LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kand- bis Kannerhand (Bd. 2, Sp. 279a bis 280b)
 
Kand- -daf M.: «Kindtaufe, alle damit verbundenen Festlichkeiten, vor allem der Kindtaufschmaus» — Folkl. (HESS, Vk. S. 167 ff.): die Taufe erfolgt in den Dörfern wenige Tage nach der Geburt, sie macht aus dem kleinen Judd, Jiddchen oder Däiwelchen einen Christen — en Häd hu mer fortgedroën, e Krëscht brénge mer erëm heem, sagt die Hebamme nach dem Taufgang; an die Taufhandlung schloß sich früher eine Stärkung im Wirtshaus, zumal wenn der Heimweg etwas weit war; ein Kandskafféi (s. d.) oder gar ein Mahl — kurz Kanddaf genannt (ech war op engem K., si haten en décke K.) — vereinigt heute im Hause die Nachbarinnen und Verwandten bei Kuchen und feinem Gebäck; den Frauen wird bei dieser Gelegenheit mancherlei ausgelassenes Tun verstattet, sie trinken gar manches Gläschen (früher gesüßten) Weines, ehedem sogar farbigen Branntwein (si hu gekréint wéi d'Fraën um K.); das traditionelle Lied war Zu Arel op der Knippchen, der traditionelle Tanz der Schweizermann (s. d.); die Kindseltern zahlen die Speise, die Paten die Süßigkeiten sowie das Getränk (cf. im übrigen Dafpätter I/S. 177), die Patenpflichten führten zum Spw.: Nom Kanddaf wier gär all Mënsch Pätter (andere Var. sub Kand); andere Einzelheiten zum Kanddaf s. sub Daf und seinen Komp. I/S. 177, sowie den folkloristischen Schwank von Mathias RUDEN: D'Fraen um Kanddaf (Verlag Linden, Luxbg.); -daafskéis M.: 1) «scharfer Käse» (schaarfe Kéis) — einziger Hartkäse des Landes: die Zubereitung erfordert viel Geduld und Sorge; Kuhkäse wird noch einmal trocknen und gären gelassen, mit einem Gläschen Branntwein versehen, dann aufgekocht und erneut trocknen gelassen; er ist im Geschmack mit dem Roquefort (s. d.) vergleichbar und hält sich in der Schüssel oder in einem in Salzwasser getunkten und dann getrockneten Leinen monatelang ohne schimmelig — gro — zu werden; 2) bisw. auch nur: gekachte Kéis (cf. Kachkéis); -daafsschmier F.: «mit Butter und Kochkäse bestrichene Brotschnitte»; -deeg, -do(ën) Pl. M.: «Tage der Kindheit» — in der Ra.: vu K. un (von früher Jugend an), auch einfach: vu Kand un; -fälleg (Ostrand) Adj.: «willig wie ein Kind» (so auch Rh. Wb. IV/S. 487) — dafür gelegtl. auch kandswëlleg; anders aber kanntfälleg, -weileg (s. d.).
 
Kands- (eigtl. Kanns-) -bän, -been Pl. N.: in der (dem Hd. entspr.) Ra.: vu K. un (hier) — dafür eher: Kanddeeg, Kanddo(ën); -bett N.: Neolog für Kampecht (s. d.); -däl : -deel F.: «Erbteil eines Kindes» — gängige Erbschaftsbestimmung: d'Fra kritt d'Halschecht an eng K.; -kafféi, -kaffi M.: «gelegentlich einer Kindtaufe für die weibl. Verwandtschaft und Nachbarschaft veranstaltetes Kaffeekränzchen» (s. Kanddaf); -kand (meist nur im Pl. -kanner) N.: «Enkel» — hien erlieft nach Kandskanner (er wird noch Großvater werden) — dorunner zieren nach séng Kanner a Kandskanner — déng Kandskanner halen der et nach no, wann s du de Bësch verkeefs; -néiten Pl. F.: «Geburtswehen» (dafür meist Wéien) — 't as ewell héich Zäit, si huet K. (as an de K.).
 
Kandelaber M.: «Armleuchter».
 
Kandidat M., Kandidatur F.: wie hochsprachlich.
 
Kandiszocker M.: «Kandiszucker», meist: Houscht(en)zocker.
 
Canech ON.: «Canach» — Gem. Lenningen, Kant. Remich — 443; der Volksmund nennt die Einwohner: déi Canecher Schnësser (so schon Wb. 06) gelegtl. auch: déi Canecher Beschësser oder Schmësser; de Canecher Duuscht war ein landbekannter Zechbruder; de Canecher (Tantum ergo) früher ein sehr populärer, ausgelassener Tanz; Canecher Gotteszorn wird unter Intellektuellen der Canacher Wein geschmäht; de Canecher Néckel war ein sprichwörtlich gewordener Wanderbettler um die Jahrhundertwende.
 
Kanef (Nordösl.), meist nur im Pl. Kanëfen N.: «Kette(n) zum Anbinden des Viehes» (das Wort steht als canauen «circlos» in den Echternacher Vergilglossen im Cod. Par. 9344; [Bd. 2, S. 280] cf. Rh. Wb. IV/S. 132 sub «Kanf») — veraltet im Gutland: Kunnef(t).
 
Kanéil (Ostrand u. Nordösl. Kanill) M. (Wb. 06: F.): «Zimt, Kaneel» (frz. cannelle); Kanéilschäerz M.: «Zimtrinde» — dafür lok.: Kanéileschäerz.
 
Kanéilen wird häufig für Kaméilen (s. d.) gebraucht, etwa in Kanéilentéi, Kanéileblumm, Kanelleblumm (lok., weitgehend im Westen).
 
Kanéngchen, Karnéngchen lok. weitgehend auch -ning-, -näng-, Ostrand um Echt. Kaneinchen — Pl. -ercher — Westen -erchen, Echt. -cher F. (Ostrand und Nordösl. N.): «Kaninchen» — und zwar sowohl «Haus-» wie «Feldkaninchen» — tjëft, hun déi erëm eppes Jongs, déi zillen ewéi d'Kanéngercher — Karnéngercher halen as näischt fir de Bauer, dat as gutt fir déi kleng Leit an d'Beamten — s. Karnéckel.
 
Caneto (wie frz.) M.: «junge Ente» (als Braten).
 
Canevas (wie frz.) M.: 1) «grobes Tuch zum Brodieren, Stickleinwand»; 2) übtr.: «Entwurf».
 
Caniveau (Ton: 1) M.: «Straßenrinne» — lok. dafür auch: Kanniwee (so etwa in Mühlenbach belegt) — en huet de C. gemat (ist wegen Zechprellerei vom Wirt herausgeschmissen worden) — sonst dafür: Ragull, Rigoll, Kaassi, Kulang, Revers.
 
Caca (/k÷k÷, bisw. /kOŋkOŋ) M.: 1) «ausgelassener Tanz»; 2) «Geschwätz, Gerücht».
 
Kankel, Konkel F.: «Mundschwamm» — dafür auch Gankel.
 
Cacre (/kÃ:ŋkər) M.: «schlechter Schüler».
 
Kanner- (in vielen, hier nicht berücksichtigten Komp., die Dinge kleineren Formats bezeichnen, die Kindern vorbehalten sind) -aasch M.: «Kindersteiß» — glat ewéi e K. (ähnlich Nonnebauch) — 't as Wieder wéi e K. (erklärender Zus.: bal as et dréchen, bal as et naass) — kürzer: Wieder wéi e K., bal dréche bal naass — e Gesiicht wéi e gebeetschte K.; dafür gerne auch: -kickes; -beetschert M.: «Schulmeister»; -bett(chen) N.: «Kinderbett» (im Gegs. zu Kandsbett — s. d.); -bräi M.: «Kinderbrei»; -geck M.: «Kindernarr»; -geméch N.: «Kinderstreit» (cf. -sträit); -geschwätz N.: «Kindergeschwätz» — allg.: «unbegründetes Gerede»; -gezei N.: «Kinderkleidung»; -hand F.: «Kinderhand» in der Ra.: eng K. as geschwë (bal, séier, liicht) gefëllt;

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

© 2010 - Projekt LexicoLux des Laboratoire de linguistique et de littératures luxembourgeoises der Universität Luxemburg, in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier
Hinweis zum problematischen Wortgut