfüllt); 2) lok. «Milchstraße».
 
jo let Interj.: «vorwärts» (Flußschiffahrt — cf. das dazugehörige Verb. jauneren, jaunderen, jauderen, jauteren = jauneren sub 3/a).
 
Joli (/ʒoli·) M.: 1) früher häufiger Name für kleine Hunde; 2) Spitzname; 3) spaßh.: «der Hintere» und «penis».
 
Jolibois (/ʒOlibwA) M.: 1) «Seidelbast, Daphne»; 2) bisw. spaßh. Familienname, etwa: «Neureichs» — den Här an d'Madam J. (cf. Hëlzebeens); 3) bisw. auch: (d)en Här J. «ungeschickter Mensch, der alles verkehrt macht».
 
Jomer M.: 1) «Jammer» (dafür auch Jamer); 2) «Übel, (geheime) Krankheit» — wat kënnt dach allerhand J. un een! — e ka sech vun elauter J. nët hëllefen; 3) euphemistisch für «Teufel» (in Flüchen und Kraftausdrücken) — dat as der J. (da liegt die Schwierigkeit) — wat der J.? (erstaunt — aber auch wegwerfend: «was liegt schon daran») — dat weess der J. — do soll der J. dra gescheit gin — an all der J. (allerhand Zeug, buntes Allerlei, Plunder) — dass dech der J. gehei(t) (dich plage der Teufel) — ech hun en heemlech bei der J. gewënscht — der J. soll en huelen — der J. nët nach (Ausruf des Unwillens) — auch einfach: der J. (Verwunderung) — gelegtl. auch als N.: dat Jomer soll dech huelen.
 
jomereg Adj.: «zum Jammern geneigt, wehleidig» — sëf nët esou j., 't as dach näischt geschitt.
 
jomeren intr. Verb.: «jammern, klagen» (cf. jameren, jéimeren); dazu die Abl.: Jomeres, Gejomer(s) N. — kritt dat G. da bal en Enn? — wat déi e Jomeres féieren!
 
Jommich Interj. der Verwunderung (Ösl.) — lok. Var. zu jëmmen (II/S. 229).
 
Jon, Joun (lok. auch Jaun und bisw. Ju, Pl. Jeen, Jéin) M.: 1) «Reihe gemähten Getreides, Schwaden»; 2) «Streifen Landes, Beet» — fir d'éischt planze mer e J. Bounen, dann e J. Zwiw(w)elen (Ënnen) usw.; 3) «für den einzelnen Arbeiter bemessener Teil eines zu bearbeitenden Feld-, Wald-, Wiesenkomplexes» — de Jhäng as e ganze J. ugaangen (hat die Arbeit auf einem abgegrenzten Ackerteil übernommen); 4) außerhalb der Landarbeit, allg.: «Arbeitsgang» (auch e J. Aarbecht) — e klenge J. fir en héije (décke) Loun — 't as beim (bei J., am J.) J verzielt gin — haut hu mer e gudde J. gemat (ein gutes Stück Arbeit geleistet); 5) erweitert: «die gesamte Erntearbeit» — haut gi mer an de J. — si haten hirer fofzéng am J.; 6) «Zahl der arbeitenden Personen im Dienst eines Herrn» (im Feld, im Weinberg) — übtr.: si stin an engem J. (haufenweise beisammen) — cf. Jéist, Jëst, joonzerhand. [Bd. 2, S. 245]
 
Jon männl. Vorn.: «Simeon» — vor allem noch in der Ortsbezeichnung Joonswier N.: «Simeonswehr» (eine von den Moselschiffern gefürchtete starke Stromschnelle bei Hëttermillen oberhalb Ehnen, dem deutschen Grenzdörfchen Wehr gegenüber; früher sollen die Trierer Domherren hier an der Mosel ein Fëschwier — s. d. I/S. 362 — ausgebeutet haben; urkundlich als «Simeonswehr» belegt) — die Vollform des Namens wurde Simejon gesprochen.
 
Jonas (lok. Monnerich) Name einer Seite beim Béckel II. (s. Kaul, Spillschanken).
 
Jonc († nur bei Ga. belegt) M.: «Kugelring» (aus dem Frz. «jonc» = bague sans chaton, dont le cercle est partout de la même grosseur — aus der Gaunersprache in die Ma. gelangt, daher wohl von Ga. vermerkt; dazu GAMILLSCHEG, Et. Wb. der frz. Spr. S. 541: «ursprünglich ein Ring aus Binsen, mit dem arme Hochzeitsleute ihre Eheschließung kundtun») — heute unbekannt; für den «Ehering» gilt gängiger das aus dem Frz. übernommene Alliance (meist mit Endbetonung — s. d. I/S. 20).
 
Joncstull M.: = cannéierte Stull — s. cannéiert.
 
Jong (lok. Jung — zur Verteilung der -ong/-ung-Varianten cf. etwa PALGEN, Studien z. Lautgeogr., Karte 11 «Huhn» — wo im Nordosten Houn gilt, erscheint Jong weitgehend als Jung — Pl. Jongen — Dim. Jéngelchen, s. d.) M.: 1) «Junge, Knabe» — as et e J. (gin) oder e Meedchen (hast du einen Jungen oder ein Mädchen bekommen?) — wenn ein Mädchen gewünscht war, heißt es gelegtl. tröstend: fir e J. kritt een e Meedchen — ähnlich auch: fir méng Meedercher kréien ech genuch Jongen — si haten en esou kujenéiert, e wosst nët méi, ob en J. wär oder e Meedchen (ähnlich: e war esou voll, e wosst nët méi usw.) — zu einem Mädchen mit Jungenmanieren: du wiers e gudde J. gin, un dir as e J. verluer gaang — sou e grousse J. kräischt dach nët méi (gütlich zuredend, zu einem weinenden Knaben) — dir hut schon e grousse J. (cf. auch sub 4) — du domme J.! (eher beschwichtigend als tadelnd), du aarme J.! usw. — den domme J. ist der Titel eines früher beliebten ländlichen Theaterstückes, das vielerorts mit lokalen Einflechtungen aufgeführt wurde — Kinderreim: J., (J.) Spëtz déng Zong, Lee s'op e Steen, Huel se mat heem (MERSCH, Lx. Kinderreime S. 52 erklärt: «wenn ein fremder Knabe ins Dorf kommt, rufen die einheimischen Kinder demselben nach») — J. J. Spëtz déng Zong, Zéi um Säl, Rouf déng Mamm eräm (Niederkerschen); 2) «junger Mann, Bursche, Kerl» — 't as e stootse J. (auch: en Härejong) — 't geet (leeft, zitt) mat de Jongen — 't huet e J. un all Fanger (gelegtl. Zus.: an um Daum zwéin) — in den Heischeliedern heißt es z. B.: hei kommen déi Bëlleger Jongen (cf. Fuesentsbrot I/S. 422) — 't as e Bouneweger J. (er ist in Bonneweg geboren, und hat dort seine Jugend verlebt) — mar gin d'Jonge fort (morgen werden die Burschen zum Militär einrücken, zur Mittel-, Hochschule abreisen) — nach dem Krieg 1939/45 bedeutet ons Jongen «Zwangsrekrutierte der deutschen Wehrmacht» — neuerdings: déi Dickerecher, déi Walfer Jongen (in Diekirch, Walferdingen stationierte Soldaten) — ironisch: ma du wiers grad de J. dee mer bräichten (d. h. eigentlich: den wir nicht gebrauchen können), ähnlich im Nordösl.: du wirrs grad de Jung, si han na op dich gewaart! — in Ausrufen, emphatischer Redeweise: mäi léiwe J.! (entsprechend etwa dem dt.: «Mensch!, Junge!» — cf. auch sub 6) auch: = hues du eng Anong (warnend) — déi Éiner Jongen (die gesamte Dorfburschenschaft von Ehnen); 3) «Freier, Liebhaber» — 't koum do mat séngem J. — 't bréngt de J. scho mat an d'Haus — säi J. as em ontrei gin — gelegtl. abfällig: dee Monnerecher J. (jener Liebhaber aus Monnerich); 4) «Sohn» — eise J. geet op d'Schmelz schaffen — (drénk, drénk Jéngelchen,) du bas dem Papp säi J. — wat häss de gär (wat feelt der dann usw.), mäi J.? — wenn es sich um den einzigen Sohn (bei vielen Töchtern) handelt, heißt es gerne: de Jong, auch als Anrede: Jong, daher gerne mit dem Hausnamen verbunden: Schmatts J., Theisse J. usw., von hieraus zum Vornamen entwickelt (cf. auch Jéng, Fissi) — hatt kritt de J. vum Haus (sie heiratet ein) — a wiem säi J. bas du dann? Antwort meist: méngem Papp säin! — übtr.: mee, du (betont) bas mäi J. (du bist meiner Ansicht — so gefällst du mir); 5) in Kompositis: «Junge, der eine bestimmte Arbeit [Bd. 2, S. 246] ausführt», etwa: Bäckesch-, Kéi-, Kele-, Mëllech-, Metzelesch-, Päerds-, Weedsjong usw.; 6) «Kamerad» — Jongen, sid der all do? — dajee, Jongen, loosse mer Eescht maachen!; 7) in Ausrufen gilt, neben mäi léiwe J. (cf. sub 2), häufig auch (dem Hd. angenähert): Jung(e) od. gar Junge, Junge — o Jung, wat hu mer do gebafft! — O Jong o Jong! (Ausruf des frohen Verwundertseins); die Abgrenzung des Wortes gegen südliches Bouf erhellt aus MITZKA, Dt. Wortatlas Bd. IV u. dem Artikel Bouf (I/S. 137): im Ösling, nördlich Clerf ist Bouf ungebräuchlich, südlich davon, vor allem im Gutland, ist Jong der neutrale, Bouf der mehr oder weniger pejorative Begriff: es wird immer heißen du bas e gudde, brave, léiwe J. (auch du bas e béise J.) aber Bouf wird grundsätzlich nur mit tadelnden, oder doch zumindest die Lebhaftigkeit, das Draufgängertum ausdrückenden Adjektiven verbunden.
 
Jonge- -blumm F.: Name verschiedener gelber Wiesenblumen, meist: 1) «gebräuchliche Kuhblume, Caltha palustris»; 2) «Löwenzahn, Leontodon autumnale, Taraxacum off.» — in dieser Bed. dafür auch: Beieblumm (I/S. 98), Bettsäächesch (blumm, I/S. 105), zu den dort vermerkten Synonyma, lok. auch: Äerplausch, Kéisch(w)app, Minnechkapp, Beie-, Äerstack.

 

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