LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kazemudder bis Kä(e)rmes (Bd. 2, Sp. 309b bis 312a)
 
-mudder F.: 1) Wb. 06: «Mutter, die ihre Kinder verzieht»; 2) «Frau, die eine besondere Liebe zu Katzen hegt»; 3) «verliebtes Weib» (der Volksglaube behauptet, die Bed. sub 2 verbürge die Neigung sub 3); -musek (dafür auch: -concert M.) F.: 1) «(nächtl.) Geschrei der Katzen in den Kazeméint»; 2) «schlechte Musik, Kakophonie, lautes Weinen» — hal op mat där K.!; 3) neben Kazemusekstaart F.: «Obstkuchen mit Teigschicht darüber» — häufiger: Moumentaart; -pelz M.: «Katzenfell» — Volksmedizin: e K. em de Läif gebonn oder an de Schong as gutt géint d'Giicht; -piss M.: «Katzenurin» — von Muskatellertrauben (Moschgedäller) heißt es gelegentlich: si schmaachen no K.; -schéngchen M.: «gemeiner Huflattich, Tussilago farfara» — cf. Ieselsfouss II/202; auch «Segge». -schossel F.: «Schüssel, aus der die Katze frißt» — übtr.: e frësst aus der K. (er leidet bittere Not nach der Verschwendung seiner Habe) — e kritt aus der K. (z'iessen — ein Alter wird im Haus von Kindern übel behandelt); -schwanz M.: 1) «Schwanz der Katze» — gerne als iron. Längenmaß gebr.: wéi wäit as et bis an den Himmel? e K., wann e laang genuch as — et feelt nëmmen e K. (es fehlt noch viel); 2) «Schachtelhalm, Equisetum arvense und andere Arten» — auch: Schuefstréi, Schofstréi — Volksmedizin: liefert getrocknet einen Aufguß gegen Gicht, Erkältung; 3) Wb. 06: «mittlerer Wegerich»; -spronk M.: «geringe Entfernung» — 't as nëmmen e K. (bis dohinner); [Bd. 2, S. 310] -stillchen M.: «aus Binsen geflochtenes Stühlchen» (wie es die Kinder beim Viehhüten anfertigen — cf. etwa Bansenhais-chen I/102); -stofft M.: übtr.: «katzenartiger Charakter» (cf. Katräin); -stot M.: «Haushalt, in dem dauernd wegen Kleinigkeiten Unfriede herrscht»; -wäscherei F.: «flüchtiges Waschen» — wat as dat do mer eng K.! (sagt man zu Kindern, die sich nur sehr oberflächlich waschen).
 
Kazett N. (M.): «Konzentrationslager» — e gesäit eraus, wéi wann en am K. gewiescht wier (abgemagert) — 't as wéi an engem K. (sehr streng) — protestierend: mer sin hei nët an engem K. (am K.) — das Wort ist nach der nazideutschen Besetzung (1940/44) in der Ma. geläufig geworden.
 
Kä, Kee, Quai (ähnl. dem Frz.) M.: 1) «Bahnsteig» — tommel dech, den Zuch steet ewell um K. — um éischte K. (sagt der Beamte an der Sperre) — übtr.: en huet de K. verpasst (hat einen Fehltritt begangen); 2) «Verladerampe» (zu vielerlei Zwecken, nicht nur bei der Eisenbahn).
 
kääflech, keeflech (Osten -lich) Adj.: 1) «käuflich, zu verkaufen» — 't deet mer leed, Madam, dee Modell as nët k.; 2) «bestechlich» — dee Mann war k. (hat sich bestechen lassen) — bisw. daneben der Neol.: käferlech Adj.: «zu einem erschwinglichen, anständigen Preis zu haben» — 't war nawell käferlecht Äerdbier um Maart.
 
Käält, Keelt F.: «Kälte» (im eigtl. u. übtr. Sinn) — 't as eng äiseg, barbaresch (balbaresch), eise, hannerwänneg, heemlech, luusseg, schrecklech, schwéngseg K. — 't as eng K. fir keen Hond vrun d'Dir ze joën — d'K. geet (schlauft) engem duurch Muerch a Schank — d'K. schlauft hannert (an) een — d'K. huet d'Blumme kritt — 't as eng K., et géifen der zwou, et fréiert an d'Ställ eran, et fréiert tëschent Mann a Fra, den Hénger fréieren d'Lächer zou — eng K. fir d'Häerz am Leif z'erkalen — ech hu méng Fangere stäif, kromm od. strutz ewech ston vu K. — ech spiere mech nët méi vu K. — (wat) as dat eng K. hei!, wat eng K.! an (bei) där K.! — e schuddert sech vu K. — et fénkelt vu K. — et geet ee jo kapott (futti) vu K. — stereotype Ausrufung: maach d'Dir zou, du bréngs eis d'K. all mat eran! — wat gutt as géint d'K., dat déngt och géint d'Hëtzt (um zu begründen, daß man den Mantel im Zimmer anbehält) — 't K. as gebrach, gedoën, gët no, huet hire Rawasch gehalen.
 
käälzen, keelzen intr. Verb.: «kalt sein, Kühle verbreiten» — hu, wéi dat keelzt, wann een an de Keller kënnt, 't keelzt um Späicher, mer mussen d'Äppel zoudecken — cf. das ähnliche killzen.
 
Kääsch(t)elchen, Kä(ä)schtchen (-ee-, -ie-) M.: = Dim. zu Kaascht II (s. d.) —meist: «kleine Handhacke oder Harke, die auf der einen Seite eine Hackklinge, auf der anderen zwei Zinken hat» (bes. zum Jäten in Kleingärten u. auf Gräbern) — lok. Mosel: Kärschtelchen, Echt.: Käer(s)chelshaiel.
 
Kääspelt, Keespelt (südl. der Hauptstadt: -schp-) ON.: «Keispelt» — Gem. Kehlen, Kant. Capellen — 328.
 
Kääss, Keess, Caisse (ähnl. dem Frz.) F.: «Kasse» — und zwar: 1) «Geldkasten mit Inhalt, auch: der Inhalt der Kasse» — en as mat der K. derduurch — en huet d'K. gebotzt — owes as nët vill an der K. — en huet mat der K. gerabbelt (vom Kollektor, der Aufmerksamkeit erregen möchte) — mer haten haut eng déck, eng moër (dënn) K. (große, geringe Einnahme) — 't geet alles an eng K., aus enger K. (gemeins. Kasse, etwa bei Eheleuten); 2) «Registrierkasse» (in Geschäften) — 't leeft alles iwwer (duurch) d'K. — si verkeeft an hie sëtzt bei der K.; 3) «Buchführung, Abrechnung» — ech hun d'K. nach nët gemat, nët fäerdeg — méng K. stëmmt nët — ech muss d'K. opstellen, ier ech se iwwergin, soss wëllt en se nët iwwerhuelen; 4) «Zahlraum, Zahlschalter» — da passéiert bei (an) der K., wann iech gelift — d'K. geet um fënnef Auer zou — d'Leit hu vrun der K. Queue (Schlange — wie frz.) gestanen — wenn es beim Kartenspiel ans Bezahlen geht, sagt man: da kommt an d'K. Jéngelcher; 5) «Zahlungsinstitut, soziale Versicherungsanstalt» — der Arzt fragt: sid der an enger K.? (sind Sie in einer Krankenkasse?) — mir sin a kenger K. — ech muss nach an d'Stad op d'K. (etwa: Raiffeisen-, Spar-, Krankenkasse) — en huet säi Geld all op der K. stoen. Cf. auch: Caisse.
 
käätsch, keetsch Adj.: «teigig».
 
Käätschen, Keetschen, Kättschen Pl. F.: wie Hëlsch (s. d. II/148) — Wb. 06: Käätschen M.: «Trester».
 
Käbbi I M.: «Kohl» — typischer Ausdruck des Südwestens (= lothr. kèbus, ZELIQZON Dict. d. patois romans [Bd. 2, S. 311] de la Moselle S. 382) — (Ho) Käbbi, Käbbi (Ruf der Frauen aus dem Kayltal, die im Frühling ihre selbstgezogenen Kohlpflänzlinge hausierend zum Kauf anbieten) — Spottvers: K., K. de Bascharage, Häder esou déck wéi mäin Aasch (statt Bascharage auch Tétange, Rumelange auslautend -a:S gesprochen) — cf. das allgem. dafür übliche Kabes.
 
Käbbi II Interjekt.: 1) bei dem sog. Sau-Spiel der viehtreibenden Buben (bei dem ein Stein oder ein Holzklotz mit einem langen Stecken herumgetrieben wird, dem Golfspiel vergleichbar) wird vor jedem Hieb gesungen: K., K., zéi eemol, K., K., zéi zweemol, K., K., zéi dräimol — die Interjektion ist zugleich der Name des Knüttels, der sonst auch Bori heißt; 2) übtr. «Junge, der beim Golfspiel die Stöcke durchs Gelände fährt».
 
Kächen (s. Ltb. 33) F.: «Köchin» — und zwar: 1) «Berufsköchin, oder Frau, die bei festlichen Gelegenheiten (Kommunion, Hochzeit) im Hause das Festessen bereitet» — nach dem Festessen heißt es: d'K. huet sech den Aarm verbrannt (wobei sie gelegtl. mit einem zum Scherz verbundenen Arm sich der Gesellschaft zeigt — dies ist das Zeichen zu einer Kollekte für ein Trinkgeld, das der K. von der Festgesellschaft gestiftet wird) — 't kënnt mer keng K. an d'Haus, déi brauchen zevill, wann een nët hannen a vir derbäi as; 2) allgem.: «Frau, die sich im Haushalt um die Küche kümmert» — Spww.: Eng fett K. mécht e moërt Testament (wer immer flott lebt, hinterläßt den Erben nicht viel) — Wann d'K. verléift as, da gët d'Zopp versalzt (daher heißt es spaßh., wenn das Essen zu stark gesalzen ist: d'K. war verléift) — Vill Käche verdierwen d'Zopp — Raa.: wien as K. am Haus? (wer kümmert sich um die Küche) — ech si méng ege K. — ech muss der K. e Kompliment maën (ich muß die Kochkunst der Dame des Hauses loben); 3) im bes.: = Häre-, Zäre-, Paschtoueschkächen (wofür gelegtl. auch Kach sub 2).
 
kächelen intr. Verb.: «schlecht und recht die Küche besorgen» (vom Ehemann, wenn die Frau verreist, bettlägerig ist); Abl.: Gekächels N.: «Küchenhantierung».
 
kächen intr./trans. Verb: 1) «sich abmühen, schwer arbeiten» — en huet de ganze Mëtteg mat enger Hakromm un deem Bamstomp gekächt (kleine Arbeit mit viel Müheaufwand); 2) «mit Gewalt werfen, schleudern» — Mosel: beim Murmelspiel die Klicker schnellen lassen (ähnlich etwa: dixen I/209, jhummen II/236, knällen); 3) «Hiebe versetzen» (Osten) — an du hun ech em der gekächt.
 
Kächer I M.: 1) «Köcher» — vor allem im Gutland (neben häufigerem Har, Häerchen) gebr. für: «Wetzsteinbehälter» (aus Holz, Horn, Blech, Leichtmetall) — am Ostrand und im Ösling gilt dafür (wie in der eiflerischtrierischen Nachbarschaft) vorwiegend: Latterfaas, Latterhar — übtr.: en huet eng (schwéier, elle, fatzeg) am K. (er ist betrunken — cf. etwa: Biz I Bd. I/115); 2) Moselschiffahrt: «Vorrichtung, in welcher der Mast steht, Kielschwein.»
 
Kächer II (Kollektivum) Pl. F.: «Kichererbsen» — Lënse mat K. a Panduren drënner — cf. Käicher II.
 
Kächer III M.: = Käicher I (s. d.).
 
Kächerei F.: «Gekoche, großes, umständliches Kochen, das (minderwertige) Resultat davon».
 
käcksen intr. Verb.: 1) = kakelen (s. d.) — wann d'Hénger geluegt hun, da k. se — 't huet en Hong am Schapp gekäckst, géi raf d'Ee op; 2) «plaudern und kichern» (bes. von jungen Frauen) — si hu gekäckst zesummen de léiwe laangen Dag — mir hu gekäckst a gemault; Abl.: Gekäcks N.
 
Käejhen, Käejhéng, Keejhen / -éng (alt: -jε:-) ON.: «Ober-, Niederkerschen, frz. Haut-, Bascharage» — Uewer-, Nidderkäejhen — selten gebr. ist die frz. Bez. Hautcharage (gespr. /hotSAra·S), häufig Bascharage (cf. auch sub Käbbi I) — dazu das Adj.: Käejher, Käejhénger.
 
Käerchen (alt: -jε:-; cf. Ltb. 13) F.: = Dim. zu Kar (s. d.) — im bes.: «kleiner, zweirädriger Handkarren (= Jabel II/223), Hundekarren» — übtr. auf Berufe, die ambulant arbeiten und Arbeitsgerät oder Handelsware auf dem Hundekarren führen: d'K. bréngt och nët vill an — cf. auch Heibleifskäerchen (II/142).
 
käermen, käremzen (lok. kiermen, kieremzen) intr. Verb.: «jammern, klagen (bes. zu Unrecht)» — en as ëmmer am Gaang mat Keimen (s. d., I) — a Käermen (er hat immer zu klagen, um das Mitleid anderer zu wecken); dazu die Abl.: Gekärems N.: «anhaltendes Jammern» — wat eng Schmot, däin éiwegt G. misse mat unhéieren! — cf. auch kaarmen, keimen II, dazu lok. Westen (Bondorf, Holtz): koremzen. [Bd. 2, S. 312]
 
Kä(e)rmes M. (N.) = Kermes (s. d.).

 

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