LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Käejhen bis Käilkäppeg (Bd. 2, Sp. 311b bis 314a)
 
Käejhen, Käejhéng, Keejhen / -éng (alt: -jε:-) ON.: «Ober-, Niederkerschen, frz. Haut-, Bascharage» — Uewer-, Nidderkäejhen — selten gebr. ist die frz. Bez. Hautcharage (gespr. /hotSAra·S), häufig Bascharage (cf. auch sub Käbbi I) — dazu das Adj.: Käejher, Käejhénger.
 
Käerchen (alt: -jε:-; cf. Ltb. 13) F.: = Dim. zu Kar (s. d.) — im bes.: «kleiner, zweirädriger Handkarren (= Jabel II/223), Hundekarren» — übtr. auf Berufe, die ambulant arbeiten und Arbeitsgerät oder Handelsware auf dem Hundekarren führen: d'K. bréngt och nët vill an — cf. auch Heibleifskäerchen (II/142).
 
käermen, käremzen (lok. kiermen, kieremzen) intr. Verb.: «jammern, klagen (bes. zu Unrecht)» — en as ëmmer am Gaang mat Keimen (s. d., I) — a Käermen (er hat immer zu klagen, um das Mitleid anderer zu wecken); dazu die Abl.: Gekärems N.: «anhaltendes Jammern» — wat eng Schmot, däin éiwegt G. misse mat unhéieren! — cf. auch kaarmen, keimen II, dazu lok. Westen (Bondorf, Holtz): koremzen. [Bd. 2, S. 312]
 
Kä(e)rmes M. (N.) = Kermes (s. d.).
 
Käertchen (Pl. Käertercher, alt: -jε:-; cf. Ltb. 13) F.: = Dim. zu Kaart (s. d.) — bes.: «Visitenkarte» — géi d'K. leën (gib unsere Visitenkarte beim Begräbnis ab, im Trauerhaus, in der Kirche, auf dem Friedhof) — huel méng K. mat — en huet mer dëst Joer keng K. geschéckt (Glückwunschkarte zum Jahreswechsel) — ech gin dem Schoulmeeschter eng K. mat (zwecks Entschuldigung deiner Abwesenheit) — en huet em schéi (gutt) Käertercher gin (schöne Worte, Schmeicheleien) — oder: gëschter war en däreg, haut gët en erëm gutt Käertercher (heute sucht er seinen Fehler wieder gut zu machen, manchmal durch Heuchelei, Augendienerei).
 
Käerz (Stadtlux. Kierz — cf. Ltb. 13) F.: 1) «Kerze» — en huet séngem Patréiner (Schutzpatron) eng iele-, spanelaang, zwäpënneg, wuesse K. versprach, gestëft, eng K. ewéi e Wisbam geaffert — ech verspriechen eng K. an d'Kiirch — (e stoung do) riicht ewéi eng K. kerzengerade) — 't huet Been esou riicht wéi eng K — 't as mer eng K. entbrannt (ich bin mit knapper Not einer Gefahr entronnen; aber auch: es kam mir ein Gedanke) — ähnlich: 't hat een eng K. fir mech gebrannt, 't huet eng K. fir mech gebrannt (= 't hat eng Nonn (e gudden Engel) fir mech gebied — ich habe himmlischen Schutz genossen) — en as ausgaang wéi eng K. (er ist an Schwäche, Erschöpfung gestorben) — fréier hun d'Leit nach selwer Käerze gezunn (eng Wick mat dënne Loë gielen oder wäisse Wuess op enger Marberplack gerullt) — de Stroum wor fort, si souzen do bei der K. (Stromausfall); Folklor.: Liichtmësdag gin d'Käerze geseent — d'Eechternoacher Kanner stëften dem heilige Sebastian (Ton: 1) zwu décker Käerzen (in Echternach geht am 20. Januar zu Ehren des hl. Sebastian eine Kinderprozession zur Kirche, wobei zwei große Wachskerzen, die aus von Haus zu Haus kollektierten Beiträgen der Bürgerschaft erstanden werden, von je drei Knaben und drei Mädchen getragen und zum Schluß neben dem Altar des Heiligen in der Sebastianuskapelle aufgestellt werden) — d'Medercher, déi hire Jong am Plang gelooss huet, stëften dem Péiter Onrou um Krispinesbierg eng K. mat Spéngelen dran (verlassene Bräute oder Ehefrauen stecken in die Kerzen, die vor dem Bilde des Péiter Onrou — s. d. — im Crispinusfelsen bei Luxemburg angezündet werden ringsherum Nadeln, die beim jeweiligen Abbrennen dem Ungetreuen das Herz quälen sollen, auf daß er zu der Verlassenen zurückkehre) — ech hun der Deiwel e Stëmpche K. op de Schwanz gepecht (wenn vor der St. Michels- oder Georgsstatue — die lok., etwa in Enscheringen, Consdorf Däiwel heißt — eine Kerze angebrannt wurde, stiftete man dem unterlegenen Teufel zu den Füßen des Heiligen ein Kerzenstümpfchen mit, um sich dessen Ungunst nicht zuzuziehen) — je nach der Gelegenheit, bei welcher sie gestiftet oder beim Ritus verwendet werden, geht Rede von: Braut-, Daf-, Doude-, Kommiouns-, Liichtmës-, Ouschterkäerzen; Sage: Ein Schiffer, dessen Fahrzeug Gefahr läuft, am Ehnener Wehr zu scheitern, gelobt dem hl. Nikolaus eine Kerze so hoch und dick wie der Mastbaum seines Schiffes. Wie die Gefahr abnimmt, verkleinert sich die versprochene Kerze, und nachdem der Schiffer sich gerettet glaubt, ruft er lachend: «Neen, Nikleeschen, elo kriss de glat näischt!», worauf das Schiff mit dem Spötter versinkt; 2) Kerzenähnliches, und zwar bes.: a) «Eiszapfen» — für das Komp. Äiskäerz (cf. Kaachel); b) «penis erectus»; c) beim Fußballspiel: «Steilschuß» — bisw. statt Chandelle (wenn der Schiedsrichter bei unklaren Fällen den Ball nach Spielunterbrechung in die Höhe wirft); d) «Kopfstand» (wofür meist: Bäämchen — I/78); 3) Elektrizität: a) «Maßeinheit für Lichtstärke» (heute noch gelegtl. für und statt Watt gebr.) — eng Bir (Glühbirne) vun zwanzeg Käerzen; b) «Zündkerze» (im Explosionsmotor) — dafür geläufig auch Bougie — 't as eng K. kal, blann (eine Kerze zündet nicht).
 
Käerze(n)- -blumm F.: 1) «gemeines Knabenkraut, Orchis morio (und militaris)»; 2) «Wollkerze, flockige Königskerze, Verbascum floccosum»; -dréier, -mécher M.: «Lichtzieher» — de Käerzefriidche vun Esch am Lach (zu Beginn des Jahrhunderts landbekannter Lichtzieher); -häerchen N.: «Löschhorn» — eng Nues wéi e K. (nach unten breit geöffnete Nase); dafür gelegtl. -hittchen M.; -liicht N.: «Kerzenlicht» — beim K.; [Bd. 2, S. 313] -riicht Adj.: «kerzengerade» (Wb. 06) — dafür meist: riicht ewéi eng K., poulriicht; -schnäiz F.: «Lichtputzschere» (zum Entfernen des verkohlten Wiechenendes, Boz oder Koz genannt — s. d.); -schnäizert M.: «Nichtstuer, der sich mit unwichtigen, kleinen Arbeiten abgibt»; -stack, -stänner M.: «Kerzenständer» (bes. in der Kirche, vor der Bahre) — sonst meist: Bougeoir (Ton: 1 — s. d. I/137); -stomp M.: 1) «Kerzenstummel» — dafür auch: e Stippche Käerz — bei deem geet kee Käerzestëmpche verluer (er ist sehr geizig); 2) «Wachsendchen, das zu Lichtmeß in Kreuzform an die Innenseite der Stubentüre geklebt wurde»; 3) früher wurden aus den Stummeln der bei aufgebahrten Toten im Hause abgebrannten Kerzen Wachskreuzchen geknetet, die oben an der Tür angeheftet wurden.
 
käfeg Adj.: «leicht zu verkaufen» (cf. dagegen kääflech, käferlech) — Echt.: su en Woar as nët käfig.
 
Käfer M.: «Käufer»; Käfesch F.: «Käuferin» — oft.: «Aufkäufer auf dem Wochenmarkt» (gängiger: Opkäfer).
 
Käffer (Ostrand, Ösl. spor. /ke:fər) M. (bisw. F.): 1) «Dachsparren»; 2) «Baum, der die Dicke eines Dachsparrens hat»; das rom. Lehnwort (aus lat. *caprio — FRINGS Germania Romana 85) gilt nur in den benachbarten westdeutschen Mundarten von dem Scheitel des Hunsrück bis nördlich von Aachen und rechts des Rheins nur im Westerwald und im Dillkreis (Rhein. Wb. IV/47-50), sowie in den siebenbürgischen Mundarten.
 
Käffer- / käffer- -déck Adj.: «von der Dicke eines Dachsparrens»; -holz N.: «Holz, das zu Dachsparren geeignet ist, verarbeitet wird»;
 
käfferen intr./trans. Verb.: «Dachsparren einpassen, verlegen».
 
Käff(e)ler M.: «Sparrenmacher».
 
käicheg Adj.: «kurzatmig» (cf. auch dämpeg sub 2) — 't gët engem esou k. an deem Niwel (der Nebel beengt die Atmung) — eisen ale Biddi (altes Pferd) gët ewell k.
 
käichen intr. Verb.: «keuchen» — k. ewéi en aalt Päerd, eng Lokemotiv, eng Dampmaschin, de Jhangeli (Kleinbahn) — e käicht de Bierg erop (er ersteigt den Berg keuchend) — en huet gekäicht vun Opregong; Abl.: Gekäichs N. — wat e G. fir déi Grimmel Aarbecht.
 
Käicher I M.: «großer runder, bauchiger Strohkorb» — eppes ewéi e K. (zu dick) — dafür auch: Häicher, Käiper, Mäicher (cf. Häicher I Bd. II/130).
 
Käicher II M.: 1) «Lathyrus sativus, Saatplatterbse, spanische Wicke»; 2) «Cicer arietinum, gemeine Kichererbse».
 
Käichert M.: 1) «kurzatmiger Schwächling»; 2) «keuchender Atem, latenter Husten, dauernder Hustenreiz» — en huet de K. well jorelaang.
 
Käierchen (lok. Echt.) M.: «Mondviertel» — den ischte K. voam Moont (cf. frz. premier quartier de la lune).
 
Käik F.: 1) «meist dreieckige oder halbrunde Dachluke» — meist das Komp.: Daachkäik (I/175) — dafür auch: Kénk (s. d.); 2) im Pl. Käiken, Dim. Käikelcher, Kickelcher (Ammensprache): «Augen» — maach d'Käiken op (öffne die Augen und paß auf) — spaßh. auch: Känkiën (s. Känki) — dafür auch das Komp. Akäiken (grob Aaschkäiken) — cf. auch Guckelchen (II/87); 3) lok. «Augenbrauen».
 
Käil (Pl. Käiler, lok. Käilen) M.: 1) «Keil» — ee K. dreift deen aner — elo huet en hoffentlech säi leschte K. ageschloën (jetzt hat er hoffentlich zum letzten Mal seinen Querkopf durchgesetzt) — anders: elo as mäi leschte K. ageschloën (jetzt habe ich mein letztes, äußerstes Mittel versucht); 2) Keilförmiges: a) «Federhalter» (früher allgem., heute selten) — für das Komp. Fiederkäil (im Gegs. zur Füllfeder, dem Stylo) — du hues eng Schrëft, 't mengt een du häss mam K. geschriwwen (mit dem Kiel statt mit der Feder) — die hd. Wörter «Kiel» und «Keil» fallen zusammen (cf. Keil II Rhein Wb. IV/390); b) «dicke Brotschnitte» — en décke K. Brout; c) «Ansatz einer jungen Feder, Haaransatz in der Kopfhaut» — beim Grand (Kopfgrind II/74) gin d'Käiler an der Haut méi déck; d) «Schlüsseldorn» (Wb. 06).
 
Käil- -kapp M.: 1) «Querkopf, eigensinniger Mensch» — dat sin déi gréisste Käilkäpp aus der Géigend — dafür auch: Krällkapp; 2) «Querköpfigkeit, Eigensinn» — mir wäerten deem säi K. schon nach verdreiwen; 3) lok. Echt.: «Geizhals» (so auch in der eiflerischen Nachbarschaft, etwa Wolsfeld — im Rhein. Wb. IV/392 nicht belegt); [Bd. 2, S. 314] 4) Spottname der Herborner — Erklärung sub Hierber (II/157); -käppeg (Osten, Echt.: -koapig) Adj.: «querköpfig, eigensinnig»;

 

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