LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kichelchen bis kicken (Bd. 2, Sp. 342a bis 345a)
 
Kichelchen (Pl. Kichelcher, Westen Kichelerchen, -cher) M.: Dim. zu Kuch (s. d.) «kleines, meist süßes Backwerk» (allerdings auch: Salzkichelchen) — bes.: 1) «Kaffeegebäck» — Kaffi mat Kichelcher (cf. Kaffiskichelchen) — géi der eng Tut (Düte) gewéinlech Kichelcher kafen (etwa: Aachtercher, Croissaen, Straiselcher, Schleken usw.) — für feineres Kaffeegebäck gilt gerne das Synonym: Patisserie (Kichelcher mat Schlagsahn, vornehmer: Chantilly — mat Bottercrème — kleng Täertercher, Éclairen, Mouerekäpp, Schuën = «choux à la crème», Crèmeflütten, Meriguen (-ken), Macaroen oder Makrounen, Madeleinen usw.) — e K. mat Rëff (spaßh. für Streuselkuchen) — Ooschkichelchen (Milchbrötchen, spaßh. für Tréiesch Bréitchen); 2) «kleines, trockenes Feingebäck» (hd. Keks, frz. petits fours — die frz. Bezeichnung auch im Lux. üblich: Petifuren Pl.) — git mer wann ech gelift e Pak (gelegtl. auch: eng Packong, e Sachet) melagéiert Kichelcher — die gängigsten fabrikmäßig hergestellten Keksarten sind etwa: Petibeurren = «petits-beurre», Kazenzongen, Biskuitten, Boudoiren, Läffelbiskuitten, gefëllte Wäffelcher, Spekulazius usw. — die vom Konditor hergestellten tragen ihre frz. Namen, z. B.: Tuilen (wofür allerdings auch Schandelen üblich ist); 3) «aus feuchtem Sand geformte backwerkähnliche Gebilde» — der Sand wird in einem Blechpfännchen, an enger Pännchen (gängige Formen: Madeleinen, Bëntercher) festgeschlagen, dabei wird gesungen: Backe, backe Kuchen, Der Bäcker hat gerufen, Wer will guten Kuchen backen (machen), Der muß haben sieben Sachen: Butter und Salz, Eier und Schmalz, Milch und Mehl, Safran macht den Kuchen gel, Schieb ihn in den Ofen — der Anfang ist häufig, der bei diesem «Kuchenbacken» so wichtigen Prozedur des Festschlagens entsprechend, umgedeutet: Batsche, batsche Kuchen (s. sub batschen I/S. 73) — d'Kënnercher maache (bake) Kichelcher am Sänti (Dim. zu Sand).
 
Kichen (Ostrand und sonst vereinzelt Kéchen, Këchen) F.: 1) «Küche als Koch- u. Wohnraum». Die Kichen mit dem Häerd (II/128) ist seit je der Mittelpunkt des in den lux. Dörfern überwiegenden ebenerdigen quergeteilten Einhauses, in dem der Wohnteil, Stall und Scheune unter einem Dach mit je einem Eingang nebeneinanderliegen. Auch im städtischen Haus bildet sie das Zentrum des Wohnteils. Früher trat man durch die Haustür unmittelbar in die Kichen, von dort gelangte man in die übrigen Wohnräume: die gute Stube Stuff (s. d.) und die (meist im Obergeschoß op dem Späicher gelegenen) Schlafzimmer (Schlof-)Kummeren (s .d.). Heute gelangt man in Bauernhäusern durch den Hausgang Är(en) I/59, jetzt meist (Haus-)Gank II/8 u. 122, genannt, in die Kichen, und erst von da in die Stuff: «so hält man die Stube, das Heiligtum des Hauses, in dem sich der Bauer nur an Sonn- und Festtagen aufhält, wärmer und reservierter» (HESS, Vk. S. 46). Der moderne Wohnbau ersetzt den Gank, der in einem jüngeren Grundriß zwischen den Wohnräumen quer durch das Erdgeschoß von der viischter Dir zur hënneschter Dir, von der Gaass in den Haff (Häffchen) oder die Plätz führt, durch den Hall II/105 oder die Entrée I/271, von wo aus nunmehr alle Zimmer des Hauses zu erreichen sind. Im alten Bauernhaus haben Hausgang und Küche als Bodenbelag Estrich Äserech I/59 oder Platen (Steinplatten). Auf einer Steinplatte gegenüber dem oft türlosen Kücheneingang brennt das Herdfeuer, zwischen den Brandrudden I/144, Feierbéck oder -eisen I/316 oder Téck, unter der Haascht II/99. Von einem Tragbalken in der Haascht hängt der Héil II/145 über dem offenen Feuer. Die hervorstehende Holzeinfassung des Rauchfangs Feier- oder Haaschtmantel I/316 u. II/99 bildet ein Sims, auf dem in Reihen die Zinnteller, -töpfe und -krüge sowie die auf Hochglanz gescheuerten Kupferkessel stehen, oft auch (zum häufigen Zulangen) der Vizbatti oder -bäerend I/383. An der Wand neben der Haascht hängen die Panen und das Wafeleisen (cf. Eisekuch I/257). Neben dem Häerd, den später die Kachmaschin ersetzt, hängt etwas höher, aber gut erreichbar der Läffelsblech (auch: Läffeleisen), oben mit einer Leiste zum Aufhängen des Zoppen- oder Schäffläffel (cf. auch Boll I/S. 129), des Schaim- od. Schaumläffel, und der zwei- oder dreizinkigen Fleischgabel, unten mit einer Art Mulde (Kulang) versehen, in die anderes [Bd. 2, S. 343] Küchengerät, etwa der Schneebesen gelegt werden kann. Nicht weit von der Feuerstelle steht die Siddel, eine Bank mit hoher Rückenlehne, deren aufklappbare Sitzfläche zugleich der Deckel einer Truhe (s. Schräin) ist. In die gemeinsame Wand von Kichen und Stuff ist hinter dem Herdfeuer eine Tak (s. d.) eingelassen, die es erlaubt, beide Räume zugleich zu heizen. Meist zur Fensterseite befindet sich der Spülstein, Stäerz, Waasserstän, auf den eine Pumpe Pompel das Wasser aus dem Hausbrunnen (meist im Kellergeschoß) herauffördert. Nicht weit davon steht die Kréibänk (s. d.) auf einem schrankartigen Unterteil: hier hängen an hölzernen oder eisernen Haken Kreep die Tassen und die Henkelbecher (s. Gobelet II/65), hier stehen die henkellosen Jhatten (s. Jatte II/225), hier werden die Kasserollen (s. d.), Schüsseln und Teller verwahrt. Die Steingutteler neueren Datums stammen aus Siebenbrunnen, Echternach, Wallerfangen, Mettlach, Saargemünd und Trier; Bunzlauer Geschirr wurde auf der Schobermesse verkauft. In der alten Bauernküche wird die Milch verarbeitet, hier steht also auch der Bäichel I/80. Ist nicht eine besondere Bakes I/67 an das Quereinhaus angebaut, so wird auch in der Küche gebacken: über der Äschekaul I/59 neben dem gemauerten Küchenherd war der Bakuewen I/67, dessen Rückseite in halbrunder Ausbeulung in den Hof oder zur Straße ging, über dem Backofen häufig eine niedrige Abstellnische. Die Küche wird alljährlich zur Kiirmes (s. d.) getüncht (s. wäissen, Wäissert). — Neuerdings wird unterschieden: Kachkichen, «kleine, nur der Essenbereitung dienende Küche», Wunnkichen «Wohnküche alten Stils, oder Küche mit Eßnische»; schwaarz Kichen: früher fand sich in größeren Gehöften u. herrschaftlichen Häusern gelegentlich ein anderer Küchentyp; es handelt sich um das sog. «Schwarzküchenhaus», in dem die Kichen das Zentrum des Wohn- und Haushaltgeschoßes bildete (z. B. in dem alten Schloß von Kahler, auf dem Kinsickerhaff bei Rippig): durch den Hausgang erreichte man die Küche, die keine Außenwand besaß und daher ihre einzige Beleuchtung durch die Haascht über die Feuerstelle erhielt, von der zentral gelegenen Küche aus gelangte man in die ringsum gelegenen Wirtschaftsräume (Molkerei, Webstube, Backhaus), in die Wohn- und Schlafzimmer u. die anderen Geschoße; Spww.: An enger gudder Kichen as geschwë gekacht, an enger schlechter nach éischter (in einer guten Küche ist schnell gekocht, in einer schlechten noch eher) — Eisen Hond bascht vun Näid, wann en dem Noper säin an der Kiche gesäit — Kazen an Honn gehéieren nët an d'K. — ähnlich: Eng Sau as gut am Stall, awer nët an der K. (folkl.: in der Küche geduldete Haustiere gelten als Zeichen der Unordnung, Unsauberkeit; von unordentlichen Bauern heißt es daher: si fidderen d'Hénger an der K.; der Volkswitz hat eine alte, in mannigfacher Variation weitverbreitete Schwankerzählung ersonnen, die das von Hund und Katze in der Küche angerichtete Unheil ausmalt; cf. das sub Kaz erwähnte Rätsel Isika a Schnorika, wozu noch folgende Variante mit engerem Bezug zu Küche und Feuerstelle überliefert ist: Himmlischer Vater, Habe und Schnabara haben Streit in der Küchen bekommen, Habe hat Schnabara ins Feuer geschmissen, Schnabara ist in die Scheune gelaufen und hat das Stroh angestichen, daß die Flamme hoch oben zum Schloßkoder, zum Schlenterlätenter hinaus ist geschlichen — ein von Karl MERSCH, S. 27 aus Vichten überliefertes Wiegenlied beginnt mit ähnlichen Motiven: D'Kaz kraazt d'Feier aus, Den Hunn dee rennt de Schoaschtech aus, De Mann leeft d'Diren aus, D'Fra kräischt Tréinen aus usw.; cf. dazu: THOMPSON, Motive-Index of Folk-Literature X, 1506); Raa.: et dämpt, 't as Damp an der K. (die Hausfrau ist schlechter Laune) — ähnlich: en huet Damp an der K. (Streit mit der Ehefrau) — bleif mer nëmmen aus der K. (vum Dëppen — sagt die Ehefrau zum Mann, die Mutter zum Kind) — spaßh.: da komm eran an d'K. (komme in den geheizten Raum — es braucht nicht die Küche zu sein, etwa das Innere der Straßenbahn im Gegs. zur Plattform) — häufig zusammen gebr.: K. a Keller — dat wier d'Meedchen fir a méng K. (das Mädchen könnte mir als Ehefrau passen), oder von den Eltern gesagt: dat wier d'Meedche fir an eis K.; 2) «Kochkunst» — eist Gréit féiert (mécht) eng gutt (schlecht, fett, moër . . .) K. — waarm K., kal K. (warme, kalte Mahlzeit) ähnlich, im Gasthausgewerbe: mir hu (féiere) waarm a kal K. (warme und kalte Speisen) — ech verdroën déi preisesch K. nët (ich vertrage die deutsche Küche nicht) — [Bd. 2, S. 344] auch in Zussetz.: Fësch-, Fleesch-, Päerdskichen (Fisch-, Fleisch-, Pferdefleischgerichte); 3) «Raum, in dem gekocht wird, aber nicht nur menschl. Nahrungsbereitung», meist nur in Zussetz.: Fudder- od. Schwéngskichen «Raum, in dem das Schweinefutter zubereitet wird» — (im Véi- oder im Schwéngskessel), Wäschkichen «Raum, in dem die häusliche Wäsche gemacht wird» (meist im Keller, wo sich zu diesem Zweck zwei Baséngen I/73 und das Wäschdëppen oder der Wäschkessel befinden — heute weitgehend, auch auf dem Lande, durch die moderne Wäschmaschin ersetzt); 4) «kleines (unordentliches) Laboratorium, Apothekeroffizin» — wat soll en erëm a sénger K. abrächen, zesummebrauen?; 5) cf. Vollekskichen I/398.
 
Kiche(n)- -auer F.: «Küchenuhr» (Schwarzwälderuhr in Wohnküchen, sonst oft ein Wecker); -dësch M.: 1) «Küchentisch, mit starker Holzplatte und Schublade (Auszock, Tirang) für Messer, Löffel, Gabel in besonderen Abteilen oder flachen Körbchen, früher oft mit erhöhter Holzlage über dem Boden (Buert) zum Abstellen von Metallgefäßen»; 2) «einfacher Tisch» — si hun e Kichendësch am Salon stoën; -dir F.: «Küchentüre» (im alten Bauernhaus war die Küche häufig nicht durch eine Türe vom Hausgang abgeschlossen) — en huet de ganzen Dag d'K. am Grapp (von einem Kichekueder sub 2), Kichepitter); -draach, -dragouner M.: 1) «(strenge, starke) Köchin» (die andere Frauen, aber bes. Männer in der Küche nicht duldet); 2) verallgem.: «kräftiges, korpulentes Küchen-, Hauspersonal»; -duch N.: «Küchentuch» — déi al Leindicher gin als Kichendicher opgez(er)rass — e rout karéiert K. (im Gegs. vor allem zum épogen/époschen Handduch «Frottierhandtuch»); -gäppchen M.: «ärmliche Küchenbeleuchtung» (cf. -luucht); -geroch M.: «Küchengeruch» — de K. geet duurch d'ganzt Haus; -geschir N.: «Küchengeschirr»; -känki M.: «Petroleumlampe in der Küche» — im Gegs. zum Stuwwekänki; -knäip(chen) M.: «Schälmesser» (kleineren Formats); -kueder M.: 1) «Küchen-, Dienstmädchen» (so heißt vor allem das weibliche Küchenpersonal des bischöflichen Konvikts in der Pennälerspr.); 2) «Mann, der sich um die Küche kümmert, der die Ehefrau beim Kochen hindert» — auch: -pitter; -latäin N.: «schlechtes Latein» — Wb. 06: «Mönchslatein»; ähnlich aber kann es auch heißen: Kichefranséisch N.: «schlechtes Französisch»; -läffel M.: «nur in der Küche gebrauchter Löffel» (weil er zerbeult, glanzlos oder der letzte eines Service ist) — auch: en hëlze K.; -luucht F.: «Küchenlampe» — früher ein Känki (s. d.) mit seitlichem Rundschild (gewöhnlich aus Messing), zum Stellen oder zum Hängen (an die Wand); -meeschter M.: 1) «Küchenchef» — im Gasthausgewerbe, dem frz. Sprachgebr. entsprechend, auch Chef; 2) spaßh. anerkennend für «Köchin, Hausfrau»; 3) bisw. wie -kueder sub 2 und -pitter; -messer N.: «größeres Tischmesser» (Wb. 06: «zum Gebrauche der Dienstboten im Gegensatz zum feineren Messer, dessen sich die Herrschaft bedient» — cf. auch -läffel) — en as mam K. op e lassgaang; -miwwelen Pl. M.: «Küchenmöbel»; -pan F.: «gestielte, ziemlich flache Eisenpfanne» (zum Backen von Eiern, Fischen, Braten von Träipen, Aufwärmen von Kartoffeln); -pitter M.: = -kueder sub 2, -meeschter sub 3; -schaf M.: «Küchenschrank» — wann hien an de K. geréit, da geet et fir e Pond Zocker, fir e Ruecht Brout, fir e Glas Gebeess usw. — mir hun d'Mais am K. (auch spaßh., wenn die Mutter merkt, daß die Kinder am Zucker oder an der Marmelade naschten) — 't as een ewéi e K. (breitschultriger Kerl — auch: wéi e Kläderschaf) ähnlich: eppes ewéi e K. (etwas von unbequemen Ausmaßen); bei unbemittelten Leuten ist der Kicheschaf durch ein Regal (Buert, Brieder) mit einem Vorhang (Rido) ersetzt — cf. Kréibänk. -schéier F.: «größere, in der Küche gebrauchte Schere»; -schiirtech N.: «Küchenschürze» — auch abfällig: dat as dat rengste K. (von einem schmutzigen, geschmacklosen Kleid); -stull M.: «Küchenstuhl, einfacher Stuhl» (cf. -dësch); -ueleg M.: «Öl zum Braten, zur Salatbereitung» (cf. Bamueleg); -uewen M.: «Zimmerkochofen» (cf. Kachuewen); [Bd. 2, S. 345] -wo F.: «Küchenwaage» (meist Standwaage, bis zu 5 kg); -wop F.: «Rußfleck in der Küche oder im Gesicht der Köchin».
 
Kichen M.: = Dim. zu Coup, Ku «Schlag, Hieb» (s. d.) — e fällt schon em, wann en e klinzege K. kritt — cf. auch den Plural: en huet Ki kritt, Dim.: Kiërcher.
 
Kick F.: «Dachluke» — dafür auch: Daachaup, -käik, -liicht und das Simplex Käik (s. d.).
 
Kickel F.: 1) «Tonfall beim Kichern» — du hues emol eng hell, eng frech, eng gräisslech K.; 2) = Kickelesch (s. d.).
 
kickeleg Adj.: «zum Kichern neigend, wenig ernst» — kickelegt Vollek — e kickelegt Framënsch, Stéck.
 
kickelen (lok. kéckelen) intr. Verb.: «kichern, leise, verstohlen lachen» — wat hues de rëm ze k.? — mat K. geet et nët duer (Spott allein genügt nicht); dazu die Abl.: Gekickels N. — Gekickels a Gespaass, G. a Gelächs — looss dat dommt G. op der Säit a maach Geschéck — drückt oft gutes Einvernehmen bes. unter Backfischen aus: dat war der e G. a keen Enn!; lok. auch gickelen, kicksen.
 
Kickeler M., Kickelesch F.: «jem. der gerne kichert, Schäker(in)» — Echt.: 't as esu en Kickelesch di sich läicht zum Laache brénge lisst an doarfer och sich verhantéiere lisst (abfällig: «sich leicht bearbeiten, beeinflussen läßt» — diese Bed. zu verhantéieren I/335 nachzutragen) — neben Kickelesch auch einfach Kickel F. (s. d.).
 
kicken I trans./intr. Verb.: «gucken» (spaßh. statt kucken — s. d.). — da looss(e) mer emol k. (sot de Blannen).

 

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