LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Jonas bis Journalissem (Bd. 2, Sp. 245a bis 247b)
 
Jonas (lok. Monnerich) Name einer Seite beim Béckel II. (s. Kaul, Spillschanken).
 
Jonc († nur bei Ga. belegt) M.: «Kugelring» (aus dem Frz. «jonc» = bague sans chaton, dont le cercle est partout de la même grosseur — aus der Gaunersprache in die Ma. gelangt, daher wohl von Ga. vermerkt; dazu GAMILLSCHEG, Et. Wb. der frz. Spr. S. 541: «ursprünglich ein Ring aus Binsen, mit dem arme Hochzeitsleute ihre Eheschließung kundtun») — heute unbekannt; für den «Ehering» gilt gängiger das aus dem Frz. übernommene Alliance (meist mit Endbetonung — s. d. I/S. 20).
 
Joncstull M.: = cannéierte Stull — s. cannéiert.
 
Jong (lok. Jung — zur Verteilung der -ong/-ung-Varianten cf. etwa PALGEN, Studien z. Lautgeogr., Karte 11 «Huhn» — wo im Nordosten Houn gilt, erscheint Jong weitgehend als Jung — Pl. Jongen — Dim. Jéngelchen, s. d.) M.: 1) «Junge, Knabe» — as et e J. (gin) oder e Meedchen (hast du einen Jungen oder ein Mädchen bekommen?) — wenn ein Mädchen gewünscht war, heißt es gelegtl. tröstend: fir e J. kritt een e Meedchen — ähnlich auch: fir méng Meedercher kréien ech genuch Jongen — si haten en esou kujenéiert, e wosst nët méi, ob en J. wär oder e Meedchen (ähnlich: e war esou voll, e wosst nët méi usw.) — zu einem Mädchen mit Jungenmanieren: du wiers e gudde J. gin, un dir as e J. verluer gaang — sou e grousse J. kräischt dach nët méi (gütlich zuredend, zu einem weinenden Knaben) — dir hut schon e grousse J. (cf. auch sub 4) — du domme J.! (eher beschwichtigend als tadelnd), du aarme J.! usw. — den domme J. ist der Titel eines früher beliebten ländlichen Theaterstückes, das vielerorts mit lokalen Einflechtungen aufgeführt wurde — Kinderreim: J., (J.) Spëtz déng Zong, Lee s'op e Steen, Huel se mat heem (MERSCH, Lx. Kinderreime S. 52 erklärt: «wenn ein fremder Knabe ins Dorf kommt, rufen die einheimischen Kinder demselben nach») — J. J. Spëtz déng Zong, Zéi um Säl, Rouf déng Mamm eräm (Niederkerschen); 2) «junger Mann, Bursche, Kerl» — 't as e stootse J. (auch: en Härejong) — 't geet (leeft, zitt) mat de Jongen — 't huet e J. un all Fanger (gelegtl. Zus.: an um Daum zwéin) — in den Heischeliedern heißt es z. B.: hei kommen déi Bëlleger Jongen (cf. Fuesentsbrot I/S. 422) — 't as e Bouneweger J. (er ist in Bonneweg geboren, und hat dort seine Jugend verlebt) — mar gin d'Jonge fort (morgen werden die Burschen zum Militär einrücken, zur Mittel-, Hochschule abreisen) — nach dem Krieg 1939/45 bedeutet ons Jongen «Zwangsrekrutierte der deutschen Wehrmacht» — neuerdings: déi Dickerecher, déi Walfer Jongen (in Diekirch, Walferdingen stationierte Soldaten) — ironisch: ma du wiers grad de J. dee mer bräichten (d. h. eigentlich: den wir nicht gebrauchen können), ähnlich im Nordösl.: du wirrs grad de Jung, si han na op dich gewaart! — in Ausrufen, emphatischer Redeweise: mäi léiwe J.! (entsprechend etwa dem dt.: «Mensch!, Junge!» — cf. auch sub 6) auch: = hues du eng Anong (warnend) — déi Éiner Jongen (die gesamte Dorfburschenschaft von Ehnen); 3) «Freier, Liebhaber» — 't koum do mat séngem J. — 't bréngt de J. scho mat an d'Haus — säi J. as em ontrei gin — gelegtl. abfällig: dee Monnerecher J. (jener Liebhaber aus Monnerich); 4) «Sohn» — eise J. geet op d'Schmelz schaffen — (drénk, drénk Jéngelchen,) du bas dem Papp säi J. — wat häss de gär (wat feelt der dann usw.), mäi J.? — wenn es sich um den einzigen Sohn (bei vielen Töchtern) handelt, heißt es gerne: de Jong, auch als Anrede: Jong, daher gerne mit dem Hausnamen verbunden: Schmatts J., Theisse J. usw., von hieraus zum Vornamen entwickelt (cf. auch Jéng, Fissi) — hatt kritt de J. vum Haus (sie heiratet ein) — a wiem säi J. bas du dann? Antwort meist: méngem Papp säin! — übtr.: mee, du (betont) bas mäi J. (du bist meiner Ansicht — so gefällst du mir); 5) in Kompositis: «Junge, der eine bestimmte Arbeit [Bd. 2, S. 246] ausführt», etwa: Bäckesch-, Kéi-, Kele-, Mëllech-, Metzelesch-, Päerds-, Weedsjong usw.; 6) «Kamerad» — Jongen, sid der all do? — dajee, Jongen, loosse mer Eescht maachen!; 7) in Ausrufen gilt, neben mäi léiwe J. (cf. sub 2), häufig auch (dem Hd. angenähert): Jung(e) od. gar Junge, Junge — o Jung, wat hu mer do gebafft! — O Jong o Jong! (Ausruf des frohen Verwundertseins); die Abgrenzung des Wortes gegen südliches Bouf erhellt aus MITZKA, Dt. Wortatlas Bd. IV u. dem Artikel Bouf (I/S. 137): im Ösling, nördlich Clerf ist Bouf ungebräuchlich, südlich davon, vor allem im Gutland, ist Jong der neutrale, Bouf der mehr oder weniger pejorative Begriff: es wird immer heißen du bas e gudde, brave, léiwe J. (auch du bas e béise J.) aber Bouf wird grundsätzlich nur mit tadelnden, oder doch zumindest die Lebhaftigkeit, das Draufgängertum ausdrückenden Adjektiven verbunden.
 
Jonge- -blumm F.: Name verschiedener gelber Wiesenblumen, meist: 1) «gebräuchliche Kuhblume, Caltha palustris»; 2) «Löwenzahn, Leontodon autumnale, Taraxacum off.» — in dieser Bed. dafür auch: Beieblumm (I/S. 98), Bettsäächesch (blumm, I/S. 105), zu den dort vermerkten Synonyma, lok. auch: Äerplausch, Kéisch(w)app, Minnechkapp, Beie-, Äerstack. -geckeg Adj.: 1) von kleinen Mädchen: «wilde Knabenspiele liebend»; 2) von reiferen Mädchen: «mannstoll»; dafür auch substantivisch: Jongegeck M.; -schoul F.: «Knabenschule» (den Knaben vorbehaltenes Gebäude oder Gebäudeteil); -spill N.: «(wildes) Knabenspiel».
 
jongelzeg Adj.: «nach Art der Knaben, ausgelassen, wild» (von Mädchen) — dafür auch: boufzeg.
 
jonk (joŋ:k), lok. junk (zur Verteilung der -o/-u-Varianten cf. Jong — phV. des -o- cf. Ltb. 45; unflektiert meist -ŋ:k, in flektierten Formen regelmäßig -ŋ(-), ob die alte Endung noch erhalten ist oder nicht, an die unflektierte angeglichen gelegtl. auch -ŋk(-), bes. wenn die Bed. 1 im Ggs. zu 3 gemeint ist; zur Komparation cf. jénger, jinger) Adj.: 1) «jung an Jahren» — sou j. komme mer kees méi beieneen — méi jonk kann een et nët léieren — von der Ehe heißt es: besser j. dra gesprongen, ewéi al dra gezwongen — si hu sech j. bestuet — si si j. beienäkom — wann s de nët wëlls al gin, da looss dech j. hänken (loosst iech j. hänken, da gët der nit al) — a ménge jonge (seltener jonke) Joeren (dafür in Prairieblummen, altertüml.: a jongen Doën) — déi jong Kanner (die weibliche Jugend) — déi jong Leit (die Jugend), spaßh., leicht abschätzig: dat jongt Vollek (cf. auch Geméis) — auch substantivisch: déi Jong (die Jugend, die jüngere Generation, die Kinder) — déi Jong kënne stierwen, déi Al musse stierwen (in Heischeliedern: loosst déi jong Leit liewen, loosst déi al Leit stierwen) — als Anrede ist jonge Mann (Mënsch) abschätzig; 2) «neugeboren» — meist nur substantiviert: si kréien, erwaarden, hun eppes Jongs (ein Neugeborenes) — von einem auffälligen Kleidungsstück, etwa einem alten Hut heißt es: deen do as eenzeg, gëf mer e Jongen dervun — von Tierjungen: d'Kaz huet Jonger an, kritt Jonger, huet Jonger (cf. auch das Verb. jéngeren) — aber auch adjektivisch gebr.: si hun e jonge Son kritt — spaßh.: ech méngen, ech kréien eng jong Nues (Pickel, Beule, Schwellung an der Nase); 3) «frisch, neu, seit kurzem erst bestehend» — e jonge Stot (auch von betagten Neuvermählten gesagt) — déi Al kommen nët mat deem jonge Stot iwwereneen — entsprechend dem einleitend Gesagten wird gelegtl. unterschieden: eng jonk Fra, Mamm (jung an Jahren), gegenüber déi jong Fra, Mamm (die neuvermählte Frau, die Mutter eines Neugeborenen) ähnlich: si huet nach e jonke Mann (Ehemann, der noch jung an Jahren ist), aber si koum do mat engem jonge Mann (einem jungen Liebhaber) — bes. Bed.: jongt (neben neit) Liicht (Neumond), etwa in der spaßh. Ra.: bei deem as ëmmer jongt Liicht (er ist nie ganz weise) — jonge Schlag (der Anbau im Walde) — jongt Geméis (junges Frischgemüse) — jongt Laf; 4) «unerfahren» — dir sid nach j. (den allzu großen Optimismus, Mut eines Jugendlichen tadelnd oder dämpfend) — auch: j. an onerfuer(en); 5) «frisch, rüstig» — d'Aarbecht hält laang j. — hien as nach j. bei séngem Alter (s. jénkerlech).
 
jong-/Jong- -bestuet Adj.: «neuvermählt» — jongbestuete Leit (es kann sich auch um Betagtere handeln), dagegen: si [Bd. 2, S. 247] hun sech jonk bestuet (sie waren jung, als sie heirateten); -gesell (auch formelhaft, mit innerer Flexion: Jongergesell) M.: 1) «Junggeselle» — en ale J. (alter Hagestolz); 2) «Trichterlilie, Funkia» (Zierpflanze chinesisch-japanischer Herkunft aus der Familie der Liliaceen) — an der Mosel dafür gelegtl. Réimecher Blumm (weil in Remich häufig als Zierpflanze vor den Häusern); zur Bed. 1 die Zussetz.: -gesellebud F.: 1) «Zimmerwohnung eines Junggesellen»; 2) «unordentliches Zimmer»; -geselleliewen N.: «freies, ungebundenes Leben»; -gesellenowend M.: 1) «Herrenabend»; 2) «Jungesellenabschied» (in dieser Bed., häufig dem Hd. nachgesprochen: -gesellenabschied; vom zukünftigen Bräutigam seinen Jugendfreunden kurz vor der Hochzeit gespendetes Trinkgelage, oft mit derben Spässen); -lënster ON.: «Junglinster» — Gem. Junglinster, Kant. Grevenmacher — 349; -liicht N.: «Neumond» (neben jongt Liicht, neit Liicht).
 
Jonktem (älter -tom) M.: «Jugend» — vu J. un (von Jugend auf) — Spww.: Wat de J. gräift, dat hält e stäif (fest) — De J. dee muss lëschteg sin — De J. as mutwëlleg (geckeg), sot d'Fra, du as d'Kand er aus der Hatt gefall (d'Kallef er aus der Hatt gesprong) — De J. as geck, an den Alter as kënterlech — De J. as kannerzeg, den Alter as granzereg — Liddereg am J., onzefridden am Alter — o, wat J.! (Ausruf beim Anblick von vielen niedlichen Kleintieren, etwa einem Wurf Katzen, Ferkel).
 
jongléieren (ʒõŋgleiərən) trans./intr. Verb.: 1) «jonglieren» (in der urspr. Bed. «werfen und wieder auffangen») — dazu das M.: Jongleur (wie frz. aber Ton: 1) «Gaukler»; 2) übtr.: «unsicher hantieren» — du jongléiers mat deene Glieser, bis s'um Buedem leien — en huet mat (de) Wierder jongléiert (leeres Wortgeklingel); 3) «unsicher auf den Beinen sein» — en as doerëmmer jongléiert, e blouf bal nët méi op de Been.
 
Jonquille (/ʒOŋ:kil) F.: «Narzisse».
 
joonzerhand (Nbf. jonerhand), mit Velarisierung jong(z)erhand (zu Jon, Joun, Jaun — s. d.) Adv.: 1) «durchgängig, im allgemeinen, im Durchschnitt» — d'Gras an d'Fruucht sti jongerhand schéin an de Wisen an op der Gewan (Rhein. Wb. III/1139 kennt aus der Trierer, Hunsrücker Nachbarschaft die adverbialen Wendungen: ze Jon, ze Gon (eweg) «total, gänzlich, der Reihe nach»); 2) mit jong «jung» in Verb. gebr. und daher lok. als «neulich, neuerdings, vor kurzem» (= nach nët laang hier) verstanden.
 
Joox F.: «Plappermaul».
 
jooxen intr. Verb.: «schwatzen».
 
Jopp F., Joppen M. (dazu das Dim. Jëppchen): «Männerjacke von sportlichem Schnitt, Gebrauchsjacke» — op der Juegd, beim Fëschen, wann een (um) Velo, op der Motocyclett fiert ... dréit een e(ng) J.
 
Josaphat (ʒ-/j-) ON. in der Ra.: am Dall J. (beim letzten Gericht) etwa als Antwort auf die Frage: wéini gesi mer eis erëm? — cf. Jousep.
 
Joseph (/ʒozεf) M.: «Josef» — als feiner, gebildeter empfunden als Jhoss (s. d. — daselbst auch andere Var.) — lok. jüdischer Hausn.: a Joseph(s).
 
Jot(t) M.: Name des Buchstaben J/j — dafür weitgehend auch Jhi (dem Frz. entsprechend) — in negativen Raa. auch Jota: e wousst kee J. — nët ee J. dervu war wouer.
 
Joujou (Ton: 1) früher häufiger Name für kleine Hunde, namentlich Schoßhündchen (gespr. wie frz.).
 
Jour (wie frz.) M.: 1) «Empfangstage der Dame» — ech hun haut mäi J.; 2) «Hohlstickerei» — dazu: Jourëstrëmp F., Jourësam M.
 
Journal (Ton: 1) M.: 1) «Tageszeitung», erweitert: «periodische Veröffentlichung» (verschiedener Art, bes. von Vereinigungen, Interessengruppen); 2) «Modezeitung»; 3) «Geschäftstagebuch» (in das die täglichen Ein- und Ausgänge eingetragen werden).
 
Journalier (wie frz. aber Ton: 2) M.: «auf den Tag bezahlter Arbeiter, ohne festes Angestelltenverhältnis» — d'Eisebunn huet erëm Journalieën agestallt —dafür sonst: Doléiner.
 
Journalissem M.: «Journalismus» (oft mit abfälligem Unterton).

 

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