LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kasi bis kastillechen, kastilligen (Bd. 2, Sp. 299a bis 300b)
 
Kasi M.: «Rechtsfall, Streit» — do hätte mer bal K. matenee kritt — en huet nach näischt um K. (s. d. folg.) — si hun dee gréisste K. mateneen — auch: Kasis N.
 
Casier (wie Frz., Ton: 1) M.: 1) Gerichtsspr.: «Strafregister» (für das vollständigere: Casier judiciaire) — ech hun näischt um C. (s. d. vor.) — säi C. as propper; 2) in der Weinkellerei: a) «Flaschengestell, im Kellergewölbe aus Ziegeln gemauert»; b) «transportabler, eiserner Flaschenschrank»; zu Bed. 1 das Komp.: Extrait (Ton: 1) vum C. M.: «Strafregisterauszug».
 
Casino (kA/sino·) M.: «Kasino» (wie hochsprachichl) — z. B.: 1) «Speiseund Aufenthaltsraum für Ingenieure der Industriezentren»; 2) «Festsaal des Mondorfer Staatsbades»; 3) Ehnen: «Vereinssaal» (sehr altes Gebäude); 4) Stadtlux.: «Bürgerkasino in der Liebfrauenstraße» (Sitz der anonymen Gesellschaft gleichen Namens — bis 1957) — e verkéiert am C. (ist exklusiv); dazu das Komp.: Casinosbal F.: «Ball im Bürgerkasino»; 5) veraltet in Stadtlux.: «ehemaliges Offizierskasino am Anfang des Eicherberges» — die heute offiziell Côte d'Eich genannte Straße heißt daher noch volkstümlich Casinosgaass F. (dasselbe Gebäude hieß auch versoffene Rousekranz und Bi(t)z — s. d. I/114); 6) «Casino des Eisenbahnerverbandes» (Bonneweg); 7) Echt.: Casinosgouert M.: «Stadtpark» (früher Abteipark; darin ein Rokokopavillon, der bis 1867 den Offizieren des Echt. Jägerbataillons als Casino diente).
 
Kasko M.: «Versicherung des Beförderungsmittels gegen alle Risiken» — oft wird in der Vorstellung des Sprechenden Versécherong ergänzt, daher F.: ech hun eng voll K. op den Auto geholl — spaßh dafür: Cassetout.
 
Kaspar männl. Vorn.: s. Ga(a)sper, Kasch(i).
 
Kasperlek, Kasperlénk M.: 1) «Kasperle» — Hauptfigur des österreichischen Puppenspiels; 2) «Puppenspiel» — op der Fouer as och e K. — si hu K. gespillt; auch: Kasperléksthiater M.; 3) allg.: «Hanswurst» — wat bas du emol e K. — en huet erëm de K. erausgehaang — tadelnd: du K.!
 
Casque (wie frz.) M.: 1) «Helm» — etwa: Stahlhelm des Soldaten, Sturzhaube d. Motorradfahrers, Schutzhaube des Fechters; 2) Frisör: «elektrische Trockenhaube»; 3) Telegraph, Radio: «doppelter Kopfhörer».
 
Kass I F.: «Mütze» (cf. d. vor. u. frz. casquette).
 
Kass II M.: 1) «Kies» — dafür in dieser Bed. meist Kräss, Kräsi (s. d.); 2) «leichter, angeschütteter Boden» — in dieser Bed. dafür in Echt. und lok. Kast — Gromperen aus dem K. daachen nët vill; dazu das Adj.: kastig (Echt.) «aufgeschüttet, angeschwemmt» — kastige Boadem.
 
Kass III Interjekt., im Kraftwort: non di Kass!
 
Kassatioun(sgeriicht) F. (N.): «Kassationsgerichtshof» — si gin (sin) a K.
 
Casse (wie Frz.) F.: «Bruch von Glas, Porzellan usw.» — hie muss fir d'C. opkommen (die Verantwortung übernehmen) — übtr.: dat elo gët C. (= Kaméidi sub 2) — all mäin Drénkgeld goung an d'C. (Kellnerspr.); cf. auch Case sub 4 (für die Buchdruckersprache).
 
Casse- in Komp. aus dem Frz.: -cou M.: 1) «gefährlicher Ort, halsbrecherische Angelegenheit, Vorrichtung»; 2) Turnerspr.: «Überschlagung des Körpers in der Luft» (aus dem Stand oder vom Reck herunter); -croûte M.: «kleiner Imbiß»; -tête (Ton: 1 oder 2) M., dafür auch Kastéit (lok. Süden Kaschtéit) F.: «Totschläger» — dafür auch: Doutschléier; -tout M. (F.): spaßh. (oder fälschlich) für Kasko (s. d.).
 
kasséieren I trans. Verb.: «kassieren», und zwar: 1) «absetzen, entlassen» (bes. beim Militär); 2) Gerichtsspr.: «(ein Urteil) aufheben» — dazu Kassatiounsgeriicht.
 
kasséieren II trans. Verb.: 1) «(Geld) einkassieren»; 2) übtr.: «(Prügel) [Bd. 2, S. 300] über sich ergehen lassen» — Boxsport: e kasséiert gutt (er hält gut stand — absolut) en huet d'Ouerfei (oder einfach: se) kasséiert, ouni e Wuert ze son — häufig daneben: akasséieren, encaisséieren.
 
Kasselplaz F. lok. Waldbillig etwa = Kaaschte(l)plaz.
 
Kasseroll (Ton: 1) F.: «metallener Topf mit einseitigem, stielähnlichem Metall- oder Holzgriff» (heute durchgängig aus Aluminium — mit Ausgußschnabel u. Öse am Griffende, zum Aufhängen) — Ga. vermerkt das Wort nicht (trotz seiner Vorliebe für frz. Lehnwörter), Wb. 06 übersetzt: «Schmorpfanne» (so auch FOLLMANN, Wb. der dt.-lothr. Maa. 1909, S. 278: «1. Blechtopf — 2. Pfanne mit Stiel, Schmorpfanne») — was heute in Luxemburg mit Kasseroll gemein ist, entspricht durchaus der im «Nouveau Petit Larousse Illustré» abgebildeten frz. casserole, findet aber bezeichnenderweise weder unter allen im Rh. Wb. IV/245 beschriebenen «Kasserollen» noch in den einschlägigen Abbildungen des deutschen Sprach-Brockhaus eine Entsprechung; cf. dagegen Digel I/209, auch: Schwanzdigel.
 
Kassett (Ton: 1) F.: «Schatulle, verschließbares Metallkästchen zum Aufbewahren von Geld oder Wertsachen».
 
Cassis I (meist /kAsis, bisw. /ka:sis) M.: 1) «schwarze Johannisbeere, Ribes nigrum» — Neol. für das gängige: schwaarz Kréischel; 2) «Likör, Branntwein von schwarzen Johannisbeeren» — dazu: eng Cassis(drëpp) F.: «ein Glas Johannisbeerenlikör» — auch adjektivisch: eng cassissen Drëpp.
 
Cassis II M.: s. Kaassi.
 
Cassolette (wie frz.) F.: 1) Ga.: «Räucherpfanne»; 2) Echt.: Gaselettchen «hohle Brosche mit Reliquien» — s. Ga(a)sglettchen.
 
Cassonade (wie frz.) F.: «halbraffinierter (Mehl)Zucker».
 
Kast (Buchdruckerspr.) M. = Case sub 4.
 
kastadeleg Adj.: 1) Wb. 06: «groß und breit»; 2) Echt.: -ig «gebrechlich, armselig» (selten).
 
kasteien refl. Verb.: «sich plagen» (von der Hausfrau z. B.).
 
Kastéit = Casse-tête.
 
Kastell: 1) Wb. 06: F. — verweist auf Hueschter(t) — s. d. II/186 (diese Bed. belegt auch Rh. Wb. IV/247: «altes, verfallenes Haus»); 2) N.: «Befestigung» (cf. Kaaschtel, Kascht) — häufig frühgeschichtliche Wallbefestigung, Fliehburg; 3) N.: übtr. in der Ra. engem d'K. halen «einem trotzen, die Stirn bieten» — cf. auch das lok. Kartell.
 
Kasten (unter hd. Einfluß, im Osten, um und in Echt.) M.: «Kasten» — etwa in der Ra.: mat Kësten a Kasten (mit Kisten und Kästen) — auch in hochsprachlich beeinflußten Komp.: Auerekasten (wofür einheimisch: Auer(e)schaf), Brostkasten (wofür einheimisch: Broscht, Rëpper) — cf. Kaascht, die eigtl. lux. Entsprechung. Im allg.: hd. «Kasten» = Këscht (s. d.).
 
kastillechen, kastilligen (kastilgen) refl. Verb.: «sich abquälen, abmühen» — dafür: kristillechen (bisw. kasteien).

 

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