LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kaascht bis Kabeskraut (Bd. 2, Sp. 260a bis 262a)
 
Kaascht (Nordosthälfte: Kaast, lok. Kaasch, Kasch, Pl. Käscht, lok. Ostrand Kääscht, Keescht, -st) I M.: zunächst allg. «geschichteter Haufen» —etwa e K. Holz, im bes.: 1) «zu einem Haufen zusammengestellte (7 bis 11, höchstens 15) Garben gemähten Getreides (früher auch von Flachsgarben)» — und zwar: eng Gaarf (gelegtl.: zwou Gaarwen oder en Dräibock) an der Mëtt (fällt gelegentlich weg), véier iwwer d'Kräiz, an all Eck erëm eng oder zwou an driwwer den Hutt (oder: eng Kap) — beim Hafer gelegtl. nur 12 Garben: néng stin der do an dräi driiwwer (s. auch Huewer-, Hueweschdosen); in dieser Bed. dafür auch: Tässel; 2) «geschichteter Garbenhaufen des in die Scheune eingebrachten Getreides» — Bauernregel: Wiederen (Gewitter) iwwer den diren Aascht fëllen dem Bauer Keller a Kaascht; 3) «Strohschober, Getreideschober auf dem Feld» — ech muss de K. nach decken.
 
kaaschten (-st-) trans. Verb.: 1) «Garben aufrichten» — d'Fruucht as scho gekaascht; 2) «anhäufen» — Wou as en? Doheem, säi Geld ze k. — as d'Holz gutt gekaascht?
 
Kaaschteplaz, -plätz F.: «Lagerplatz des Getreides in der Scheune» — dafür lok. Angelsberg etwa: Karschteplaz; lok. Waldbillig: Kasselplaz.
 
Kaascht (lok. im Gutland auch Kuescht, Kasch, Kuerscht, Korscht, Südwesten Koascht, Ostrand Koarscht, Koarsch, Echt. daneben bisw. auch Koarch) II M.: 1) «Karst» (Hacke mit zwei, drei oder vier starken Zinken zum Bearbeiten schwerer Böden, zum Hantieren des Stalldüngers); 2) «Gerät zum Umrühren des Mörtels» (in der Mörtelgrube) — dazu lok. das Adj.: e kuarschtigen Heel «Gartenhacke mit mehreren Zähnen»; cf. auch: Häl, Kapphäl.
 
Kaaschten M.: «Brotkasten» nur in einem bei de la Fontaine überlieferten Kinderreim: dat Brout dat läit am K. — cf. Kasten, Këscht.
 
Kaaschtel, Kaassel(t) M.: «häufige Anhöhenbezeichnung» (meist mit Befestigungsresten) — cf. auch Kastell; — dazu die Zussetz.: Kaaschteler Klaus F.: im bes. etwa: 1) «(Klause bei) Kastell an der Saar» (Grabstätte Johanns des Blinden von 1838 bis 1946); 2) Kapelle mit Kreuzweg zwischen Mondorf und Altwies (auf frz. Territorium).
 
Kaassi (dafür lok. Kassi — frz. cassis) M.: 1) «quer zur Straßenrichtung verlaufende gepflasterte Abflußrinne» (die in der Straßenrichtung verlaufende Rinne heißt: Revers, Kulang — beide Ton: 1); 2) «sprunghafter Übergang zwischen zwei Straßenteilen»; 3) «Art Kleinschlag» (der als Straßenbelag verwendet wird).
 
Ka(a)zpelt ON.: «Katzfelderhof» (bei Clerf).
 
Cabas, Kabbang, Kappang (alle Ton: 1; = frz. cabas) M.: 1) «Armkorb» (ursprüngl. aus Rohr oder Stroh geflochten, mit zwei Schlaufen od. Griffen, später aus schwarzem Wachstuch, neuerdings große Einkaufstasche aus Leder mit zwei Tragschlaufen und Patentverschluß); 2) früher: «Schulkorb für Mädchen»; 3) übtr.: «kindischer, flegelhafter, tölpelhafter Mensch» — (vgl. etwa: en ale Kuerf) — in dieser [Bd. 2, S. 261] Bed. dazu das Adj.: kabbazeg Adj.: «kindisch, tölpelhaft».
 
Cabaret (wie frz. aber Ton: 1), Kabarri, Kabarréi, Kabärri (alle Ton: 2) M.: 1) «Wirtshaus (mit Orchester und Gesang)» — Bedeutungsverengung des frz. cabaret, das seit dem 13. Jh. zuerst für die wall. Nachbarschaft erwiesen ist — 't as hei e Kaméidi wéi an engem C. — mir sin hei nët an engem K., zu dieser Bed. cf. Café (sub Kafféi) und Komposita; 2) «Schenkblatt, Kaffeebrett, Teegeschirr» (so etwa noch bei Ga. — ähnl. auch im Wall.) — in dieser Bed. dafür heute meist: Plateau; 3) nur in den eingelauteten Varianten (Kabarri usw.): «Streit, Geplärre, Zank (wie sie im Wirtshaus üblich sind)».
 
Kabbeli M.: «Plausch, Geflüster» — war fir e Kabbeli Pabbeli féieren déi do?
 
kabberdéngesch, bisw. kappeténgesch, -isch Adj.: 1) «kopfscheu, ärgerlich» — maach mech nit k.! (Arlon); 2) «eigensinnig, querköpfig» (cf. etwa: rabbelkäppesch); 3) «leicht verrückt, närrisch».
 
Kab(be)rioul F. = Gab(be)rioul (s. d.).
 
Kab(be)rioulchen M.: 1) «Handkarren, kleines Gefährt» (vgl. etwa Jabel); 2) spaßh. übtr.: «altes, geflicktes Auto».
 
Kabeis-chen, Kapeis-chen F.: «kleines Zimmer, Verschlag (etwa in einem Nebengebäude, einem Schuppen)» — gelegtl. auch für: «Arbeitszimmer (in einem abgelegenen Teil des Hauses)».
 
Kabel M.: wie hd. «Kabel».
 
kabë(r)néieren, kabrenéieren, kabrinéieren, kabronéieren trans. Verb.: 1) «zerstören, unbrauchbar machen» — dee Bouf kabërnéiert all séng Spillsaachen — nach esou eng Jhittecht, dann as den Auto kabronéiert; 2) «zu Tode mißhandeln, umbringen» — den Hond huet d'Kaz kabrenéiert — dee Kniecht kabronéiert mer nach dat Päerd.
 
Kabes, lok. Kapes (Nösl. Kappes — hier allerdings eher der übtr. Bed. sub 2 vorbehalten, im eigtl. Sinn lieber Mous) M.: 1) «Brassica capitata, Kohl» — von den beiden zur Verfügung stehenden romanischen Bezeichnungen dieser Gemüsepflanze hat sich im Luxemburgischen nur vulgärlat. caputia (innerhalb eines von Holland bis zur Schweiz und nach Tirol reichenden germ. Randgebietes — cf. KLUGE, Et. Wb. d. dt. Spr.) im allg. Gebrauch erhalten, im Norden des Ardenner Raums von dem germ. Erbwort Mous (s. d.) bedrängt; vulgärlat. caulis überlebt zwar als Koul, bezeichnet aber besonders den «Winterreps», es wird aber auch gebraucht, häufig umgelautet als Kéil in der Bedeutung «Kohlsetzling» — gängige Arten: bloe, gringe, wäisse, roude, echte, spatze (spëtzege), gekrausel(ech)te Kabes, Wanterkabes, Zafoierkabes, zäitleche K. — sauere K. (Sauerkraut — wofür häufiger sauer(t) Mous, Sauermous, ans Hd. angelehnt Sauerkraut) — gekrausel(ech)te K. heißt (zubereitet) oft einfach Mous, Méischen (s. d.) — Gärtnerregeln: de K. muss zweemol gefett gin, eng Kéier am Stéck (e muss fett stoen), déi aner Kéier wann een e fäerdeg mécht (e muss mat Fett preparéiert gin) — d'Schueberwoch (Hauptwoche d. Schobermesse) entscheed (et sech), ob de K. hädert (Köpfe bildet) oder nët (auch: ob et K. gët oder nët) — bes. Art der Zubereitung: (erwiermt) Gromperen an (erwiermte) K. duercherneen nennt een Tiertech — s. d. — K. amaachen (Kohl zu Sauerkraut einlegen) — folkl.: déi kleng Kanner wuessen am K., daher der abweisende Bescheid an einen jüngeren Gesprächspartner: du wars jo deemols nach am K. (ungeboren); 2) übtr.: «wertloses, leeres Gerede» (ähnlich wie Blech sub 5, I/S. 119) — schwätz dach kee K. — wat deen e K. zesummentuddelt — Wortspiel mit den Bed. 1 u. 2: dat Joer, wéi dee ville K. gewuess war (scherzend eingeworfen, wenn jem. gewaltig aufschneidet, also Kabes schwätzt) — wat steet an der Zeidong? ëmmer erëm deeselwechte K. (oder partitiv: däersselwechte K. —ähnlich heißt es: da's enges Tiertech «von demselben aufgewärmten Zeug») — diese übtr. Bed. dürfte aus der Pennälerspr. stammen: wat ee K.! (andauernd wiederholter, trockener Lehrstoff — cf. Juvenal VII, 154: crambe repetita «aufgewärmter Kohl»); 3) von der vor. Bed. erweitert: «Unsinn, Hirngespinst, Illusion» — 't as alles K. — déng Saach as K. (worauf gerne die Abfuhr erfolgt: an déng as Brach — s. d. sub 3, I/S. 142).
 
Kabes- (cf. auch: Mous-) kabes- -bauer M.: «Gärtner, der den Kohl (zur Sauerkrauterzeugung) im Großen anbaut» (Kirchberg bei Stadtluxbg. z. B.); -bidden F.: «Bütte, in der frischer geschrotener Kohl zu Sauerkraut gegoren wird» — ähnlich: -faas, -stän; [Bd. 2, S. 262] -blat N.: «größeres, äußeres Blatt eines Kohlkopfes» — Oueren ewéi e K. (Schlappohren) — folkl.: fréier hun d'Bauerefraën de Botterweck alt an e K. gewéckelt (meist dienten als Botterblat — I./S. 135 — die Blätter von Rumex maximus); -brooch F.: «mit Kohl bepflanztes oder zu bepflanzendes Beet» (das bis Anfang Juni brachliegt — gemäß dem Spruch: Mäkoul, kä Koul «im Mai gepflanzter Kohl, richtiger: Reps, gedeiht nicht») — auch: -kaul; -buer M.: «kleiner Spundbohrer zum Ausbohren des Kabeshäerz beim Einmachen des Kohls»; -déif M.: scherzhaft für «Hase»; -faass N.: «Faß, in dem frischer geschrotener Kohl zu Sauerkraut gegoren wird» (auch: -bidden, -steen) — 't huet een d'K. opgemaacht (jem. hat einen Wind streichen lassen) — 't sténkt wéi e (oder: aus engem) K.; -fascht M.: «besonders übel riechender Bauchwind»; -frësser M.: «Pieris brassicae, Kohlweißling» (Schmetterling); -gréng Adj.: «grün wie Kohl»; -häerz M.: «mittlerer Teil des Kohlkopfes»; -hät, -heet N.: «Kohlkopf» (s. -kéil); -huwwel M.: «Schrotmesser» (zum Zerkleinern der Kohlköpfe bei der Sauerkrautbereitung — früher begnügte man sich damit, aus den Weißkohl- und Wirsingblättern die Rippen herauszuschneiden und sie zur Gärung übereinander zu legen, diese Art des Sauerkrauts hieß Kampesch, Kompes — s. d. u. Var.); -kaul F. = -brooch; -kéil (Sg.!), -koul M.: 1) «Kohlsetzling» (cf. Koul, und Kabes sub 1); 2) Kinderspiel: die größten Kinder stellen sich in einen Kreis u. jedes nimmt ein kleineres Kind u. stellt es vor sich, das ist sein Kabesheet; -kraut N.: «Kopfkohl»;

 

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