LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kiircheläfer bis Kiirmesgeschir (Bd. 2, Sp. 353b bis 357b)
 
-läfer M.: «übertrieben frommer Mensch, der seinen Glauben nach außen auffällig zur Schau trägt» (etwa wie Bietbrudder, Quiseler) — Wb. 06: «jem. der viel in die Kirche geht, aber nicht wirklich tugendhaft ist»; -lidd N.: «Kirchenlied»; [Bd. 2, S. 354] -liicht N.: 1) «Altarkerze»; 2) übtr.: a) «sehr frommer Mensch»; b) «sehr gescheiter Mensch» — bes. in neg. Raa.: 't as och kee K.; -maus F.: 1) «Kirchenmaus» (wie hd.) — aarm, hongereg . . . ewéi eng K. — ironisch: sat ewéi eng K.; 2) ironisch für Quisel «Betschwester»; -momper M.: «Kirchenrendant, Mitglied der Kirchmeisterstube (siehe -fabrik), welchem das Rechnungswesen untersteht» — ähnlich: -sinner; -musek F.: «Kirchenmusik»; -pad M.: «Pfad, der zur Kirche führt» — bisw. verderbt, statt -bann; -recht N.: «Kirchenrecht» — da's géint all Kinneks- a Kiircherecht (s. auch Kinneksrecht) — nom K. duerfen déi zwee sech nët bestueden; -rot M.: «Kirchenrat» — elo wiers d'awer bal al genuch fir an de K. — anders: du wäers gutt fir an de K. (denn: et kënnt kee Gescheiten an de K.); -saachen Pl. F.: «Kirchengerät» — si hu gewaart, de Koschter koum nët erbäi mat de K. (etwa bei einem Begräbnis); -sänger M.: «Mitglied des Kiirchegesank»; -schlëssel M.: 1) «Kirchenschlüssel»; 2) «Fleckenragwurz, Orchis maculata» (= geflecktes Knabenkraut); -schwäizer M.: «Kirchenschweizer» — dafür auch die rom. Bez. Bedeau; -sinner(t) M.: 1) «Mitglied der Kirchenfabrik»; 2) «Küster»; -stéck N.: «der Kirchenfabrik gehöriges Feld»; -stull M.: «Kirchenstuhl» — en hat emol kee Su an der Täsch fir de K. ze bezuelen (in dieser Ra. eher: de Stull an der Kiirch); -wee M.: «Weg der zur Kirche führt» (auf dem ein abgelegener Ortsoder Pfarreiteil zur Kirche kommt); -wéngert M.: «der Kirchenfabrik gehöriger Weinberg»; -widdem M.: «alle Immobilien der Kirchenfabrik».
 
Kiirchen ON.: «Niederbeßlingen, Basbellain» — Gemeinde Ulflingen (Troisvierges), Kanton Clerf — 3, Wb 06: Es soll dort die zweitälteste Kirche des Landes gestanden haben. — Bis 1640 gehörten zur Pfarrei Kiirchen die (heute) wallonischen Orte Limerlé (Lamescher) und Steinbach (Steemich), nur bis 1426 auch Gouvy (Gäilech); cf. LEGROS, La frontière des dialectes romans en Belgique 1948, S. 50. — Als Grundwort erscheint -kiirchen in dem fiktiven ON. Déngenskiirchen (s. Déngen), auch als PN.: den Här Déngenskiirchen oder wéi heescht e scho méi.
 
kiirchlech Adj.: «kirchlich» — in schriftsprachlich beeinflußter Rede, etwa: e kiirchleche Feierdag, e kiirchlecht Begriefnës; meist durch Umschreibung ersetzt, z. B.: e gët mam Här begruewen (er wird kirchlich begraben) — si sin nët an der K. bestued gin (sie haben keine kirchliche Ehe geschlossen).
 
Kiirfech(t) lok. Kiirfënt, Mosel Kerfech, Käerfecht, Wormeldingen Kërfech, Kërwech M.: «Friedhof» (= eigtl. Kiirchbierg — s. d.) — du bréngs mech nach op de K. — hie läit scho laang um K. — hie war emol nët um K. (stand Allerseelen nicht am Familiengrab, oder: begleitete die Leiche nicht zum Friedhof — in der zweiten Bedeutung auch: e war nët mat begruewen, nët bei der Läich) — wäre mer nach gutt laanscht de K. (Angst vor Spuk) — léig ee scho gut um K.! (Ausruf des Lebensüberdrusses) — Jongen Dokter, fette K. (ein junger Arzt verschuldet viele Todesfälle).
 
Kiirfech(t)s- -blumm F.: 1) «mit Vorliebe auf Gräbern gepflanzte Blume» — etwa: Aster, Diptam, Christrose, Steinbrech, Stiefmütterchen und Grasblumen zur Einfassung, neuerdings auch Salvia resplendens, Ageratum, Heliotrop; bes. aber ist gemeint: «gemeine Ringelblume, Calendula off.»; 2) im Pl.: «hektische Röte der Schwindsüchtigen» — bisw.: gro Hoer, wäiss Flecken un den Neel si Kiirfech(t)sblummen; -lach N.: «Grab» (ammen-, kindersprachlich) — Warnung an Kinder: du kënns an d'K. leien (etwa: wenn du dich nicht warm anziehen willst, wenn du in die Pfützen trittst usw.), lok. verkürzt zu Kiirfelach (Simmern-Körich); -mauer F.: «Friedhofmauer» — folkl.: häufiges Versteck von Gespenstern — et sëtzt een hannert der K.; -wee (Ton auf dem Grundwort) M.: «Straße, Weg zum Kirchhof» (bes. wenn dieser außerhalb des Ortes liegt oder lag, wie z. B. in Bonneweg).
 
Kiirmes (Mosel Kärmes, Käermes) F.: 1) «Messe der Kirchenweihe, die am Sonntag nach dem Patronatstage der Kirche gefeiert wird» — am nächsten bei dieser urspr. Bed. steht noch die Ra.: K. an der Kirech a Requiem am Dëppen (Wb 06: «Lust u. Trauer hart beieinander» — ähnlich heißt es [Bd. 2, S. 355] sonst, etwa in Holtz: K. hei, dat as den hongerege Freideg do, womit schon auf die zweite Bed. übergelenkt ist) — vom Karsamstag, an dem Fasten und Abstinenz noch andauern: K. (Alleluja) an der Kiirch, Trauer am Dëppen; 2) «weltliches Fest, das in der Pfarrei bei dieser Gelegenheit gefeiert wird» d. h. also im Gegs. zur K. an der Kiirch die K. am Duerf. — Die Kirchweihfeste werden gewöhnlich zwischen Ende April und Ende November gefeiert, die meisten im Spätherbst vom Méchelsdag bis zur Adventszeit: Dezember bis März sind kirmesarme Monate. Grundsätzlich ist nur einmal im Jahre Kirmes: 't as nët all Dag K. (übtr.: man kann nicht jeden Tag Feste feiern, nicht arbeiten). Wo der Kirchenpatron wechselte oder wo das eigtl. Patronatsfest (sub 1) zu früh ins Jahr fällt, wird d'kleng K. (dafür auch Dëppefest — I/205) und d'grouss K. (die eigtl. Kirmes) gefeiert. Nicht nur Kiirmessonndeg, sondern auch Kiirmesmeendeg u. Kiirmesdënschteg währte die Festtagsfreude; der darauffolgende Sonntag bringt d'Nokiirmes (Nachkirmes — lokal dafür auch kleng K.). Nach dem (Neben)Patron, dem charakteristischen Tagesgericht, meist zur Unterscheidung von der grouss K., trägt die K. mancherorts einen Namen, etwa: Bëtschels- (Vianden), Boune- (Ettelbrück), Gehaans- (Düdelingen), Gräins- (Stadtgrund), Kiischte- (Trintingen), Quetschekiirmes (Hamm) usw. In Stadtluxemburg heißt die K. Schueberfouer, -mëss (s. d.). Bei der zunehmenden Festesfreudigkeit der Sonntagstouristen werden allenthalben neue Dëppefester eingeführt oder alte wiederbelebt: kleng K. a klenge Béier kann ee maachen esou vill wéi ee wëllt (übtr. auch: Lob der Genügsamkeit). Auch kleinere, geschlossene Gemeinschaften feiern ihre K., so kennt die Pennälersprache d'Bulettskiirmes «die Kirmes des bischöflichen Konvikts» (s. Boulette I/138). Früher war die K. für das im Elternhaus verbliebene Kind eine einzigartige Gelegenheit, die Verwandten bei sich im Stammhaus zu vereinigen; in Voraussicht der damit verbundenen Kosten hatte es oft das Elternhaus unter dem Kaufwert erhalten: 't gët K. gemat fir Koséngen a kleng Koséngen. Es ist ein Zeichen argen Familienzwistes, wenn es heißt: si hun eis emol nët op d'K. geruff, und umgekehrt: si sin nët op d'K. komm. Allerdings heißt es auch ironisch: en huet en op d'K. gelueden (er hat ihn schroff abgewiesen). Das Familienfest wurde lange Zeit von den Gastgebern, aber auch von den Gästen besprochen: 't schwätzt een esou laang vun der K. bis se do as. Neuerungen und Reparaturen im Hause werden im Hinblick auf die K. vorgenommen; geschieht es nicht, so kann es etwa heißen: si hate fir d'K. emol d'Kichen nët frësch gewäisst (getüncht). Die letzte gründliche Reinigung erfährt das Haus am Freitag vor der K.: et as Frarosendag, Léiffrarosdag (I/406), well d'K. as vrun der Dir. Wenn jemand fragt: As d'K. bal fäerdeg?, erfolgt die Antwort: 't gët een nët fäerdeg, bis den Dag do as. Schon im Hinblick auf die Festtagsfreuden wollte keiner der Gäste fehlen: (esou) eng K., déi léisst ee sech nët laanscht d'Nues (oder d'Been) goen, entgoen (auch allgem.: ein Fest darf man nicht versäumen) — ech kann déi K. nët an d'Schanz schéissen, schloen; daher auch die Vergleiche: frou, prësséiert, wéi e Koschter (en Hond), deen op d'K. geet (er hat es eilig). Schon am Vorabend kommen die entfernteren Gäste an: et loug nach Stréi am Är, wéi mer op d'K. koumen — der Hausgang war mit Stroh bestreut, damit unter den vielen häuslichen Verrichtungen die Sauberkeit des Estrichs nicht in Gefahr komme; erst am Kirmesmorgen wird es weggefegt: si hun d'Stréi ewechgekiert, d'K. as gelleg un. Beim Glockenläuten verkünden Böllerschüsse aus duebel Hoken (s. Hok II), Kazekäpp oder Krautsténg den Beginn der K. Heute hat sich aus der Stadt Luxemburg der Innungsbrauch des Hämmelsmarsch (II/133) über das ganze Land verbreitet. Das Festmahl schildert Batty WEBER (De' gud al Zeit 1925) folgendermaßen: D'Maansleit hun d'Schiben (s. Schipp und Kiddel) ausgedun an opgehaang, wou grad en Nol an der Mauer wor; dat aalt Léinchen huet den Zoppekomp (Suppenschüssel) erabruecht, an du gong d'Schlacht (ähnlich wie Jacht II/223) un. 't éischt Vermischellszopp (Fadennudelsuppe), dann Träipen (gebratene Blutwurst — cf. Kabesträip II/262 und Mousträip), da Randfleesch (Rindfleisch, gekocht) mat Gromperen a Kornischongen (saure Gurken) a mat Moschtert (Senf), da Schwéngskoteletten, da Kallefsbrot mat Zalot, dann Hämmelsgigot (II/133), dann eng gréng Hämmchen (ungeräucherter [Bd. 2, S. 356] Schinken), da Schwéngskéis (Schweinefleisch in Sülze), an dann eng Ham vu virzejoër (ein geräucherter Schinken, zwei Jahre alt), d'Schwaart erof, mat hell rousefaarwegem Speck, op deen d'Anemrei mat faarwegen Oschtercher (mit farbigen Oblaten) allerhand Blimmercher garnéiert hat. De Mononk Matheis vu Schwéidsbéngen (Schwebsingen) huet virgeschnidden, an der kënnt iech denke, wat en dem Pitti an dem Mätti fir Flaatschen (I/383) op den Teller gehäit huet: Do Jongen, äescht (Moselmundart: «eßt») dat as frësch Flääsch. Vun dem ganze Kascht wor nëmmen de Kallefsbrot zu Réimech kaaft, de Rescht wor alles hausmaachen . . . Elo gesinn ech der schon e puer ënnert iech, déi sin nët zefridde, well et kee Gehäcks (II/26, sub 2) a kee Biwwelamoud (I/115) gouf. Tréischt iech, d'Gehäcks koum owens, a mat gebake Quetschen dran, an e Biwwelamoud, wéi dem Anemrei säin, esou gët haut kee méi gemat, esou mierf (mürbe) duurch an duurch gebaatscht (geschlagen), mat vill Knueweléck a Speck dran, a mat Zwir zesummegebonnen. No der Ham koumen d'Taarten op den Dësch, der Rei no, mä uni de Streiselkoch, dee wor nëmme fir bei de Kaffi. An dat wor och den Ament, wou d'Anemrei (es handelt sich um die bis dahin in der Küche wirtschaftende Hausfrau) un den Dësch koum. Nach dem Essen wird der Gang durch das Dorf und über den Rummelplatz angetreten. Dort stehen die Kaméidisween (fahrbare Buden der Kiirmesleit), bei einem Tisch mit einer Dréi (horizontal liegendes Lotterierad, das die Kinder fir ee Su zweemol, fir en décke Su véiermol selber drehen konnten — zu Dréi I Bd. I/225 nachzutragen) wartete die Zockerfrächen, in größeren Dörfern gab es daneben ein Karussel — Päerdercher, Stillercher, Wäschkëschten — oder große Schiffsschaukeln — Kluntsch(el)en, und eine Schéissbud. Männer und Burschen des Dorfes stellen am Lukas (senkrechtes Gestell, an dem durch einen Schlag mit dem Holzhammer ein Bolzen in die Höhe geschnellt wird u. bei genügender Kraft eine Platzpatrone zur Zündung bringt) ihre Stärke oder am Prommekuch (rundes, pflaumenkuchenähnliches Kegelspiel) ihre Geschicklichkeit zur Schau. Abends beim Nachhausegehen kauft der Bursche seiner Tänzerin ein Marzipanshierz vom Zockerbutek (s. Kiirmes sub 5). Abends geht die Dorfjugend bei d(e)Musek, bei den Danz. Derweil sitzen die Alten beim Kartenspiel wie festgefroren: an där Zäit, wou nom Iessen d'Marjänn an d'Anemrei an der Kiche mam ale Léinchen d'Geschir gespullt hun, huet den Hännes, de Matheis, de Jhamper an den Tons Déitchen sech un eng Partie Mënsch (Name eines außer Brauch kommenden Kartenspiels) gesat, déi mat kuurze Pause gedauert huet bis Mëttwochs muerges. Aus den Nachbarortschaften treffen die Burschen ein — und nicht selten kommt es zu Raufereien: keng gelleg K. ouni Kläpperei (umgekehrt: wat eng schappeg K., 't gët emol keng zerguttste Kläpperei). Behalten die Auswärtigen die Oberhand, so rufen sie in die Tanzstuben und Gassen hinein: D'K. as eis! Meist heißt es dann: Du war d'K aus. Am Kirmesmontag wird eine Abgestorbenenmesse (s. Abgestuerwemass I/11), für die Jugend eine Jugend(s)mass (s. d. II/252) gelesen. Am Mittwoch heißt es: d'K. huet de Strack am Haals; sie wurde unter Weinen u. Kreischen in Gestalt eines Schinkenknochens oder einer leeren Flasche eingescharrt. Der Donnerstag ist der Knéchelsdag, wo es nur noch die Knochen — Sprenkel, Héiss — zu nagen gibt. Den heimkehrenden Kiirmesleit (s. d. sub 1) gab man einen Kranz Kuch, in ein Tuch geknüpft, mit auf den Heimweg (HESS, Volkskunde S. 271-275); die Kirmesfreuden früherer Zeiten schildert Renert XIV, 110 ff: Voll Freed as Malepaartes, d'ganz Festonk gët geschauert, d'Fra Ebel (die Füchsin) mécht eng Kiirmes, déi véier Deeg laang dauert. Gedanzt gouf a gesprongen, a munchen Hunn gepléckt, an 't gouf gemënscht, gecouleurt, zum Schloss och nach gezweckt (intr. Verben zu drei landläufigen Kartenspielen: Mënsch, Couleur, Zwick) . . . Wi d'Kiirmes du verbäi war, du goungen heem dann d'Gäscht. Se kruten z'iesse mat sech, d'Fra Ebel gouf e Läscht; 2) «Festessen bei der Kirmes» — bisw. allgem.: «üppiges Mahl» — manche sub 1 erwähnte Raa. gehören hierher, etwa: si hun dichteg K. gemat — 't war eng déck K. — 't richt no K. an der Gaass (am Duerf) — ech hun d'K. nach nët verdaut — 't as deem schlecht K. maachen (en as mat näischt zefridden, 't as em näischt gebroden) — K. a Kanddaf zegläich (übertrieben reichliches Mahl, zuviel der Freude; aber auch übtr.: lauter Unglück, schwere Strafe — cf. [Bd. 2, S. 357] auch sub 4) — 't as haut K. am Dëppen — bei de räiche Leiden as all Dag K. — 't as dir gutt (liicht) K. maachen (du ißt ja nichts!) — ech hun d'K. nach an de Been (spüre noch die Folge des Kirmesessens) — schwaarz K. (fröhl. Leichenschmaus) — mir maache keng K., mir hun all gudden Dag K. (wir feiern keine eigentliche Kirmes, wir haben oft Besuch, und daher Gelegenheit zum Auftischen); 3) «Rummelplatz» — d'Kanner leien de ganze Mëtteg op der K. — d'K. as nach nët opgeriicht, gët ofgerappt — 't as nët vill op der K. — en huet säi Geld all op der K. verdréit (bei der Dréi 'Lotterie' ausgegeben) a vernaschelt; 4) «Unterhaltung, Vergnügen, frivole Beschäftigung» — e schwätzt vun näischt (weider) wéi K. (a Kuch) (er hat den Sinn nur auf Vergnügungen gerichtet) — deen (wien) op d'K. geet, deem séng Plaz vergeet (wer seinen Platz — eigtl. u. übtr. — den er nur dem Zufall verdankt, unnötigerweise verläßt, hat nicht das Recht, ihn neuerdings zu beanspruchen) — dat geplotent Framënsch as nach laang nët op der K. bei deem Soff (das geplagte Weib ist nicht auf Rosen gebettet bei dem Trunkenbold) — ironisch drohend: elo kritt däin Aasch K. (jetzt werde ich dich verprügeln), einfach: elo gët et K., Aasch-, Dokeskiirmes! — ech hat nët ëmmer K., wann ech och Kuch hat; 5) «Geschenk, das auf der Kiirmes gekauft wird» (ähnlich heißt es auch: mäin Niklees-chen, mäi Krëschtkëndchen, mäin neit Jeërchen, mäin Ouschterhies-chen, meng Éimais-chen usw.) — folklor.: Früher wurde bei Verkäufen außer dem Preis vielfach noch eine Kiirmes vereinbart, eine Draufgabe, ein Geschenk, und zwar war es meist die Frau des Verkäufers, die ein Angebinde vom Käufer erhielt; die urspr. Beziehung zu mhd. kurmiete 'Abgabe des Besthaupts nach Auswahl des Herrn' ist durch Quereinwirkung von Kiirmes 'Kirmesgeschenk' verwischt worden; 6) «übertriebener, billiger Schmuck, Tand, Flitter, schreiende Farbenzusammenstellung» — 't as mer zevill K. un deem Kläd — dat reimt sech wéi K. op Koschter (das paßt schlecht zusammen); 7) «Umstände, Getue, lautes Gehaben» — hie mécht mer zevill K. (er ist zu zeremoniell) — du gouf et K. (ähnlich: Butek sub 5, Bd. I/167 oder Kaméidi sub 2. Bd. II/272; cf. auch Spektakel, Zodi) — däer K. do hun ech ewell laang bis iwwer d'Oueren; 8) Hüllwort: «Menstruation» — 't huet (séng oder d') K. — oft auch spaßh.: 't as K. am Dueref.
 
Kiirmes- (Ton auf dem Bestimmungswort) -aarbecht F.: 1) «Vorbereitung zur Kirmes»; 2) «schlecht gemachte Arbeit»; -bärend, -heng, -mätt M.: «jem. der bei jeder Kirmes (beim Essen oder beim Tanz) dabei ist» — dee K. geet de Kiirmëssen no (vu K. zu K.); -béier M.: «minderwertiges Bier» (das der Wirt beim Massenbetrieb der Kirmestage zum Ausschank bringt, meist über, gelegtl. unter dem normalen Preis) — neuerdings in Städten dafür auch: Braderiesbéier; -blimmchen F.: «Polygala calcarea»; -brot M.: «Kirmesbraten, Festbraten» — da's jo dee rengste K. (dieser Braten ist ausgezeichnet); -bud F., -butek M.: «Kirmesbude» — dafür auch Kaméidiswon; -dag M.: «Kirmestag» — etwa im Beginn des Hämmelsmarsch (II/133): 't as K., an eng Gei j(h)éngt muerges an der Gaass — gelegtl. heißt es beim Verabschieden: dajee, bis där Kiirmesdeeg een (häufiger: bis soss e renegen Dag, spaßh.: bis gëschter) — en as all K. voll (Zusatz: an 't si vill där Kiirmëssen uechter d'Land, am Joer) — mir hu besser z'iesse wéi op K. — dei denen as all Sonndeg K. (sie essen sonntags immer auserlesen) — eis Kiirmesdeeg si gezielt; -dënschteg M.: «Kirmesdienstag»; -gaascht M.: «Gast, der zur Kirmes geladen ist» — sat ewéi e K. (auch: sehr betrunken; ähnlich wie: sat ewéi eng Bei) — D'Kiirmesgäscht ist ein Kaméidéistéck von Dicks (zuerst aufgeführt am 30. August 1856 von der Gym — s. d. II/93) das eine lustige Familienkirmes zum Gegenstand hat: zum ersten Mal erscheinen neben der Stadtluxemburger Mundart regionale Dialekte in der Mundartliteratur, im Verlauf der Handlung werden alte Volkslieder (zum Teil von Dicks auffrisiert) gesungen; -geschir N.: «billiges Tafelgeschirr» (oft mit Fabrikationsfehlern) wie es etwa auf der Schobermesse oder auf den Rummelplätzen der Landstädtchen in der Parzeläinslietsch 'Verkaufsstand mit Porzellan- und Steingutgeschirr' erstanden wurde;

 

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