LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kiewerléksflillek bis Kiirchemaus (Bd. 2, Sp. 351b bis 354a)
 
-flillek M.: «Deckflügel des Maikäfers»; -gebääss N.: 1) «zertretene Maikäfer»; 2) ironische Antwort auf die Frage der Kinder, was es zu essen gebe: «Mäikäfermarmelade» — haut gët et Kellerspannen (Kellertrapen) a K.; -haut F.: 1) «die häutigen Hinterflügel des Maikäfers»; 2) übtr.: «Kunststoff, der den häutigen Hinterflügeln des Maikäfers vergleichbar ist» — Gegenstände aus diesem Kunststoff, etwa «Regenumhang» (dafür auch: Reenhaut); -joer N.: «Jahr, in dem es viele Maikäfer gibt» — all véier Joer as e K.; -juegd F.: «Maikäferjagd»; -mued M.: «Engerling» — dafür auch Gromperemued; -zalot F., -zongen Pl. F., -zopp F.: «Maikäfersalat, -zungen, -suppe» (als ironische Antworten auf die Frage der Kinder, was es zu essen gebe); Kiewerlékszopp gelegtl. spaßh. statt Kierwelszopp (s. d.) — In Stadtlux. bez. -zalot auch die in Straßenrinnen oder sonstwo zusammengewehten Früchte der Ulme, die kleinen Blättern gleichen und zwischen denen die Kinder mitunter Maikäfer finden.
 
kif kif präd. Adj. (od. Adv.): «gleich, egal» — ob s de déng Ligen zougës oder ob s d'eng nei Ligen erfënds, da's kif kif (ob du deine Lüge zugibst oder ob du eine neue Lüge erfindest, das ist gleich); aus der kolonialen frz. Umgangssprache, in der es seit 1894 als Entlehnung aus dem Arabischen Algeriens zu belegen ist. [Bd. 2, S. 352]
 
Kigelchen (-j-) F.: Dim. zu Kugel (s. d.) — oft pleonastisch (mit Binnenreim): 't sin esou kleng Kigelcher.
 
Kiirch, Kirech (Nordösl. Kirrich, Ostrand um Echt. mit sehr labilem -r-Kiech, lok. bisw. Killech, altes gesenktes Kerrech, Käerch, Kërr- gelegtl an der Mosel, sonst auch spaßh. gebr., diese Senkung ist noch im Komp. Kä(e)rfecht in den Moselmundarten weitgehend erhalten) F.: «Kirche» — und zwar: 1) «Gebäude, in dem der Gottesdienst abgehalten wird» — eng kathoulesch K. — d'protestantesch Kiirch (die protestantische Kirche in Stadtluxemburg, die 1730 erbaute ehemalige Kirche der Congrégation de Notre-Dame, heute de Sainte Sophie, in der Kongregationsstraße) — d'Juddekiirch (Synagoge); 2) meist: «die katholische (Pfarr)Kirche» — in Orten mit mehreren Kirchen wird unterschieden nach dem Patrozinium (etwa: Néklos-, Méchelskiirch in Luxemburg), oder nach dem Verweser des Gottesdienstes (etwa: Por- (Pfarr-), Patere-, Domenikanerkiirch in Luxemburg, neuerdings dem Deche séng K. (Dekanatskirche — s. Garer Kiirch II/10), früher d'Knuedlerkiirch der Franziskaner auf dem Knuedler (s .d.), die seit 1800 leer stand und in den zwanziger Jahren bis zu ihrer 1829-30 erfolgten Zerstörung als Fruuchtkiirch zum Getreidemarkt diente, der nach Erbauung des Stadthauses 1830-33 unter Beibehaltung des Namens Fruuchtkiirch in die Gewölbehallen unter diesem Gebäude verlegt wurde — dies ergänzend zu I/418), oder nach dem Standort innerhalb des (größeren) Ortes (etwa: d'Garer Kiirch die Kirche im Bahnhofsviertel in Stadtluxemburg, d'Grenzer Kiirch die Kirche im Viertel an der frz. Grenze in Esch a. d. Alzette), oder schließlich nur nach dem Alter (déi nei, déi al K.); Spww.: Wou eiser Härgott eng K. baut, do setzt der Deiwel eng Kapell (= e Wiirtshaus) derniewent, oder kürzer: Wou eng K. steet, do steet och e Wiirtshaus (andere Variante sub Kapell), daher heißt es: e schappegt Duerf, 't huet eng K. an emol kee Wiirtshaus derniewent — Nei Kiirchen an nei Wiirtshaiser sti selen eidel (stehen selten leer) — in Echt. heißt es wenn jem. wichtig tut: Wann d'Kiech gruss as, da stät de Pastuër oan d'Een — Rätsel: Wat as iwwert der K.? Den Hinnchen (der Turmhahn). An iwwert dem Hinnchen? De Rascht (der Rost). — Wéini (Wann) sin d'Kanner Leit? Wa s'aus der K. kommen. — 't as ewéi e Mann, an 't as kee Mann, 't as ewéi eng Fra, an 't as keng Fra, 't as ewéi en Haus, an 't as keen Haus, 't as ewéi e Gaart, an 't as kee Gaart? (De Paschtouer, d'Schwester, d'Kiirch an de Kiirfecht) — Wa s'all dra gin, da gi se nët all dran (eran), a wa se nët all dra gin, da gi s'all dran (eran)? (Eng kleng K. an engem groussen Duerf); Raa.: ech hätt eng K. (sonst auch: en Haus) op hie gebaut (ich habe ihm zu Unrecht mein ganzes Vertrauen geschenkt) — maach, dass d'K. am Duerf bleift (sorge, daß alles ordentlich hergeht, daß nichts Unmoralisches geschieht) — e klengen Hellechen an enger grousser K. (unbedeutender Mensch, der gerne großtut) — hie kiert d'K. (eifriger Christ — s. kieren sub 2) — e steet ëmmer hannen an der K. (lauer Christ) spaßh. Zusatz: do as en no beim Wäiwaasser (beim Wirtshaus; Nebenbedeutung von Wäiwaasser: 'Spirituosen') — ech wäerd dech léieren (ech wäerd der soën, wat et heescht) an d'K. fuerzen (houschten) ze goën, ouni de Koschter ze froën — et wor esou stëll (roueg, auch stëllem) wéi an enger K. — spaßh. zu einem kinderreichen Vater: du bleifs ëmmer an der K., bis datt d'Klacken ze Haf lauden; 3) «Gottesdienst, Messe, Vesper, Abendandacht» (also Synonym von Déngscht sub 3) — maach dech an d'K. — d'K. geet gläich un — wann d'K. aus as, no der K. — d'K. huet haut laang gedauert — en huet d'K. geschwänzt — si gin nët an d'K. (sie praktizieren nicht) — si sin ëmmer virbäi an der K. (vorne, vor aller Augen, beim Gottesdienst) — überhaupt heißt an der K. meist «beim Gottesdienst», etwa: Wou et de Moud as, do sange se de Pompernéckel, jünger: den Hämmelsmarsch an der K. (die Sitten ändern mit den Orten) — wéi zu Gräisch an der K. (s. Gräisch II/76) — an der K. en Engel, am Haus (doheem, op der Strooss, beim Danz, hannert der Heck) en Deiwel (scheinheiliges Frauenzimmer, das außerhalb des Gottesdienstes seine schlechten Eigenschaften offenbart) — mir gin nach vrun der K. een huelen (wir gehen noch vor dem Gottesdienst ein Glas trinken); 4) «Kirche, als rechtliche Körperschaft» — wann déi al Quisel stierft, da kritt d'K. alles — en huet der K. séng Suë (sein Geld) vermaach — 't as alles fir d'K.; 5) «Glaubensgemeinschaft, kirchliche Autorität» [Bd. 2, S. 353] — wat seet d'K. derzou? — dat as géint d'K. geriicht — eppes wat eiser Härgott an d'K. verbitt — den Dechen huet d'K. bei der Läich vertrueden — e gët mat der K. (mam Här) begruewen (s. kiirchlech), aber: si sin an der K. bestued gin — en deet der K. nët déck (lauer Christ).
 
Kiirch-, Kirech- (Ton auf dem Grundwort) -bierg M.: 1) «Anhöhe, auf der die Kirche (mit dem Friedhof) liegt» (typisches Bsp.: Kirche und Friedhof der Wüstung Schéimereg 'Schönberg' bei Kehlen) — dir drot mech geschwënn de K. op. Die einheimische Bezeichnung des Friedhofs geht auf dieses Wort (mit Anfangsbetonung) zurück: Kiirchbiereg ^> Kiirbrech (diese Form gilt weithin an der Untermosel) ^> Ki(i)rbich (gilt noch in den ehemaligen Dependenzien Luxemburgs in der Westeifel) ^> Kiirfecht(t); Varianten dieser urspr. Bez. der wehrhaften frühfrk. Kirche gelten im rheinischen Schiefergebirge beiderseits von Mosel und Lahn bis nach Hessen — s. Kiirfech(t); 2) ON.: «Kirchberg» — ländlicher Vorort(Gemüsegärtnereien) im Nordosten der Stadt Luxemburg — 408; -dir (auch: Kiirchen-) F.: «Kirchentür» — in Vergleichen als Inbegriff des Schweren, Mächtigen: d'loug op engem wéi eng K. (gelegtl. auch nur: wéi eng Kellerdir) — 't war eppes ewéi eng K. — hie bleift bei der K. (dann as e séier dobausse, wann et brennt — d. h. eigtl.: wenn er Durst bekommt) — hie bleift vrun der K. -hinnchen M.: «Hahn auf dem Kirchturm» — hien héil fir hien de K. erof (er würde ihm alle Dienste leisten) — Rätsel: Wat as iwwert de K.? De Rascht (das ganze Rätsel sub Kiirch) — bisw. auch Kiirchen-; -mëss F.: s. Kiirmes; -spill (Ton: 1) N.: s. Kiischpelt; -trap (auch: Kiirchen-) F.: «Kirchentreppe» — bei engem Läichendéngscht stin d'Männer op der K. bis de Laudes eriwwer as (bis den Affer ugeet); -tuer M.: «Kirchturm» — du muss nët gläich alles un de K. hänken — besser de K. tréil an (besser der Kirchturm stürzte ein, als daß z. B. ein Glas Wein verschüttet würde).
 
Kiirche(n)- (Ton auf dem Bestimmungswort) -aarbécht F.: «feine Arbeit» — maach keng K. (arbeite nicht zu kleinlich genau); -bann M.: «Kirchenbann» — du kënns nach an de K. (zu jem., der vermessene, freisinnige, ketzerische, verwegene, bisw. auch nur fortschrittliche Reden führt) — s. -pad; -bänk F.: «Kirchenbank» — da's eng dichteg Familjen, déi hun eng ganz K. fir sech (heute weitgehend durch Einzelstühle ersetzt); -déif M.: «Kirchendieb» — dafür auch Kielechs-, Killechsdéif (allerdings kann in der zweiten Variante Killech- auch als phV. zu Kirech verstanden werden), oft spaßh. oder ironisch gebraucht; -engel M.: «jem. (Mann oder Frau), der in der Kirche seine schlechten Eigenschaften zu verbergen weiß» — e K., en Hausdäiwel (s. auch Kiirch sub 3); -fabrik M.: «Kirchenärar» (lat. Fabrica ecclesiae): 1) «das Vermögen der Kirche, welches zur Bestreitung der gottesdienstlichen Bedürfnisse und für die Unterhaltung der Bürger bestimmt ist»; 2) «die mit der Verwaltung des kirchl. Vermögens betraute Körperschaft» — cf. auch -momper, -sinner. -fënster F.: 1) «Kirchenfenster»; 2) «großes, schmales Fenster» oder «farbiges Glasfenster» (auch außerhalb der Kirche) — eng gemoolte K.; -fest N.: «kirchliches Fest» (Wb. 06 fügt hinzu: «welches weltlich nicht mitgefeiert wird»); -gänger M.: «eifriger Besucher der Kirche» — stärker: -läfer (s. d.); -geroch M.: «Kirchengeruch» — in der spaßh. Entschuldigung des lauen Christentums: e kann de K. nët ausstoën (ähnlich: hie kann d'Kiirch nët richen); -gesank M.: 1) meist: «der Kirchenchor» (= -kouer) — de Paschtouer as dacks de President vum K.; 2) gelegtl.: «der Gesang in der Kirche» — dann «getragener Gesang» — hal op mat deem K., 't mengt een et géif e Päerd begruewen; -gezei N.: «Messeornat»; -gutt N.: «Pfarrgut» (auch: Widdem); -kouer M.: = -gesank (s. d.); -kuep M.: «Dohle, Colaeus monedula», dafür auch: Metzer Kuep. -läfer M.: «übertrieben frommer Mensch, der seinen Glauben nach außen auffällig zur Schau trägt» (etwa wie Bietbrudder, Quiseler) — Wb. 06: «jem. der viel in die Kirche geht, aber nicht wirklich tugendhaft ist»; -lidd N.: «Kirchenlied»; [Bd. 2, S. 354] -liicht N.: 1) «Altarkerze»; 2) übtr.: a) «sehr frommer Mensch»; b) «sehr gescheiter Mensch» — bes. in neg. Raa.: 't as och kee K.; -maus F.: 1) «Kirchenmaus» (wie hd.) — aarm, hongereg . . . ewéi eng K. — ironisch: sat ewéi eng K.; 2) ironisch für Quisel «Betschwester»;

 

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