LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kiischtchen bis Kinnek (Bd. 2, Sp. 360a bis 361a)
 
Kiischtchen II F.: Dim. zu Kuuscht «Kruste» (s. d.) — bes.: 1) «in Fett, Butter gerösteter Brotwürfel» — geréischtert Kiischtercher sind eine beliebte Zutat zur Ënnen-, Gromperen-, Ierbëssenzopp — Kiischtercher mat Knueweléck ageriwwe fir bei d'Andéivenzalot — hie pickt sech d'Kiischtercher aus der Zalot (auch übtr.: Egoïst, Profiteur) — dafür in dieser Bed. auch das anfangsbetonte frz. Croûton M.; 2) «kleines Stück Brotrinde für die Kauversuche des Kleinkindes»; 3) «letzter Rest eines Brotlaibs».
 
Kiischtercheszopp F.: «(Kartoffel-) Suppe mit gerösteten Brotwürfeln».
 
Kikelkakel F.: «Geplapper».
 
Kill M.: 1) «junger, beindicker Baum(stamm)» — meist Eiche, lok. bisw. auch «junge Buche» (Osten), z. B. Danzkill (nahe der Niederburg, gegenüber Weilerbach an der Untersauer) — s. auch Ballivo, Bällvo, Stuel; 2) im Pl. Kill «heckenartig angepflanzte Eichen»; 3) neben Killeplanz F.: «junge, aus Samen hervorgegangene Eiche» (im Gegs. zu den auf einem Ausschlagstock - Tonn - wachsenden); 4) «Baumstumpf vor dem Haus als Sitzplatz» — si souzen um K. an der Uucht; 5) lok.: «knorriger Holzklotz» — hätte mir dee K. auserneen!
 
kill (phV. des Tonvokales sf. Ltb. 73) Adj.: «kühl» — und zwar: 1) von der Temperatur — Spw.:(Mai) k. an naass (oder: Kiddelnaass), fëllt (dem Bauer d') Scheier a(n dem Wënzer d') Faass — Raa.: 't geet eng k. Lëftchen — 't as ewell killt Wieder — 't as nach k. laanscht d'Waasser — — 't behält een et nët k. an den Haiser — hätte mer elo e kille Pättchen (einen kühlen Trunk) — stell de Wäi k.! 2) vom Temperament — en huet esou k. gelaacht, gekuckt — dat léisst hie k. (häufiger kal) — wat si mer do k. empfaang gin.
 
Kill- -faass N.: «Kühlfaß»; -keller M.: «Kühlkeller» (bes. der Brauerei); -schëff N.: «Bottich, Behälter zum Abkühlen» (Brennerei, Brauerei); -waasser N.: «Wasser zu Kühlzwecken» — für den Kühler der Kraftfahrzeuge gilt nur das hochsprachl. Kühler (das Wort bezeichnet auch «den gesamten unter der Motorhaube gelegenen vorderen Teil des Autos», auch wenn sich dort kein Motor und kein Kühler befinden — neuerdings dafür auch Capot (Ton: 1, sonst wie frz.)); cf. Killer, sub killen I. -wagon, -won M.: «Kühlwagen der Eisenbahn».
 
Killech I M.: lok. phV. zu Kielech 'Kelch' (s .d.).
 
Killech II F.: gelegtl. lok. phV. zu Kiirch, Kirech 'Kirche' (s .d.).
 
Killecht, Killt F.: «Kühle» — d'Blumme soll een an der K. plécken — laf nët plakapp (barhaupt) an der K.
 
killen I trans. Verb.: «(ab)kühlen» — du muss der de Bols k., ier s d'eppes Kales drénks — auch übtr. wie Hd.: ech wäerd em de Mittche scho k.; dazu der Neologismus Killer M.: «Milchkühler» — im früheren Hausbetrieb, später in den Molkereien, länglicher Behälter aus Steingut, auch aus Blech oder Zink, in dem die Milch aufbewahrt wurde, bis der Rahm oben schwamm, vor dem Buttern.
 
killen II (Pennälerspr.) trans. Verb.: «kaltblütig töten» (aus der Kriminalliteratur) — burschikoses Wortspiel: engl. to kill  lux. kill (= kal) maachen — wann en d'Schnëss nët hält, da k. ech en — auch spaßh. übtr.: elo gët nach (en Humpe) gekillt (ein Glas Bier getrunken); dazu das Subst. Killer M.: 1) «Mörder»; 2) «Draufgänger».
 
killzen intr. Verb.: «Kühle abgeben, verbreiten» — 't killzt scho faméis haut den Owend — lee der Äis op de Kapp, dat killzt — d'Owenter k. schon (die Abende werden schon kühl) — fill emol, wat dee Stofft killzt.
 
Kilo M.: «Kilogramm» (ebenso im Pl.) — dräi Kilo Miel — 't kascht dräi Frang de K. — ech verkafen et (m)am K. — bisw.: dräi Kiloën (drei Kilogrammgewichte) — übtr. Quantitätsangabe: en huet ëmmer e K. Spott an der Täsch; in mannigfacher (hochsprachl.) Verwendung in Maßeinheiten, etwa: Kilohertz, Kilometer, Kilowatt u. a.
 
Kilométrage M.: «Kilometermessung, Gesamtheit der durchfahrenen Kilometer». [Bd. 2, S. 361]
 
kilometréieren trans. Verb.: «die Kilometerabstände einer Strecke anmerken».
 
Kilometersteen M.: «Meilenstein» — älter: eng Maark op der Strooss.
 
Kilometerzieler M., bisw. -auer F.: «Kilometerzähler an Fahrzeugen».
 
Kilowatt ergibt das Wortspiel: en huet elektresch Schëlleren ('t si vill Kilo Watt dran — die Schultern seines Anzugs sind mit Watte aufgepolstert, um seinem schmalbrüstigen Körper zum Ansehen zu verhelfen) — e K. sin zwee Pond Watt (Schülerwitz).
 
Kimm F.: «vierkantiger Falz in den Dauben, zum Halten des Faßbodens» (Küferspr. des Ostens).
 
Kimmel, selt. Kimmer, Kimm(chen), Kinn, Ki (auch: Gimmel, Gimmchen, Gimmelchen, Géim-, Gëmm-) M.: 1) «gebauter Schwarzkümmel, schwarzer Koriander, Nigella sativa»; 2) Fëschkimmel «Wasserfenchel, Oenanthe phellandrium»; 3) Wisekimmel (-gimmel, -gimmchen, -gëmmelchen) «Wiesenkümmel, Carum carvi» — in vielen Arzneien u. Tränkchen der Volksmedizin; gelegtl. statt Fimmel in dem am Ende des Artikels Këndchen vermerkten Wiegenlied: am Himmel stin déi Stieren, Stin déi Stieren am Himmel, An de Gaarde (Wise) wiisst de K. — s. Stärenanäis (I/S. 32); de Wisekimmelsbranntewäin as eng gutt Drëpp; 4) bisw.: «Feldthymian, Thymus Serpyllum» — in dieser Bed. im Kant. Redingen auch Gommel.
 
Kimmhais-chen N.: «Höhle in einem Bergvorsprung» (bei Rosport).
 
Quincaillerie (wie frz.) F.: «Eisenund Haushaltwarenhandlung».
 
King F. s. Kéng 'Keim'.
 
king Adj. s. kéng 'kühn'.
 
Kinkerlitzchen, -litzercher (Echt.- Du.) Pl. F.: «blinkender, unnützer Kleiderbesatz» — auch: Gigerlitzmonturen.
 
Quinquet M. = Känki (s d.).
 
Kinn M.: seltene lok. Spielform zu Kimmel 'Kümmel' (s. d.).
 
Kinn F. s. Kien.
 
Kinnek Pl. Kinneken, Kinneker (diese alte, auf künning ^> künnink ^> künnick zurückgehende Form herrscht unbeschränkt in allen lux. Mundarten) M.: 1) «König» — Spw.: Näischt gläicht méi engem Mënsch ewéi e K. (ein König ist Mensch wie die andern) — Raa.: e freet (fillt) sech, en as frou (zefridde) wéi e K. (cf. auch sub 4/d) — hie lieft ewéi e K. (er lebt auf großem Fuß) — hie wëllt mat kengem K. tauschen — de Kinnek war seit dem Wiener Kongreß bis zum Regierungsantritt Adolfs von Nassau-Weilburg 1890 vor allem der König der Niederlande aus dem Haus Oranien-Nassau, der zugleich Großherzog von Luxemburg war (cf. etwa die hiehergehörenden Komposita Kinneksdag, -dénger, -recht); der spaßhafte Ausruf Vive de Kinnak wird den germanophonen Belgiern der 1839 an Belgien gekommenen Provinz Luxemburg (Arlon) in den Mund gelegt und bezieht sich auf den König der Belgier (allerdings wird dort überall Kinnek, Kinnik gesprochen und der belg. König oft de Roi genannt: Vive de Roi); bei Umzügen skandierten früher die Studenten: Vive le roi!, dann leiser: dem K. séng Fra - huet e schielt A!; 2) im Pl. dräi Kinneker «die hl. drei Könige» — cf. die Komp. sub Dräikinneks- I/222; hierher das früher häufig neben Léiwer Härgottsblies-chen (s. Blies-chen I/122) gesungene (hd.) Heischelied: Hier kommt der kleine König, gebt (gibt) ihm nicht zu wenig, Laßt ihn nicht zu lange stehn, Denn er muß noch weitergehn, neuerdings in die Mundart eingelautet: Hei kënnt de klenge K. usw. — s. Kinneksguttnuecht; gelegtl. hört man die Einzahl: en helegen Dräikinnek; 3) beim Spiel: a) «König im Kartenspiel» — Häerzer-, Kräizer-, Raute-, Schëppekinnek; b) «der mittelste Kegel im Kegelspiel» — s. Käl, Keel; c) «die Königsfigur beim Schachspiel»; 4) von Tieren: a) «Maikäfer mit rotem Halsschild (Roßkastanienmaikäfer) oder von auffälliger Größe» (s. Käser II/321 und Kiewerlek); b) «Mutterbiene, Weisel» — dafür auch Kinnigin (s. d.); c) «Hummel» — auch: Beiekinnek (s. d. I/98); d) «große Hornisse mit braunen Leibringen» — auch: Runn, Ronsch; e) «einjähriger Salm» (Mosel u. Sauer) — hieher gehört die Ra.: sou frou (frëndlech) wéi (de) K. am Batzelach (Bounzelach — s. d. I/74) — s. auch Kinneksf(o)rell.

 

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