LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kiischte(n)- bis Killwaasser (Bd. 2, Sp. 359a bis 360b)
 
Kiischte(n)- -apelbam M.: «Beerenapfelbaum, Malus bacc.»; -bam M.: «Kirschbaum» (dafür auch Kiischter, Kiischtert — s. d.) — wëlle K. Wb 06: «Vogelkirschbaum» (s. Vullekiischt I/423); meist in übtr. Raa.: en as em op de K. geklommen (hat der Frau eines andern den Hof gemacht) — Koséng hin, Koséng hier, bleif mer vum K. erof, ewech! (mische dich nicht in meine ehelichen Angelegenheiten; so Wb 06, meist aber: Finger weg von meiner Frau) — wann et am Paradäis e K. amplaz en Äppelbam gewiescht wier, hätt een him braucht nët ze fléiwen (eigtl.: er ist auf Kirschen versessen; übtr.: er ist ein Schürzenjäger, der es auf die Frauen anderer abgesehen hat); roude, russesche K. «Prunus pissardi» (Zierbaum) — Den Juden wird folgendes «Gebet» zugeschrieben: Äppelche, Bäppelche, K., Nëssert, Amen (Kiischtchen, Nëss-chen, Amen); -baamsholz N.: «Holz vom Kirschbaum» — dafür auch Kiischtenholz, Kiischtebam, oder einfach (adjektivisch verstanden) kiischten: den Dëschelchen as k.; -bäckelchen M.: «rote Backe» (vor allem bei Kindern, Mädchen, Greisen); -bengelchen M.: «Stöckchen, um das Kirschen gebunden sind» (wenn sie noch selten und teuer sind); -bléi F.: 1) «Kirschblüte»; 2) «Zeit der Kirschblüte»; -branntewäin M.: «Kirschbranntwein» (so Wb 06), heute dafür gängig nur Kirsch (mit kurzem -i-); Ga. kennt noch -waasser (s. d.); -dall M.: «Trintingertal»; -drëpp F.: «Kirschenlikör» (mit ganzen Kirschen im Alkohol, als Füllung von Schokoladebonbons); -faarf F.: «roter Teint»; -fest N.: «lokales Fest, das alljährlich zur Zeit der Kirschenreife gefeiert wird» (Bridel, Trintingen, Dalheim) — dafür auch: -kiirmes (s. d.); -vull M.: «Drossel»; -gebääss N.: «Kirschenkonfekt» — dafür auch: -jhelli M.: «Kirschengelee»; -géigend F.: «kirschenreiche Gegend» (das gesamte südöstliche Gutland); -kär M.: «Kirschenkern» — oft als Maßangabe: Klëppelsteng wéi Kiischtekären (esou déck); -kiirmes F.: «Kirchweihfest (meist kleng Kiirmes) zur Zeit der Kirschenreife» (cf. Kiirmes sub 2); -knappert, -knäpper, -knäppchen (bisweilen -knäpperchen) M.: 1) «Kernbeißer, Coccothraustes cocc.»; 2) im Pl.: «Spottname der Bewohner des Trintingertales»; -kuch M.: «Kirschentorte» (Wb 06 — heute nur: -taart); -mann M.: «(ambulanter) Kirschenhändler» — dee Paltong as gutt fir de K. (diese Weste ist gut für den Lumpensammler, der Lumpen gegen Kirschen eintauschte) — Ruf des Kiischtemann: Lompe fir Kiischten, aalt Eisen, ale Goss!; -steen M.: «Kirschenstein»; -taart F.: «Kirschentorte»; -waasser N.: «Kirschenbranntwein» (so noch Wb 06 im Anschluß an Ga.) heute nur Kirsch (s. -branntewäin); -zäit F.: «Zeit der Kirschenreife» — ironisch: 't as elo gläich K. (von jem. der den Frauen aufdringlich den Hof macht).
 
kiischten trans. Verb.: «die Vogelschlingen mit Kirschen versehen» (beim Krametsvogelfang — lok. Arlon). [Bd. 2, S. 360]
 
Kiischter(t) M.: 1) «Kirschbaum»; 2) Wb 06: «Vogelkirschbaum» (s. auch Vullekiischt I/423) — nicht gebr. in den sub Kiischtebam vermerkten übtr. Bedeutungen.
 
Kiischtchen I F.: Dim. zu Kiischt «Kirsche» (s. d.) — im bes. spaßh. Bezeichnung für «Hämorrhoiden» — e ganze Rousekranz vu Kiischtercher (ähnlich: Réidercher).
 
Kiischtchen II F.: Dim. zu Kuuscht «Kruste» (s. d.) — bes.: 1) «in Fett, Butter gerösteter Brotwürfel» — geréischtert Kiischtercher sind eine beliebte Zutat zur Ënnen-, Gromperen-, Ierbëssenzopp — Kiischtercher mat Knueweléck ageriwwe fir bei d'Andéivenzalot — hie pickt sech d'Kiischtercher aus der Zalot (auch übtr.: Egoïst, Profiteur) — dafür in dieser Bed. auch das anfangsbetonte frz. Croûton M.; 2) «kleines Stück Brotrinde für die Kauversuche des Kleinkindes»; 3) «letzter Rest eines Brotlaibs».
 
Kiischtercheszopp F.: «(Kartoffel-) Suppe mit gerösteten Brotwürfeln».
 
Kikelkakel F.: «Geplapper».
 
Kill M.: 1) «junger, beindicker Baum(stamm)» — meist Eiche, lok. bisw. auch «junge Buche» (Osten), z. B. Danzkill (nahe der Niederburg, gegenüber Weilerbach an der Untersauer) — s. auch Ballivo, Bällvo, Stuel; 2) im Pl. Kill «heckenartig angepflanzte Eichen»; 3) neben Killeplanz F.: «junge, aus Samen hervorgegangene Eiche» (im Gegs. zu den auf einem Ausschlagstock - Tonn - wachsenden); 4) «Baumstumpf vor dem Haus als Sitzplatz» — si souzen um K. an der Uucht; 5) lok.: «knorriger Holzklotz» — hätte mir dee K. auserneen!
 
kill (phV. des Tonvokales sf. Ltb. 73) Adj.: «kühl» — und zwar: 1) von der Temperatur — Spw.:(Mai) k. an naass (oder: Kiddelnaass), fëllt (dem Bauer d') Scheier a(n dem Wënzer d') Faass — Raa.: 't geet eng k. Lëftchen — 't as ewell killt Wieder — 't as nach k. laanscht d'Waasser — — 't behält een et nët k. an den Haiser — hätte mer elo e kille Pättchen (einen kühlen Trunk) — stell de Wäi k.! 2) vom Temperament — en huet esou k. gelaacht, gekuckt — dat léisst hie k. (häufiger kal) — wat si mer do k. empfaang gin.
 
Kill- -faass N.: «Kühlfaß»; -keller M.: «Kühlkeller» (bes. der Brauerei); -schëff N.: «Bottich, Behälter zum Abkühlen» (Brennerei, Brauerei); -waasser N.: «Wasser zu Kühlzwecken» — für den Kühler der Kraftfahrzeuge gilt nur das hochsprachl. Kühler (das Wort bezeichnet auch «den gesamten unter der Motorhaube gelegenen vorderen Teil des Autos», auch wenn sich dort kein Motor und kein Kühler befinden — neuerdings dafür auch Capot (Ton: 1, sonst wie frz.)); cf. Killer, sub killen I.

 

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