LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kaascht bis Kabesraup (Bd. 2, Sp. 260b bis 262a)
 
Kaascht (lok. im Gutland auch Kuescht, Kasch, Kuerscht, Korscht, Südwesten Koascht, Ostrand Koarscht, Koarsch, Echt. daneben bisw. auch Koarch) II M.: 1) «Karst» (Hacke mit zwei, drei oder vier starken Zinken zum Bearbeiten schwerer Böden, zum Hantieren des Stalldüngers); 2) «Gerät zum Umrühren des Mörtels» (in der Mörtelgrube) — dazu lok. das Adj.: e kuarschtigen Heel «Gartenhacke mit mehreren Zähnen»; cf. auch: Häl, Kapphäl.
 
Kaaschten M.: «Brotkasten» nur in einem bei de la Fontaine überlieferten Kinderreim: dat Brout dat läit am K. — cf. Kasten, Këscht.
 
Kaaschtel, Kaassel(t) M.: «häufige Anhöhenbezeichnung» (meist mit Befestigungsresten) — cf. auch Kastell; — dazu die Zussetz.: Kaaschteler Klaus F.: im bes. etwa: 1) «(Klause bei) Kastell an der Saar» (Grabstätte Johanns des Blinden von 1838 bis 1946); 2) Kapelle mit Kreuzweg zwischen Mondorf und Altwies (auf frz. Territorium).
 
Kaassi (dafür lok. Kassi — frz. cassis) M.: 1) «quer zur Straßenrichtung verlaufende gepflasterte Abflußrinne» (die in der Straßenrichtung verlaufende Rinne heißt: Revers, Kulang — beide Ton: 1); 2) «sprunghafter Übergang zwischen zwei Straßenteilen»; 3) «Art Kleinschlag» (der als Straßenbelag verwendet wird).
 
Ka(a)zpelt ON.: «Katzfelderhof» (bei Clerf).
 
Cabas, Kabbang, Kappang (alle Ton: 1; = frz. cabas) M.: 1) «Armkorb» (ursprüngl. aus Rohr oder Stroh geflochten, mit zwei Schlaufen od. Griffen, später aus schwarzem Wachstuch, neuerdings große Einkaufstasche aus Leder mit zwei Tragschlaufen und Patentverschluß); 2) früher: «Schulkorb für Mädchen»; 3) übtr.: «kindischer, flegelhafter, tölpelhafter Mensch» — (vgl. etwa: en ale Kuerf) — in dieser [Bd. 2, S. 261] Bed. dazu das Adj.: kabbazeg Adj.: «kindisch, tölpelhaft».
 
Cabaret (wie frz. aber Ton: 1), Kabarri, Kabarréi, Kabärri (alle Ton: 2) M.: 1) «Wirtshaus (mit Orchester und Gesang)» — Bedeutungsverengung des frz. cabaret, das seit dem 13. Jh. zuerst für die wall. Nachbarschaft erwiesen ist — 't as hei e Kaméidi wéi an engem C. — mir sin hei nët an engem K., zu dieser Bed. cf. Café (sub Kafféi) und Komposita; 2) «Schenkblatt, Kaffeebrett, Teegeschirr» (so etwa noch bei Ga. — ähnl. auch im Wall.) — in dieser Bed. dafür heute meist: Plateau; 3) nur in den eingelauteten Varianten (Kabarri usw.): «Streit, Geplärre, Zank (wie sie im Wirtshaus üblich sind)».
 
Kabbeli M.: «Plausch, Geflüster» — war fir e Kabbeli Pabbeli féieren déi do?
 
kabberdéngesch, bisw. kappeténgesch, -isch Adj.: 1) «kopfscheu, ärgerlich» — maach mech nit k.! (Arlon); 2) «eigensinnig, querköpfig» (cf. etwa: rabbelkäppesch); 3) «leicht verrückt, närrisch».
 
Kab(be)rioul F. = Gab(be)rioul (s. d.).
 
Kab(be)rioulchen M.: 1) «Handkarren, kleines Gefährt» (vgl. etwa Jabel); 2) spaßh. übtr.: «altes, geflicktes Auto».
 
Kabeis-chen, Kapeis-chen F.: «kleines Zimmer, Verschlag (etwa in einem Nebengebäude, einem Schuppen)» — gelegtl. auch für: «Arbeitszimmer (in einem abgelegenen Teil des Hauses)».
 
Kabel M.: wie hd. «Kabel».
 
kabë(r)néieren, kabrenéieren, kabrinéieren, kabronéieren trans. Verb.: 1) «zerstören, unbrauchbar machen» — dee Bouf kabërnéiert all séng Spillsaachen — nach esou eng Jhittecht, dann as den Auto kabronéiert; 2) «zu Tode mißhandeln, umbringen» — den Hond huet d'Kaz kabrenéiert — dee Kniecht kabronéiert mer nach dat Päerd.
 
Kabes, lok. Kapes (Nösl. Kappes — hier allerdings eher der übtr. Bed. sub 2 vorbehalten, im eigtl. Sinn lieber Mous) M.: 1) «Brassica capitata, Kohl» — von den beiden zur Verfügung stehenden romanischen Bezeichnungen dieser Gemüsepflanze hat sich im Luxemburgischen nur vulgärlat. caputia (innerhalb eines von Holland bis zur Schweiz und nach Tirol reichenden germ. Randgebietes — cf. KLUGE, Et. Wb. d. dt. Spr.) im allg. Gebrauch erhalten, im Norden des Ardenner Raums von dem germ. Erbwort Mous (s. d.) bedrängt; vulgärlat. caulis überlebt zwar als Koul, bezeichnet aber besonders den «Winterreps», es wird aber auch gebraucht, häufig umgelautet als Kéil in der Bedeutung «Kohlsetzling» — gängige Arten: bloe, gringe, wäisse, roude, echte, spatze (spëtzege), gekrausel(ech)te Kabes, Wanterkabes, Zafoierkabes, zäitleche K. — sauere K. (Sauerkraut — wofür häufiger sauer(t) Mous, Sauermous, ans Hd. angelehnt Sauerkraut) — gekrausel(ech)te K. heißt (zubereitet) oft einfach Mous, Méischen (s. d.) — Gärtnerregeln: de K. muss zweemol gefett gin, eng Kéier am Stéck (e muss fett stoen), déi aner Kéier wann een e fäerdeg mécht (e muss mat Fett preparéiert gin) — d'Schueberwoch (Hauptwoche d. Schobermesse) entscheed (et sech), ob de K. hädert (Köpfe bildet) oder nët (auch: ob et K. gët oder nët) — bes. Art der Zubereitung: (erwiermt) Gromperen an (erwiermte) K. duercherneen nennt een Tiertech — s. d. — K. amaachen (Kohl zu Sauerkraut einlegen) — folkl.: déi kleng Kanner wuessen am K., daher der abweisende Bescheid an einen jüngeren Gesprächspartner: du wars jo deemols nach am K. (ungeboren); 2) übtr.: «wertloses, leeres Gerede» (ähnlich wie Blech sub 5, I/S. 119) — schwätz dach kee K. — wat deen e K. zesummentuddelt — Wortspiel mit den Bed. 1 u. 2: dat Joer, wéi dee ville K. gewuess war (scherzend eingeworfen, wenn jem. gewaltig aufschneidet, also Kabes schwätzt) — wat steet an der Zeidong? ëmmer erëm deeselwechte K. (oder partitiv: däersselwechte K. —ähnlich heißt es: da's enges Tiertech «von demselben aufgewärmten Zeug») — diese übtr. Bed. dürfte aus der Pennälerspr. stammen: wat ee K.! (andauernd wiederholter, trockener Lehrstoff — cf. Juvenal VII, 154: crambe repetita «aufgewärmter Kohl»); 3) von der vor. Bed. erweitert: «Unsinn, Hirngespinst, Illusion» — 't as alles K. — déng Saach as K. (worauf gerne die Abfuhr erfolgt: an déng as Brach — s. d. sub 3, I/S. 142).
 
Kabes- (cf. auch: Mous-) kabes- -bauer M.: «Gärtner, der den Kohl (zur Sauerkrauterzeugung) im Großen anbaut» (Kirchberg bei Stadtluxbg. z. B.); -bidden F.: «Bütte, in der frischer geschrotener Kohl zu Sauerkraut gegoren wird» — ähnlich: -faas, -stän; [Bd. 2, S. 262] -blat N.: «größeres, äußeres Blatt eines Kohlkopfes» — Oueren ewéi e K. (Schlappohren) — folkl.: fréier hun d'Bauerefraën de Botterweck alt an e K. gewéckelt (meist dienten als Botterblat — I./S. 135 — die Blätter von Rumex maximus); -brooch F.: «mit Kohl bepflanztes oder zu bepflanzendes Beet» (das bis Anfang Juni brachliegt — gemäß dem Spruch: Mäkoul, kä Koul «im Mai gepflanzter Kohl, richtiger: Reps, gedeiht nicht») — auch: -kaul; -buer M.: «kleiner Spundbohrer zum Ausbohren des Kabeshäerz beim Einmachen des Kohls»; -déif M.: scherzhaft für «Hase»; -faass N.: «Faß, in dem frischer geschrotener Kohl zu Sauerkraut gegoren wird» (auch: -bidden, -steen) — 't huet een d'K. opgemaacht (jem. hat einen Wind streichen lassen) — 't sténkt wéi e (oder: aus engem) K.; -fascht M.: «besonders übel riechender Bauchwind»; -frësser M.: «Pieris brassicae, Kohlweißling» (Schmetterling); -gréng Adj.: «grün wie Kohl»; -häerz M.: «mittlerer Teil des Kohlkopfes»; -hät, -heet N.: «Kohlkopf» (s. -kéil); -huwwel M.: «Schrotmesser» (zum Zerkleinern der Kohlköpfe bei der Sauerkrautbereitung — früher begnügte man sich damit, aus den Weißkohl- und Wirsingblättern die Rippen herauszuschneiden und sie zur Gärung übereinander zu legen, diese Art des Sauerkrauts hieß Kampesch, Kompes — s. d. u. Var.); -kaul F. = -brooch; -kéil (Sg.!), -koul M.: 1) «Kohlsetzling» (cf. Koul, und Kabes sub 1); 2) Kinderspiel: die größten Kinder stellen sich in einen Kreis u. jedes nimmt ein kleineres Kind u. stellt es vor sich, das ist sein Kabesheet; -kraut N.: «Kopfkohl»; -kränkt F.: «Art Schimmel bei jungen Kohlpflanzen»; -messer N.: 1) = -huwwel (s. d.); 2) spaßh.: «Seitengewehr des Infanteristen»; -raup M.: «Raupe des Kohlweißlings» (cf. -frësser) — verfroosse wéi Kabesraupen;

 

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