LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kicheknäip(chen) bis Kielech(s)- (Bd. 2, Sp. 344a bis 346a)
 
-knäip(chen) M.: «Schälmesser» (kleineren Formats); -kueder M.: 1) «Küchen-, Dienstmädchen» (so heißt vor allem das weibliche Küchenpersonal des bischöflichen Konvikts in der Pennälerspr.); 2) «Mann, der sich um die Küche kümmert, der die Ehefrau beim Kochen hindert» — auch: -pitter; -latäin N.: «schlechtes Latein» — Wb. 06: «Mönchslatein»; ähnlich aber kann es auch heißen: Kichefranséisch N.: «schlechtes Französisch»; -läffel M.: «nur in der Küche gebrauchter Löffel» (weil er zerbeult, glanzlos oder der letzte eines Service ist) — auch: en hëlze K.; -luucht F.: «Küchenlampe» — früher ein Känki (s. d.) mit seitlichem Rundschild (gewöhnlich aus Messing), zum Stellen oder zum Hängen (an die Wand); -meeschter M.: 1) «Küchenchef» — im Gasthausgewerbe, dem frz. Sprachgebr. entsprechend, auch Chef; 2) spaßh. anerkennend für «Köchin, Hausfrau»; 3) bisw. wie -kueder sub 2 und -pitter; -messer N.: «größeres Tischmesser» (Wb. 06: «zum Gebrauche der Dienstboten im Gegensatz zum feineren Messer, dessen sich die Herrschaft bedient» — cf. auch -läffel) — en as mam K. op e lassgaang; -miwwelen Pl. M.: «Küchenmöbel»; -pan F.: «gestielte, ziemlich flache Eisenpfanne» (zum Backen von Eiern, Fischen, Braten von Träipen, Aufwärmen von Kartoffeln); -pitter M.: = -kueder sub 2, -meeschter sub 3; -schaf M.: «Küchenschrank» — wann hien an de K. geréit, da geet et fir e Pond Zocker, fir e Ruecht Brout, fir e Glas Gebeess usw. — mir hun d'Mais am K. (auch spaßh., wenn die Mutter merkt, daß die Kinder am Zucker oder an der Marmelade naschten) — 't as een ewéi e K. (breitschultriger Kerl — auch: wéi e Kläderschaf) ähnlich: eppes ewéi e K. (etwas von unbequemen Ausmaßen); bei unbemittelten Leuten ist der Kicheschaf durch ein Regal (Buert, Brieder) mit einem Vorhang (Rido) ersetzt — cf. Kréibänk. -schéier F.: «größere, in der Küche gebrauchte Schere»; -schiirtech N.: «Küchenschürze» — auch abfällig: dat as dat rengste K. (von einem schmutzigen, geschmacklosen Kleid); -stull M.: «Küchenstuhl, einfacher Stuhl» (cf. -dësch); -ueleg M.: «Öl zum Braten, zur Salatbereitung» (cf. Bamueleg); -uewen M.: «Zimmerkochofen» (cf. Kachuewen); [Bd. 2, S. 345] -wo F.: «Küchenwaage» (meist Standwaage, bis zu 5 kg); -wop F.: «Rußfleck in der Küche oder im Gesicht der Köchin».
 
Kichen M.: = Dim. zu Coup, Ku «Schlag, Hieb» (s. d.) — e fällt schon em, wann en e klinzege K. kritt — cf. auch den Plural: en huet Ki kritt, Dim.: Kiërcher.
 
Kick F.: «Dachluke» — dafür auch: Daachaup, -käik, -liicht und das Simplex Käik (s. d.).
 
Kickel F.: 1) «Tonfall beim Kichern» — du hues emol eng hell, eng frech, eng gräisslech K.; 2) = Kickelesch (s. d.).
 
kickeleg Adj.: «zum Kichern neigend, wenig ernst» — kickelegt Vollek — e kickelegt Framënsch, Stéck.
 
kickelen (lok. kéckelen) intr. Verb.: «kichern, leise, verstohlen lachen» — wat hues de rëm ze k.? — mat K. geet et nët duer (Spott allein genügt nicht); dazu die Abl.: Gekickels N. — Gekickels a Gespaass, G. a Gelächs — looss dat dommt G. op der Säit a maach Geschéck — drückt oft gutes Einvernehmen bes. unter Backfischen aus: dat war der e G. a keen Enn!; lok. auch gickelen, kicksen.
 
Kickeler M., Kickelesch F.: «jem. der gerne kichert, Schäker(in)» — Echt.: 't as esu en Kickelesch di sich läicht zum Laache brénge lisst an doarfer och sich verhantéiere lisst (abfällig: «sich leicht bearbeiten, beeinflussen läßt» — diese Bed. zu verhantéieren I/335 nachzutragen) — neben Kickelesch auch einfach Kickel F. (s. d.).
 
kicken I trans./intr. Verb.: «gucken» (spaßh. statt kucken — s. d.). — da looss(e) mer emol k. (sot de Blannen).
 
kicken II trans./intr. Verb.: «stoßen» (bes. den Fußball — Sportjargon).
 
Kickert M.: 1) «überspannter Mensch» — soviel wie Stärekickert, Stäregickert «Sterngucker» (dazu in Echt. das Komp. Schlësselloachkickert — s .d.); 2) «Narrheit» in der Ra.: en huet e K. am Kapp (er ist närrisch); 3) «ausgebauter Ein- u. Ausgang am Taubenschlag» — d'Dauwe ruckelen am K.; cf. auch Käik.
 
Kickes, Kicki (Ammenspr.) M.: «der Hintere» (Spielform zu frz. cul) — du kriss de K. gefrueden, gebeetscht — du kriss es (der) op de K. (op de blouse K. — auch einfach: op de Blousen) — 't gët Mackes op de Kickes — hief de Kickes, da kënnt den Hënner no (da geet den Hënner mat), wofür gelgtl. auch: lëf de Ki (= frz. lève le cul) — d'Kënni huet e fiichte K. (feuchte Windeln) — dafür gilt gelegtl. auch: Kéckes, Käckes (dies anklingend an Kacka — s. d.) — andere (ammensprachliche) Synonyma: Daukes, Dokes, Duck, Duckes (diese Bed. I/235 nachzutragen), Duddeli (idem), Kiskedi(ri) — spaßh. auch: Dous, Kadaster, Kastout, Këscht, Su. Mit lux. Lautwandel -ck- ^> -tsch auch Kitsch.
 
Kiddel (lok. um Echt.: Kidel) M.: «Kittel» — und zwar durchwegs Arbeitskittel (etwa des Anstreichers, des Frisörs), das ehemalige Staatskleid des lux. Bauern, der blauleinene Kittel mit langen Ärmeln (cf. Rhein. Wb. IV/577 sub Kittel III) heißt Schip(p), welcher Name allerdings heute auch den Arbeitskittel bezeichnet (s. Schipp) — de bloe K. (blaue Arbeitskleidung) — Raa.: kee Middel (Modell) a kee K. (zunächst von handwerklicher Arbeit: ohne Schnitt, aufs Geratewohl angefertigt, dann allg., bes. vom menschl. Körper: unförmlich, unästhetisch) — ech fueren em laanscht (bei) de K., ech stëbsen ëm de K. (ich werde ihn tüchtig schelten, bisw.: prügeln) in Echt. auch: oan de Kidel foaren — en huet e Lach am K. (= Dreck um Bengel — wie hd. «seine Weste ist nicht mehr weiß»).
 
kid(d)elféx Adj.: 1) Wb. 06: «fest, ausdauernd, verläßlich» — do as eppes nët k. (da stimmt etwas nicht); 2) «zimperlich, zögernd» — bes. in neg. Verwendung: 't as kee Kiddelféxen, en as nët k. (er macht wenig Federlesens, aber auch: es ist ihm nicht zu trauen); 3) bisw. volksetymologisch gedeutet als «kugelfest».
 
Ki d' Sack (= frz. cul de sac) M.: «Sackgasse» (in Stadtlux.) — am K. (etwa: Gasse vom Krautmarkt aus, von der Philippsgaass zur Aldringerstraße, die heutige Casinosgaass usw.).
 
Kiedéng, Kéidéng ON.: «Kœdingen» — Gem. Fischbach, Kant. Mersch — 342.
 
Kiefer M.: lok. phV. zu Kiewer (s. d.), auch in Zussetz. und Abl., etwa: Kieferlek, -léng (Ehnen), Mäkiefer (Rolling), Wäisskiefer (Moutfort), Eechelskiefer (Itzig) allesamt in der Bed. «Maikäfer» — s. auch Kiewerlek.
 
Kiel M.: «schmale, längliche Vertiefung» — dafür auch Huelkeel, -kiel (s. d. II/182), Schnéisak (s. d.); dazu das Komp.: Kielhuwwel M.: «Hobel, der Hohlkehlungen schafft». [Bd. 2, S. 346]
 
Kielchen M., lok. Dim. zu Kuel «Kohle» (s. d.) in der Ra.: owes nët vun de Kielercher, muerges nët aus den Hielercher (abends nicht von der Feuerstelle, morgens nicht aus dem Bett).
 
Kielech, Kellech, Killech (lok., bes. Ostrand -ich, Ösl. kjεliç) M.: «Kelch» — und zwar: 1) meist kirchenspr.: «Meßkelch»; 2) hochspr. beeinflußt: «Blumenkelch»; 3) bisw. in gebildeter Spr.: «Trinkpokal in Kelchform».
 
Kielech(s)- (u. Var. — s. d. vor.);

 

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