LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kaméid(é)iswon bis Kamp (Bd. 2, Sp. 273a bis 274b)
 
-won M.: «Wohnwagen der fahrenden Komödianten».
 
Kaméil, Kaméildéier (Nordösl., Echt. Kamilldéier, -diër) N.: «Kamel» — Schimpfwort: du K.! — si saufe wéi Kaméiler.
 
Kaméilhoer N.: «Kamelhaar» — e K. fir un d'Aangel — e Mantel aus beschtem, echtem K.; dazu die Komp.: Kaméilhoër(s)schlappen Pl. F.: «Kamelhaarpantoffel»; Kaméilhoër(s)teppech M.
 
Kaméileblumm, gelegtl. auch einfach Kaméilen (lok. -mill-) F.: 1) «Edelkamille, Ormensis nobilis»; 2) «echte Kamille, Matricaria Chamomilla»; Hondskaméileblumm F.: 1) «Feldkamille, Anthemis arvensis»; 2) «stinkende Kamille, Anthemis Cotula»; giel Kaméileblumm F.: «Färberkamille, Anthemis tinctoria»; wëll Kaméileblumm F.: 1) «Feldkamille»; 2) «deutscher Bertram, Achillea Ptarmica».
 
Kaméile(blumme)ntéi M.: «Kamillentee» — dafür bisw. Camomille (wie frz.) — cf. auch Kammiljen, Kanéilen.
 
Camelot (/kAməlo) M.: meist «flegelhafter Mensch» (nur in der Sprache der Gebildeten wie im Frz.: «Straßenhändler»).
 
Camelote (kAmə/lOt) F.: 1) «dichtes, glattgearbeitetes Gewebe aus Angora- oder Schafswolle» (gelegtl. auch aus Seide, Baumwolle, Leinen); 2) «Ramschware» (beide Bed. aus dem Französischen).
 
Camembert (Ton: 1) M.: «fetter Weichkäse» (benannt nach dem Dorf Camembert im Arrondissement Argentan des Departements Orne in Frankreich — neuerdings nach frz. Rezept auch hierzulande hergestellt) — de C. as gutt passéiert — de C. leeft — dee wéi e C. (von Betrunkenen: «mürbe wie ein C.») — bisw. auch: de C. as zeideg.
 
Kamerod, Komerod älter: Komerad (Pl.: Kameroden, Komeroden, Komeraten) 1) «Kamerad, Gespiele, (bes. gleichaltriger), Vertrauter» — mer waren ëmmer (gutt) K. zesummen (hier wird der Sg. fast adjektivisch gebr.) — da's e léiwe K.! (eigtl. und pejor.) — en hat schlecht Komeroden — da bleiwe mer gutt Komeroden — auch von Frauen: si as K. vu ménger Mamm, si souzen zesummen an därselwechter Schoulbänk; 2) (= Guet) «Gegenstück, Gegenpart» (bes. von paarigen Dingen) — ech hun nëmme méi eng Händsch, de K. derzou hun ech verluer; 3) aus der (hochdeutschen) Soldatensprache: Kamerad, Kamerad (mit hochgehobenen Armen) «ich ergebe mich» (etwa beim Spiel gebr.), «ich gebe mich gefangen».
 
Kamerodscha(a)ft, Komerodscha(a)ft F.: 1) «Gesamtheit der Komeroden (sub 1)» — en huet keng gutt K. — d'K. huet e verduerwen; 2) «Kameradschaftlichkeit» — si hun ëmmer gutt K. mateneen (ënnerteneen) gehalen — aus aler K. (ähnlich gebr. wie Frëndschaft I/S. 413, wozu etwa nachzutragen: do hält d'Frëndschaft, d'K. op, ech kënnechen em d'F., d'K.).
 
Camion (/kAmjÕ·) M.: 1) «großes Lastauto» — e ganze C. voll (sehr viel); 2) zur Maßangabe: e C. Gromperen, Kuelen, Kok, Brennholz usw.; dazu die Abl.: Camionnage (-/a·S) M.: «An- und Abfuhr mit Lastauto, Warenbeförderung» — e mécht C. fir d'Eisebunn; Camionneur (wie frz.) M.: «Fuhrunternehmer»; Camionnette (wie frz.) F.: «kleineres Lastauto» (dazu schon das doppelte Diminutivum: Camionnettchen). [Bd. 2, S. 274]
 
Camisole (wie frz., Ton gelegtl. auch 1) F.: «kurzes Wams, eng anliegendes Leibchen aus kräftigerem Stoff» — C. de force (wie frz.) «Zwangsjacke».
 
Kammëss M.: 1) «Soldatenstand» (diese urspr. Bedeutung der dt. Umgangssprache ist im Luxemburgischen von Anfang zunächst auf das preuß. Soldatentum eingeengt, in allgem. Bed. erst nach dem zweiten Weltkrieg wieder durchgedrungen); Wb. 06 kennt nur noch folgende abgeleitete Bedeutungen: 2) «alles was mit dem Militär zusammenhängt, das Militärische schlechthin»; 3) «Sache von geringerer, grober Qualität» — 't as elauter däers selwechte K.; 4) heute weitgehend als Kurzform für Kammëssbrout gebraucht.
 
kammëss Adj.: 1) «schneidig» — e kammëssen Zaldot — dee Grëff war k.; 2) meist pejorativ: «streng, kleinlich» — en as eemol zevill k. mat sénge Leit.
 
Kammëss- -bäckerei F.: 1) «frühere Garnisonsbäckerei in Stadtluxemburg» (in der Nähe der Redemptoristenkirche = Paterekiirch), meist einfachhin Bäckerei genannt; 2) freier Platz, wo sie stand (Theaterplatz): op der Bäckerei; -brout N.: «in Quaderform gebackenes Schwarzbrot» (wie es die deutschen Feldbäckereien herstellen); dafür weitgehend auch einfach: Kammëss; -butik M.: 1) «törichte Umstände, Streitereien, Unsinn»; 2) gelegtl.: «Gendarmerie»; -fréisser M.: «durch soldatisches, allzu schneidiges Auftreten auffallender Mensch» (meist Preuße); -mo M.: «guter oder unersättlicher Magen» (der viel, auch schwer Bekömmliches, ohne Mühe verdauen kann); dafür auch: e preisesche Mo (da der ganze Kammëss-Komplex seit der Zeit der preußischen Bundesbesatzung mit preußischem Soldatentum verbunden wird); -schong M.: «Soldatenstiefel, klobiger Schnürschuh»; -stiwwel F. (gelegtl. auch M.): «deutscher Schaftstiefel» (der sog. «Knobelbecher» der dt. Soldatensprache).
 
Kammëssert M.: «kleinlicher, pedantischer Mensch».
 
Kammiljen (Wb. 06) F.: «Kegelleimkraut, Silene conica» — cf. auch Kaméilen, Kamillen.
 
kammoud (Ton: 2) Adj.: «bequem, gemächlich» — a) von Menschen, die ihre Bequemlichkeit lieben: da's där Kammouter een — hien as zevill k. fir déi puer Schrëtt zu Fouss ze goën; b) von Menschen, mit denen leicht auskommen ist (meist in neg. Formeln): hien as (oder 't as) nawell kee Kammouten (där Kammoudster keen — es ist schwer mit ihm einswerden); c) von Dingen, Einrichtungen, Umständen, die zu unserer Bequemlichkeit beitragen — esou en Apparat as dat Kammoudst, wat ee sech kann denken — dat Haus as nach laang nët k. — ähnlich etwa: eng k. Trap, Fotell, k. Schong — im Verlaufe der Diskussion, einwerfend: ma dat wär k. (an nët deier) — e féiert e k. Liewen, en huet eng k. Plaz; d) in dieser Bedeutung häufig adverbial: dat wär dir k. — hie mécht, hëlt sech et k. — si hun et elo k. — maacht iech et k.
 
Kammoud (Ton: 2) F.: 1) «Schubladenschrank» (frz. commode/dt. Kommode); 2) (Ga. — veraltet): «Unterhaube, Kopfzeug der Frauen um 1850» (erklärend: well een déi ongekämmt Hoër kammoud dra verstoppe konnt).
 
Kammouditéit daneben auch: Kommouditéit F.: 1) «Bequemlichkeit» (als menschl. Eigenschaft) — maacht et ärer K. no (in dieser Bed. auch: Kammoudheet); 2) «bequeme Einrichtung» — 't Haus huet all Kammouditéiten (in dieser Bed. auch: Confort M., wie frz.); 3) im besonderen: «Nachtstuhl, Abort» — kënnt der mer vläicht soë wou är K. as? (veraltet).
 
Kamous (lok. Vianden) M. in der Ra.: mëll wéi K. «weich wie sämisch Leder» (frz. chamois) — cf. Schamueser (wofür lok. auch: Kamouser).
 
Kamp I (kAm:p — lok. phV. s. Ltb. 4; Pl. lautgerecht Kämm, Osten Keem, bisw. dem Sg. angeglichen auch Kämp — lok. phV. des Tonvok. cf. Ltb. 12; Dim. Kämpchen, Pl. Kämmercher, bisw. Kämpercher, Westen -chen — lok. phV. des Tonvok. wie der Pl.) M.: 1) «Kamm» (zum Kämmen, Ordnen, Aufputzen der Haare) — e renge K. (feiner Kamm) — e graffe K. (grober Kamm) — das Dim. bezeichnet vor allem den «Taschenkamm» — andre Arten: Lais-, Stëbs-, Päerdskamp usw., in der Weberei: Blat-, Schliicht-, Riichtkamp — e K. am Hoer — hatt wéckelt séng Hoer em e K. — si sin all iwwert ee K. (deeselwechte K.) geschuer (alle von derselben Art) — wéi eng Laus um K. (armselig, elend); 2) «kammartiges Werkzeug, kammartiger Teil des Gerätes» — im bes.: «Webkamm» (ist das Garn auf den [Bd. 2, S. 275] Garbam — s. d. II/S. 9 — aufgerollt, so wird das eine Ende der Fäden durch den Kamp gezogen; er besteht aus Querleisten, die durch eine Unmenge von Doppelschnüren, Hällefter — s. d. II/S. 132 — miteinander verbunden sind; durch jede Doppelschnur wird ein Faden gezogen, durch die beiden Seitenschnüre laufen deren je zwei, die Hielem(t)sfiedem — s. d. II/S. 156; der ganze Kamp hängt in kleinen Rollen, Wierf(el)en — s. d.) der Zahn eines Zahnrades heißt gelegtl. Kamp, wofür meist Kam, Came (s. d.); 3) «oberer Teil eines Gegenstandes» — im bes.: a) «Mauerkappe» — mer mussen e K. op d'Mauer setzen (das Gemäuer abdachen) — e souz um K. vum Daach; b) «über den Kopf hinausragender Teil der Weidentraghotte»; c) «höchster Rist einer zur Mitte hin (op Récker, Rëpper) gepflügten Feldparzelle»; d) «nicht kahl, ungleichmäßig abgemähte Stelle der Wiese» — du däerfs kee K. beim Méie stoë loossen; e) «der über den Faßboden hinausstehende Rand der Faßdauben» (cf. auch: Kampeisen); 4) «kammartiger Auswuchs bei Tieren» — im bes.: a) «Hahnenkamm, Hühnerkamm» (im Ösling ist das Wort in dieser Bedeutung als einziges üblich, sonst steht daneben oder meist dafür: Kräit, Krëscht — s. d.) — auf Menschen übertragen: de K. as em geschwoll(en — er ist zornig, eitel, hochmütig, eingebildet) — vom Hund: kuck, wat mécht en e K. (wie sträuben sich seine Haare); b) «oberer Teil des Pferdehalses mit der Mähne, die Mähne selbst» (auch: «oberer Teil des Halses bei Rind und Schwein»); 5) «Stiel der entbeerten Weintraube» (auch bei der sich erst bildenden Frucht nach der Blüte).

 

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