LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Këppelchen bis Gekëss (Bd. 2, Sp. 337a bis 339b)
 
Këppelchen F.: Dim. zu Koppel F. (s. d.) «Pärchen» (bes. von Kindern oder jungen Menschen) — si hun eng K. (sie haben einen Sohn und eine Tochter) — ähnlich: mir spueren nach fir eng K. (wir möchten zu unserem ersten Kind noch ein zweites von anderem Geschlecht) — 't ware vill Këppelcher um Bal (es waren viele Pärchen auf dem Ball) — oft gönnerhaft, bewundernd, zärtlich: eng schéi (léif, jong) K.
 
këppen trans. Verb.: 1) «mühsam hacken, mit Hieben bearbeiten, stückweise abhauen» — e këppt Leën (Schieferplatten) an der Kaul —in dieser Bed. auch absolut: «mühsam arbeiten» — kritt das Gekëpps da bal en Enn? 2) bes.: «(an Pflanzen, Sträuchern, Bäumen) die Spitzen abhauen» — hënt huet een eis Bemercher all gekëppt — auch übtr.: ech mengen, ech muss der déi laang Hoër emol k. (die Haare stutzen; zurechtweisen); 3) «leicht anstoßen» — et brauch een en nëmmen ze k. da läit en do — cf. aber auch: käppen.
 
Këppenhaff ON.: «Kippenhof» — Gem. Bastendorf, Kant. Diekirch.
 
Këppert I M.: «männlicher Lachs» — Die allg. Bezeichnung für «Salmo salar» ist Salem (s. d.); Alphonse de la Fontaine nennt den männlichen Lachs in seinem 1873 erschienenen Fischkatalog Këppert in offenbarer Anlehnung an die engl. Bez. «kipper» (u. a. Räucherhering), wie er auch für den jungen Lachs die engl. Namen Parr und Smolt als luxemburgisch gelten läßt, obwohl sie nirgends zu belegen sind: dafür gilt (auch schon in Wb. 06) Kinneksforell (s. d.); neben Këppert vermerkt Wb. 06 auch Krëppert, welches heute die allgemeingültige Bezeichnung in Fischerkreisen ist. — Bd. I/S. 400 ist der Name des weiblichen Salmo salar, For F. nachzutragen.
 
Këppert II M.: «Steinbrucharbeiter, Steinhauer» (vor allem der Schiefergrube) — d'Këpperten aus der Kaul — dazu die häufigere Zussetz.: Lä-, Leekëppert (s. d.).
 
kër- häufige Vorsilbe in Fluch- und Kraftwörtern (entsprechend dem frz. «cré-» = «sacré»; entsprechend in allen Fällen auch kree-, kri-), etwa in: kërmaténg, kërnondikass, kërnonzéngpies, kërtjëft, kërtjëbel, kërtjippel, kërdji, kërdjëss (vgl. auch Hacker-, Zacker-).
 
Kërett, Kerett, Kirett (Ton: 1 — frz. «curette») F.: «Bohrkrätzer» — dafür auch: Minekrazer(t).
 
Kerjhee-, -jhi, Kirjhi, -si (engl. kersey) M.: «grober Wollstoff» (urspr. nach dem engl. Ort Kersey/Suffolk benannter halbtuchartiger, geköperter, stark gewalkter Flanell, der weiß und gefärbt, in sehr verschiedener Feinheit wie das feine Tuch zugerichtet und bearbeitet wurde und bei dem der Köper durch den dazu genommenen starken Einschlag bedeckt wurde; heute bei uns veraltet).
 
Kermes (bisw. Käermes) M. (N.): «früher von den Färbern gebrauchter roter Farbstoff» (der aus den getrockneten Weibchen der Kermesschildlaus «Coccus ilicis» oder aus der weiblichen Larve «Dactylopius coccus» gewonnen wird — Karminsäure) — volksetymologisch lok. mit Kiirmes (das auch «grelle, schlecht aufeinander abgepaßte Farben» bezeichnet) zusammengebracht; cf. Kiirmes.
 
Kesau M.: «mit den Schuhabsätzen beim Sauspill durch Pressen und Drehen (auch unter Zuhilfenahme eines Stabes — s. Hiw(w)o II/S. 164) in den Boden gemachtes Loch» — sonst dafür auch Kessel (s. d.); cf. Sau.
 
Këscht (Nordosthälfte Këst) F.: 1) «Kiste, Schachtel, Kasten» (klein oder groß, meist aus Holz oder Pappe, im Gegs. zur kleinen blechernen Dous — s. d. I/219 — große Dimensionen verlangen immer die Bez. Këscht: eng bleche Këscht) —gilt im Handel oft zur Maßangabe: eng K. Fixfeier (in dieser Verb. auch Lued), eng K. Zigaren — Konserven werden eher in Béchsen (s. I/95) gekauft: eng Béchs Ierbëssen, Bounen, kondenséiert Mëllech usw., gelegtl. aber auch in dieser Bed. Këscht — im Großhandel geht Rede von: eng K. Béier (eine Kiste Flaschenbier), eng K. Eër (eine Kiste Eier) — eine (nach Öffnung unbrauchbare) Pappverpackung heißt dagegen eher Pak: e Pak Zocker, e Pak Käerzen, sonst: eng eidel Këscht (etwa: Schongkëscht) — Handwerker, die auswärts arbeiten, tragen ihr Werkzeug in einer K. mit sich (etwa Blechschléieschkëscht, Houfkëscht des Hufschmiedes) — im Haushalt werden die Vorräte in einer Këscht aufbewahrt, etwa: d'Holz-, Kuele-, Grompere-, Miel-, Zockerkëscht — der Hafer für den täglichen Gebrauch wird in einer K. (Huewerkëscht) über dem Pferdestall aufbewahrt — der Müll wird in einer K. (s. Dreckskëscht) gesammelt [Bd. 2, S. 338]Kartoffeln und Obst werden in Këschten verkauft, die daher als Mengenmaß gelten: ech kafen nach eng K. Äppel — früher trugen die Schüler ihre Bücher in der Schoulkëscht, sie diente im Winter als Schlitten; 2) im besonderen: a) «behördlicher Anschlagkasten» (bes. am Gemeindehaus) — si hänken an der K. (auch: am Reider — «sie stehen vor der Heirat», eigtl.: ihre Heiratsankündigung ist am Gemeindehaus angeschlagen) — daher zu einem eingefleischten Junggesellen gelegtl.: waart, mir kréien dech och nach an d'K.; b) = Bréifkëscht, -boîte (I/150) «öffentlicher oder privater Briefkasten»; 3) übtr. auf den menschl. Körper, in den Raa.: du kriss eng bei d'K. (= e Fouss hannebäi, bei den Aasch — also: «der Hintere») — en huet eng an der K. (er ist betrunken — also: «die Gurgel, der Wanst») — wat huet déi eng K.! (cf. Kasärestack); 4) übtr. auf Bauten: a) «Arrestlokal» — e sëtzt an der K. (das Wort hat eine reiche Synonymik, cf. etwa: Back, Dukas, Duckel(i), Duckes, Kaduck, Kaduckes usw.); b) «armseliges Haus, Hütte» — an där K. haus du? — cf. etwa das Komp.: Fléikëscht; c) «armseliges Zimmer» — d'sténkt an där K., maach emol eng Fënster op — ähnlich etwa das Komp.: Fuerzkëscht (dies auch wie 8, c); d) «schlechtes Wirtshaus, Freudenhaus» — en trëllt vun enger K. an déi aner — d'Police huet em d'K. zougemat — cf. auch: Bud (I/162 — sub 5), wofür auch das I/129 nachzutragende frz. Boîte und das Komp. Houerebud II/179; e) ganz allg. abfällig statt «Haus, Verwaltungsgebäude, Firma» (ähnlich Boîte und Bud); 5) «ein Brettspiel mit Würfeln» (im Hd. «Puff» oder «Tricktrack» genannt) — si hun de ganze Mëtteg K. gespillt — si maachen eng Partie K.; 6) Wb. 06: in Verbindung mit al «Frauenzimmer, alte Schachtel» — die heute geltende Synonymik ist sub al I/S. 17 «alte Frau» zusammengestellt — al Këscht ist meist ein altmodisches Gefährt, etwa ein Auto älterer Bauart (mit eckigen Formen) — cf. auch das Adj. këschteg; 7) in Verbindung mit sonndes, in der Ra.: et läit an der sondësser K. (auch als Komp. gebr.: Sonndeskëscht) «ein Kleidungsstück ist unordentlich, am unrechten Ort weggeräumt, abgelegt worden, liegen geblieben»; 8) je nach der Gesprächslage, an Stelle eines Kompositums in mannigfacher spezieller Bed. gebr., etwa: a) «plumpes Schuhwerk» — cf. Geiekëscht sub 2 (II/S. 47); b) «großer Fuß» — cf. Geiekëscht, Kéiskëscht; c) «Bett» — kleinere Haustiere (Katzen, Hunde) schlafen in der Honds-, Kazekëscht, von hier aus in den menschl. Bereich übtr.; d) «Sarg» — cf. Doudekëscht (neben -lued) I/S. 219 — verächtlich: elo läit en an der K. — si hun d'K. iwwert ëm zougemat — lee dech an déng K. (nicht nur «lege dich schlafen», sondern auch «laß dich begraben»); e) «Kastenförmiges» in mannigfacher Verwendung (viereckige Holzverkleidung, Sinkkasten beim Abfluß, wofür auch: Caisson). Es erhellt aus allen Belegen, daß sich das lux. Këscht nicht nur mit dem hd. «Kiste» sondern auch mit «Kasten» deckt; s. die Entsprechungen dieses Wortes sub Kaascht I, Kaaschten, Kasten.
 
këschteg Adj.: «wie eine Kiste geformt» — dat modernt Haus gefällt mer nët, et as zevill k.
 
Këschte(n)- -ä-, -ee N.: «in einer Kiste verpacktes und geliefertes Ei» (im Gegs. zum frëschen Ä, das direkt vom Bauern stammt) — d'Këschtenär si gutt fir an den Däg, fir eng Omelett brauch ee frësch Är — d'Këschtenär kommen aus der Belsch oder aus Holland; -blumm F. = Abrëllsblumm I/S. 12 (sub 1 und 2), auch: Këschtblumm; -buedem M.: «Kastenboden»; -deckel M.: «Kistendeckel» (der Gesprächslage entsprechend natürlich auch «Sargdeckel») — in ländl. Gruselmären von lebendig Begrabenen (Scheintoten) heißt es: e stoung schon iwwer Äerd (s. d. I/S. 52), du huet e widdert de K. geklappt; -holz N.: 1) «leichtes Bretterholz, zum Verfertigen von Kisten»; 2) «schlechtes, minderwertiges, grob verarbeitetes Holz» — hire Kicheschaf as aus K. — du kriss eng Lued (Sarg) aus K.; -kéis M.: «in (Papp)Schachteln verkaufter Portionskäse»; -nol N.: «Kastennagel» (besonders dünn, mit breitem Kopf) — der Gesprächslage entsprechend auch «Sargnagel», etwa: blénkeg Këschtenneel, an awer dout a begruewen; -planz F., -stack M.: «in einem Kasten gezüchtete Pflanze, Blumenstock»; -saachen Pl. F.: «Konserven im allgemeinen» — déi K. daachen näischt, si hu keng Vitaminne méi (abfällig); [Bd. 2, S. 339] -uebst N.: «in Kisten verpacktes Obst».
 
Këss I, lok. auch Këssel, Kéiss M.: «Holzinstrument zum Scharren» — und zwar: 1) meist «Kohlenharke, Ofenkrücke» (kleine Schaufel, Scharre mit langem Stiel, womit die Kohlen aus dem Backofen gezogen werden — durchwegs aus Holz); 2) «Gerät zum Umrühren des Mörtels in der Mörtelgrube» (so z. B. aus Tüntingen, Lintgen belegt); 3) «dickes Brett an langem Stiel zum Reinigen der Ställe»; 4) neuerdings auch «volleiserne Jätharke mit zwei platten dreieckigen Spitzen» (vor allem zum Reinigen gepflasterter Wege); lok. auch Kropkëss, Schäifer, Schäifel.
 
Këss II, in der Ra.: mat K. a mat Kënn «mit Kind und Kegel» (cf. Kënn I).
 
Këss III F.: «Geküsse» (zum Inf. këssen — s. d.) — von Verliebten und Jungverheirateten heißt es: 't as elauter K. a Leck — im Hinblick auf den späteren Verlauf der Ehe: 't geet u mat K. a Leck, 't hält op mat Sträit an Zeck (zum Inf. zecken «reizen, necken» — s. d.; ähnlich: mat Rapp a Klapp) — äddi K., schlo en op d'Schnëss!
 
kësseg Adj.: «zum Küssen reizend» — Echt.: këssig as wat ä gäier déit këssen — ei, esou e këssegt Meedchen!
 
Kessel (Ostrand, mit Echt. Keessel — Pl. Ke(e)sselen) M.: 1) «größeres Metallgefäß» (im Gegs. zum kleineren Dëppen — s. d. I/ S. 204 — oder Ämer — s. d. I/S. 55) — je nach dem Gebrauch wird unterschieden u. a.: Bauch-, Branntwäins- oder Brenn-, Brau-, Véi-, Fësch-, Gebääss-, Kéi-, Schwéngs-, Wäschkessel — in der Kirche: Daf-, Wäiwaassesch- (oder Wäiwaasch-)kessel — cf. auch Hexekessel II/S. 154 — je nach dem Material wird unterschieden: e bleche(nen), eise(nen), e Koffer- (selten: koffere), en zënne K., bisw. auch en emailléierte K. — der K. hat keinen oder meist nur einen einzigen, halbbogenförmigen Henkel (s. Häng II/S. 134), sonst zwei seitlich angebrachte kleinere Henkel (Oueren) — daher die übtr. Ra.: (déi) kleng Kesselen hun och (oder hu grouss) Oueren («kleine Kinder horchen gern» — zu einem Erwachsenen, der sich anschickt in Gegenwart von Kindern Unpassendes zu reden; oder wenn Kinder Gehörtes weitererzählen) — hie wërft alles an ee K. (er begeht eine Verwechslung, er macht wenig Unterscheidungen) —bisw.: kleng Kessele lafe gär iwwer (s. sub Dëppen); 2) lok. Ösling (an der Westgrenze bis in den Kanton Redingen): «Eimer» (der verderbte Text sub Ämer ist in diesem Sinne zu ändern) — Nordösl.: jank emol e par Kessele Wasser séichen (neuerdings vereinzelt auch Éimer); 3) auf den menschl. Körper (ähnlich Këscht sub 3): en huet eng (al, fatzeg, gehéireg) am K. (er ist schwer betrunken); 4) «Vertiefung im Gelände, bes. die von der Wildsau als Lager für sich und ihre Jungen ausgeworfene Stelle»; 5) lok. Ostrand: «Loch beim sog. Sauspill» (übtr. von Bed. 4) — dafür auch Kesau (s. d.). — beim Wechseln der Standlöcher wird gesungen: K., K., ronderëm, wie kee Lach huet, deen as drëm — lok. heißt das Sauspill statt d'Sau hidden auch: de K. hidden (cf. im übrigen Sau).
 
Kessel- -flécker(t) M.: 1) «Kesselflicker» — frech ewéi e K. — si hause, streide, bläre . . . wéi d'K.; 2) «Gesindel» — oft in Verb. mit Biischte-, Buuschtebënner, Dëppegéisser, Hierderches-, Hiertercheskréimer (s. d.) — du gehéiers bei d'K. — et sin esou K. (ohne daß die betr. Familie dieses Gewerbe betreibt); -haus F.: «Maschinenhalle in der ein Dampfkessel steht»; -kuch M.: «Art Kuchen» (so Wb. 06 — Rhein. Wb. IV/437: «dicker, in hoher Pfanne gebackener Weizenmehlkuchen in Buntform») — cf. Bond sub 2 (I/131); -stän, -steen M.: «fester Kalkansatz in Kesseln und Kochtöpfen» — dafür bisw.: Kallekstän (s. d.) oder einfach Stän.
 
kesselen refl. Verb.: «raufen, sich streiten» — auch: zerkesselen.
 
kësselen trans. Verb.: «den Weg, das Pflaster mit dem Këssel säubern» (auch: schäifelen).
 
Kesseler M.: «Kesselflicker, Klempner» — heute nur noch als Familienname (als Hausname: a Kesselesch).
 
këssen trans. Verb.: «küssen» — im Vergleich zu dem gängigeren eng Bees gin (s. Bees I/96) entweder literarisch oder iterativ: si stoungen nach laang an der Paart sech ze drécken (lecken) an ze k. (cf. auch zerkëssen und die Abl. Këss III, wofür auch Gekëss N. und

 

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