LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kéi- bis Kéimaufel (Bd. 2, Sp. 322a bis 323b)
 
Kéi- (Umlautform zu Kou- s. d.) / kéi- (in den meisten Komp. lautet das Bestimmungswort auch Kou-, s. d.) -aën Pl. N.: «große, ausdruckslose Augen» (beim Menschen, bes. bei Mädchen u. Frauen); -auder M. «Kuheuter» — man unterscheidet: kuurzmämmege, laangmämmegen, dräimämmege, fënnefmämmege Kéiauder — sind die Zitzen (Mamen, Mämmen) nach vorne gerichtet, so hat die Kuh einen Gäässenauder — K. ist ein beliebtes Gericht — zur Maßangabe: eppes wéi e K. (etwa von einer Geschwulst); -bauer M.: «kleiner Bauer, der kein Pferd besitzt, also nur Kühe anspannen kann» — auch: Kräizerbauer; -bäizchen M. (N.): = lok. Synonym (Rosport) für -kallef (s. d.); -ber ON.: «Küborn» — Gem. Wahl, Kant. Redingen — 150; bemaangelt wéi déi Kéiberer Kéi (die nicht einwandfrei — nët liwwereg — waren); -bierg ON.: «Kuhberg» — 1) besiedelte Anhöhe (Ausflugsort) am Nordostrand der Stadt Luxemburg längs der alten Trierer Straße — ohne überzeugenden Beleg als Géibierg, géie Bierg «steiler Berg» erklärt (Volkswitz); 2) kleines Gehöft an der Straße Kehlen-Dondel (Gem. Kehlen); -déif M.: «Kuhdieb» — oft als Schimpfwort gebr. — cf. auch Ga(u)- déif; hier ist offenbar géi mit Kéi- verwechselt worden, auch Ga(u)déif gehört zu der Sippe von ahd. gâhi «schnell, behende», mnd. gauwe; meist in Verb. mit einem Adj., das sich auf die Haarfarbe bezieht: du roude (rothaariger), wäisse (hellhaariger) K.! -dränk F.: «Kuhtränke» — neuerdings: automatesch K.; cf. auch -komp u. Synonyma; -duerf N.: «schmutziges Dorf»; -dreck M.: 1) «Kuhfladen» — trëppel nët an de K. — du muss der K. (auch: Héngerdreck) ënnert d'Lëps an Hunneg driwwer schmieren, da wiist däi Baart (spaßh. Bartwuchsmittel), de K. dréckt an den Hunneg zéit — cf. den Spottvers sub Abrëllsgeck (I/12); 2) geringschätzig für «Spinat» (s. Päinätsch); cf. auch: -fladder, -flapp; -faarweg Adj.: «kuhfarben» (und zwar im bes. «von der Farbe einer rostscheckigen Kuh») — vor allem im Ausdruck k. blond «rothaarig» — en as k. blond wéi de Fuuss beim Aasch — gelegtl. auch koufaarweg; -fee (bisw. auch Kou-) F.: «Nachgeburt der Kuh» — bes. in der Ra.: esou rout ewéi eng K. (von der Kleidung, die ihre Farbe verliert und einen rötlichen Schimmer bekommt) — dafür auch das Simplex Fee (I/313) und Kaalwersak; bisweilen: schluddereg, schluppeg wéi eng (warem) K. -villchen M.: «Braunkehlchen, Saxicola rubetra» — wofür gängiger: Wisevillchen, Wisegimmchen; [Bd. 2, S. 323] -fladder, -flap(p) M.: «Kuhlfladen» — cf. -dreck; dafür Nordösl.: -flatt M.: ich gi Flatte spreden (Kuhfladen in der Pferche auseinanderbreiten) — lok. Westen: -fladdréi; -fockert M.: «Kuhzüchter und bes. Kuhhändler» (leicht verächtlich) — da's dee rengste K. (auf seinen Gewinn bedachter Mensch) — dafür lok. auch -täischer; -fouss M.: 1) «Klumpfuß»; 2) «Wiesensalbei, Salvia prat.»; -fott, -fotz F.: «Geschlechtsteil der Kuh» — dafür auch: Miecht, Mäs, Mees (bes. im belg. Westen), Aanz; -vreckert M.: «Kurpfuscher bei Tierkrankheiten» — auch: -plakert; -haut F.: «Kuhhaut» — wie im Hd.: dat geet op keng K.; -hiirt, auch Kéiert M.: «Kuhhirte» — Lied der Kuhhirten (aus Junglinster): Heem fueren, D'Weed spueren, D'Mëllech seien, De Botter weien, Titchesbaach, Méng Kou as sat, De Péiter am Gronn, Hien zitt déi Sonn, Hien zitt dat Seel, Den aarmen Hiirtche fiert gär heem (anderswo in ähnl. Varianten); -hoer N.: «Kuhhaar» — die Kuhhaare wurden beim Bereiten der Häute abgeschabt und kamen unter den Mörtel des Gewéckels, zusammen mit Kéidreck dienten sie zur äußeren Bekleidung der Bienenkörbe; -huer N.: «Kuhhorn» — fréier gouf d'Gefëlls duurch e K. an d'Träipe gemat; -jhickeler M.: «Igel» (lok. Kopstal) — allg. -sécker; -jong M.: «Knabe, der zum Viehhüten gedungen wird» — du kënns do wéi e K. — dat loossen ech mer awer nët vu jidder K. gefalen — dafür im Süden: -bouf; -kallef (-källefchen) N.: «Mutterkalb» — cf. auch Kälwen, Zillkallef, Kéibäizchen; -kamp M.: «Stallkamm»; -kessel M.: «Kessel zum Kochen des Rinderfutters, der Schlupp»; -komp M.: «Kuhtränke, großer Kessel» (im Stall); statt dessen auch -moul, -mull F. und -trach M.: «Mulde, Trog, daraus die Kühe im Stall trinken»; -knetzel F.: 1) gelegtl. statt des Simplex Knetzel (cf. auch Këddel, Këttel sub 3); 2) meist: «kleines Mädchen, das höchstens zum Viehhüten taugt» (entsprechend dem Kéijong — gerne abschätzig, tadelnd gebraucht); -laus F.: «langköpfige Rinderlaus»; -lieder N.: «Leder aus Kuhhäuten» — dafür auch das frz. Handelswort vache; -mam, -mämm F.: 1) «Zitze am Kuheuter»; 2) bisw.: «der ganze Kuheuter» — cf. -auder; 3) «Herbstzeitlose, Colchicum autumnale» — dafür auch: Hierschtblumm, Uuchteblumm, Kéipanz, Kéichen; -maufel M.: 1) «was eine Kuh einmal abweidet, großer Bissen»; 2) übtr.: «großer, schlecht geordneter Blumenstrauß»; 3) spaßh.: «auffälliger, mit Blumenzierat aufgeputzter Damenhut»;

 

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