LWB Luxemburger Wörterbuch
 
kierperlech bis Kiirchtuer (Bd. 2, Sp. 349a bis 353a)
 
kierperlech Adj.: «körperlich».
 
Kierpestill M.: «Kurbelfutter» (Ga.).
 
kierpsen intr. Verb.: «quietschen, knirschen» (von schlecht geölten Metallteilen).
 
Kiert F.: häufiger Flurname — Wb. 06 erklärt: «kurzes Stück Ackerland, wo der Pflug Kehrt machen muß» (womit offenbar die Anknüpfung an das Adj. 'kurz' oder an das Verbum 'kehren' nahegelegt, aber nicht entschieden werden soll); Ga. stellte das Wort schon richtig neben ein regionalfrz. courtière 'kurzes Stück Ackerland', das allerdings nicht zu mlat, curtus 'kurz', sondern zu mlat. curtis 'Hof, Hofraum' (cf. afrz. courtil 'Hof, Garten' REW 2032, 2033) zu stellen ist: dazu stimmt die häufigste Bedeutung «Gartenland oberhalb des Hauses» (z. B. Gonderingen, Ehnen); dazu der Hausname a Kiertes, die Flurbezeichnung Kiertesfeld (Stegen).
 
Kiertchen F.: lok. phV. (fast ausschl. der Hauptstadt) zu Käertchen (s. d. II/312).
 
Kierwel (lok. Ostrand, Mosel Kerwel, Vianden Kirwel) M.: «Kerbel, Scandix cerefolium» — Dauwe-, Kazekierwel «Fumaria off.», Ka(a)lwerkierwel «Chaerophyllum silvestre».
 
Kierwelszopp F.: «Suppe mit Sauerampfer und Kerbel».
 
kierwen, käerwen (lok. keerwen) trans. Verb.: 1) «Kerbeinschnitte machen» — dazu bes. das Verbadj. gekierft «mit Kerben versehen, zackig eingeschnitten» (etwa von Blättern); 2) bes.: a) «mit Hilfe von Kerben zählen»; b) «wählen, indem von den Teilnehmenden eine Kerbe in ein herumgereichtes Holz geschnitten wird» — fréier as de Schwéngert (der Schweinehirt) gekierft gin — dazu die Zussetz.: Kierfdag (s. d.).
 
kierwen Verb.: 1) trans.: «in Körbe füllen» — et waren esou vill Gromperen dëst Joer, 't krut ee se knapps gekierft; 2) intr. «mit seiner Masse die Körbe füllen» — déi Gromperen hun nët méi gekierft (diese Setzkartoffeln haben keinen reichen Ertrag mehr gebracht). — Hierher gehört das Bd. I/41 nachzutragende Komp.: auskierwen trans. Verb. «herausnehmen, herausklauben» — Echt.: d'Viël hoan d'Eerbësse bal all am Stéck ousgekeerft (die Vögel haben die Erbsen fast alle auf dem Acker aus den Schoten gepickt) — Quereinfluß von kierwen «kerben» (s. d. vor.) ist nicht ausgeschlossen.
 
Kierz F.: lok. phV. (bes. der Hauptstadt) zu Käerz (s .d. II/312).
 
Kieschtchen M.: «Jätmesser» — Dim. zu Kaascht, Kuescht (II/260), lok. Var. (bes. der Hauptstadt) zu Kääsch(t)elchen, Kä(ä)schtchen (II/ 310).
 
Kieselek M.: «Stachelschwein» (Wb. 06) — cf. Kéisécker «Igel» und die dort vermerkten anderen Namen des Igels. [Bd. 2, S. 350]
 
Kietsch (Red.) F.: «Balg» (meist im Pl. Kietschen gebr.) — s. Käätschen II/310, wozu auch die lok. Var. Käitschen.
 
Kietscht ON.: = Këtscht (s. d.).
 
Kiewer, bisw. Kierwer, Kieber M.: 1) «Maikäfer» (s. d. folg.); 2) neuerdings gelegentlich als Sammelname für die Ordnung der Coleoptera schlechthin gebraucht (so etwa beim Versuch, für den Kartoffelkäfer den luxemburgischen Namen Gromperekiewer zu bilden — cf. II/83); bodenständiger lok. Sammmelname für Kerbtiere ist in Echt. Gekeerfs N.: «Kerbtiere» — cf. auch Kiefer.
 
Kiewerlek M.: 1) gängigste Bezeichnung des gesamten lux. Raums für «Maikäfer, Melolontha vulg.». In der Stadt Luxemburg ist die Endung -léng, -lénk vorgezogen; gelegtl. wird im östl. Gutland Kiewelek, Kierwe(r)lek, und an das intr. Verb. kriwwelen (krabbeln) angenähert, Kriewe(r)lek gesprochen. Im Moseltal von Wasserbillig bis Machtum gilt Kiewerek, an der südlichen Mosel Mäkiewer oder das Simplex Kiewer, von Stadtbredimus bis Contz (auch Kiefer, Kieber), in Ehnen Kieferlek, -léng westl. davon, im übrigen Kanton Remich und in den angrenzenden Dörfern heißt der Maikäfer Wäisskiewer, -kiefer lok. bis zu der Syrquelle, vereinzelt an der mittleren Syr (um Niederanven), dann im östlichen Kanton Capellen (Kehlen bis Hollenfels), hier vermengt mit Schäisskiewer; eine andere Spielform zu Wäisskierwer ist das aus Olingen gemeldete Wäissgierwer. Veraltete lok. westlux. Varianten sind Kiewernéckel (Steinbrücken), Kierplek (Gœtzingen), Kierb(e)lek (Strassen, Kœrich) und das Fem. Kierbelchen (Schouweiler — dies auch als N., etwa in Simmern); vereinzelt gelten Mäkiewerlek und in Befort Kieweker. Im Westen an der belgischen Grenze, von Bondorf über Martelingen (Guewerlek, Guewelek) südwärts bis in den belgisch-luxemburgischen Raum um Arlon liegt ein geschlossenes Gebiet mit Giewelek, Gewelik (östlichster Beleg in Niederpallen — volksetymologische Erklärung in Bondorf: well se laascht d'Giewele fléien) — von Arlon südwärts überwiegt Kiewelek (BERTRANG, Grammatik der Areler Mundart § 72). Diesem westlichsten lux. Bereich östl. vorgelagert gilt vom Pratzertal bis nach Kleinbettingen Kues(s)en-, Kuesten-, Kuesch(t)endéier, vereinzelt Kiewerdéier (Kehlen); dasselbe Grundwort Déier (s. d. Bd. I/200 sub 2/c), das allgemeinster Sammelname für «Insekten» ist, erscheint auch in der Bezeichnung Mädéier (vor allem im Kanton Wiltz, im Echternacher Raum als Maidéier). Das übrige Ösling zeigt von Süden nach Norden Laf-, Looffréisser, -frësser, -frisser, -déier (lok. auch neben Mädéier in den Kantonen Wiltz und Redingen). Besonders im nördlichsten Ösling ist nur der Name Maikäfer, -kefer belegt, der hier nicht unbedingt, wie sonst im gesamten Lande (unter dem Einfluß der Schulsprache) als hochdeutsches Einsprengsel zu werten ist; vereinzelt stehen die nordöslinger Bezeichnungen Maigisschen, Mä- (Mai-)schësser u. Maifrisser (Weiswampach). Im Zentrum des Landes, an der Grenze von Gutland und Ösling überwiegt Ake(r)schësser (zu Aker 'Eichelmast, Eckerich' I/16 zu stellen). Außer in dieser Bezeichnung und in Kuessendéier erscheint die Eiche als namengebendes Motiv in den Zussetz. Äächebës(el)er (-bëserer), Äächefrësser (Reisdorf), Ääche(l)kiewer, -déier, -krécher und aus Fels belegtem Äächekiepchen, das anderswo auch 'Eichhörnchen' bedeutet (cf. Kawäächelchen II/305), der Wald im allgemeinen in dem Namen Heckendéier. Spaßhafte od. kindersprachliche Spielformen sind Knuewelek (Lenningen, Canach), Mollermal (Differdingen — bisw. auch Mëllerdicks und Milord cf. die häufige Bez. des Schmetterlings als Mëllermoler, Millemoler, Millermaler). Ein Teil der phV. zu Kiewer, Kieber scheint nicht zu ahd. chëvar 'Käfer', sondern zu der Sippe von lux. Kierf 'Kerbe' zu stellen zu sein (cf. den Sammelnamen Gekeeerfs sub Kiewer). Je nach der Größe oder nach der Farbe seines Halsschildes unterscheiden die Kinder: Schouster (schwarz), Mëller (weiß), Schneider (grau), Kinnek (rot), Käser (rotgolden schimmernd); anders wird unterschieden: Bock, Hengscht (der männliche, de Männchen) und Källefchen, Kéichen, Kinnegin (der weibliche, d'Frächen). — Verhalten des Maikäfers: de K. schléift, en huet séng Haren/Hierner (Fühler) agezunn, zesummegefaalt — de K. botzt sech d'Haren, d'Lanteren (fährt sich mit einem Vorderbein über den Kopf) ähnlich: e wichst, biischt sech säi blénkegt, horegt, pelzegt . . . Schëllerstéck (streicht sich über seinen Halsschild) — de K. zielt, seltener: pompelt (bewegt die Flügeldecken vor dem Auffliegen) — de K. huet [Bd. 2, S. 351] Getten un (auffällig starke Haken od. Härchen an den Beinen) — d'Kiewerlécke fléie (komme, renne, bësele) schon, 't as (gët) e fréit Joer — d'Kiewerlécke brommen an der Luucht. Die Kinder und der Maikäfer: haut den Owend gi mer Kiewerlécke fänken — am Do kënne mer d'Kiewerlécke (vun de Beem) rëselen (am Tage gehen wir sie von den Bäumen rütteln) — d'Kanner spären d'Kiewerlécken an eng Fixfeiesch- (Zündholz-), Schong- (Schuh-), Zigarekëscht, an da loossen se se an der Schoul fléien — Maikäfer flieg, Dein Vater ist im Krieg, Deine Mutter schläft in Pommerland, Pommerland ist abgebrannt, Maikäfer flieg! — Echternach: Maidéier fléig, Dein Mouder as am Kréig, Däi Voader as an Engelland, Wann e këmmt, dann as e krank — K. komm, schlo déng Tromm, Schlo déng siwe Wi wa romm (oder schlo se iwwer Wi wa romm/womm), oder Far mer dat Meedchen im Garten heromm, Flig, flig, o Mannike, Drei Jungternblut In irem Stut, oder: Schlo dat Meedchen iwer déng Romm, Flig, o flig, o Maneken, Drei Jungfernblut, In ihrem Schutz — K. fléi, Déng Mamm as am Kléi, Däi Papp as an der Fruucht, K. fléi an d'Luucht. Bromm, bromm, bromm, Komm, mäi Männche komm! — K. komm, fléi dem Bäcker an d'Haus, Huel mir e Kierfche mat Kuch do eraus, Huel mir een, dir awer keen, K. maach dech op d'Been! (MERSCH, Lux. Kinderreime S. 92 f.; Ed. DE LA FONTAINE, Die lux. Volkslieder älterer Zeit S. 12, woselbst auch die Melodie) — d'Kanner maachen dem K. Tënt un de Schwanz (den Sporn am Körperende), wann en dann iwwert wäisse Pobeier krécht, da schreift en drop. — Rätsel: Wat as den Ënnerscheed tëschent engem Duanier (Zöllner — auch: Fieschter Förster) an engem K.? De K. as brong an e schäisst gréng, den Duanier (Fieschter) as gréng an e mécht brong. Vergleich: Bätz, Kozen (Nasenschleim), Rotzen . . . ewéi Kiewerlécken esou déck; 2) klenge Kiewerlek, Wisekiewerlek «Junikäfer» — fréier hu mer mat dem klenge K. um Waasser (an der Oberfläche des Wassers) gefëscht; 3) im Pl., spaßh.: «Läuse, Flöhe» — en huet Kiewerlécken; 4) auf die Frage 73 'Käfer (allgemein)' des Deutschen Wortatlas (Bd. I, Karte 24) antwortete Luxemburg sozusagen geschlossen mit dem eigtl. Namen des Maikäfers (nämlich des weitaus bekanntesten aller Käfer, zumindest in Volksschulkreisen), und zwar: fast das gesamte Gebiet mit Kiewerlek (lok. Einzelmeldungen: Kiewlek, Kriewerlek), der Ostrand (Echternach-Grevenmacher) Kiewerek (am westlichen Rande davon vereinzelt Kieweker, Keweker, Kéiweker), ein geschlossenes Gebiet nordöstlich von Stadtluxemburg mit Kierwerlek. — Meist behilft sich der Mundartsprecher mit hd. Käfer; 5) «Kosename für krabbelndes Kind», gelegtl. auch (wie etwa hd. 'Käfer') für «nettes junges Mädchen, Liebling»; 6) spaßh. übtr.: «Grille, fixe Idee, Absonderlichkeit» — en huet e K. — jiddereen huet alt säi K. (ähnlich etwa: eng Spann um Plafong) — du hues elauter Kiewerlécken am Kapp.
 
Kiewerléks- -fänk F.: «Maikäferfangnetz»; -flillek M.: «Deckflügel des Maikäfers»; -gebääss N.: 1) «zertretene Maikäfer»; 2) ironische Antwort auf die Frage der Kinder, was es zu essen gebe: «Mäikäfermarmelade» — haut gët et Kellerspannen (Kellertrapen) a K.; -haut F.: 1) «die häutigen Hinterflügel des Maikäfers»; 2) übtr.: «Kunststoff, der den häutigen Hinterflügeln des Maikäfers vergleichbar ist» — Gegenstände aus diesem Kunststoff, etwa «Regenumhang» (dafür auch: Reenhaut); -joer N.: «Jahr, in dem es viele Maikäfer gibt» — all véier Joer as e K.; -juegd F.: «Maikäferjagd»; -mued M.: «Engerling» — dafür auch Gromperemued; -zalot F., -zongen Pl. F., -zopp F.: «Maikäfersalat, -zungen, -suppe» (als ironische Antworten auf die Frage der Kinder, was es zu essen gebe); Kiewerlékszopp gelegtl. spaßh. statt Kierwelszopp (s. d.) — In Stadtlux. bez. -zalot auch die in Straßenrinnen oder sonstwo zusammengewehten Früchte der Ulme, die kleinen Blättern gleichen und zwischen denen die Kinder mitunter Maikäfer finden.
 
kif kif präd. Adj. (od. Adv.): «gleich, egal» — ob s de déng Ligen zougës oder ob s d'eng nei Ligen erfënds, da's kif kif (ob du deine Lüge zugibst oder ob du eine neue Lüge erfindest, das ist gleich); aus der kolonialen frz. Umgangssprache, in der es seit 1894 als Entlehnung aus dem Arabischen Algeriens zu belegen ist. [Bd. 2, S. 352]
 
Kigelchen (-j-) F.: Dim. zu Kugel (s. d.) — oft pleonastisch (mit Binnenreim): 't sin esou kleng Kigelcher.
 
Kiirch, Kirech (Nordösl. Kirrich, Ostrand um Echt. mit sehr labilem -r-Kiech, lok. bisw. Killech, altes gesenktes Kerrech, Käerch, Kërr- gelegtl an der Mosel, sonst auch spaßh. gebr., diese Senkung ist noch im Komp. Kä(e)rfecht in den Moselmundarten weitgehend erhalten) F.: «Kirche» — und zwar: 1) «Gebäude, in dem der Gottesdienst abgehalten wird» — eng kathoulesch K. — d'protestantesch Kiirch (die protestantische Kirche in Stadtluxemburg, die 1730 erbaute ehemalige Kirche der Congrégation de Notre-Dame, heute de Sainte Sophie, in der Kongregationsstraße) — d'Juddekiirch (Synagoge); 2) meist: «die katholische (Pfarr)Kirche» — in Orten mit mehreren Kirchen wird unterschieden nach dem Patrozinium (etwa: Néklos-, Méchelskiirch in Luxemburg), oder nach dem Verweser des Gottesdienstes (etwa: Por- (Pfarr-), Patere-, Domenikanerkiirch in Luxemburg, neuerdings dem Deche séng K. (Dekanatskirche — s. Garer Kiirch II/10), früher d'Knuedlerkiirch der Franziskaner auf dem Knuedler (s .d.), die seit 1800 leer stand und in den zwanziger Jahren bis zu ihrer 1829-30 erfolgten Zerstörung als Fruuchtkiirch zum Getreidemarkt diente, der nach Erbauung des Stadthauses 1830-33 unter Beibehaltung des Namens Fruuchtkiirch in die Gewölbehallen unter diesem Gebäude verlegt wurde — dies ergänzend zu I/418), oder nach dem Standort innerhalb des (größeren) Ortes (etwa: d'Garer Kiirch die Kirche im Bahnhofsviertel in Stadtluxemburg, d'Grenzer Kiirch die Kirche im Viertel an der frz. Grenze in Esch a. d. Alzette), oder schließlich nur nach dem Alter (déi nei, déi al K.); Spww.: Wou eiser Härgott eng K. baut, do setzt der Deiwel eng Kapell (= e Wiirtshaus) derniewent, oder kürzer: Wou eng K. steet, do steet och e Wiirtshaus (andere Variante sub Kapell), daher heißt es: e schappegt Duerf, 't huet eng K. an emol kee Wiirtshaus derniewent — Nei Kiirchen an nei Wiirtshaiser sti selen eidel (stehen selten leer) — in Echt. heißt es wenn jem. wichtig tut: Wann d'Kiech gruss as, da stät de Pastuër oan d'Een — Rätsel: Wat as iwwert der K.? Den Hinnchen (der Turmhahn). An iwwert dem Hinnchen? De Rascht (der Rost). — Wéini (Wann) sin d'Kanner Leit? Wa s'aus der K. kommen. — 't as ewéi e Mann, an 't as kee Mann, 't as ewéi eng Fra, an 't as keng Fra, 't as ewéi en Haus, an 't as keen Haus, 't as ewéi e Gaart, an 't as kee Gaart? (De Paschtouer, d'Schwester, d'Kiirch an de Kiirfecht) — Wa s'all dra gin, da gi se nët all dran (eran), a wa se nët all dra gin, da gi s'all dran (eran)? (Eng kleng K. an engem groussen Duerf); Raa.: ech hätt eng K. (sonst auch: en Haus) op hie gebaut (ich habe ihm zu Unrecht mein ganzes Vertrauen geschenkt) — maach, dass d'K. am Duerf bleift (sorge, daß alles ordentlich hergeht, daß nichts Unmoralisches geschieht) — e klengen Hellechen an enger grousser K. (unbedeutender Mensch, der gerne großtut) — hie kiert d'K. (eifriger Christ — s. kieren sub 2) — e steet ëmmer hannen an der K. (lauer Christ) spaßh. Zusatz: do as en no beim Wäiwaasser (beim Wirtshaus; Nebenbedeutung von Wäiwaasser: 'Spirituosen') — ech wäerd dech léieren (ech wäerd der soën, wat et heescht) an d'K. fuerzen (houschten) ze goën, ouni de Koschter ze froën — et wor esou stëll (roueg, auch stëllem) wéi an enger K. — spaßh. zu einem kinderreichen Vater: du bleifs ëmmer an der K., bis datt d'Klacken ze Haf lauden; 3) «Gottesdienst, Messe, Vesper, Abendandacht» (also Synonym von Déngscht sub 3) — maach dech an d'K. — d'K. geet gläich un — wann d'K. aus as, no der K. — d'K. huet haut laang gedauert — en huet d'K. geschwänzt — si gin nët an d'K. (sie praktizieren nicht) — si sin ëmmer virbäi an der K. (vorne, vor aller Augen, beim Gottesdienst) — überhaupt heißt an der K. meist «beim Gottesdienst», etwa: Wou et de Moud as, do sange se de Pompernéckel, jünger: den Hämmelsmarsch an der K. (die Sitten ändern mit den Orten) — wéi zu Gräisch an der K. (s. Gräisch II/76) — an der K. en Engel, am Haus (doheem, op der Strooss, beim Danz, hannert der Heck) en Deiwel (scheinheiliges Frauenzimmer, das außerhalb des Gottesdienstes seine schlechten Eigenschaften offenbart) — mir gin nach vrun der K. een huelen (wir gehen noch vor dem Gottesdienst ein Glas trinken); 4) «Kirche, als rechtliche Körperschaft» — wann déi al Quisel stierft, da kritt d'K. alles — en huet der K. séng Suë (sein Geld) vermaach — 't as alles fir d'K.; 5) «Glaubensgemeinschaft, kirchliche Autorität» [Bd. 2, S. 353] — wat seet d'K. derzou? — dat as géint d'K. geriicht — eppes wat eiser Härgott an d'K. verbitt — den Dechen huet d'K. bei der Läich vertrueden — e gët mat der K. (mam Här) begruewen (s. kiirchlech), aber: si sin an der K. bestued gin — en deet der K. nët déck (lauer Christ).
 
Kiirch-, Kirech- (Ton auf dem Grundwort) -bierg M.: 1) «Anhöhe, auf der die Kirche (mit dem Friedhof) liegt» (typisches Bsp.: Kirche und Friedhof der Wüstung Schéimereg 'Schönberg' bei Kehlen) — dir drot mech geschwënn de K. op. Die einheimische Bezeichnung des Friedhofs geht auf dieses Wort (mit Anfangsbetonung) zurück: Kiirchbiereg ^> Kiirbrech (diese Form gilt weithin an der Untermosel) ^> Ki(i)rbich (gilt noch in den ehemaligen Dependenzien Luxemburgs in der Westeifel) ^> Kiirfecht(t); Varianten dieser urspr. Bez. der wehrhaften frühfrk. Kirche gelten im rheinischen Schiefergebirge beiderseits von Mosel und Lahn bis nach Hessen — s. Kiirfech(t); 2) ON.: «Kirchberg» — ländlicher Vorort(Gemüsegärtnereien) im Nordosten der Stadt Luxemburg — 408; -dir (auch: Kiirchen-) F.: «Kirchentür» — in Vergleichen als Inbegriff des Schweren, Mächtigen: d'loug op engem wéi eng K. (gelegtl. auch nur: wéi eng Kellerdir) — 't war eppes ewéi eng K. — hie bleift bei der K. (dann as e séier dobausse, wann et brennt — d. h. eigtl.: wenn er Durst bekommt) — hie bleift vrun der K. -hinnchen M.: «Hahn auf dem Kirchturm» — hien héil fir hien de K. erof (er würde ihm alle Dienste leisten) — Rätsel: Wat as iwwert de K.? De Rascht (das ganze Rätsel sub Kiirch) — bisw. auch Kiirchen-; -mëss F.: s. Kiirmes; -spill (Ton: 1) N.: s. Kiischpelt; -trap (auch: Kiirchen-) F.: «Kirchentreppe» — bei engem Läichendéngscht stin d'Männer op der K. bis de Laudes eriwwer as (bis den Affer ugeet); -tuer M.: «Kirchturm» — du muss nët gläich alles un de K. hänken — besser de K. tréil an (besser der Kirchturm stürzte ein, als daß z. B. ein Glas Wein verschüttet würde).

 

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