LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kadett bis Kaff(é)iskichelchen (Bd. 2, Sp. 264b bis 266b)
 
Kadett M.: 1) «Bursche, Kerl» — belobigend: e flotte, stramme K. — abfällig: ech hun deem (aarmséilege) K. emol d'Wouerecht gesot — spaßh.: d'Kadette vun der Sprëtz (die Feuerwehrleute — nach Dicks); 2) «stattliches Exemplar» — wat woren dat der Kadetten (etwa Fische) — elauter Kadette wéi méng Fauscht esou déck (etwa Kartoffeln); das Dim. Kadettchen (Pl. Kadettercher, -chen) M.: «Bürschchen» wird nur belobigend gebr.: wat en aartleche K. — vom Wein heißt es in einem volkstümlich gewordenen Weinlied von Willy Gœrgen: ei, wéi schmaacht mer dee K. — et waren esou Kadettercher vu fofzéng Joër.
 
Cadenas (Ton: 1) M.: «Spring-, Vorhängeschloß» (soviel wie Klauschter); dazu die Zussetz.: Cadenaskuerf (/kAdəna·s/ku:ərf) M.: «verschließbarer Korb» (dafür auch Schlosskuerf, Boddi, Bod(d)ri — s. d. I/S. 129).
 
Cadra, Kadrang (beide Ton: 1) M.: «Zifferblatt».
 
Kadraten (Druckerspr.) Pl. M.: «Ausschluß»; Kadraténgen (Druckerspr.) Pl. M.: «Gevierte».
 
kadritzelen intr. Verb.: «quadräteln» (Buchdrucker-Würfelspiel mit Gevierten statt Würfeln): Zur Verwendung gelangen sechs Gevierte (Kadraténgen) Korpus oder Petit; die Signaturen werden zur besseren Übersicht zweckmäßig rot angezeichnet. Jede Serie besteht aus drei Würfen, für die ein bestimmter Geldbetrag gezahlt werden muß. Der Spieler kann beliebig viele Serien werfen, bei der Preisverteilung gilt jedoch nur der höchste Wurf. Falls mehrere Mitspieler dieselbe Anzahl Signaturen erzielen (Rampo), muß gestochen werden. Dies geschieht mit einem neuen Wurf, bei dem dann nur die Signaturen zählen. Liegen die Gevierte oder auch nur eines auf einem andern, so spricht man von einem Bock, und der Wurf darf wiederholt werden. Einen Wurf mit drei Signaturen nennt man [Bd. 2, S. 265] Schouschterstull, mit vier Signaturen Paf.
 
caduc (wie frz.) häufig auch kaduck Adj.: 1) «gebrechlich, hinfällig» (nur prädikativ gebr.); 2) Jägerspr.: «erschöpft» (vom Hund, nach langem Laufen, wenn seine Zunge heraushängt), dafür sonst auch: forbi, furbi, futti, futsch, kapott, dätsch.
 
Kaduck(es) M.: «Gefängnis» — cf. Duckes I/S. 235.
 
Kadutsch M.: «Schopf» (selten) etwa in der Ra.: ech krut e beim (mam) K. (ze paken).
 
Kaf (lok. phV. des Tonvok. cf. Ltb. 88) M.: «Kauf» — K. a Verkaf mécht de Maart — dat muss ee mat an de K. huelen — volkstüml. Rechtsempfinden: De K. brécht de Bal (durch Kauf wird der Pachtvertrag hinfällig) — de gudde K. (wohlfeiler Kauf) auch adjektivisch und adverbial gebr.: cf. gutt sub F. II/S. 92.
 
Kaf-akt M.: «Kaufakt».
 
Kaf-präis M.: «Kaufpreis» (den der Konsument zahlt, im Ggs. zum Akaafspräis, den der Händler dem Grossisten zahlt).
 
Kaf-zomm F.: «Kaufsumme».
 
kafen, dafür an der Mosel von Mertert bis Schengen käfen, kefen (über die Bewertung der nicht umgelauteten Form cf. BRUCH, Grdleg. II35, S. 165); lok. phV. des Tonvokals in kafen s. Ltb. 88: das Ösling nördlich einer Linie Allerborn-Eisenbach, sowie das südliche Gutland südlich der Hauptstadt (der südl. Teil des Kantons Capellen, der gesamte Kanton Esch, der südliche Kanton Luxemburg mit Streuungen rings um Großluxemburg, der Westrand des Kantons Remich) sprechen /kO:fən /kOAfən (cf. BRUCH, op. cit. II60, B S. 197); Flexion: Ind. Präs. du keefs, hie keeft (-ää-), Ind. Prät. veraltet kouf (lok. kuf), Konj. Prät. kéif (lok. kif), Part. Prät. kaf, kaaft mit den Ltb. 88 vermerkten lok. phV. des Tonvokals, mit Ausfall des -f- vor -t im südl. Gutland (Südteil des Kantons Capellen, Kanton Esch, Südostteil des Kantons Luxemburg, Moselrand von Mertert südwärts), wo kO:t kOAt (an der Mosel ka:t mit «Rückumlaut» zu käfen/ kefen) gilt (zum Schicksal von -ft cf. BRUCH op. cit. II59,C S. 195) trans. Verb.: 1) eigtl. «(an)kaufen, um Geld erwerben» — Spww.: Dee keeft wat en nët néideg as, verkeeft bal, wat en néideg as (wer unnötige Einkäufe macht, wird arm) — 't kääft ee keng Kaz am Sak — man zählt an den Knöpfen einer (neuen) Jacke od. Weste ab: kaaft, kritt, geléint, geschenkt, gestuel, kaaft . . . usw. — Raa.: dat do as bei d'Joffere Seid k. gaang (teuer eingekauft) — abweisend: wat k. ech mer derfir (oder fir déng schéi Wierder?) — si kommen all virwëtzen, mee 't as kee Schwanz, deen eppes keeft — 't as eng lauseg Zäit, 't gët näischt kaaft; 2) gelegtl. absolut (mit zu ergänzendem Objekt): «einen Kauf tätigen» — der Handelsvertreter fragt den etwaigen Kunden: hues de scho kaaft? (hast du schon bei einer andern Firma einen Kauf getätigt) — si hu sech kaaft (sie haben ein Haus gekauft — auch: ukaaft) — 't as keen dee keeft; 3) in übtr. oder verhüllender Bed. (häufig refl.): si hu sech e Puppelchen (eppes Jongs) kaf (sie haben Familienzuwachs bekommen) — zu Kindern (auch spaßh. zu Erwachsenen) heißt es in diesem Falle: mir musse spuere fir eis e klengt Meedchen (e klenge Bridderchen usw.) ze k. — dee k. ech mer bei Geleënheet (jenen Frechdachs werde ich mir bei Gelegenheit ordentlich vornehmen) — de Misch huet sech eng (fatzeg) kaaft (= geknätzelt, ugestréckt usw. — hat sich arg beschwipst) en hat sech s'all kaf (bestochen) — beim Sport (etwa Fußball): si hate sech den Arbitter kaf (den Arbitter war jo kaf = bestochen) — pass op, du keefs der eng (du bekommst Hiebe, wenn du so weiter machst).
 
Cafard (wie frz., aber Ton: 1) M.: 1) «moralischer Katzenjammer, Lebensüberdruß» — dafür eher: Flemm (s. d. I/S. 392); 2) Ga.: «Scheinheiliger, Heuchler».
 
Kaff(é)i (Ton: 1) M.: 1) «Kaffee» (als grüne oder geröstete Bohnen und als Getränk) — mir hun eng Ball K. ageluegt, fir wann et ire Krich gët — grénge K. (ungerösteter Kaffee) — schwaarze K. (Kaffee ohne Milch, im Gegs. zu K. mat Mëllech, bisw. wäisse, bleeche K.) — de K. as staark (Gegs. dënn) — de K. gréngzt (s. gréngzen II/S. 79) — de K. muss gliddeg sin — spaßh. Schönheitsmittel: 't gët ee schéi vum Damp vu kale K. — gängige Phasen der Zubereitung: K. brennen, réischteren, muelen, opschëdden, seien, maachen, (er)wiermen; schlechter Kaffee heißt: Eileseech, Kakerla(c)ken, Muckefuck, Schluutchen, Spullwaasser — guter Kaffee wird gerne mit dem Dim. bezeichnet: e gudde Käfftchen, vornehmer: Mokka — spaßh.: 't huet sech mat K. gewäsch [Bd. 2, S. 266] (sie ist von der Sonne gebräunt) — 't as kee vu K. a Kuch (etwa eine derbe Erzählung, ein hörbarer Fist u. a.); 2) «bestimmte Tageszeit, zu der eine Mahlzeit gewöhnlich mit Kaffee eingenommen wird, die betreffende Mahlzeit» — und zwar: a) «Frühstück» (ohne daß Kaffee dabei getrunken werden muß) — ech hun nach kee K. gedronk (ich bin noch nüchtern, ich habe noch nicht gefrühstückt) — 't goung haut de Muergen esou séier, ech krut emol kee K. — wie mécht eis mar de Muergen de K.? (wer bereitet uns das Frühstück?); b) «Vesperbrot» — d'Kanner hun de K. op d'Feld bruecht — nom K. spille mer weider; c) schwaarze K. «der nach dem Mittagessen (mit einem Likör) servierte (Filter)Kaffee» — kommt op (fir) de (schwaarze) K. (op eng Taass K.) — beim schwaarze K. (nach dem Mittagessen); 3) «Kaffeekränzchen, Kaffeegesellschaft der Damen» (in dieser Bed. bes. in städtischer Ausdrucksweise wie das frz. Café, aber Ton: 1, gesprochen) — d'Madam gët e K. (veranstaltet ein Kaffeekränzchen) — se hat e groussaartege K. ('t as vill gin an 't waren der vill drop) — ech gin op e C. — wat hu s'um C. verzielt? — mer sin nach zwéi Kaffië schëlleg (wir sind noch zwei Einladungen zum Kaffeekränzchen im Rückstand) — in mannigfacher Zussetz.: Daf-, Kanddaafs- (oder Kands-), Kommiounskafféi; 4) wëlle K. «blaue Lupine, Lupinus angustifolius»; 5) «Wirtshaus» (in dieser Bed. weitgehend wie das frz. Café, aber Ton: 1, gesprochen; obwohl in ländlichen Wirtshäusern erst in jüngster Zeit Kaffee serviert wird, allgemein als feiner empfunden als Wiirtschaft, Wiirtshaus) — en duuschteregt Duerf, op all Eck e C. — hien huet séng Caféë, wou en all Dag passéiert — dazu veraltet: Café-concert (Ton: 3) M., Café-chantant (auch: kAfi /SAntAŋ) M.: beide wie frz.
 
Cafetier (wie frz. aber Ton: 1; auch: /kAftçən) M.: «Schenkwirt» (s. Wiirt).
 
Cafetière (/kAftjε:ər; im Norden dafür auch /kAftçən) F.: «feinere Kaffeekanne» (aus vernickeltem oder versilbertem Metall, oder Porzellan) — sonst: Kaffisbiz, -krou.
 
Kaff(é)is- -biz, -buz M.: «Kaffeekanne» — si huet de ganzen Dag de K. opstoën (sie trinkt gerne Kaffee) — lok.: -binz; -béchs F.: «Blechbüchse, in welcher Kaffee aufbewahrt wird» (eher dafür: -dous); -bëmmelchen M.: «kleine runde Kaffeekanne»; -boun F.: «Kaffeebohne» (Dim.: -béinchen) — oft als approximative Maßbezeichnung: nët emol (esou grouss wéi) eng K.; -bräch F. = -zëppchen (s. d.); -bréitchen N.: «Kaffeegebäck»; -dämmchen F.: «Dame, die sich mit ihren Bekannten beim Kaffee trifft» — s. affektéiert; -decken F.: «farbige, gemusterte Tischdecke, die bei Kaffeekränzchen, beim Vesperbrot aufgelegt wird»; -dësch M.: 1) «Tisch, an dem Kaffee getrunken wird» — um (beim) K. (beim Frühstück, beim Vesperbrot) hate mer rieds dervun; 2) «Kaffeeanrichte»; -dous F.: 1) «Kaffeedose» (= -béchs); 2) «Mann, Frau, die gerne Kaffee trinkt» — bes. in dem sub Fransous (I/S. 407) zitierten Kinderreim; -geschäft N.: «Kaffeespezialgeschäft»; -geschir N.: «Kaffeegerät» (vor allem zum Zubereiten des Kaffees); -här M.: «Wirtshausgast, der regelmäßig seinen Kaffee nach dem Essen trinken kommt»; -haff ON.: Name eines in der ersten Hälfte des 19. Jhs. am Rande der Schëtter Héicht westlich von Canach (Gem. Lenningen, Kant. Grevenmacher) erbauten Hofes; Erklärung des Namens: den éischten Här um K. war e franséischen Offezéier aus der Algérie, dee séngem Gesënn fir 't éischt, amplaz muerges eng Zopp, Kaffi gin huet; in den westlichen Nachbardörfern heißt der Hof mit Vorliebe: op Beyerholz (nach der nordöstlich davon gelegenen Ortschaft Beyeren, Schënnerbeyeren — I/S. 105); -jhatt F.: «große Kaffeeschale»; -kichelchen M.: «Kaffeegebäck» — besseres Kaffeegebäck hieß Groschenskichelchen (II/S. 85);

 

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