LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kääss, Keess, Caisse bis Käfferholz (Bd. 2, Sp. 310b bis 313a)
 
Kääss, Keess, Caisse (ähnl. dem Frz.) F.: «Kasse» — und zwar: 1) «Geldkasten mit Inhalt, auch: der Inhalt der Kasse» — en as mat der K. derduurch — en huet d'K. gebotzt — owes as nët vill an der K. — en huet mat der K. gerabbelt (vom Kollektor, der Aufmerksamkeit erregen möchte) — mer haten haut eng déck, eng moër (dënn) K. (große, geringe Einnahme) — 't geet alles an eng K., aus enger K. (gemeins. Kasse, etwa bei Eheleuten); 2) «Registrierkasse» (in Geschäften) — 't leeft alles iwwer (duurch) d'K. — si verkeeft an hie sëtzt bei der K.; 3) «Buchführung, Abrechnung» — ech hun d'K. nach nët gemat, nët fäerdeg — méng K. stëmmt nët — ech muss d'K. opstellen, ier ech se iwwergin, soss wëllt en se nët iwwerhuelen; 4) «Zahlraum, Zahlschalter» — da passéiert bei (an) der K., wann iech gelift — d'K. geet um fënnef Auer zou — d'Leit hu vrun der K. Queue (Schlange — wie frz.) gestanen — wenn es beim Kartenspiel ans Bezahlen geht, sagt man: da kommt an d'K. Jéngelcher; 5) «Zahlungsinstitut, soziale Versicherungsanstalt» — der Arzt fragt: sid der an enger K.? (sind Sie in einer Krankenkasse?) — mir sin a kenger K. — ech muss nach an d'Stad op d'K. (etwa: Raiffeisen-, Spar-, Krankenkasse) — en huet säi Geld all op der K. stoen. Cf. auch: Caisse.
 
käätsch, keetsch Adj.: «teigig».
 
Käätschen, Keetschen, Kättschen Pl. F.: wie Hëlsch (s. d. II/148) — Wb. 06: Käätschen M.: «Trester».
 
Käbbi I M.: «Kohl» — typischer Ausdruck des Südwestens (= lothr. kèbus, ZELIQZON Dict. d. patois romans [Bd. 2, S. 311] de la Moselle S. 382) — (Ho) Käbbi, Käbbi (Ruf der Frauen aus dem Kayltal, die im Frühling ihre selbstgezogenen Kohlpflänzlinge hausierend zum Kauf anbieten) — Spottvers: K., K. de Bascharage, Häder esou déck wéi mäin Aasch (statt Bascharage auch Tétange, Rumelange auslautend -a:S gesprochen) — cf. das allgem. dafür übliche Kabes.
 
Käbbi II Interjekt.: 1) bei dem sog. Sau-Spiel der viehtreibenden Buben (bei dem ein Stein oder ein Holzklotz mit einem langen Stecken herumgetrieben wird, dem Golfspiel vergleichbar) wird vor jedem Hieb gesungen: K., K., zéi eemol, K., K., zéi zweemol, K., K., zéi dräimol — die Interjektion ist zugleich der Name des Knüttels, der sonst auch Bori heißt; 2) übtr. «Junge, der beim Golfspiel die Stöcke durchs Gelände fährt».
 
Kächen (s. Ltb. 33) F.: «Köchin» — und zwar: 1) «Berufsköchin, oder Frau, die bei festlichen Gelegenheiten (Kommunion, Hochzeit) im Hause das Festessen bereitet» — nach dem Festessen heißt es: d'K. huet sech den Aarm verbrannt (wobei sie gelegtl. mit einem zum Scherz verbundenen Arm sich der Gesellschaft zeigt — dies ist das Zeichen zu einer Kollekte für ein Trinkgeld, das der K. von der Festgesellschaft gestiftet wird) — 't kënnt mer keng K. an d'Haus, déi brauchen zevill, wann een nët hannen a vir derbäi as; 2) allgem.: «Frau, die sich im Haushalt um die Küche kümmert» — Spww.: Eng fett K. mécht e moërt Testament (wer immer flott lebt, hinterläßt den Erben nicht viel) — Wann d'K. verléift as, da gët d'Zopp versalzt (daher heißt es spaßh., wenn das Essen zu stark gesalzen ist: d'K. war verléift) — Vill Käche verdierwen d'Zopp — Raa.: wien as K. am Haus? (wer kümmert sich um die Küche) — ech si méng ege K. — ech muss der K. e Kompliment maën (ich muß die Kochkunst der Dame des Hauses loben); 3) im bes.: = Häre-, Zäre-, Paschtoueschkächen (wofür gelegtl. auch Kach sub 2).
 
kächelen intr. Verb.: «schlecht und recht die Küche besorgen» (vom Ehemann, wenn die Frau verreist, bettlägerig ist); Abl.: Gekächels N.: «Küchenhantierung».
 
kächen intr./trans. Verb: 1) «sich abmühen, schwer arbeiten» — en huet de ganze Mëtteg mat enger Hakromm un deem Bamstomp gekächt (kleine Arbeit mit viel Müheaufwand); 2) «mit Gewalt werfen, schleudern» — Mosel: beim Murmelspiel die Klicker schnellen lassen (ähnlich etwa: dixen I/209, jhummen II/236, knällen); 3) «Hiebe versetzen» (Osten) — an du hun ech em der gekächt.
 
Kächer I M.: 1) «Köcher» — vor allem im Gutland (neben häufigerem Har, Häerchen) gebr. für: «Wetzsteinbehälter» (aus Holz, Horn, Blech, Leichtmetall) — am Ostrand und im Ösling gilt dafür (wie in der eiflerischtrierischen Nachbarschaft) vorwiegend: Latterfaas, Latterhar — übtr.: en huet eng (schwéier, elle, fatzeg) am K. (er ist betrunken — cf. etwa: Biz I Bd. I/115); 2) Moselschiffahrt: «Vorrichtung, in welcher der Mast steht, Kielschwein.»
 
Kächer II (Kollektivum) Pl. F.: «Kichererbsen» — Lënse mat K. a Panduren drënner — cf. Käicher II.
 
Kächer III M.: = Käicher I (s. d.).
 
Kächerei F.: «Gekoche, großes, umständliches Kochen, das (minderwertige) Resultat davon».
 
käcksen intr. Verb.: 1) = kakelen (s. d.) — wann d'Hénger geluegt hun, da k. se — 't huet en Hong am Schapp gekäckst, géi raf d'Ee op; 2) «plaudern und kichern» (bes. von jungen Frauen) — si hu gekäckst zesummen de léiwe laangen Dag — mir hu gekäckst a gemault; Abl.: Gekäcks N.
 
Käejhen, Käejhéng, Keejhen / -éng (alt: -jε:-) ON.: «Ober-, Niederkerschen, frz. Haut-, Bascharage» — Uewer-, Nidderkäejhen — selten gebr. ist die frz. Bez. Hautcharage (gespr. /hotSAra·S), häufig Bascharage (cf. auch sub Käbbi I) — dazu das Adj.: Käejher, Käejhénger.
 
Käerchen (alt: -jε:-; cf. Ltb. 13) F.: = Dim. zu Kar (s. d.) — im bes.: «kleiner, zweirädriger Handkarren (= Jabel II/223), Hundekarren» — übtr. auf Berufe, die ambulant arbeiten und Arbeitsgerät oder Handelsware auf dem Hundekarren führen: d'K. bréngt och nët vill an — cf. auch Heibleifskäerchen (II/142).
 
käermen, käremzen (lok. kiermen, kieremzen) intr. Verb.: «jammern, klagen (bes. zu Unrecht)» — en as ëmmer am Gaang mat Keimen (s. d., I) — a Käermen (er hat immer zu klagen, um das Mitleid anderer zu wecken); dazu die Abl.: Gekärems N.: «anhaltendes Jammern» — wat eng Schmot, däin éiwegt G. misse mat unhéieren! — cf. auch kaarmen, keimen II, dazu lok. Westen (Bondorf, Holtz): koremzen. [Bd. 2, S. 312]
 
Kä(e)rmes M. (N.) = Kermes (s. d.).
 
Käertchen (Pl. Käertercher, alt: -jε:-; cf. Ltb. 13) F.: = Dim. zu Kaart (s. d.) — bes.: «Visitenkarte» — géi d'K. leën (gib unsere Visitenkarte beim Begräbnis ab, im Trauerhaus, in der Kirche, auf dem Friedhof) — huel méng K. mat — en huet mer dëst Joer keng K. geschéckt (Glückwunschkarte zum Jahreswechsel) — ech gin dem Schoulmeeschter eng K. mat (zwecks Entschuldigung deiner Abwesenheit) — en huet em schéi (gutt) Käertercher gin (schöne Worte, Schmeicheleien) — oder: gëschter war en däreg, haut gët en erëm gutt Käertercher (heute sucht er seinen Fehler wieder gut zu machen, manchmal durch Heuchelei, Augendienerei).
 
Käerz (Stadtlux. Kierz — cf. Ltb. 13) F.: 1) «Kerze» — en huet séngem Patréiner (Schutzpatron) eng iele-, spanelaang, zwäpënneg, wuesse K. versprach, gestëft, eng K. ewéi e Wisbam geaffert — ech verspriechen eng K. an d'Kiirch — (e stoung do) riicht ewéi eng K. kerzengerade) — 't huet Been esou riicht wéi eng K — 't as mer eng K. entbrannt (ich bin mit knapper Not einer Gefahr entronnen; aber auch: es kam mir ein Gedanke) — ähnlich: 't hat een eng K. fir mech gebrannt, 't huet eng K. fir mech gebrannt (= 't hat eng Nonn (e gudden Engel) fir mech gebied — ich habe himmlischen Schutz genossen) — en as ausgaang wéi eng K. (er ist an Schwäche, Erschöpfung gestorben) — fréier hun d'Leit nach selwer Käerze gezunn (eng Wick mat dënne Loë gielen oder wäisse Wuess op enger Marberplack gerullt) — de Stroum wor fort, si souzen do bei der K. (Stromausfall); Folklor.: Liichtmësdag gin d'Käerze geseent — d'Eechternoacher Kanner stëften dem heilige Sebastian (Ton: 1) zwu décker Käerzen (in Echternach geht am 20. Januar zu Ehren des hl. Sebastian eine Kinderprozession zur Kirche, wobei zwei große Wachskerzen, die aus von Haus zu Haus kollektierten Beiträgen der Bürgerschaft erstanden werden, von je drei Knaben und drei Mädchen getragen und zum Schluß neben dem Altar des Heiligen in der Sebastianuskapelle aufgestellt werden) — d'Medercher, déi hire Jong am Plang gelooss huet, stëften dem Péiter Onrou um Krispinesbierg eng K. mat Spéngelen dran (verlassene Bräute oder Ehefrauen stecken in die Kerzen, die vor dem Bilde des Péiter Onrou — s. d. — im Crispinusfelsen bei Luxemburg angezündet werden ringsherum Nadeln, die beim jeweiligen Abbrennen dem Ungetreuen das Herz quälen sollen, auf daß er zu der Verlassenen zurückkehre) — ech hun der Deiwel e Stëmpche K. op de Schwanz gepecht (wenn vor der St. Michels- oder Georgsstatue — die lok., etwa in Enscheringen, Consdorf Däiwel heißt — eine Kerze angebrannt wurde, stiftete man dem unterlegenen Teufel zu den Füßen des Heiligen ein Kerzenstümpfchen mit, um sich dessen Ungunst nicht zuzuziehen) — je nach der Gelegenheit, bei welcher sie gestiftet oder beim Ritus verwendet werden, geht Rede von: Braut-, Daf-, Doude-, Kommiouns-, Liichtmës-, Ouschterkäerzen; Sage: Ein Schiffer, dessen Fahrzeug Gefahr läuft, am Ehnener Wehr zu scheitern, gelobt dem hl. Nikolaus eine Kerze so hoch und dick wie der Mastbaum seines Schiffes. Wie die Gefahr abnimmt, verkleinert sich die versprochene Kerze, und nachdem der Schiffer sich gerettet glaubt, ruft er lachend: «Neen, Nikleeschen, elo kriss de glat näischt!», worauf das Schiff mit dem Spötter versinkt; 2) Kerzenähnliches, und zwar bes.: a) «Eiszapfen» — für das Komp. Äiskäerz (cf. Kaachel); b) «penis erectus»; c) beim Fußballspiel: «Steilschuß» — bisw. statt Chandelle (wenn der Schiedsrichter bei unklaren Fällen den Ball nach Spielunterbrechung in die Höhe wirft); d) «Kopfstand» (wofür meist: Bäämchen — I/78); 3) Elektrizität: a) «Maßeinheit für Lichtstärke» (heute noch gelegtl. für und statt Watt gebr.) — eng Bir (Glühbirne) vun zwanzeg Käerzen; b) «Zündkerze» (im Explosionsmotor) — dafür geläufig auch Bougie — 't as eng K. kal, blann (eine Kerze zündet nicht).
 
Käerze(n)- -blumm F.: 1) «gemeines Knabenkraut, Orchis morio (und militaris)»; 2) «Wollkerze, flockige Königskerze, Verbascum floccosum»; -dréier, -mécher M.: «Lichtzieher» — de Käerzefriidche vun Esch am Lach (zu Beginn des Jahrhunderts landbekannter Lichtzieher); -häerchen N.: «Löschhorn» — eng Nues wéi e K. (nach unten breit geöffnete Nase); dafür gelegtl. -hittchen M.; -liicht N.: «Kerzenlicht» — beim K.; [Bd. 2, S. 313] -riicht Adj.: «kerzengerade» (Wb. 06) — dafür meist: riicht ewéi eng K., poulriicht; -schnäiz F.: «Lichtputzschere» (zum Entfernen des verkohlten Wiechenendes, Boz oder Koz genannt — s. d.); -schnäizert M.: «Nichtstuer, der sich mit unwichtigen, kleinen Arbeiten abgibt»; -stack, -stänner M.: «Kerzenständer» (bes. in der Kirche, vor der Bahre) — sonst meist: Bougeoir (Ton: 1 — s. d. I/137); -stomp M.: 1) «Kerzenstummel» — dafür auch: e Stippche Käerz — bei deem geet kee Käerzestëmpche verluer (er ist sehr geizig); 2) «Wachsendchen, das zu Lichtmeß in Kreuzform an die Innenseite der Stubentüre geklebt wurde»; 3) früher wurden aus den Stummeln der bei aufgebahrten Toten im Hause abgebrannten Kerzen Wachskreuzchen geknetet, die oben an der Tür angeheftet wurden.
 
käfeg Adj.: «leicht zu verkaufen» (cf. dagegen kääflech, käferlech) — Echt.: su en Woar as nët käfig.
 
Käfer M.: «Käufer»; Käfesch F.: «Käuferin» — oft.: «Aufkäufer auf dem Wochenmarkt» (gängiger: Opkäfer).
 
Käffer (Ostrand, Ösl. spor. /ke:fər) M. (bisw. F.): 1) «Dachsparren»; 2) «Baum, der die Dicke eines Dachsparrens hat»; das rom. Lehnwort (aus lat. *caprio — FRINGS Germania Romana 85) gilt nur in den benachbarten westdeutschen Mundarten von dem Scheitel des Hunsrück bis nördlich von Aachen und rechts des Rheins nur im Westerwald und im Dillkreis (Rhein. Wb. IV/47-50), sowie in den siebenbürgischen Mundarten.
 
Käffer- / käffer- -déck Adj.: «von der Dicke eines Dachsparrens»; -holz N.: «Holz, das zu Dachsparren geeignet ist, verarbeitet wird»;

 

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