LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kar bis Carabine (Bd. 2, Sp. 291a bis 293b)
 
Kar I (lok. phV. cf. Ltb. 2 — Pl. Karen — Dim. Käerchen s. d.) F.: 1) Bauernspr.: «der zweirädrige Karren» (für alltägliche Fuhren und Arbeiten, etwa zum Mist-, Runkelrüben-, Schuttfahren) — im Ggs. zum vierrädrigen Won (s. d.) — im Nordösling ist Teimer vorgezogen; Teile des Karrens: Bett, Gestell (zum Einschirren des Pferdes), Beem (Balken des Gestelles), Brieder, Fomett (Seitenwände), Mekanik, Manik (Bremse) — d'K. as ze vill viijhenzeg (no vir) gelueden, d'Päerd huet de ganze Laascht um Bockel — d'K. huet Iwwerlaascht no vir (no hannen) — d'K. huet opgebutscht (hat nach hinten ausgekippt) — d'K huet emgehäit, well se schlamm (schëpp) geluede war — d'K. as iwwerlueden — d'K. schléit, stuckelt, kraacht rabbelt, rubbelt, jiipst (schlecht geschmiert) — als Maßbezeichnung: bréng mer zéng Kare Mëscht — eng K. voll (ähnlich: en Teimer voll) — in mannigfacher übtr. Bed. in den Raa.: hie leet et op eng aner Kar (er deutet es verkehrt; er will es nicht verstehen) — du däerfs et nët gläich op déi K. lueden (du darfst es nicht so deuten, nicht mißdeuten) — do steet (läit) d'K. am Dreck (jetzt sind wir in Verlegenheit; wir wissen keinen Ausweg; hier liegt die Schwierigkeit) — kraache (gebrache) Kare fueren (gin, daueren) am längsten (krachende Karren, d. h. kränkliche Leute werden am ältesten) — anders: gebrache Kare fueren am längsten, wann nët op se geluede gët — dat gehéiert op eng aner K. oder: da's eng aner K. Holz (das ist etwas anderes) — en as mat enger K. duurch eng Baach gefuer (sein Handeln hinterläßt keine Spur; oft vom Geschlechtsverkehr) — du kanns mat enger K. derduurch fueren (von einer auffälligen Lüge, einer wohlfeilen Dirne) — ze laang fir op eng K., ze kuurz fir op e Won — en huet d'K. hanne vir ugespaant (er hat die Sache verkehrt angepackt) — du häss hie sollen uspanen, amplaz selwer un der K. ze deien (du hättest seine Hilfe beanspruchen sollen, anstatt allein vorgehen zu wollen) — Echt.: en Kouer as en Oart Kutsch (= besser schlecht gefuer/geridden wéi zu Fouss gaangen); 2) «zweirädriger Handkarren» (meist Käerchen; cf. auch Jabel) — e fiert mat der K. op der Gare (er ist bei der Gepäckabfertigung, Gepäckträger am Bahnhof) — viru mat der K. (vorwärts — ganz allg.); 3) «altes, schwerfälliges, unmodisches Gefährt» (Fahrrad, Auto) — déi al K. geet nach ëmmer — bisw. übtr. von alten Menschen: 't as eng gebrache Kar., e geet nët méi laang mat; 4) verächtlich: «altes Weib, feile Dirne» (fast immer mit dem Adj.: al); 5) veraltete Bedeutungsverengung: «Schinderkarren» — säi Papp as nach mat der K. gefuer (war noch Schinder — Beyern).
 
Kare(n)-/Kar- -bam M.: «Wagenbalken» (cf. -gestell); -bett N.: «Karrenkasten»; -faart, bes. in der Echt. Var. Kouerfoart F. = Karecht (s. d.); -voll F.: = Karecht (s. d.); -gestell N.: «die beiden Balken, in welche das Pferd eingeschirrt wird».
 
Karecht (lok. -icht, Echt. Kouericht) F.: «Karrenladung, Karrenfuhre» — übtr.: gëf em nach eng K. an (Prügel).
 
Kar II (ka:r gelegtl. überlang kaar — lok., in Stadtlux. u. a. Kuer, im südlichen Gutland dafür weitgehend Koar, am Ostrand um Echt. Kor, Koer — im Ösling, nördlich einer schematischen Linie Bauschleiden-Bockholtz (Wiltz) - Schlindermanderscheid-Wahlhausen-Hosingen-Rodershausen gelten die Var. Kueren, Kuorren, Kuarren, Kuerren) N.: 1) nur vereinzelt, bes. im Gebiet der oberen Sauer, gilt die alte allgem. Bedeutung: «Getreide» (auf dem Halm und gedroschen), wofür weitgehend sonst Fruucht (s. d. I/417) gebraucht wird — die alte Bed. schimmert noch durch in Komp. wie: Karblumm, -bock, -mësch, -schnatz (s. d.), sie gilt noch im 11. Jh., nach dem Zeugnis des Echternacher Cod. [Bd. 2, S. 292] Par. 9344: korna farra, corne farre; 2) allg. im Ösling wie im Gutland gilt die Bed.: «Roggen» — nur das obere Sauergebiet gebraucht in dieser Bed. Fruucht (was I/418 als lok. Sonderbedeutung nachzutragen ist — und zwar wird hier nach Camille SCHMIT, Volkssprache und Wortschatz des Belgischen Sauertals, Liège 1951 S. 271 unterschieden: Mäerz- oder Summerfruucht, die im Frühjahr gesät wird und Heerscht- oder Waunterfruucht, die im Herbst gesät wird), der Tatbestand wird für ein geschlossenes Gebiet von der Sprachgrenze bis etwa in den Raum von Bourscheid spitz zu laufend bestätigt durch den Dt. Wortatlas IV (Karte «Roggen»), der hier die Leitform Fruucht angibt — ähnliche Verhältnisse zeigen sich in mehr oder weniger starker Streuung im gesamten Westen bis an die Südgrenze des Kantons Esch; der alte Name von Secale L. (ahd. rocko) ist heute als Simplex (Wb. 06: Racken — s. d.) nicht mehr zu belegen, wiewohl er als roco auf fol. 42 b unter den Pflanzennamen des Echternacher Cod. Par. 9344 steht (heute nur in den Komp. Rackebrout, Rackemiel, Rackestréi — s. d.) — et steet wéi den aarme Leiden hiirt K. (etwa auf den Haarwuchs bezogen) — déi dreiwen d'Véi an d'K. (sie leben verschwenderisch) — Bauernregel: D'K. an d'Moll, de Weess an d'Scholl, d'Huewer an de Pull, setzen de Bauer op de Stull (wenn der Bauer den Roggen in lockeres Erdreich, den Weizen in scholligen Boden und den Hafer bei Regenwetter sät, so kann er auf eine gute Ernte zählen) — ähnlich rät Rodange in Dem Léiwäckerche säi Lidd: K. a Wëllker gin a liichter, Ma de Weess a stäifer Scholl, Koul a Geescht déi man Gesiichter, Stin se nët a fetter Moll — ech haën der eng, datt s de mengs, d'K. misst an d'Boxe goën (s. Box sub 2 I/140), ähnlich: d'K. géing an Éigen, an dat honnert Mol an der Minutt; 3) als M. gebr. für Karbranntewäin, Karschnaps (s. d.), als F. für Kardrëpp (s. d.), als N. für Karschnatz (s. d.); 4) gellegt Kar «Reinroggen», im Gegs. zum Mëschler (im Herbst mit Weizen gesät); Kinderreim: Maische, Mais-che (Bauer, Bauer), bréng ons Kuer, D'Kuer gi mir dem Mëller, De Mëller mécht ons Miel, D'Miel gi mir dem Bäcker, De Bäcker mécht ons Brout, D'Brout gi mir den Hénger, D'Hénger leën ons Eër, D'Eër gi mir verkafen, D'Dubbele gi mer versaufen; 5) dronke K.: a) «Mutterkorn»; b) «Taumellolch» (s. I/230).
 
Kar-/Kuer- -aacher F.: «Ähre» — cf. auch das Simpl. Aacher, Syn. sub Acher I/13; -blumm F.: 1) «Kornblume, Centaurea Cyanus» — gelegtl. auch blo K.; 2) «Kornrade, Agrostemma»; 3) bisw.: rout K. «Klatschmohn» (im Gegs. zu 1), auch: Funne-, Feierblumm, Hunnekapp; der rote Klatschmohn u. die blaue Kornblume werden mancherorts unterschiedslos Karblumm genannt; -bock M.: 1) «Kornwurm, Sitophilus granarius» — dafür auch Krid(d)el, Kriw(w)el, Scharotzel (Red.); 2) «Dreschbock» — früher wurde das Korn entweder mit dem Flegel (s. Fläel) gedroschen oder (bei kleinen Leuten) ausgeklopft (geklappt): man nahm einen Büschel in beide Hände und schlug den Ährenteil auf ein vierbeiniges Holzgestell — auch Plauschbock —, auf diese Weise wurde das Stroh nicht geknickt u. nicht gemengt, sondern konnte zu Schief (s. d.) gebunden werden und nun zum Anfertigen von Strohseilen und zum Dachdecken dienen — lok.: «Sensenstiel mit 4 Holzzähnen» (cf. bauschen I/77); 3) lok. bisw.: «Haussperling» — s. -mësch; -branntewäin M.: «Kornbranntwein» — dafür auch einfach Kar (sub 3); früher wurde bei magerer Kornernte das Abbrennen von Korn zu Schnaps verboten; -brout N.: «Roggenbrot» — dafür bisw. noch Rackebrout (lebendig vor allem in Familiennamen) allgem.: schwaarz(t) Brout; -buedem M.: «Boden, in dem der Roggen gut gedeiht»; -butsch F.: «Haussperling» — s. -mësch; -drëpp F.: «Gläschen Kornschnaps» — wofür auch Kar (sub 3); -kaff(é)i M.: «aus Korn gebrannter Kaffeersatz»; -mantel M.: «Klatschmohn» — lok. auch: -bäntelchen, -mantelsblumm F.; -mësch F.: «Haussperling, Passer domesticus» — dafür auch: das Simplex Mësch u. das Dim. Karmëschel(chen) (auch -mëscht, -mëtsch) sowie die Komp. -bock, -butsch, frësser, -stächer, -hengscht, -louder dann auch Daach- und Grovillchen, Mauervull, Mëschtnéckel, sowie neuerdings weitgehend Spatz (Wb. 06 übersetzt -mësch mit «Bergsperling» und -mëschel mit «Haussperling») — es handelt sich [Bd. 2, S. 293] nach FRINGS, Germania Romania S. 178 (sub muscio) um ein Lehnwort der «niederrheinischen Germania Romana»; der älteste luxemburgische (und zugleich ahd.) Beleg steht auf fol. 42 b des Echternacher Cod. Par. 9344 als muscha passer; -matt F.: «Mehlzünsler, Asopia farinalis» (Motte); -miel N.: «Roggenmehl» — wofür veraltet auch noch: Rackemiel; -mued M.: «Mehlmotte, Tinea granella»; -sangsvull M.: «Hänfling» — auch: Grosangsvillchen; -schëpp F.: «hölzerne Kornschaufel» — vor allem in der Ra.: sou néideg wéi eng K. (d. h. entbehrlich, nicht notwendig — zu ergänzen ist offenbar: bei aarme Leide, wéi mir der sin) — e mécht eng Maul wéi eng K. (läßt betrübt die Unterlippe hängen); -schësser M.: «Aderlasser, Telephorus» (Käfer); -schnaps M.: «Kornschnaps» — dafür auch einfach Kar (sub 3); -schnatz M.: 1) «Zeit der Getreideernte» — en as am K. gestuerwen; 2) «die Ernte selbst» — mer gin an de K. (und zwar früher die Öslinger ins Grasland Hesbaye, die Gutländer nach Lothringen) — mer sin am K. (drun), mer hun all Hänn voll ze din — verspällegt wéi de Bauer am K. — 't gët dëst Joer kee gudde K. — dee Schuppert (Kreuzerbauer) as geschwë fäerdeg mat séngem K. (en huet nët vill wuessen) — d'Jonge kommen aus dem K. (Mosel: früher Rückkehr der Schnitter aus Lothringen); 3) im bes.: «Monat August»; cf. auch Kar sub 3; -stéck N.: «Roggenfeld»; -stoppel F.: «abgeerntetes Roggenfeld»; -stréi N.: «Roggenstroh» — wofür noch älteres: Rackestréi; im Weinberg früher als Bandstréi verwendet (cf. Bandweid); -uelech M.: «Kornbranntwein» (veraltet — so noch Wb. 06).
 
Kar III (lok., bes. Stadtlux. Kuer) † M.: «Gefäß, Schüssel, Geschirr» — heute vor allem im Komp.: Beiekar, -kuer (I/S. 98 nachzutragen) «Bienenkorb», und Kaarléi, Kareli (s. d.).
 
Kar IV (Stadtlux. Kuer, Osten um Echt. Koer, südl. Gutland Koar) eigtl. «Wehklage» (cf. etwa kaarmen), nur in den Komp.: -freideg M.: «Karfreitag» — Echt. en as Koerfreidig op d'Welt komm (gedankenlos, vergißt leicht) — K. huet ni e Mënsch ugespaant — Gebräuche: cf. Jaudes; dafür auch schwaarze Freideg; Bauernregel: wou de Wand K. hierkënnt, do kënnt en d'ganzt Joer hier — wann et K. räift, dann deet et näischt — wie K. Brout baakt, dee gewënnt op d'Joer eng Bakecht — K. darf een de Stall nët mëschten; -samschdeg M.: «Karsamstag» — K. kommen d'Klacke vu Roum erëm (die Glocken läuteten nicht seit Gründonnerstag, denn: si waren op Roum beichten — cf. auch: klibberen) — Folklor.: K. muss d(en) Ouschterbotz fäerdeg sin — in abgelegenen Kirchen wird in der Nacht zum K. eine Geistermesse abgehalten, Priester und Gläubige sind Verstorbene, nur der Meßdiener ist lebend (Gredt, Sagenschatz S. 421), dieser Gottesdienst heißt «Peineuse Messe» in den Quellen; -woch F.: «Karwoche» — s. klibberen, Jaudes; -wochskascht M., od. einfach -kascht M.: «Fastenspeise».
 
Car (ka:r, kaar) M.: «großes Personentransportauto».
 
Carabine F. (wie frz.),

 

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