LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Joli bis Josaphat (Bd. 2, Sp. 244a bis 247b)
 
Joli (/ʒoli·) M.: 1) früher häufiger Name für kleine Hunde; 2) Spitzname; 3) spaßh.: «der Hintere» und «penis».
 
Jolibois (/ʒOlibwA) M.: 1) «Seidelbast, Daphne»; 2) bisw. spaßh. Familienname, etwa: «Neureichs» — den Här an d'Madam J. (cf. Hëlzebeens); 3) bisw. auch: (d)en Här J. «ungeschickter Mensch, der alles verkehrt macht».
 
Jomer M.: 1) «Jammer» (dafür auch Jamer); 2) «Übel, (geheime) Krankheit» — wat kënnt dach allerhand J. un een! — e ka sech vun elauter J. nët hëllefen; 3) euphemistisch für «Teufel» (in Flüchen und Kraftausdrücken) — dat as der J. (da liegt die Schwierigkeit) — wat der J.? (erstaunt — aber auch wegwerfend: «was liegt schon daran») — dat weess der J. — do soll der J. dra gescheit gin — an all der J. (allerhand Zeug, buntes Allerlei, Plunder) — dass dech der J. gehei(t) (dich plage der Teufel) — ech hun en heemlech bei der J. gewënscht — der J. soll en huelen — der J. nët nach (Ausruf des Unwillens) — auch einfach: der J. (Verwunderung) — gelegtl. auch als N.: dat Jomer soll dech huelen.
 
jomereg Adj.: «zum Jammern geneigt, wehleidig» — sëf nët esou j., 't as dach näischt geschitt.
 
jomeren intr. Verb.: «jammern, klagen» (cf. jameren, jéimeren); dazu die Abl.: Jomeres, Gejomer(s) N. — kritt dat G. da bal en Enn? — wat déi e Jomeres féieren!
 
Jommich Interj. der Verwunderung (Ösl.) — lok. Var. zu jëmmen (II/S. 229).
 
Jon, Joun (lok. auch Jaun und bisw. Ju, Pl. Jeen, Jéin) M.: 1) «Reihe gemähten Getreides, Schwaden»; 2) «Streifen Landes, Beet» — fir d'éischt planze mer e J. Bounen, dann e J. Zwiw(w)elen (Ënnen) usw.; 3) «für den einzelnen Arbeiter bemessener Teil eines zu bearbeitenden Feld-, Wald-, Wiesenkomplexes» — de Jhäng as e ganze J. ugaangen (hat die Arbeit auf einem abgegrenzten Ackerteil übernommen); 4) außerhalb der Landarbeit, allg.: «Arbeitsgang» (auch e J. Aarbecht) — e klenge J. fir en héije (décke) Loun — 't as beim (bei J., am J.) J verzielt gin — haut hu mer e gudde J. gemat (ein gutes Stück Arbeit geleistet); 5) erweitert: «die gesamte Erntearbeit» — haut gi mer an de J. — si haten hirer fofzéng am J.; 6) «Zahl der arbeitenden Personen im Dienst eines Herrn» (im Feld, im Weinberg) — übtr.: si stin an engem J. (haufenweise beisammen) — cf. Jéist, Jëst, joonzerhand. [Bd. 2, S. 245]
 
Jon männl. Vorn.: «Simeon» — vor allem noch in der Ortsbezeichnung Joonswier N.: «Simeonswehr» (eine von den Moselschiffern gefürchtete starke Stromschnelle bei Hëttermillen oberhalb Ehnen, dem deutschen Grenzdörfchen Wehr gegenüber; früher sollen die Trierer Domherren hier an der Mosel ein Fëschwier — s. d. I/S. 362 — ausgebeutet haben; urkundlich als «Simeonswehr» belegt) — die Vollform des Namens wurde Simejon gesprochen.
 
Jonas (lok. Monnerich) Name einer Seite beim Béckel II. (s. Kaul, Spillschanken).
 
Jonc († nur bei Ga. belegt) M.: «Kugelring» (aus dem Frz. «jonc» = bague sans chaton, dont le cercle est partout de la même grosseur — aus der Gaunersprache in die Ma. gelangt, daher wohl von Ga. vermerkt; dazu GAMILLSCHEG, Et. Wb. der frz. Spr. S. 541: «ursprünglich ein Ring aus Binsen, mit dem arme Hochzeitsleute ihre Eheschließung kundtun») — heute unbekannt; für den «Ehering» gilt gängiger das aus dem Frz. übernommene Alliance (meist mit Endbetonung — s. d. I/S. 20).
 
Joncstull M.: = cannéierte Stull — s. cannéiert.
 
Jong (lok. Jung — zur Verteilung der -ong/-ung-Varianten cf. etwa PALGEN, Studien z. Lautgeogr., Karte 11 «Huhn» — wo im Nordosten Houn gilt, erscheint Jong weitgehend als Jung — Pl. Jongen — Dim. Jéngelchen, s. d.) M.: 1) «Junge, Knabe» — as et e J. (gin) oder e Meedchen (hast du einen Jungen oder ein Mädchen bekommen?) — wenn ein Mädchen gewünscht war, heißt es gelegtl. tröstend: fir e J. kritt een e Meedchen — ähnlich auch: fir méng Meedercher kréien ech genuch Jongen — si haten en esou kujenéiert, e wosst nët méi, ob en J. wär oder e Meedchen (ähnlich: e war esou voll, e wosst nët méi usw.) — zu einem Mädchen mit Jungenmanieren: du wiers e gudde J. gin, un dir as e J. verluer gaang — sou e grousse J. kräischt dach nët méi (gütlich zuredend, zu einem weinenden Knaben) — dir hut schon e grousse J. (cf. auch sub 4) — du domme J.! (eher beschwichtigend als tadelnd), du aarme J.! usw. — den domme J. ist der Titel eines früher beliebten ländlichen Theaterstückes, das vielerorts mit lokalen Einflechtungen aufgeführt wurde — Kinderreim: J., (J.) Spëtz déng Zong, Lee s'op e Steen, Huel se mat heem (MERSCH, Lx. Kinderreime S. 52 erklärt: «wenn ein fremder Knabe ins Dorf kommt, rufen die einheimischen Kinder demselben nach») — J. J. Spëtz déng Zong, Zéi um Säl, Rouf déng Mamm eräm (Niederkerschen); 2) «junger Mann, Bursche, Kerl» — 't as e stootse J. (auch: en Härejong) — 't geet (leeft, zitt) mat de Jongen — 't huet e J. un all Fanger (gelegtl. Zus.: an um Daum zwéin) — in den Heischeliedern heißt es z. B.: hei kommen déi Bëlleger Jongen (cf. Fuesentsbrot I/S. 422) — 't as e Bouneweger J. (er ist in Bonneweg geboren, und hat dort seine Jugend verlebt) — mar gin d'Jonge fort (morgen werden die Burschen zum Militär einrücken, zur Mittel-, Hochschule abreisen) — nach dem Krieg 1939/45 bedeutet ons Jongen «Zwangsrekrutierte der deutschen Wehrmacht» — neuerdings: déi Dickerecher, déi Walfer Jongen (in Diekirch, Walferdingen stationierte Soldaten) — ironisch: ma du wiers grad de J. dee mer bräichten (d. h. eigentlich: den wir nicht gebrauchen können), ähnlich im Nordösl.: du wirrs grad de Jung, si han na op dich gewaart! — in Ausrufen, emphatischer Redeweise: mäi léiwe J.! (entsprechend etwa dem dt.: «Mensch!, Junge!» — cf. auch sub 6) auch: = hues du eng Anong (warnend) — déi Éiner Jongen (die gesamte Dorfburschenschaft von Ehnen); 3) «Freier, Liebhaber» — 't koum do mat séngem J. — 't bréngt de J. scho mat an d'Haus — säi J. as em ontrei gin — gelegtl. abfällig: dee Monnerecher J. (jener Liebhaber aus Monnerich); 4) «Sohn» — eise J. geet op d'Schmelz schaffen — (drénk, drénk Jéngelchen,) du bas dem Papp säi J. — wat häss de gär (wat feelt der dann usw.), mäi J.? — wenn es sich um den einzigen Sohn (bei vielen Töchtern) handelt, heißt es gerne: de Jong, auch als Anrede: Jong, daher gerne mit dem Hausnamen verbunden: Schmatts J., Theisse J. usw., von hieraus zum Vornamen entwickelt (cf. auch Jéng, Fissi) — hatt kritt de J. vum Haus (sie heiratet ein) — a wiem säi J. bas du dann? Antwort meist: méngem Papp säin! — übtr.: mee, du (betont) bas mäi J. (du bist meiner Ansicht — so gefällst du mir); 5) in Kompositis: «Junge, der eine bestimmte Arbeit [Bd. 2, S. 246] ausführt», etwa: Bäckesch-, Kéi-, Kele-, Mëllech-, Metzelesch-, Päerds-, Weedsjong usw.; 6) «Kamerad» — Jongen, sid der all do? — dajee, Jongen, loosse mer Eescht maachen!; 7) in Ausrufen gilt, neben mäi léiwe J. (cf. sub 2), häufig auch (dem Hd. angenähert): Jung(e) od. gar Junge, Junge — o Jung, wat hu mer do gebafft! — O Jong o Jong! (Ausruf des frohen Verwundertseins); die Abgrenzung des Wortes gegen südliches Bouf erhellt aus MITZKA, Dt. Wortatlas Bd. IV u. dem Artikel Bouf (I/S. 137): im Ösling, nördlich Clerf ist Bouf ungebräuchlich, südlich davon, vor allem im Gutland, ist Jong der neutrale, Bouf der mehr oder weniger pejorative Begriff: es wird immer heißen du bas e gudde, brave, léiwe J. (auch du bas e béise J.) aber Bouf wird grundsätzlich nur mit tadelnden, oder doch zumindest die Lebhaftigkeit, das Draufgängertum ausdrückenden Adjektiven verbunden.
 
Jonge- -blumm F.: Name verschiedener gelber Wiesenblumen, meist: 1) «gebräuchliche Kuhblume, Caltha palustris»; 2) «Löwenzahn, Leontodon autumnale, Taraxacum off.» — in dieser Bed. dafür auch: Beieblumm (I/S. 98), Bettsäächesch (blumm, I/S. 105), zu den dort vermerkten Synonyma, lok. auch: Äerplausch, Kéisch(w)app, Minnechkapp, Beie-, Äerstack. -geckeg Adj.: 1) von kleinen Mädchen: «wilde Knabenspiele liebend»; 2) von reiferen Mädchen: «mannstoll»; dafür auch substantivisch: Jongegeck M.; -schoul F.: «Knabenschule» (den Knaben vorbehaltenes Gebäude oder Gebäudeteil); -spill N.: «(wildes) Knabenspiel».
 
jongelzeg Adj.: «nach Art der Knaben, ausgelassen, wild» (von Mädchen) — dafür auch: boufzeg.
 
jonk (joŋ:k), lok. junk (zur Verteilung der -o/-u-Varianten cf. Jong — phV. des -o- cf. Ltb. 45; unflektiert meist -ŋ:k, in flektierten Formen regelmäßig -ŋ(-), ob die alte Endung noch erhalten ist oder nicht, an die unflektierte angeglichen gelegtl. auch -ŋk(-), bes. wenn die Bed. 1 im Ggs. zu 3 gemeint ist; zur Komparation cf. jénger, jinger) Adj.: 1) «jung an Jahren» — sou j. komme mer kees méi beieneen — méi jonk kann een et nët léieren — von der Ehe heißt es: besser j. dra gesprongen, ewéi al dra gezwongen — si hu sech j. bestuet — si si j. beienäkom — wann s de nët wëlls al gin, da looss dech j. hänken (loosst iech j. hänken, da gët der nit al) — a ménge jonge (seltener jonke) Joeren (dafür in Prairieblummen, altertüml.: a jongen Doën) — déi jong Kanner (die weibliche Jugend) — déi jong Leit (die Jugend), spaßh., leicht abschätzig: dat jongt Vollek (cf. auch Geméis) — auch substantivisch: déi Jong (die Jugend, die jüngere Generation, die Kinder) — déi Jong kënne stierwen, déi Al musse stierwen (in Heischeliedern: loosst déi jong Leit liewen, loosst déi al Leit stierwen) — als Anrede ist jonge Mann (Mënsch) abschätzig; 2) «neugeboren» — meist nur substantiviert: si kréien, erwaarden, hun eppes Jongs (ein Neugeborenes) — von einem auffälligen Kleidungsstück, etwa einem alten Hut heißt es: deen do as eenzeg, gëf mer e Jongen dervun — von Tierjungen: d'Kaz huet Jonger an, kritt Jonger, huet Jonger (cf. auch das Verb. jéngeren) — aber auch adjektivisch gebr.: si hun e jonge Son kritt — spaßh.: ech méngen, ech kréien eng jong Nues (Pickel, Beule, Schwellung an der Nase); 3) «frisch, neu, seit kurzem erst bestehend» — e jonge Stot (auch von betagten Neuvermählten gesagt) — déi Al kommen nët mat deem jonge Stot iwwereneen — entsprechend dem einleitend Gesagten wird gelegtl. unterschieden: eng jonk Fra, Mamm (jung an Jahren), gegenüber déi jong Fra, Mamm (die neuvermählte Frau, die Mutter eines Neugeborenen) ähnlich: si huet nach e jonke Mann (Ehemann, der noch jung an Jahren ist), aber si koum do mat engem jonge Mann (einem jungen Liebhaber) — bes. Bed.: jongt (neben neit) Liicht (Neumond), etwa in der spaßh. Ra.: bei deem as ëmmer jongt Liicht (er ist nie ganz weise) — jonge Schlag (der Anbau im Walde) — jongt Geméis (junges Frischgemüse) — jongt Laf; 4) «unerfahren» — dir sid nach j. (den allzu großen Optimismus, Mut eines Jugendlichen tadelnd oder dämpfend) — auch: j. an onerfuer(en); 5) «frisch, rüstig» — d'Aarbecht hält laang j. — hien as nach j. bei séngem Alter (s. jénkerlech).
 
jong-/Jong- -bestuet Adj.: «neuvermählt» — jongbestuete Leit (es kann sich auch um Betagtere handeln), dagegen: si [Bd. 2, S. 247] hun sech jonk bestuet (sie waren jung, als sie heirateten); -gesell (auch formelhaft, mit innerer Flexion: Jongergesell) M.: 1) «Junggeselle» — en ale J. (alter Hagestolz); 2) «Trichterlilie, Funkia» (Zierpflanze chinesisch-japanischer Herkunft aus der Familie der Liliaceen) — an der Mosel dafür gelegtl. Réimecher Blumm (weil in Remich häufig als Zierpflanze vor den Häusern); zur Bed. 1 die Zussetz.: -gesellebud F.: 1) «Zimmerwohnung eines Junggesellen»; 2) «unordentliches Zimmer»; -geselleliewen N.: «freies, ungebundenes Leben»; -gesellenowend M.: 1) «Herrenabend»; 2) «Jungesellenabschied» (in dieser Bed., häufig dem Hd. nachgesprochen: -gesellenabschied; vom zukünftigen Bräutigam seinen Jugendfreunden kurz vor der Hochzeit gespendetes Trinkgelage, oft mit derben Spässen); -lënster ON.: «Junglinster» — Gem. Junglinster, Kant. Grevenmacher — 349; -liicht N.: «Neumond» (neben jongt Liicht, neit Liicht).
 
Jonktem (älter -tom) M.: «Jugend» — vu J. un (von Jugend auf) — Spww.: Wat de J. gräift, dat hält e stäif (fest) — De J. dee muss lëschteg sin — De J. as mutwëlleg (geckeg), sot d'Fra, du as d'Kand er aus der Hatt gefall (d'Kallef er aus der Hatt gesprong) — De J. as geck, an den Alter as kënterlech — De J. as kannerzeg, den Alter as granzereg — Liddereg am J., onzefridden am Alter — o, wat J.! (Ausruf beim Anblick von vielen niedlichen Kleintieren, etwa einem Wurf Katzen, Ferkel).
 
jongléieren (ʒõŋgleiərən) trans./intr. Verb.: 1) «jonglieren» (in der urspr. Bed. «werfen und wieder auffangen») — dazu das M.: Jongleur (wie frz. aber Ton: 1) «Gaukler»; 2) übtr.: «unsicher hantieren» — du jongléiers mat deene Glieser, bis s'um Buedem leien — en huet mat (de) Wierder jongléiert (leeres Wortgeklingel); 3) «unsicher auf den Beinen sein» — en as doerëmmer jongléiert, e blouf bal nët méi op de Been.
 
Jonquille (/ʒOŋ:kil) F.: «Narzisse».
 
joonzerhand (Nbf. jonerhand), mit Velarisierung jong(z)erhand (zu Jon, Joun, Jaun — s. d.) Adv.: 1) «durchgängig, im allgemeinen, im Durchschnitt» — d'Gras an d'Fruucht sti jongerhand schéin an de Wisen an op der Gewan (Rhein. Wb. III/1139 kennt aus der Trierer, Hunsrücker Nachbarschaft die adverbialen Wendungen: ze Jon, ze Gon (eweg) «total, gänzlich, der Reihe nach»); 2) mit jong «jung» in Verb. gebr. und daher lok. als «neulich, neuerdings, vor kurzem» (= nach nët laang hier) verstanden.
 
Joox F.: «Plappermaul».
 
jooxen intr. Verb.: «schwatzen».
 
Jopp F., Joppen M. (dazu das Dim. Jëppchen): «Männerjacke von sportlichem Schnitt, Gebrauchsjacke» — op der Juegd, beim Fëschen, wann een (um) Velo, op der Motocyclett fiert ... dréit een e(ng) J.
 
Josaphat (ʒ-/j-) ON. in der Ra.: am Dall J. (beim letzten Gericht) etwa als Antwort auf die Frage: wéini gesi mer eis erëm? — cf. Jousep.

 

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