LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kiirmes- bis Kiischtebäckelchen (Bd. 2, Sp. 357b bis 359b)
 
Kiirmes- (Ton auf dem Bestimmungswort) -aarbecht F.: 1) «Vorbereitung zur Kirmes»; 2) «schlecht gemachte Arbeit»; -bärend, -heng, -mätt M.: «jem. der bei jeder Kirmes (beim Essen oder beim Tanz) dabei ist» — dee K. geet de Kiirmëssen no (vu K. zu K.); -béier M.: «minderwertiges Bier» (das der Wirt beim Massenbetrieb der Kirmestage zum Ausschank bringt, meist über, gelegtl. unter dem normalen Preis) — neuerdings in Städten dafür auch: Braderiesbéier; -blimmchen F.: «Polygala calcarea»; -brot M.: «Kirmesbraten, Festbraten» — da's jo dee rengste K. (dieser Braten ist ausgezeichnet); -bud F., -butek M.: «Kirmesbude» — dafür auch Kaméidiswon; -dag M.: «Kirmestag» — etwa im Beginn des Hämmelsmarsch (II/133): 't as K., an eng Gei j(h)éngt muerges an der Gaass — gelegtl. heißt es beim Verabschieden: dajee, bis där Kiirmesdeeg een (häufiger: bis soss e renegen Dag, spaßh.: bis gëschter) — en as all K. voll (Zusatz: an 't si vill där Kiirmëssen uechter d'Land, am Joer) — mir hu besser z'iesse wéi op K. — dei denen as all Sonndeg K. (sie essen sonntags immer auserlesen) — eis Kiirmesdeeg si gezielt; -dënschteg M.: «Kirmesdienstag»; -gaascht M.: «Gast, der zur Kirmes geladen ist» — sat ewéi e K. (auch: sehr betrunken; ähnlich wie: sat ewéi eng Bei) — D'Kiirmesgäscht ist ein Kaméidéistéck von Dicks (zuerst aufgeführt am 30. August 1856 von der Gym — s. d. II/93) das eine lustige Familienkirmes zum Gegenstand hat: zum ersten Mal erscheinen neben der Stadtluxemburger Mundart regionale Dialekte in der Mundartliteratur, im Verlauf der Handlung werden alte Volkslieder (zum Teil von Dicks auffrisiert) gesungen; -geschir N.: «billiges Tafelgeschirr» (oft mit Fabrikationsfehlern) wie es etwa auf der Schobermesse oder auf den Rummelplätzen der Landstädtchen in der Parzeläinslietsch 'Verkaufsstand mit Porzellan- und Steingutgeschirr' erstanden wurde; -ham F.: «der für das Kirmessessen vorgesehene (meist zwei Jahre alte) [Bd. 2, S. 358] geräucherte (u. meist gekochte, gelgtl. kalt aufgetragene) Schinken» — eng K., dat bescht wat d'Haus huet — eppes ewéi eng gerëschte K. (die Schwarte wurde zur Hälfte abgehoben, die Speckfläche mit Kränzen von Zwiebeln und Petersilienzweigen belegt, dann die Schwarte wieder drüber gerückt, der Bändel — s .d. sub 2) — war mit einer farbigen, bisw. rot-weißblauen Krause umgeben); -kläpperei F.: «Burschenstreit bei dem Kirmestanz»; -klesercher Pl. M.: «junge Leute, die von Kirmes zu Kirmes gehen und zum Tanz aufspielen»; -knapp M., -knätzel F.: «Klette»; -kuch M.: «für die Kirmes eigens gebackener Kuchen (mit runder Öffnung in der Mitte)» — oft, mit gewolltem Anklang an die alte Stadtluxemburger Lautung, -koch gesprochen (cf. im Hämmelsmarsch: de Quetschekoch dee schmaacht ewéi de beschte Bond) — e Stéck K. mat Botter an Ham, dat as eppes Gutts!; -leit Pl. M.: 1) «Gäste, die zur Kirmes geladen sind» (s. -gaascht); 2) «die fahrenden Kirmesbudenbesitzer» — beschwichtigender Einspruch des (geldspendenden) Monni, wenn sich die Mutter über die Kinder ärgert, die ihr Geld allzu leichtfertig auf der Kiirmes ausgeben: looss se nëmme gewäerden, d'K. mussen och liewen; -mass F.: «Messe, die am Kirmessonntag oder -dienstags für eine Familie gesungen wird»; -méindeg M.: «Kirmesmontag»; -mount M.: «November» (auch Allerséilemount); -owend M.: «Vorabend des Kiirmessonndeg»; -plaz M.: «Rummelplatz» — oft nur das Simplex Kiirmes (s. d. sub 3) oder Plaz; -sonndeg M.: «Kirmessonntag» — 't as op K. geschitt; -wäin M.: «der für das Kirmesessen angeschaffte Wein»; -woch F.: «Kirmeswoche» (zwischen Kiirmessonndeg und Nokiirmes) — an der K. as näischt ze wëllen (wird keine brauchbare Arbeit geleistet); im Nordösl. bes. die Woche vor der Kirmes: jhust an der K. kruche mer Besuch (ärgert sich die Hausfrau); -won M.: «fahrender Kramladen, Wohnwagen der Fahrenden» — auch: Kaméidiswon.
 
kiirzen trans. Verb.: 1) «kürzer machen» — de Rack as ze laang, e muss gekiirzt gin — halbgelehrt: du muss däin Artikel k., soss kënne mer en nët drécken; 2) «verringern, vermindern» — ech menge, mer mussen em d'Ratioun k. — deem Lidderhanes säi Gehalt muss gekiirzt gin, da verdéngt en nach méi wéi e verdéngt (wie ihm rechtens zusteht) — dazu die Abl.: Kiirzong F.
 
kiirzlech Adv. (nach dem Hd.): «vor kurzem».
 
Kiirzt F.: 1) «Kürze»; 2) «schmale Seite» — eng Längt sin zwou Kiirzten (doppelt so lang wie breit).
 
kiirzt Superlativ zum Adj. kuurz: «kürzest» — bes. in der Ra.: de Kiirzten zéien (den Kürzeren ziehen) — dee gemällege Wee as de kiirzten, a wann et esouguer en Ëmwee as.
 
Kiischpelt ON.: eigtl. «Kirchspiel, mehrere Dörfer umfassende Pfarrei» — bezeichnet heute nur noch die Pfarrei Pintsch im Wiltzer Dekanat, mit den Dörfern Äischer, Draufelt, Lellgen, Pëntsch, Siwenaler, Wëlwerwolz — e wunnt um K. — en as vum K. — um K. as scho Schnéi gefall, 't gët elo séier Wanter; früher vielfach für ausgedehnte Pfarrei (etwa Simmern, Körich) gebraucht.
 
Kiisch(t) Pl. Kiisch(t)en F.: 1) «Kirsche» — die Frucht von «Prunus Cerasus» — meist wird grob unterschieden zwischen der wildwachsenden (meist Weichsel): kleng, sauer K., Juddekiischt, bisw. Vullekiischt (s. d. I/423) und der angebauten, veredelten: déck, duebel, séiss K. (womit keineswegs die 'kleine Süßkirsche', die Frucht von 'Prunus avium' gemeint ist) — die veredelten Kirschen werden nach folgenden Kriterien unterschieden: rout/schwaarz, fréi/spéit, fleescheg/krupseg, kruppeg, Kruppkiischten, Knappkiischten (mit fest. Fleisch, Knorpelkirschen); Spww.: Mat groussen Hären as nët gutt Kiischten iessen (déi loossen engem d'Stiller a si späizen engem d'Steng op de Kapp, an d'Gesiicht, an d'A) auch persönlich: mat deem as nët gutt Kiischten iessen — Déi eng iessen d'Kiisch(t)en, déi aner kréien de Kuerf ugehaangen (man tadelt, bestraft die Falschen), auch persönlich, Echt.: aner hoan d'Kiischte geesst, an heen hoat de Koarf oagehaange kréit (mit der bes. Bed.: andere haben an den Kirschen genascht, er mußte das Mädchen heiraten) — 't pléckt ee keng Kiischten op engem Dännebam (man soll nicht das Unmögliche verlangen); Wetterund Bauernregeln: 't soll een näischt vun de Wantersaachen ausdonken, bis [Bd. 2, S. 359] d'Kiischten op enger Säit rout sin (dees d'Kiischten hätten e roude Bäckelchen) — Kiischte rout, Boune gout, ähnlich: Wéi d'Kiischte bléien, sou bléien och d'Drauwen; Rätsel: Wäiss wéi Schnéi, gréng wéi Kléi, Rout wéi Blutt, 't schmaacht alle Kanner gutt? (d'K. vun der Bléi bis wa se zeideg as); Raa.: d'Vulle knappen d'Kiischten (cf. den Vogelnamen Kiischteknappert) — d'Kanner hänke sech eng Kludder Kiischten (zwei oder mehr mit den Stielen verwachsene Kirschen) hannert d'Oueren, dat sin hir Ouerréng — hie fréiss d'Kiischte mat de Stillen, mat de Steng (gieriger Esser) — dat sin deier, sauer Kiischten (das kommt mich teuer zu stehen) — e bléit ewéi eng K. (seine Backen glühen) ähnlich: rout, eng Fuerf ewéi eng K., Baken ewéi Kiischten (esou rout) — als Zeitbestimmung: wann d'Kiischte bléien, an der Bléi, zeideg sin; 2) «kirschenähnl. Frucht, Beere» — den Houx, d'Walddëschtel (Stechpalme — II/181) huet nët all Joer rout Kiischten; 3) «Verletzung am Strahle des Pferdes» — eng K. um Fouss; 4) als Familienname ist die Schreibung Kisch (auch Kiesch) nach Wb 06 seit dem 18. Jh. im Lande zu belegen; sie findet sich bezeichnenderweise auch in Siebenbürgen (Gustav Kisch, im Jahrbuch 1928 der Lux. Sprachges., S. 95).
 
Kiischte(n)- -apelbam M.: «Beerenapfelbaum, Malus bacc.»; -bam M.: «Kirschbaum» (dafür auch Kiischter, Kiischtert — s. d.) — wëlle K. Wb 06: «Vogelkirschbaum» (s. Vullekiischt I/423); meist in übtr. Raa.: en as em op de K. geklommen (hat der Frau eines andern den Hof gemacht) — Koséng hin, Koséng hier, bleif mer vum K. erof, ewech! (mische dich nicht in meine ehelichen Angelegenheiten; so Wb 06, meist aber: Finger weg von meiner Frau) — wann et am Paradäis e K. amplaz en Äppelbam gewiescht wier, hätt een him braucht nët ze fléiwen (eigtl.: er ist auf Kirschen versessen; übtr.: er ist ein Schürzenjäger, der es auf die Frauen anderer abgesehen hat); roude, russesche K. «Prunus pissardi» (Zierbaum) — Den Juden wird folgendes «Gebet» zugeschrieben: Äppelche, Bäppelche, K., Nëssert, Amen (Kiischtchen, Nëss-chen, Amen); -baamsholz N.: «Holz vom Kirschbaum» — dafür auch Kiischtenholz, Kiischtebam, oder einfach (adjektivisch verstanden) kiischten: den Dëschelchen as k.; -bäckelchen M.: «rote Backe» (vor allem bei Kindern, Mädchen, Greisen);

 

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