LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kiirzt bis Killfaass (Bd. 2, Sp. 358b bis 360a)
 
Kiirzt F.: 1) «Kürze»; 2) «schmale Seite» — eng Längt sin zwou Kiirzten (doppelt so lang wie breit).
 
kiirzt Superlativ zum Adj. kuurz: «kürzest» — bes. in der Ra.: de Kiirzten zéien (den Kürzeren ziehen) — dee gemällege Wee as de kiirzten, a wann et esouguer en Ëmwee as.
 
Kiischpelt ON.: eigtl. «Kirchspiel, mehrere Dörfer umfassende Pfarrei» — bezeichnet heute nur noch die Pfarrei Pintsch im Wiltzer Dekanat, mit den Dörfern Äischer, Draufelt, Lellgen, Pëntsch, Siwenaler, Wëlwerwolz — e wunnt um K. — en as vum K. — um K. as scho Schnéi gefall, 't gët elo séier Wanter; früher vielfach für ausgedehnte Pfarrei (etwa Simmern, Körich) gebraucht.
 
Kiisch(t) Pl. Kiisch(t)en F.: 1) «Kirsche» — die Frucht von «Prunus Cerasus» — meist wird grob unterschieden zwischen der wildwachsenden (meist Weichsel): kleng, sauer K., Juddekiischt, bisw. Vullekiischt (s. d. I/423) und der angebauten, veredelten: déck, duebel, séiss K. (womit keineswegs die 'kleine Süßkirsche', die Frucht von 'Prunus avium' gemeint ist) — die veredelten Kirschen werden nach folgenden Kriterien unterschieden: rout/schwaarz, fréi/spéit, fleescheg/krupseg, kruppeg, Kruppkiischten, Knappkiischten (mit fest. Fleisch, Knorpelkirschen); Spww.: Mat groussen Hären as nët gutt Kiischten iessen (déi loossen engem d'Stiller a si späizen engem d'Steng op de Kapp, an d'Gesiicht, an d'A) auch persönlich: mat deem as nët gutt Kiischten iessen — Déi eng iessen d'Kiisch(t)en, déi aner kréien de Kuerf ugehaangen (man tadelt, bestraft die Falschen), auch persönlich, Echt.: aner hoan d'Kiischte geesst, an heen hoat de Koarf oagehaange kréit (mit der bes. Bed.: andere haben an den Kirschen genascht, er mußte das Mädchen heiraten) — 't pléckt ee keng Kiischten op engem Dännebam (man soll nicht das Unmögliche verlangen); Wetterund Bauernregeln: 't soll een näischt vun de Wantersaachen ausdonken, bis [Bd. 2, S. 359] d'Kiischten op enger Säit rout sin (dees d'Kiischten hätten e roude Bäckelchen) — Kiischte rout, Boune gout, ähnlich: Wéi d'Kiischte bléien, sou bléien och d'Drauwen; Rätsel: Wäiss wéi Schnéi, gréng wéi Kléi, Rout wéi Blutt, 't schmaacht alle Kanner gutt? (d'K. vun der Bléi bis wa se zeideg as); Raa.: d'Vulle knappen d'Kiischten (cf. den Vogelnamen Kiischteknappert) — d'Kanner hänke sech eng Kludder Kiischten (zwei oder mehr mit den Stielen verwachsene Kirschen) hannert d'Oueren, dat sin hir Ouerréng — hie fréiss d'Kiischte mat de Stillen, mat de Steng (gieriger Esser) — dat sin deier, sauer Kiischten (das kommt mich teuer zu stehen) — e bléit ewéi eng K. (seine Backen glühen) ähnlich: rout, eng Fuerf ewéi eng K., Baken ewéi Kiischten (esou rout) — als Zeitbestimmung: wann d'Kiischte bléien, an der Bléi, zeideg sin; 2) «kirschenähnl. Frucht, Beere» — den Houx, d'Walddëschtel (Stechpalme — II/181) huet nët all Joer rout Kiischten; 3) «Verletzung am Strahle des Pferdes» — eng K. um Fouss; 4) als Familienname ist die Schreibung Kisch (auch Kiesch) nach Wb 06 seit dem 18. Jh. im Lande zu belegen; sie findet sich bezeichnenderweise auch in Siebenbürgen (Gustav Kisch, im Jahrbuch 1928 der Lux. Sprachges., S. 95).
 
Kiischte(n)- -apelbam M.: «Beerenapfelbaum, Malus bacc.»; -bam M.: «Kirschbaum» (dafür auch Kiischter, Kiischtert — s. d.) — wëlle K. Wb 06: «Vogelkirschbaum» (s. Vullekiischt I/423); meist in übtr. Raa.: en as em op de K. geklommen (hat der Frau eines andern den Hof gemacht) — Koséng hin, Koséng hier, bleif mer vum K. erof, ewech! (mische dich nicht in meine ehelichen Angelegenheiten; so Wb 06, meist aber: Finger weg von meiner Frau) — wann et am Paradäis e K. amplaz en Äppelbam gewiescht wier, hätt een him braucht nët ze fléiwen (eigtl.: er ist auf Kirschen versessen; übtr.: er ist ein Schürzenjäger, der es auf die Frauen anderer abgesehen hat); roude, russesche K. «Prunus pissardi» (Zierbaum) — Den Juden wird folgendes «Gebet» zugeschrieben: Äppelche, Bäppelche, K., Nëssert, Amen (Kiischtchen, Nëss-chen, Amen); -baamsholz N.: «Holz vom Kirschbaum» — dafür auch Kiischtenholz, Kiischtebam, oder einfach (adjektivisch verstanden) kiischten: den Dëschelchen as k.; -bäckelchen M.: «rote Backe» (vor allem bei Kindern, Mädchen, Greisen); -bengelchen M.: «Stöckchen, um das Kirschen gebunden sind» (wenn sie noch selten und teuer sind); -bléi F.: 1) «Kirschblüte»; 2) «Zeit der Kirschblüte»; -branntewäin M.: «Kirschbranntwein» (so Wb 06), heute dafür gängig nur Kirsch (mit kurzem -i-); Ga. kennt noch -waasser (s. d.); -dall M.: «Trintingertal»; -drëpp F.: «Kirschenlikör» (mit ganzen Kirschen im Alkohol, als Füllung von Schokoladebonbons); -faarf F.: «roter Teint»; -fest N.: «lokales Fest, das alljährlich zur Zeit der Kirschenreife gefeiert wird» (Bridel, Trintingen, Dalheim) — dafür auch: -kiirmes (s. d.); -vull M.: «Drossel»; -gebääss N.: «Kirschenkonfekt» — dafür auch: -jhelli M.: «Kirschengelee»; -géigend F.: «kirschenreiche Gegend» (das gesamte südöstliche Gutland); -kär M.: «Kirschenkern» — oft als Maßangabe: Klëppelsteng wéi Kiischtekären (esou déck); -kiirmes F.: «Kirchweihfest (meist kleng Kiirmes) zur Zeit der Kirschenreife» (cf. Kiirmes sub 2); -knappert, -knäpper, -knäppchen (bisweilen -knäpperchen) M.: 1) «Kernbeißer, Coccothraustes cocc.»; 2) im Pl.: «Spottname der Bewohner des Trintingertales»; -kuch M.: «Kirschentorte» (Wb 06 — heute nur: -taart); -mann M.: «(ambulanter) Kirschenhändler» — dee Paltong as gutt fir de K. (diese Weste ist gut für den Lumpensammler, der Lumpen gegen Kirschen eintauschte) — Ruf des Kiischtemann: Lompe fir Kiischten, aalt Eisen, ale Goss!; -steen M.: «Kirschenstein»; -taart F.: «Kirschentorte»; -waasser N.: «Kirschenbranntwein» (so noch Wb 06 im Anschluß an Ga.) heute nur Kirsch (s. -branntewäin); -zäit F.: «Zeit der Kirschenreife» — ironisch: 't as elo gläich K. (von jem. der den Frauen aufdringlich den Hof macht).
 
kiischten trans. Verb.: «die Vogelschlingen mit Kirschen versehen» (beim Krametsvogelfang — lok. Arlon). [Bd. 2, S. 360]
 
Kiischter(t) M.: 1) «Kirschbaum»; 2) Wb 06: «Vogelkirschbaum» (s. auch Vullekiischt I/423) — nicht gebr. in den sub Kiischtebam vermerkten übtr. Bedeutungen.
 
Kiischtchen I F.: Dim. zu Kiischt «Kirsche» (s. d.) — im bes. spaßh. Bezeichnung für «Hämorrhoiden» — e ganze Rousekranz vu Kiischtercher (ähnlich: Réidercher).
 
Kiischtchen II F.: Dim. zu Kuuscht «Kruste» (s. d.) — bes.: 1) «in Fett, Butter gerösteter Brotwürfel» — geréischtert Kiischtercher sind eine beliebte Zutat zur Ënnen-, Gromperen-, Ierbëssenzopp — Kiischtercher mat Knueweléck ageriwwe fir bei d'Andéivenzalot — hie pickt sech d'Kiischtercher aus der Zalot (auch übtr.: Egoïst, Profiteur) — dafür in dieser Bed. auch das anfangsbetonte frz. Croûton M.; 2) «kleines Stück Brotrinde für die Kauversuche des Kleinkindes»; 3) «letzter Rest eines Brotlaibs».
 
Kiischtercheszopp F.: «(Kartoffel-) Suppe mit gerösteten Brotwürfeln».
 
Kikelkakel F.: «Geplapper».
 
Kill M.: 1) «junger, beindicker Baum(stamm)» — meist Eiche, lok. bisw. auch «junge Buche» (Osten), z. B. Danzkill (nahe der Niederburg, gegenüber Weilerbach an der Untersauer) — s. auch Ballivo, Bällvo, Stuel; 2) im Pl. Kill «heckenartig angepflanzte Eichen»; 3) neben Killeplanz F.: «junge, aus Samen hervorgegangene Eiche» (im Gegs. zu den auf einem Ausschlagstock - Tonn - wachsenden); 4) «Baumstumpf vor dem Haus als Sitzplatz» — si souzen um K. an der Uucht; 5) lok.: «knorriger Holzklotz» — hätte mir dee K. auserneen!
 
kill (phV. des Tonvokales sf. Ltb. 73) Adj.: «kühl» — und zwar: 1) von der Temperatur — Spw.:(Mai) k. an naass (oder: Kiddelnaass), fëllt (dem Bauer d') Scheier a(n dem Wënzer d') Faass — Raa.: 't geet eng k. Lëftchen — 't as ewell killt Wieder — 't as nach k. laanscht d'Waasser — — 't behält een et nët k. an den Haiser — hätte mer elo e kille Pättchen (einen kühlen Trunk) — stell de Wäi k.! 2) vom Temperament — en huet esou k. gelaacht, gekuckt — dat léisst hie k. (häufiger kal) — wat si mer do k. empfaang gin.
 
Kill- -faass N.: «Kühlfaß»;

 

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