LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kannerzäit bis Kantong, Kanton (Bd. 2, Sp. 281a bis 282a)
 
-zäit F.: «Kinderzeit»; -zillen N.: «Kindererziehung» — 't as méi dat K. wéi dat Kannerkréien.
 
Kannerei F.: 1) «kindliches Unterfangen, kindisches Vergnügen» — du wäerds dech dach nët wéint esou enger K. aus der Rou brénge loossen; 2) «belangloser Vorfall, belangloses Zeug» — lauschter em nët no, 't sin elauter Kannereien (in dieser Bed. meist im Pl. gebr.) — aus Kannereie gët Reie Kanner (Kindersegen bei jungen Eheleuten).
 
kannereg Adj.: 1) «kindlich, naiv» — en as schon esou grouss, e schwätzt awer nach esou k.; 2) «kindisch, dumm» — sief dach nët esou k.! — nu gëf awer nët k.!; 3) = verkannt, verkënnt (I/337) — al a k.; bes. in der 2. Bed. auch: kannerzeg; zu beiden Var. die Abl.: Kanner(z)egkät, -keet F.: «kindliches ,kindisches Wesen» — cf. auch kënterlech.
 
kannebalesch Adj.: «kannibalisch, barbarisch» — en k. Hëtzt, Freed.
 
cannéiert Verbadj.: «aus Rohr geflochten» (von Sitz- und Seitenflächen an Möbeln — zu frz. canner) — für cannéiert Still wird auch gesagt Joncstill (zu frz. jonc «Rohr»), was aber meist fälschlich wie Genrestill ausgesprochen wird.
 
canneléiert Verbadj.: «gerieft» (bes. von Säulen — zu frz. canneler).
 
kanntfälleg, kanntweileg (lok. -welleg) Adj.: in der Ra. sech k. gin sich bekannt machen, sich zu erkennen geben.
 
Canoë, Kanu M.: «Faltboot»; dazu die Abl.: Kanuten Pl. M.: «Paddelsportler».
 
Canotier (wie frz. aber Ton: 2), häufig Kanotchen gespr. (Pl. Kanottercher) M.: «flacher steifer Strohhut».
 
Kanoun (Ostrand Kanunn) F.: 1) «Kanone, Artilleriegeschütz» — d'K. gët gestoppt, lassgelooss — d'Kanounen hun honnert an ee Schotz vum Fetschenhaff erofgeschoss (weil ein Erbprinz geboren worden ist) — häufig in übtr. Ra.: da's ënner aller K. (Ausdruck der Entrüstung: ganz und gar nicht den Anforderungen, den Erwartungen, dem Herkommen entsprechend); 2) «schwerwiegendes Argument» (nur im Pl. gebr.) — du koum e mat séngen déckste Kanounen — e schéisst mat Kanounen (op) Spatzen (er legt sich für Geringfügigkeiten ins Zeug); 3) «Meister seines Fachs, Könner» — Pennälerspr.: da's eng K. an der Mathematik (tüchtiger Fachlehrer, begabter Student) — Sportspr.: den Zenterstiermer (Mittelstürmer der Fußballelf) as eng K.; 4) «steinerner Bierkrug, der einen Liter faßt» (dafür bisw. der frz. Ausdruck: e Formidabel); 5) «dicke Frau» — o mei, wat eng K.!
 
Kanonéier M.: «Kanonier» — mit de Kanonéier wird meist das volkstümliche Lied der Mumm Séis aus dem Dicks'schen Singspiel D'Mumm Séis (et wor eemol e K.) gemeint, dann auch die Tragödie von Batty Weber, die dieses Lied paraphrasiert — 't gouf spéit gëscht den Owend, si hun nach laang de K. gesongen.
 
kanoune(n)-/Kanoune(n)- -bierg M.: «Geschützhügel, Artillerieschanze» (im Luxemburger Stadtpark); -voll (fOl:) Adj.: «sternhagelvoll» — dafür wird häufig auch einfach gesagt: en as kanounen (er ist total betrunken — cf. auch granatevoll II/74); -fudder N.: «Kanonenfutter» (wie hd., für die in den Krieg ziehenden Soldaten); -hiwwel M.: = -bierg (s. d.); -kugel (Wb. 06: -kujel) F.: «Kanonenkugel» — ronn, glat, gewichst ewéi eng K.; -lach N.: «Schießscharte»; -rouer M.: «Geschützlauf» — (Boxe) Been ewéi Kanouneréier; -schotz M.: «Kanonenschuß»; -spigel M.: «Seelenspiegel» (Soldatenspr. — zur Untersuchung der Kanonen- und Gewehrläufe); -stopp M.: 1) «kurzer, dicker Mensch» (in dieser Bed. auch Biddestopp — s. d. I/107); 2) «nichtsnutziger Mensch»; -wee M.: «eigener Weg, auf dem die Kanonen auf die Wälle gefahren werden» — warnend: bleif erof vum K. (begib dich nicht aufs Eis).
 
kanounen Adj.: Kurzform für kanounevoll (s. d.).
 
kanounesch Adj.: «kanonisch» — kanounesch(t) Recht kanonisches Recht — si huet de kanouneschen Alter [Bd. 2, S. 282] nach nët (zunächst nur von Frauen: noch keine vierzig Jahre alt; dann allg. auch in anderem Zusammenhang — Anspielung auf eine Tradition, derzufolge Pfarrersköchinnen 40 oder mehr Jahre alt sein müssen) — am kanouneschen Alter (uralt).
 
Kant (kAn:t) F.: 1) «Kante» — vor allem in den Zussetz.: Dräi-, Véierkant F./M. (s. d. I/317) — Vollkant F./M. (zu I/398 nachzutragen) scharfe, rechtwinklige Kante, beim Beschlagen der Bäume, Balken, Bretter — Héikant, Héichkant M. (zu II/144 nachzutragen) in der Ra.: op den Héikant leën auf die hohe Kante richten — auch adjektivisch: stell et héikant (Holz-, Metallindustrie) — Stousskant F. (Stoßkante am Saum des früheren langen Frauenrockes, mit Stouss — s. d. — besetzt) — Woonkant F./M. Rindenkante an Balken oder Brett (nicht rechtwinklig, scharf zugehauen) — Handwerkerspr.: d'Kante beschloën, d'Kanten ofstoussen, Kanten zéien; zu dieser Bed. cf. auch das Syn. Bro (wozu d'Broë briechen, die Kanten leicht abstoßen); 2) in der allgem. Bed. von «Winkel, Ort» — 't as an alle Kante gefeelt (alles ist verpfuscht; wir haben ihm sehr mißfallen) — bisw. in der Verbindung: Ecken a Kanten (cf. auch Gaass II/5: an alle Gaasse gefeelt).
 
kanteg Adj.: «mit scharfen Kanten» — auch: känteg, auch in Komp.: véier-, sechs-, aachtkanteg/-känteg (etwa bei Mutterschrauben).
 
Kant- -holz N., -käffer M. (F.): «Vierkantholz»; -huwwel M.: «Kantenhobel»; -schneider M.: «Vorrichtung, Hobel zum Kantenschneiden».
 
Cantaloup, Kantelup (Wb. 06: Kantalup) F.: «Rippenmelone».
 
Kantitéit F.: gelegtl., ans Frz. angelehnte Nebenform zu Quantitéit (s. d.).
 
Kantin (meist Ton: 1; daneben auch frz. Ausspr. u. Betonung: Cantine) F.: «gemeinsamer Eßraum einer Belegschaft» — oft als Ortsbezeichnung gebr.: bei der K. — een aus der K.
 
Kantong, Kanton (Ton: 1) M.: 1) «Kanton» (das Großherzogtum hat 3 Distrikte, 12 Kantone, 126 Gemeinden) — en as bekannt am ganze K. — esou e Meedche geet een an dräi Kantongen nët méi sichen; 2) «abgesteckter Platz im Walde, der dem einzelnen Ortsansässigen zugewiesen wird und wo er, nachdem die Bäume gefällt sind, das Recht hat, die Stäck (Baumwurzeln) auszunehmen» (heute weitgehend mitversteigert); 3) «Anteil an den Baum- oder Holzschlägen»; 4) «Einwohnerschaft eines Kantons» — de ganze Réidener K. war op de Been.

 

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