LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kinnek bis kir (Bd. 2, Sp. 361a bis 363a)
 
Kinnek Pl. Kinneken, Kinneker (diese alte, auf künning ^> künnink ^> künnick zurückgehende Form herrscht unbeschränkt in allen lux. Mundarten) M.: 1) «König» — Spw.: Näischt gläicht méi engem Mënsch ewéi e K. (ein König ist Mensch wie die andern) — Raa.: e freet (fillt) sech, en as frou (zefridde) wéi e K. (cf. auch sub 4/d) — hie lieft ewéi e K. (er lebt auf großem Fuß) — hie wëllt mat kengem K. tauschen — de Kinnek war seit dem Wiener Kongreß bis zum Regierungsantritt Adolfs von Nassau-Weilburg 1890 vor allem der König der Niederlande aus dem Haus Oranien-Nassau, der zugleich Großherzog von Luxemburg war (cf. etwa die hiehergehörenden Komposita Kinneksdag, -dénger, -recht); der spaßhafte Ausruf Vive de Kinnak wird den germanophonen Belgiern der 1839 an Belgien gekommenen Provinz Luxemburg (Arlon) in den Mund gelegt und bezieht sich auf den König der Belgier (allerdings wird dort überall Kinnek, Kinnik gesprochen und der belg. König oft de Roi genannt: Vive de Roi); bei Umzügen skandierten früher die Studenten: Vive le roi!, dann leiser: dem K. séng Fra - huet e schielt A!; 2) im Pl. dräi Kinneker «die hl. drei Könige» — cf. die Komp. sub Dräikinneks- I/222; hierher das früher häufig neben Léiwer Härgottsblies-chen (s. Blies-chen I/122) gesungene (hd.) Heischelied: Hier kommt der kleine König, gebt (gibt) ihm nicht zu wenig, Laßt ihn nicht zu lange stehn, Denn er muß noch weitergehn, neuerdings in die Mundart eingelautet: Hei kënnt de klenge K. usw. — s. Kinneksguttnuecht; gelegtl. hört man die Einzahl: en helegen Dräikinnek; 3) beim Spiel: a) «König im Kartenspiel» — Häerzer-, Kräizer-, Raute-, Schëppekinnek; b) «der mittelste Kegel im Kegelspiel» — s. Käl, Keel; c) «die Königsfigur beim Schachspiel»; 4) von Tieren: a) «Maikäfer mit rotem Halsschild (Roßkastanienmaikäfer) oder von auffälliger Größe» (s. Käser II/321 und Kiewerlek); b) «Mutterbiene, Weisel» — dafür auch Kinnigin (s. d.); c) «Hummel» — auch: Beiekinnek (s. d. I/98); d) «große Hornisse mit braunen Leibringen» — auch: Runn, Ronsch; e) «einjähriger Salm» (Mosel u. Sauer) — hieher gehört die Ra.: sou frou (frëndlech) wéi (de) K. am Batzelach (Bounzelach — s. d. I/74) — s. auch Kinneksf(o)rell.
 
kinneklech Adj.: «königlich» — neol.: Hir k. Altesse, d'Groussherzogin (d'Grande-Duchesse) — mir hun ons k. ameséiert.
 
Kinnekräich N.: «Königreich» — an nach nët fir e K. (ähnlich: fir eng Kinnekskroun — s. d.) — dat as mäi K. (mein Heim, meine Lieblingsbeschäftigung, mein Garten usw.).
 
Kinneks- -bam M.: 1) allgem.: «Baum in der Mitte eines Göpels»; 2) bes.: a) «Welle am großen Triebrad der Dreschmaschine»; [Bd. 2, S. 362] b) «Hauptwelle im Uhrgehäuse»; 3) «Baum im Kirchturm, der den Hahn trägt»; -beidel M.: 1) «Staatskasse»; 2) übtr.: «reich gespickte Börse» — en huet d'Hand am K. (er verfügt nach Belieben über Geld); -dag M.: 1) Wb 06: «Fest der hl. drei Könige» — meist Dräikinneksdag (s. d.); 2) = -gebuurtsdaag «Nationalfest gelegtl. des Geburtstags des Königs der Niederlande», dann: «des jeweiligen Herrschers» (bei der ältesten Generation gängig, heute noch gelegentlich Synonym von Groussherzoginsgebuurtsdag — II/86); etwa in dem bekannten Lied von Michel Lentz auf Ons Arméi (1892): Mir hu keng Batalliounen, an nëmmer dräi Kanounen. Zwou schéissen op de K., an hu kee Mënsch nach doutgemaach, Déi drëtt dervun déi rascht, Well s'as scho laang gebascht; -dénger M.: «Staatsbeamter» (zur Zeit der Personalunion mit den Niederlanden) — d'Beien dierf een nët stielen, 't si K.; -dësch M.: «Leibgericht» — Echt.: So'ubunnen mat Kënnbak, dee reenste K.; -villchen M.: «Zaunkönig» — dafür auch Dëm(m)-, Domm(en)déck, Dëmm-, Dommvillchen, Dommenéck, Hecken-, Zonkvillchen, am gängigsten Maiskinnek; -f(o)rell F.: «Sämling, junger Flußlachs» (seit 1850 in der lux. Fischersprache zu belegen). — Alphonse DE LA FONTAINE nennt in seinem Fischkatalog (1873) den jungen Flußlachs vor seiner Abwanderung Parr und den im Begriff der Abwanderung stehenden Smolt (cf. Këppert I); -gaass F.: «beim Kegelspiel die beiden Zwischenräume links und rechts von der mittleren Kegelreihe» — déi lénks, déi riets K.; anderswo: «der durch das Umspielen der mittleren Kegelreihe geschaffene breite Zwischenraum zwischen den stehengebliebenen linken und rechten Dammen» (die Zwischenräume zwischen Damen und Bauer heißen Säitegaassen); -gebuurtsdag M.: «Nationalfeiertag am Geburtstag des jeweiligen Herrschers» (s. -dag sub 2); -guttnuecht F.: «Fest der hl. drei Könige» — Folkl.: gegen 1880 bestand in der Stadt Luxemburg der Brauch, daß die Burschen in Dreiergruppen als die hl. drei Könige verkleidet am Abend des Festes die Straßen bettelnd durchzogen, das Umziehen dauerte oft die ganze Nacht; dabei wurde gesungen: Hei kommen dräi Kinneken aus Muergeland, Mat engem Stier aus Gotteshand, Alleluja, Alleluja! (spaßhaft zersungen: Deen hënneschten huet de Läpp verbrannt — MERSCH, Kinderreime S. 155) — s. auch Kinnek sub 2 und Dräikinneksguttnuecht I/222; -hais-chen N.: «Weiselzelle, Weiselkäfig» (Imkersprache); -kand N.: «königlicher Prinz, königliche Prinzessin»; -käerz F.: «Königskerze, Verbascum thapsiforne, Wollblume»; -kläd N.: «Waffenrock» (Wb 06 — cf. etwa -dénger); -kränkt F.: «Skrofeln» (die bei der Krönung durch Handauflegung geheilt werden sollen) — dafür auch: -maangel (s. Hellech(t)smaangel II/S. 147); -kroun F.: «Königskrone» — an nach nët fir eng K. (oder: dem Kinnek séng Kroun) — s. Kinnekräich; -land N.: «Königsgut» (gelegtl. Flurname, etwa bei Mamer); -recht N.: 1) «Recht des Königs»; 2) «das durch den König verbriefte Recht» — an esou steet et am K. an nët anescht; -son (Wb 06) M.: «Königssohn»; -spill N.: «Kinderspiel» (auch: Krich) — ein auf einem Hügel (Stein) stehendes Kind ist König, wer von den Mitspielern es herabzuziehen vermag und seine Stelle einnimmt, wird selbst König (Lux. Land V/1886, 552). -strääch M.: «beim Kegelspiel das Werfen des Kinnek mit den beiden hënnescht Dammen und der Hënnescht» — auch allg.: «Wurf auf den König» (bes. wo nicht op de Kranz gespillt gët).
 
Kinnigin, Kinnegin F.: 1) «Königin» — ähnl. Idiomatik wie Kinnek (s. d.) — et kënnt do wéi eng K.; 2) in neuerer religiöser Mundartdichtung «Muttergottes» (eigtl. Himmelskinnegin) — neben den älteren Léiffra und Muttergottes, und den anderen Neologismen Himmels-, Jesusmamm, Patréinesch, Tréischterin; 3) «Königin beim Schachspiel» — bisw. auch beim Kartenspiel, statt Damm.
 
Kinnett I F.: von Wb 06 als Synonym von Giisch(t) gemeldet (s. d. II/56); in der benachbarten Wallonei (Jemeppe, Seraing, Chokier, Les Awirs) bedeutet djouwer al kinaye 'jouer au bâtonnet', bezeichnet also unser Giisch-spielen — HAUST, Dict. Liég. 353 gibt dazu die Erklärung: La kinaye désigne proprement la palette composée d'un manche et d'une planchette [Bd. 2, S. 363] dont le bord est en biseau pour pouvoir ramasser la broke (d. h. die Giisch), le joueur crie kinî, son partenaire répond aussitôt kinaye, pour montrer qu'il est prêt à saisir la broke au vol.
 
Kinnett II N.: «Einschnitt in einen Berg, Durchlaß beim Straßenbau» (frz. cunette).
 
Kino M.: 1) «Lichtspieltheater» — mir gin haut an de K. — d'Land as voller Kinoën — 't as wéi am Kino (wenn es dunkel wird in einem Raum); 2) «Projektionsapparat» — ech kréien e K. vum Niklees-chen; 3) «Filmvorführung» — um wivill Auer geet de K. un? — de K. as aus — spaßh., beim Anblick eines schäkernden Pärchens: 't as wéi am K., mir hun hei K. fir näischt— in allen Bedeutungen auch Zinëma, Zinima (frz. cinéma).
 
Kinsickerhaff ON.: Gehöft südwestl. von Rippig (Gem. Bech) — lok. auch Kinséckerhaff; cf. Kichen sub 1 (schwaarz Kichen).
 
Kiosk M.: «Musik-, Zeitungskiosk». Lok. dafür bisw.: Kiost.
 
Kipp I F., Pl. Këpp: «Küpe, Färberbottich» — Echt.: den Innich (Indigo) gouf an d'Këpp gezaapt an dack mat Menerpiss gemëscht.
 
Kipp II M., auch Kipp-, Këppeisen: «Instrument des Küfers zum Einsetzen der Faßböden».
 
Kipp III F.: «Vorrichtung zum Kippen, Ausladevorrichtung» (s. d. folg.).
 
kippen Verb.: A. trans.: 1) «umlegen und ausleeren» — kipp den Emer an d'Faass; 2) «hastig trinken» — du huet en nach séier en Humpe gekippt; B. intr.: 1) «umfallen (und dabei seinen Inhalt ausleeren)» — de Won as (ëm)gekippt; 2) von Menschen: «einen Fehltritt tun (und fallen)» — ech si mam Fouss gekippt (ëmgeschloen); 3) übtr.: «eine Frühoder Fehlgeburt machen» — auch: ëmkippen, eng Butsch (Fausse couche) maachen; in den Bed. A und B 1 auch tippen.
 
Kipper I, Kripper M. bisw. statt Këpper(t), Krëpper(t) «männlicher Salm» (s. Këppert).
 
Kipper(t) II (Echt. — selten) M.: «Mogler, Fälscher» (beim Spiel).
 
kir I Adj.: s. kéier (Rhein. Wb. IV, 1758 kür).
 
kir II Adj.: «kirre, zahm, zu Diensten» (Rhein. Wb. IV, 550 kirre — nur im Ripuarischen u. Südniederfrk. belegt) — Echt.: äich weerd hee schuns k. kréien (hd. beeinflußte Ra)., einheimisch dafür: gedam (II/21).

 

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