LWB Luxemburger Wörterbuch
 
kasséieren bis Katréngendag (Bd. 2, Sp. 299b bis 301a)
 
kasséieren II trans. Verb.: 1) «(Geld) einkassieren»; 2) übtr.: «(Prügel) [Bd. 2, S. 300] über sich ergehen lassen» — Boxsport: e kasséiert gutt (er hält gut stand — absolut) en huet d'Ouerfei (oder einfach: se) kasséiert, ouni e Wuert ze son — häufig daneben: akasséieren, encaisséieren.
 
Kasselplaz F. lok. Waldbillig etwa = Kaaschte(l)plaz.
 
Kasseroll (Ton: 1) F.: «metallener Topf mit einseitigem, stielähnlichem Metall- oder Holzgriff» (heute durchgängig aus Aluminium — mit Ausgußschnabel u. Öse am Griffende, zum Aufhängen) — Ga. vermerkt das Wort nicht (trotz seiner Vorliebe für frz. Lehnwörter), Wb. 06 übersetzt: «Schmorpfanne» (so auch FOLLMANN, Wb. der dt.-lothr. Maa. 1909, S. 278: «1. Blechtopf — 2. Pfanne mit Stiel, Schmorpfanne») — was heute in Luxemburg mit Kasseroll gemein ist, entspricht durchaus der im «Nouveau Petit Larousse Illustré» abgebildeten frz. casserole, findet aber bezeichnenderweise weder unter allen im Rh. Wb. IV/245 beschriebenen «Kasserollen» noch in den einschlägigen Abbildungen des deutschen Sprach-Brockhaus eine Entsprechung; cf. dagegen Digel I/209, auch: Schwanzdigel.
 
Kassett (Ton: 1) F.: «Schatulle, verschließbares Metallkästchen zum Aufbewahren von Geld oder Wertsachen».
 
Cassis I (meist /kAsis, bisw. /ka:sis) M.: 1) «schwarze Johannisbeere, Ribes nigrum» — Neol. für das gängige: schwaarz Kréischel; 2) «Likör, Branntwein von schwarzen Johannisbeeren» — dazu: eng Cassis(drëpp) F.: «ein Glas Johannisbeerenlikör» — auch adjektivisch: eng cassissen Drëpp.
 
Cassis II M.: s. Kaassi.
 
Cassolette (wie frz.) F.: 1) Ga.: «Räucherpfanne»; 2) Echt.: Gaselettchen «hohle Brosche mit Reliquien» — s. Ga(a)sglettchen.
 
Cassonade (wie frz.) F.: «halbraffinierter (Mehl)Zucker».
 
Kast (Buchdruckerspr.) M. = Case sub 4.
 
kastadeleg Adj.: 1) Wb. 06: «groß und breit»; 2) Echt.: -ig «gebrechlich, armselig» (selten).
 
kasteien refl. Verb.: «sich plagen» (von der Hausfrau z. B.).
 
Kastéit = Casse-tête.
 
Kastell: 1) Wb. 06: F. — verweist auf Hueschter(t) — s. d. II/186 (diese Bed. belegt auch Rh. Wb. IV/247: «altes, verfallenes Haus»); 2) N.: «Befestigung» (cf. Kaaschtel, Kascht) — häufig frühgeschichtliche Wallbefestigung, Fliehburg; 3) N.: übtr. in der Ra. engem d'K. halen «einem trotzen, die Stirn bieten» — cf. auch das lok. Kartell.
 
Kasten (unter hd. Einfluß, im Osten, um und in Echt.) M.: «Kasten» — etwa in der Ra.: mat Kësten a Kasten (mit Kisten und Kästen) — auch in hochsprachlich beeinflußten Komp.: Auerekasten (wofür einheimisch: Auer(e)schaf), Brostkasten (wofür einheimisch: Broscht, Rëpper) — cf. Kaascht, die eigtl. lux. Entsprechung. Im allg.: hd. «Kasten» = Këscht (s. d.).
 
kastillechen, kastilligen (kastilgen) refl. Verb.: «sich abquälen, abmühen» — dafür: kristillechen (bisw. kasteien).
 
Kastor M.: 1) «Biber»; 2) in dieser Bed. dafür auch d. Komp.: Kastorsdunn F.: «runder steifer Hut aus Biberhaar» — e Schnëppel op de Moud mat enger Kastorsdunn (volkstümlich geworden mit der Singfabel von Dicks De Fräsch an den Ochs).
 
Kastoud, Kaschtoud (Ton: 2 — Ost.: Kastud) F.: 1) «Schutzhülle, -hülse aus Stoff, Holz, Metall» — etwa: a) «Schutzetui einer Taschenuhr»; b) «(Schränkchen im) Gehäuse einer Standuhr» — dat klengst Bëtschelche war an d'K. geklommen (das jüngste der sieben Geißlein); dazu ostlux. Kastuttenauer F.: «große Standuhr»; 2) spaßh.: «der Hintere» — ech huelen dech mat der K. — schéck dech, soss gët et der bei d'K.; das Wort wird gelegtl. volksetymologisch als ein frz. Cache-tout verstanden und gesprochen, wiewohl es zu lat. custodia zu stellen ist: im Uhrenschrank wurden oft Gegenstände, etwa der Spazierstock, abgestellt.
 
Casuel M.: «Kasualien, Vergütungen für gelegtl. geistliche Amtshandlungen».
 
Kat(i) weibl. Vorn.: «Katharina» — gängigere Var. sub Katräin.
 
Katakomben Pl. F.: 1) wie hochsprachlich; 2) übtr.: wie Kasematt sub 2.
 
Katalog (-/lo:x -/lo:k) M.: «Katalog».
 
Kataplang (Ton: 3) M.: «Kataplasma» — daneben: Kataplassem.
 
Katastroph (-/stro:f) F.: «Katastrophe»; dazu das Adj. katastrophal.
 
Katchëssem M.: s. Kartchëssem.
 
Kategorie (kAtego·/ri·, kAtə-) F.: «Kategorie, Art» — da's déi nämmelecht K. Leit. [Bd. 2, S. 301]
 
kategoresch Adj.: «kategorisch».
 
kateren (lok. belg. Lux. u. lux. Westgrenze) intr. Verb.: «zanken» (= kazen).
 
Katettercher (Ösl.) Pl. F.: «Fischbeinstangen im Korsett».
 
Katisch (Ton: 1 od. 2) weibl. Vorn.: «Katharina» — Wb. 06 (gängigere Var. sub Katräin).
 
Catogan (wie frz.), Katto-, Kattegang (alle Ton: 1) M.: «aufgeschürzter Zopf» — schon Ga. berichtet: de C. as nët méi op de Moud; dafür bisw. Cadoga, Kartegang.
 
Katholik M.: wie hochspr. — iron. oder abschätzig: Katouli(er) M.: «Klerikaler» (politischer Ausdr.).
 
katoulesch Adj.: 1) «katholisch» — eng k. Familjen — auch adverbial: si hun hir Kanner (streng) k. erzunn; 2) «ehrlich, streng dem Gesetz, der Vorschrift entsprechend» (außerhalb des eigtl. Katholizismus) — nou bleift k. (beim Kartenspiel: fuddelt nët, bleift éierlech a brav) — méi k. wéi de Poopst (übertrieben orthodox, im Hinblick auf irgendeine Doktrin) — Wortspiel: bas de gedeeft? Neen, ech si k. (cf. däfen, defen I/187); 3) spaßh. vom Weinpanschen: e katoulesche Wiirt (en deeft de Wäin) — dee Wéngchen as k. (Wb. 06: dieser leichte Wein ist gut; heute aber auch: ist getauft — cf. däfen, defen I/187 sub 2); 4) spaßh.: gutt k. «reich».
 
Katräin, Katréng, Katrin, Katring (Ton: 1 oder 2) weibl. Vorn.: «Katharina» — cf. auch: Kat(i), Katisch, Kätt(i), Trin u. Var. — Spottvers (Mosel): Katrinchen mäin Hinchen, Katreinchen mäi Schweinchen — Echt: all Katrinnen hoa Kazestofft a säich, sot de Man, wi d'Fraleit iwerhaapt, hoat d'Fra geäntwert.
 
Katréngendag M.: «Fest der hl. Katharina» — Volkslied: Owes op K., huet de Kueder der Kaz säi Geld vermaach — das Fest der «catherinettes» (unverheirateten Mädchen über 25 Jahre) in Verb. mit dem Innungsfest der Putzmacherinnen ist neuerdings aus Frankreich übernommen worden.

 

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