LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Këscht bis Quête (Bd. 2, Sp. 337b bis 340b)
 
Këscht (Nordosthälfte Këst) F.: 1) «Kiste, Schachtel, Kasten» (klein oder groß, meist aus Holz oder Pappe, im Gegs. zur kleinen blechernen Dous — s. d. I/219 — große Dimensionen verlangen immer die Bez. Këscht: eng bleche Këscht) —gilt im Handel oft zur Maßangabe: eng K. Fixfeier (in dieser Verb. auch Lued), eng K. Zigaren — Konserven werden eher in Béchsen (s. I/95) gekauft: eng Béchs Ierbëssen, Bounen, kondenséiert Mëllech usw., gelegtl. aber auch in dieser Bed. Këscht — im Großhandel geht Rede von: eng K. Béier (eine Kiste Flaschenbier), eng K. Eër (eine Kiste Eier) — eine (nach Öffnung unbrauchbare) Pappverpackung heißt dagegen eher Pak: e Pak Zocker, e Pak Käerzen, sonst: eng eidel Këscht (etwa: Schongkëscht) — Handwerker, die auswärts arbeiten, tragen ihr Werkzeug in einer K. mit sich (etwa Blechschléieschkëscht, Houfkëscht des Hufschmiedes) — im Haushalt werden die Vorräte in einer Këscht aufbewahrt, etwa: d'Holz-, Kuele-, Grompere-, Miel-, Zockerkëscht — der Hafer für den täglichen Gebrauch wird in einer K. (Huewerkëscht) über dem Pferdestall aufbewahrt — der Müll wird in einer K. (s. Dreckskëscht) gesammelt [Bd. 2, S. 338]Kartoffeln und Obst werden in Këschten verkauft, die daher als Mengenmaß gelten: ech kafen nach eng K. Äppel — früher trugen die Schüler ihre Bücher in der Schoulkëscht, sie diente im Winter als Schlitten; 2) im besonderen: a) «behördlicher Anschlagkasten» (bes. am Gemeindehaus) — si hänken an der K. (auch: am Reider — «sie stehen vor der Heirat», eigtl.: ihre Heiratsankündigung ist am Gemeindehaus angeschlagen) — daher zu einem eingefleischten Junggesellen gelegtl.: waart, mir kréien dech och nach an d'K.; b) = Bréifkëscht, -boîte (I/150) «öffentlicher oder privater Briefkasten»; 3) übtr. auf den menschl. Körper, in den Raa.: du kriss eng bei d'K. (= e Fouss hannebäi, bei den Aasch — also: «der Hintere») — en huet eng an der K. (er ist betrunken — also: «die Gurgel, der Wanst») — wat huet déi eng K.! (cf. Kasärestack); 4) übtr. auf Bauten: a) «Arrestlokal» — e sëtzt an der K. (das Wort hat eine reiche Synonymik, cf. etwa: Back, Dukas, Duckel(i), Duckes, Kaduck, Kaduckes usw.); b) «armseliges Haus, Hütte» — an där K. haus du? — cf. etwa das Komp.: Fléikëscht; c) «armseliges Zimmer» — d'sténkt an där K., maach emol eng Fënster op — ähnlich etwa das Komp.: Fuerzkëscht (dies auch wie 8, c); d) «schlechtes Wirtshaus, Freudenhaus» — en trëllt vun enger K. an déi aner — d'Police huet em d'K. zougemat — cf. auch: Bud (I/162 — sub 5), wofür auch das I/129 nachzutragende frz. Boîte und das Komp. Houerebud II/179; e) ganz allg. abfällig statt «Haus, Verwaltungsgebäude, Firma» (ähnlich Boîte und Bud); 5) «ein Brettspiel mit Würfeln» (im Hd. «Puff» oder «Tricktrack» genannt) — si hun de ganze Mëtteg K. gespillt — si maachen eng Partie K.; 6) Wb. 06: in Verbindung mit al «Frauenzimmer, alte Schachtel» — die heute geltende Synonymik ist sub al I/S. 17 «alte Frau» zusammengestellt — al Këscht ist meist ein altmodisches Gefährt, etwa ein Auto älterer Bauart (mit eckigen Formen) — cf. auch das Adj. këschteg; 7) in Verbindung mit sonndes, in der Ra.: et läit an der sondësser K. (auch als Komp. gebr.: Sonndeskëscht) «ein Kleidungsstück ist unordentlich, am unrechten Ort weggeräumt, abgelegt worden, liegen geblieben»; 8) je nach der Gesprächslage, an Stelle eines Kompositums in mannigfacher spezieller Bed. gebr., etwa: a) «plumpes Schuhwerk» — cf. Geiekëscht sub 2 (II/S. 47); b) «großer Fuß» — cf. Geiekëscht, Kéiskëscht; c) «Bett» — kleinere Haustiere (Katzen, Hunde) schlafen in der Honds-, Kazekëscht, von hier aus in den menschl. Bereich übtr.; d) «Sarg» — cf. Doudekëscht (neben -lued) I/S. 219 — verächtlich: elo läit en an der K. — si hun d'K. iwwert ëm zougemat — lee dech an déng K. (nicht nur «lege dich schlafen», sondern auch «laß dich begraben»); e) «Kastenförmiges» in mannigfacher Verwendung (viereckige Holzverkleidung, Sinkkasten beim Abfluß, wofür auch: Caisson). Es erhellt aus allen Belegen, daß sich das lux. Këscht nicht nur mit dem hd. «Kiste» sondern auch mit «Kasten» deckt; s. die Entsprechungen dieses Wortes sub Kaascht I, Kaaschten, Kasten.
 
këschteg Adj.: «wie eine Kiste geformt» — dat modernt Haus gefällt mer nët, et as zevill k.
 
Këschte(n)- -ä-, -ee N.: «in einer Kiste verpacktes und geliefertes Ei» (im Gegs. zum frëschen Ä, das direkt vom Bauern stammt) — d'Këschtenär si gutt fir an den Däg, fir eng Omelett brauch ee frësch Är — d'Këschtenär kommen aus der Belsch oder aus Holland; -blumm F. = Abrëllsblumm I/S. 12 (sub 1 und 2), auch: Këschtblumm; -buedem M.: «Kastenboden»; -deckel M.: «Kistendeckel» (der Gesprächslage entsprechend natürlich auch «Sargdeckel») — in ländl. Gruselmären von lebendig Begrabenen (Scheintoten) heißt es: e stoung schon iwwer Äerd (s. d. I/S. 52), du huet e widdert de K. geklappt; -holz N.: 1) «leichtes Bretterholz, zum Verfertigen von Kisten»; 2) «schlechtes, minderwertiges, grob verarbeitetes Holz» — hire Kicheschaf as aus K. — du kriss eng Lued (Sarg) aus K.; -kéis M.: «in (Papp)Schachteln verkaufter Portionskäse»; -nol N.: «Kastennagel» (besonders dünn, mit breitem Kopf) — der Gesprächslage entsprechend auch «Sargnagel», etwa: blénkeg Këschtenneel, an awer dout a begruewen; -planz F., -stack M.: «in einem Kasten gezüchtete Pflanze, Blumenstock»; -saachen Pl. F.: «Konserven im allgemeinen» — déi K. daachen näischt, si hu keng Vitaminne méi (abfällig); [Bd. 2, S. 339] -uebst N.: «in Kisten verpacktes Obst».
 
Këss I, lok. auch Këssel, Kéiss M.: «Holzinstrument zum Scharren» — und zwar: 1) meist «Kohlenharke, Ofenkrücke» (kleine Schaufel, Scharre mit langem Stiel, womit die Kohlen aus dem Backofen gezogen werden — durchwegs aus Holz); 2) «Gerät zum Umrühren des Mörtels in der Mörtelgrube» (so z. B. aus Tüntingen, Lintgen belegt); 3) «dickes Brett an langem Stiel zum Reinigen der Ställe»; 4) neuerdings auch «volleiserne Jätharke mit zwei platten dreieckigen Spitzen» (vor allem zum Reinigen gepflasterter Wege); lok. auch Kropkëss, Schäifer, Schäifel.
 
Këss II, in der Ra.: mat K. a mat Kënn «mit Kind und Kegel» (cf. Kënn I).
 
Këss III F.: «Geküsse» (zum Inf. këssen — s. d.) — von Verliebten und Jungverheirateten heißt es: 't as elauter K. a Leck — im Hinblick auf den späteren Verlauf der Ehe: 't geet u mat K. a Leck, 't hält op mat Sträit an Zeck (zum Inf. zecken «reizen, necken» — s. d.; ähnlich: mat Rapp a Klapp) — äddi K., schlo en op d'Schnëss!
 
kësseg Adj.: «zum Küssen reizend» — Echt.: këssig as wat ä gäier déit këssen — ei, esou e këssegt Meedchen!
 
Kessel (Ostrand, mit Echt. Keessel — Pl. Ke(e)sselen) M.: 1) «größeres Metallgefäß» (im Gegs. zum kleineren Dëppen — s. d. I/ S. 204 — oder Ämer — s. d. I/S. 55) — je nach dem Gebrauch wird unterschieden u. a.: Bauch-, Branntwäins- oder Brenn-, Brau-, Véi-, Fësch-, Gebääss-, Kéi-, Schwéngs-, Wäschkessel — in der Kirche: Daf-, Wäiwaassesch- (oder Wäiwaasch-)kessel — cf. auch Hexekessel II/S. 154 — je nach dem Material wird unterschieden: e bleche(nen), eise(nen), e Koffer- (selten: koffere), en zënne K., bisw. auch en emailléierte K. — der K. hat keinen oder meist nur einen einzigen, halbbogenförmigen Henkel (s. Häng II/S. 134), sonst zwei seitlich angebrachte kleinere Henkel (Oueren) — daher die übtr. Ra.: (déi) kleng Kesselen hun och (oder hu grouss) Oueren («kleine Kinder horchen gern» — zu einem Erwachsenen, der sich anschickt in Gegenwart von Kindern Unpassendes zu reden; oder wenn Kinder Gehörtes weitererzählen) — hie wërft alles an ee K. (er begeht eine Verwechslung, er macht wenig Unterscheidungen) —bisw.: kleng Kessele lafe gär iwwer (s. sub Dëppen); 2) lok. Ösling (an der Westgrenze bis in den Kanton Redingen): «Eimer» (der verderbte Text sub Ämer ist in diesem Sinne zu ändern) — Nordösl.: jank emol e par Kessele Wasser séichen (neuerdings vereinzelt auch Éimer); 3) auf den menschl. Körper (ähnlich Këscht sub 3): en huet eng (al, fatzeg, gehéireg) am K. (er ist schwer betrunken); 4) «Vertiefung im Gelände, bes. die von der Wildsau als Lager für sich und ihre Jungen ausgeworfene Stelle»; 5) lok. Ostrand: «Loch beim sog. Sauspill» (übtr. von Bed. 4) — dafür auch Kesau (s. d.). — beim Wechseln der Standlöcher wird gesungen: K., K., ronderëm, wie kee Lach huet, deen as drëm — lok. heißt das Sauspill statt d'Sau hidden auch: de K. hidden (cf. im übrigen Sau).
 
Kessel- -flécker(t) M.: 1) «Kesselflicker» — frech ewéi e K. — si hause, streide, bläre . . . wéi d'K.; 2) «Gesindel» — oft in Verb. mit Biischte-, Buuschtebënner, Dëppegéisser, Hierderches-, Hiertercheskréimer (s. d.) — du gehéiers bei d'K. — et sin esou K. (ohne daß die betr. Familie dieses Gewerbe betreibt); -haus F.: «Maschinenhalle in der ein Dampfkessel steht»; -kuch M.: «Art Kuchen» (so Wb. 06 — Rhein. Wb. IV/437: «dicker, in hoher Pfanne gebackener Weizenmehlkuchen in Buntform») — cf. Bond sub 2 (I/131); -stän, -steen M.: «fester Kalkansatz in Kesseln und Kochtöpfen» — dafür bisw.: Kallekstän (s. d.) oder einfach Stän.
 
kesselen refl. Verb.: «raufen, sich streiten» — auch: zerkesselen.
 
kësselen trans. Verb.: «den Weg, das Pflaster mit dem Këssel säubern» (auch: schäifelen).
 
Kesseler M.: «Kesselflicker, Klempner» — heute nur noch als Familienname (als Hausname: a Kesselesch).
 
këssen trans. Verb.: «küssen» — im Vergleich zu dem gängigeren eng Bees gin (s. Bees I/96) entweder literarisch oder iterativ: si stoungen nach laang an der Paart sech ze drécken (lecken) an ze k. (cf. auch zerkëssen und die Abl. Këss III, wofür auch Gekëss N. und Kësserei F.) — häufig in abschlägigen Raa.: këss mech hannen, këss d'Kaz hannen (der Kaz hannen), këss der Kaz (dem Honn) de Su, de Biesem, d'Lach, de Roff — aber auch: hie kësst de Chef hannen (er [Bd. 2, S. 340] ist sehr unterwürfig) — dee ka mech k.! — folkl.: 't geet de Giischterknapp k. (s. Giischterknapp II/56).
 
Këssen (lok. Këssem, Pl. Këssen seltener Këssemen) M. u. N.: 1) «Kopfkissen» — Spww.: Besser eent (oder: zéng) um K., ewéi eent um Gewëssen (besser ein Kind, zehn Kinder auf dem Kissen, als die Geburt mit unerlaubten Mitteln verhindert zu haben) — Ee K., ee Gewëssen (zwischen Ehegatten soll keine Heimlichkeit bestehen); Raa.: e schléift eng Kaul a säi K. — e kënnt muerges nët vum K. — eis Bouwen hu sech mat dem K. zerhäit — spaßh. Rat an Schüler (vor Prüfungen): lee der d'Buch ënnert d'K., da weess de mar de muergen déng Letz (Lektion) — dee schléift mat de Suën ënner em K., dann dreemt en dervun (Geizhals) — Abgrenzung gegen Synonyma: mit Këssen ist hauptsächlich das Kopfkissen auf dem Bett gemeint (cf. Kappkëssen), in derselben Bed. gilt auch Pillem, Pimmel «Kopfpfühl» — das frz. Lehnwort Coussin (Ton: 1) bezeichnet ein Zierkissen (etwa auf dem Sofa, dem Sessel), z. B.: lee der e Coussin ënnert de Kapp, da läis de besser; 2) «Sitzkissen» (in dieser Bed. konkurriert Coussin) — lee der e K. ënnert den Hënner, da sëtz de méi mëll (méi héich) — spaßh. Rat an einen Lausbuben: stiech der e K. an d'Box, well wann s de heemkënns da stëbst et (stecke dir ein Kissen in die Hose); 3) bes. Bed.: a) «Nadelkissen»; b) «Unterlage, Polsterung» (Pferdesattel, Ochsenjoch, Tragjoch, Autofederung); 4) das Dim. Këssemchen Pl. Këssem(er)cher, Këss-chen Pl. Këssercher bez. im Pl.: a) «Polsterungen der Jacke über der Schulter»; b) lok. (etwa in Echt.) das «Zittergras» — wofür sonst: Rëselcher, Wibbeldewapp; c) lok. auch: «Samenstände des Löwenzahns»; d) Echt: «Zuckerbohnen mit Füllung».
 
Këssen- -decken F.: «Zierdecke, die während des Tages über dem Kopfkissen liegt»; -zich, -zuerg, (-zureg) F.: «Kissenüberzug».
 
Këssert M.: 1) «Schäkerer, Schürzenjäger» — abfällig: sou en ale K.!; 2) «ein ausgelassener Tanz, vor etwa hundert Jahren» (Bettborn) — de Këssert an d'schwaarz Mausel waren zwee verbuede Lidder aus de véierzeger Jore vum virege Joerhonnert (an der Beicht hun d'Hären derno gefrot).
 
Questionnaire (wie frz.) M.: «Fragebogen» (Pl. Questionnairen) — 't kritt een all Ament en anere Q. aus- (op-)zefëllen.
 
Questioun, Kestioun (Ton: 2 — Pl. -en) F.: 1) «Streitfrage» — ech wäerd déi Q. schon op d'Tapéit bréngen; 2) «schwieriger Punkt, Hauptschwierigkeit» — mir hu gutt schwätzen, mee ob hien et mécht, dat as (do läit) d'Q. — d'Q. as, wéi ech em et bäibréngen — da's eng aner Q.!; 3) Schulspr., bisw. neben dem häufigeren Fro: «Examens-, Prüfungsfrage» — vun dräi Questiounen hun (wosst, konnt) ech der nëmmen zwou (wußte ich deren nur zwei zu beantworten) — hues de déi Q. (oder Fro)? bedeutet also «hast du diese Frage (richtig) beantwortet, oder (richtig) notiert?»
 
Quête (wie frz. — kε:t, kεt) F.: «Kollekte» (Haus-, Straßensammlung); bisw. wird auch das entspr. Verbum

 

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