LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kallef bis kalleken (Bd. 2, Sp. 270a bis 271b)
 
Kallef I (Westen: /kO:ləf /kA:uləf — Pl.: Kaalwer, Kälwer — Dim.: Källefchen — s. d.) N.: 1) «junges Rind im ersten Jahr» — Déi Kaalwer, déi gutt saufen (älter: sauën — «säugen») friessen nët vill (oder: brauchen näischt ze friessen — große Trinker haben gewöhnlich nicht viel Appetit zum Essen) — Wann der Deiwel d'Kou huet, (da) kann en d'K. och huelen (wenn die Hauptsache verloren ist, mag der Rest auch draufgehen) — Wann d'K. (gelgtl. auch: d'Kand) am Pëtz läit . . . (der Satz wird nicht immer zu Ende geführt: da mécht een en Deckel drop; Ga.: da mécht een d'Dir zou) man sinnt auf Abwehr der Gefahr, wenn es zu spät ist — en hat mer Kou a K. versprach (ähnlich: d'gëlle K. — übertriebene Versprechungen) — e spréngt em d'gëlle K. (schmeichelt reichen Leuten) — all Kou war eng Kéier och e K. (jeder war einmal jung und unerfahren) — ironisch übertragen: e kritt d'K. mat der Kou (er heiratet eine von einem andern angeschwängerte Frau) — e versteet esou vill dervun ewéi d'K. vun der Houmass (er versteht gar nichts davon) — Kinderreim: do leeft en Hun, méng Seechen as un, do leeft e (oder: Kou a) K., méng Seechen as hallef, Do leeft eng Maus, méng Seechen ass aus — häufig in (übertriebenen) Vergleichen: en Hond esou grouss ewéi e K. — Phasen beim Kalben: d'K. as an den Auder gefall (der Kopf des Kalbes hat sich im Leib der Kuh zwischen die zwei Hinterpfoten geschoben), d'Kou schafft um K. (oder einfach: schafft — die Kuh drückt, um das Kalb herauszustoßen), d'K. stéisst d'Blos duurch (das Kalb stößt die Blase, die das Fruchtwasser enthält, durch — tut das Kalb dies nicht, so sticht der Bauer die Blase mit dem Daumennagel durch); 2) «alberner Mensch» (der etwas falsch, ungeschickt machte) — du (grousst) K. dat s de bas (a gës)! — dat K. huet eis nach grad hei gefeelt.
 
Kallef II und III: meist als Kollektiv Kaalwer verstanden u. gebr. (s. d.).
 
Kallef (alle Komp. Ton: 1) -fell N.: «Kalbfell»; -flääsch N.: «Kalbfleisch» — K. Hallefflääsch (Kalbfleisch ist nicht so kräftig wie das andere Fleisch). -maschin F.: langer, viereckiger Holzrahmen, der gegen das Hinterteil der liegenden Kuh geschoben wird und dessen man sich bedient, um das Kalb mit Hilfe einer am Holzrahmen befestigten Winde herauszuziehen; bei dieser Prozedur wird die Kuh mit Hilfe des Uechtergeschir («Hinterriemenzeug des Pferdes») an der Krippe festgekettet, damit sie nicht nach hinten gezogen werde; als Kallefmaschin dient gelegtl. auch der Däiwel («spannschloßartige Vorrichtung zum Festziehen des Bindebaumes über dem beladenen Heuwagen» — s. d. I/S. 189).
 
Kallefs- (alle Komp. Ton vorzugsweise auf dem Grundwort) -a N.: 1) «Kalbsauge»; 2) «Glotzauge»; 3) Echt. in der Var. -auen (Pl.): «große Fruchtbonbons»; -brot M.: «Kalbbraten» — K. mat Zalot (spaßh.); -biffdeck M.: «Kalbssteak»; -ge(sch)léng N.: «Innereien vom Kalb»; -héiss F.: «Kalbhaxe» — dafür auch: -jarret M. (Ton: 1, wie frz.); -kapp M.: 1) «Kalbskopf»; 2) «Dummkopf»; 3) Spottname für Menschen mit dickem Kopf; 4) «Gericht aus Kalbskopf», wofür lieber die frz. Bez. tête de veau; -lieder N.: «Kalbleder» (für Schuhwerk), auch Boxcalf, Boxkallef; [Bd. 2, S. 271] -liewer F.: «Kalbsleber»; -pujhel F.: «Thymusdrüse des Kalbes»; -ouer N. 1) «Kalbsohr»; 2) «Zimmer-Calla» (s. Kalla); -zong F.: «Kalbszunge».
 
kallefzeg Adj.: «tölpelhaft»; dazu die Abl.: Kallefzegkät, -keet F. — dat as erëm deem sénger Kallefzegketen eng.
 
Kallek (phV. des Tonvokals cf. Ltb. 3 — Ostrand: Kallik) M.: 1) «Kalk» — fréier gouf op ville Plaze K. gebrannt — ongeläschte, geläschte K. — 't as kee K. am Buedem, am Waasser (= mëllt Waasser) — Flurn.: um, op dem K. (lok. auch: Kal(le)këf, am Rande des Titelbergs Kaulkëf — cf. etwa: Kalleksuewen); 2) «Mörtel» — dafür in dieser Bed. meist: Speis — en deet de K. op (rührt Mörtel an) — hien dréit de K. (meist: de Männi, de Vull — s. d. sub 3 I/S. 423); 3) «Mauerbewurf» — en huet d'Diren zougeklaakt, de K. as vun de Maueren erofgefall — si sin esou arem, si friessen de K. vun de Maueren.
 
Kalleks- -ämer M.: «Kalkeimer» (zum Kalkfördern); -bidden F.: «Kalkbottich» (manchmal zur Pottaschebereitung gebr.); -brenner M.: «Kalkbrenner»; -brennerei F.: «Kalkbrennerei»; -broch M.: «Kalksteinbruch» (cf. auch: -kaul); -buedem M.: «kalkhaltiger Boden»; -faass (auch Kallek-) N.: «Faß, in dem Mörtel bereitet wird» — im Gegs. zu: e Faass K. «ein Fäßchen (Hohlmaß) Kalk» (lok. dafür Schiedel — 625 Liter); -kaul F.: 1) «Ort, wo die Kalksteine gebrochen (und gebrannt) werden» — op der K.; 2) «Grube, in der der Kalk gelöscht wird»; -lued (auch Kallek-) F.: 1) «Trog, in dem der Mörtel zubereitet wird»; 2) Ga., Wb. 06: «Dachdeckertrog»; -mëllech (auch Kallek-) F.: «Kalkbrühe», und zwar als: 1) «Tünche» (mit vielem Wasser verdünnter Kalk) — dann auch: Wäiss F. s. d.); 2) «Kupferkalkbrühe» (zum Weinbergspritzen); -mooss F.: «Hohlmaß zum Kalkmessen» (cf. auch sub -faass); -speis (meist Kallek-) F.: «Mörtel» — dafür genügt weitgehend das Simplex — dafür auch: Mortier, Mortchen; -stän, -steen (meist Kallek-) M.: 1) «Kalkstein» — dafür gelegtl. auch: Schadderstän; 2) = Kesselstän (s. d.); -stëbs (meist Kallek-) M.: «Kalkstaub» (zum Beizen und Düngen der Pflanzen verwandt); -uewen (auch Kallek-) N.: «Kalkofen» — in Orts- und Flurnamen häufig zu Kalkëf gekürzt (cf. Kallek sub 1); -waasser (auch Kallek-) N.: «Kalkwasser» — fréier gouwen d'Äer, besonnesch déi, déi tëschent den zwéi Muttergottesdeeg (15. August — 8. September) geluegt si gin, an d'K. geluegt, fir datt se sech sollten halen — Volksmedizin: K. hëlleft verdauen.
 
kallek(z)eg Adj.: «kalkig, kalkhaltig, mit Kalkstaub überzogen».
 
kalleken, neben

 

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