LWB Luxemburger Wörterbuch
 
jupp bis Juxereien (Bd. 2, Sp. 253a bis 254b)
 
jupp Interjektion: 1) Ausruf beim Wahrnehmen einer schnellen Bewegung, eines schnellen Verschwindens — s. zu dieser Bed. vor allem jhupp; 2) in den Schoßliedchen: Jupp der jupp der Jännes-chen, Du bas dem Papp säi Männes-chen (Jéngelchen) — Jupp, jupp Päerdchen, Vun (Zou) der rouder Millchen, D'Päerdchen huet e Fillchen (Fohlen), D'Fillchen huet e wäisse Fleck, Werft (pucht — do läit) dat Këndchen an den (dem) Dreck — Jupp, der jupp der Jännes-chen, Ech weess e Vullennascht, Déi Al sin ausgefluën, Déi Jong hun dra gefascht — Jupp jupp Päerdchen, Vun der rouder Äerdchen (oder: Äertchen, Dim. zu Aart), D'Päerdchen dréit e Fillchen, 't stéisst sech un en décke Steen, 't geet tipp tappen heem (cf. dazu auch hopp und ji); erweitert auch: jupps, jupp(s)dech.
 
Jupp männl. Vorn.: 1) Var. zu Joseph (s. d.), auch als Juppes, Juppi, dazu der Hausname a Jupps; 2) bisw. (mißverstanden) statt Jabb (s. d.): arem wéi Jupp — du aarme J.
 
Juppel F.: «hängende Schaukel» (lok., etwa Ettelbrück, Reisdorf) — s. Jubbel.
 
juppelen (dafür lok. häufig auch jubbelen) trans./intr. Verb.: 1) «(auf und ab) schaukeln» — im bes.: «(Kinder) auf den Knien schaukeln» — ech hun d'Kand an der Kutsch gejuppelt, an 't huet awer de ganzen Dag gejaut (hieher gehören die zu jupp sub 2 erwähnten Schoßliedchen); 2) «hüpfen» (Wb. 06); 3) «unsicher, zitternd einhergehen»; 4) «zappeln» — juppel nët esou op déngem Stull! 5) spaßh. Hüllwort für «coire».
 
Juppeler M., Juppelesch F.: 1) «unruhiger Mensch, der nicht still sitzen kann»; 2) «altersschwacher Mensch, der sich unsicher bewegt, Zittergreis» (lok. spaßh. in Verb. gebracht mit hd. «Jubelgreis»: e Jubbelgreis).
 
Juppel- (Jubbel-) -bett N.: «Bett mit Sprungfedern» (cf. auch juppelen sub 4); -greis M. = Juppeler sub 2 (gräis, greis ist eigtl. nur Adj.); -päerd N.: 1) «Schaukelpferd»; 2) «das Reiten auf den Knien eines Erwachsenen» (dabei werden die sub jupp 2 erwähnten Schoßliedchen gesungen); 3) gelegtl. lok.: «auf den Knien eines Erwachsenen reitendes Kind».
 
juppen intr. Verb.: «wippen» — d'Kou juppt mam Schwanz (dafür meist facht mam Schwanz).
 
Juppmännchen M.: 1) «hölzerne Pleuelstange zwischen Fußtritt und Schnurrad am Spinnrad» — dafür auch Dappmännchen (die dazu I/183 gegebene Erklärung «Welle am Spinnrad» ist zu tilgen); 2) Kinderspiel: «eine Blüte mit nach unten sich verjüngendem Kelch wird aufrecht in den Hautfalten des Daumengelenkes festgehalten»; 3) Kinderspielzeug: «Art Hampelmann an Holzstäbchen».
 
Jupps(pittesch)katrin weibl. Vorn. in der Ra.: elo geet et bei J. (etwa beim Kartenspiel: alles geht verloren) — cf. auch: Jappe(ne)mrei.
 
Jura N. Pl.: volkstümlicher Rechtsbegriff: «auf Tradition fußende Forderung» [Bd. 2, S. 254] (z. B.: Abgabe des Brautpaares an die männl. Dorfjugend — cf. die Hinweise sub Borscht I/133 und Houchzäit) — daher entwickelt sich die (heute kaum noch gebr.) Ra.: Jura maachen «überfordern, unerlaubten Profit machen» (Wb. 06: «Erinnerung an die oft übermäßigen und unerlaubten Sporteln an den früheren niederen Gerichtshöfen»).
 
Jurist M. wie hd. (gelegtl, auch Jh-; ländlich bisw.: Jurister).
 
Jury (/ʒy·ri /ʒu·ri) F. u. M.: «Preisrichterausschuß» — im bes.: 1) «Examenskommission» (der höheren Gradeexamina) — wien as am J.?; 2) «Wettkampfrichter» (bei turnerischen Wettkämpfen); dazu in beiden Bed.: e Meber vum (vun der) J. «Mitglied des Preisrichterausschusses» — im gängigen turnerischen Sprachgebr. dafür auch einfach e(ng) Jury — ähnl. Sprachgebr. bei musikalischen Wettbewerben.
 
Jus (wie frz.) M.: «Saft, Brühe» (vor allem vom Fleisch, von Früchten) — Jus de pomme, Jus de raisins, Jus de fruits sind im Gasthausgewerbe gängig gebr. — spaßh.: wat e Jus (schmutzige, dicke Flüssigkeit) — ähnlich auch Britt (I/156) sub 2 und 3.
 
Justificatioun (ʒystifikA/sjoun ʒustifikA/tsjoun) F.: 1) selten in der urspr. Bed.: «Rechtfertigung»; 2) heute vor allem in der Druckerspr. gebr., und zwar: a) «Stellen der Zeilenbreite, Satzbreite in dem Winkelhaken, oder auf der Setzmaschine»; b) «letzter Abzug auf der Schnellpresse vor dem Fortdruck» — Belegexemplar für das Hausarchiv.
 
justifi(z)éieren (ʒyst-/ʒust-) trans. (refl.) Verb.: «(sich) rechtfertigen».
 
Justin, Justine (wie frz.) männl., weibl. Vorn. — s. sub Jh- (alle Ton: 1).
 
Jutt F.: «Jutenfaser, ostindischer Hanf» (auch wie frz. jute gespr.); dazu das Adj.: jutten «aus Jutenfaser» — e jutte(ne) Sak — e jutten(t) Säl.
 
jutsch Interj.: Ausruf bei schneller, wippender Bewegung (cf. jhupp, jupp) — dazu das bei Mersch, Kinderreim S. 23 überlieferte Wiegenlied. Alt jutsch der jatsch, alt Dill geschnidden, Nët vill gemaacht, Kikëssen an Eierëssen, Jukem an Ollmëscht (Vianden — die vier letzten Wörter sind schwer zu deuten) — Jutsch der jatsch, der Jännes-chen usw. (s. jupp).
 
Ju(u)tsch(el), lok. Jutsch(j)atsch F.: 1) «Schaukel» — wie Ju(u)ntsch(el) (s. d.); 2) «wackeliger Aufbau, Vorrichtung die einzustürzen droht».
 
jutschatschelen intr. Verb.: «schaukeln» (lok. Vianden z. B.).
 
ju(u)tsch(el)en intr. Verb.: 1) «schaukeln» (gelegtl. wie ju(u)ntschelen auch trans. gebr.); 2) «wackelen, wippen, sich locker hin und herbewegen» — de Stull juutscht, ech fäerten du läis geschwënn dermat um Buedem.
 
Juucht (lok. Nösl. ju:t) F.: «lautes lustiges Treiben» — cf. Juchtel, Juft, Fuucht II.
 
Juwax (lok. auch Jh-; Kollektivbegriff) M.: «Prügel, Hiebe» — da waart, elo kriss de (gët et) J. — s. Bombax I/S. 130, lok. dafür auch: Jumbax.
 
Jux M.: 1) «Scherz, Spaß, Lust» — mir hate (krute) J. — has du dat eescht geholl? 't war jo nëmme (fir) J. — ech hat et am J. gesot; 2) «Spott» — si hun ellen de J. mat em gemat; cf. auch: Geck, Spunnes.
 
Jux- -brudder, -deiwel M.: «lustiger, ausgelassener, spassiger Mensch»; -pol(le)ver N. (M.): «Juck-, Niespulver»; -zigar F.: «Scherzzigarre» (mit leichter Explosivladung).
 
juxeg Adj.: 1) «Spaß bereitend, scherzhaft»; 2) «zum Spaßen aufgelegt»; dazu die Abl.: Juxegkät-, -keet F.
 
juxen intr. Verb.: «spaßen, lustig sein, hell auflachen» — haut gejuxt, muer geschluxt (heute lustig, morgen betrübt).
 
Juxereien Pl. F.: «Scherz, Ulk, ausgelassenes Treiben». [Bd. 2, S. 255]

 

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