LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kitschelchen bis klabasteren (Bd. 2, Sp. 364a bis 366a)
 
Kitschelchen (ammensprachl. Kitschi) F.: Dim. zu Kutsch — bes.: 1) «Kinderwägelchen»; 2) meist: «Puppenwagen» — knapps hat et eng Popp, du huet et och eng K. misse kréien; 3) «Wagen für körperlich Behinderte».
 
Kitsch(e)ner M.: «Kutscher» — e jonge K. en alen Heeschemann — en ale K. (auch Fouermann) héiert ëmmer nach gären d'Gäissel klaken — hal K., d'Päerd wëllt knollen, schäissen (höre auf zu reden, ich möchte auch mal zu Wort kommen).
 
Kitt M.: «Kitt» — so Wb 06, heute nur Mastick (Ton 1 oder 2): dazu bei Wb 06 auch: kitten trans. Verb.: «verkitten».
 
kitt, älter quäit (kitt = frz. quitte; quäit direkt aus mlat. quîtus ^< quietus entwickelt) präd. Adj.: 1) «los, entledigt, frei» — elo si mer ës k. (jetzt sind wir es los, meist aufatmend) — en as k. komm (wurde freigesprochen) — wann der alles héiert an alles gesitt, sid der geschwënn ärer Éier k. oder: wien alles héiert an alles gesäit, as geschwë sénger Éier quäit (weil er das Gehörte oder Gesehene allzu leicht unter die Leute bringt); 2) «ausgeglichen, wett» — mer si k. (wir haben unsere gegenseitigen Verpflichtungen erfüllt; wir haben jeder soviel gewonnen wie der andere) — an domat k. (und damit genug) — en huet sech k. gespillt (er hat sich gleichgespielt, seine Verlustpunkte aufgeholt) — ech si k. bliwwen (meine Gewinne gleichen die Verluste aus) — quäit oder nach eng Kéier esou wäit (frz. quitte ou double).
 
Quittance (Ton: 1) F.: 1) «Quittung» — looss der eng Q. gin, well deem as nët ze trauen — übtr.: dat war d'Q., do hues de d'Q. (das ist die Vergeltung, Rache) — dafür ans Hd. angelehnt auch: Quittung, älter Quäiténg, Osten Quäitigen; 2) spaßh. übtr.: «Menschenkot, Tierexkrement» — hei huel däi Knäschtchen (kleiner Schmutzfink) erëm, en huet eis éng Q. um Tapis gelooss.
 
Kitt(chen) I M.: 1) «kleine Kupfermünze, Deut» — duebel Kitt (zwei Sous, wofür im Weimerskircher Jenischen: zwëss Kitt; dazu im Ablaut jenisch Katt M./F. 'Mark' und Kattchen M. 'Franken'); 2) «geringe Quantität» — bei Maßangaben adverbialer Art: e Kittchen ze laang, ze kuurz — schaff nach e Kittchen (ein bißchen).
 
Kittchen II M.: 1) «Häuschen»; 2) «Polizeigewahrsam, Gefängnis» — e kënnt an de K. — e sëtzt am K. — e kritt dräi Méint K. — spaßh. dafür auch: Duckes — stärkere Synonyma: Prisong, Zuuchthaus; 3) «kleines Rollbett für Kinder, die der Wiege entwachsen sind» — wann d'Kanner der Wéi entwuess waren, da sin s'an e K. komm, deem am Do ënnert den Elteren hiirt Bett gestouss gin as — Kanner, déi nët gefollegt hun, sin och am Do an de K. komm, deen da mat hinen ënner d'Bett gestouss gouf.
 
kittéieren trans. Verb.: 1) «aus den Händen geben, allein lassen» (frz. quitter) — den Hond kittéiert mech nët; 2) bisw. statt acquittéieren «eine Quittung ausstellen».
 
Kitz I F. ostlux. phV. zu Kéiz (s. d.).
 
Kitz II (Jägersprache) N./F.: «Rehjunges, weibl. Reh» — gewöhnlich Zéck(el), Réigääss — s. auch Kiz I und II.
 
Kitzebuer ON.: Hof in der Gem. Medernach, Kant. Diekirch.
 
Kitzel, meist im Pl. Kitzelen (Monnerich) F.: «Herbstzeitlose» (Blätter mit Samenkapseln im Frühjahr).
 
Qui-vive (wie frz.) M.: «Lauer, Hut, Wache» — in der Raa.: ech war de ganzen Dag um Q. — bleif um Q. — auch kurz gespr.: um Kiwiff; bisw. auch F.: e läit op der Q.
 
Kiw(w)el I M.: 1) «Kübel, größeres Gefäß (oft mit gerader, aufragender Daube als Handhabe)» — Grundwort in zum Teil übtr. Zussetz., etwa: Dreckskiwwel M.: a) «Dreckbehälter»; b) übtr.: «schmutziger Mensch» (auch: Schmotzkiwwel — körperlich oder moralisch); Motzkiwwel M.: «Schmoller(in), mürrischer Mensch»; in lokalen Heischeliedern heißt es: Hei kommen déi . . . er Jongen, Si kommen hier gesprongen, Si sprangen an de K., Dem K. geet de Buedem aus, D'Fräche leeft d'Duerf aus . . . usw.; 2) «Leerbecher, Leerschaufel mit hohen Seitenwänden (Schauten)»; 3) spaßh.: «steifer, hoher Hut» — Nach [Bd. 2, S. 365] FRINGS, Germania Romana 149 ist Kiw(w)el ein mit der jüngeren Weinkultur aus Oberitalien oder aus der Provence eingezogenes romanisches Lehnwort.
 
Kiwwelschaut F.: «hohle Radschaufel (am Wasserrad, am Kiesbagger)» — cf. auch Kiw(w)el I sub 2.
 
Kiw(w)el II M.: 1) «Kiefer, Kinnbacken» (bei Mensch und Tier) — das Mittelhochdeutsche kennt neben kiver auch kivel(e), kiuwel 'Kiefer'; ech rennen em d'Fauscht ënnert de K., wann en de Mond nach eng Kéier opdeet — Echt.: maach däich deiner Wee, soss kréis d'än wider de Kiwel; 2) «Schwellung im Bereich des Unterkiefers» (bei Zahnerkrankungen) — wat hues d'e K. am Gesiicht, looss der dach den Zant rappen (cf. Kiwwelsteen); 3) «Hals»; 4) «Doppelkinn, Auswuchs am Hals»; 5) «Klumpen» — en huet e ganze K. Brout beieneen an de Mond gestach (ein dickes Stück Brot).
 
Kiwwelsteen M.: «Zahn» — in den Kinderreimen: Paternoster Kiwelsteen, zéi mech mat de viischte Been, Zéi mech an e Maislach, Kikeriki ech liewen nach (oder: wërf mech an e Maislach, Papp a Mamm lei sin ech nach) — statt Kiwwelsteen heißt es auch: Zwiwwelsteen, Quéckelsteen, MERSCH, Kinderreime S. 40 überliefert noch die Varianten: Paternoster Zwiwelsteen, Huel mech mat dem lénke Been und: Paternoster Quéckelsteen, Méng Mouder hëlt mech op e Been, Se wërft mech an e Maislach, Quik quak ech liewen nach; den ausgefallenen oder ausgerissenen Zahn (Mëllechzant) legte die Mutter in ein Mäuseloch, damit der neue Zahn nachwachse.
 
Kiwwel III M.: «Kegel» in der Ra.: mat Kand a K. (mit Kind und Kegel).
 
Kiw(w)elbam M.: «gewöhnliche Kiefer, Föhre» — bisw. dafür auch wëllen Dännebam und Gäifer (zu II/15 nachzutragen); die Namen Kiw(w)elund Gäifer sind Annäherungen des hochsprachlichen 'Kiefer' (= Kienföhre) an Mundartwörter. — Von der Harzabsonderung hat die Föhre auch den anderen mundartl. Namen katzeg (mißverstanden fatzeg) Dänn (II/301).
 
Kiw(w)itsch, Kiw(w)itz, Kiw(w)ek M.: «gehäubter Kiebitz, Vanellus vanellus» — dafür auch Piw(w)itsch, Piw(w)ek; über die Palatilisierung des -k zu -tsch cf. BRUCH, Grundlegung III/12 S. 37 ff., zur Weiterführung des -tsch bis zur Affrikata -tz cf. Deutsche Wortforschung in europäischen Bezügen I, 280 (Kurt REIN).
 
Kiz I M.: «Edelhirsch» (Wb 06) — s. Kitz II.
 
Kiz II, Kiizchen F., Kizel, Kizekallef (-källefchen) N.: 1) «Färsenkalb»; 2) Kosename für «Kälbchen» — Rhein. Wb. IV, 557: Kis «Lockruf, Kosename für Kalb, Kuh, Schwein», ähnlich Rhein. Wb. IV, 1776: Kus, Küs; dazu: MARIA PTATSCHEK, Lamm u. Kalb, Bezeichnungen weiblicher Jungtiere in deutscher Wortgeographie 1957, S. 20 ff. (cf. die ähnliche lux. Bildung Giss II/59 und Kitz II).
 
Kizebann ON.: Häusergruppe zwischen Christnach und Savelborn (Wb 06 — cf. das benachbarte Kitzebuer).
 
klaatsch Interj.: «klatsch» (lautmalend zur Bedeutungssippe «schallen») — klaatsch, du hat en eng sëtzen (klatsch, da hatte er eine Ohrfeige bekommen) — s. auch klätsch.
 
Klaatsch F.: onomatopoetische Bildung zum Vorigen (oder postverbal zu klaatschen — s. d.) «(Resultat einer) Handlung, die ein klatschendes Geräusch erzeugt», etwa: 1) «eine Hand oder zwei Hände voll Lehm, Mörtel, Teig»; 2) «mißratenes Gebäck»; 3) persönlich: «Klatschbase» — in dieser Bed. dafür auch überall Klap, Klabei, in Echt. Kleetsch — cf. auch die suffigierte Bildung Klaatschesch; häufig mit dem entspr. Vornamen zusammengesetzt: s. Klaatschmrei; 4) Schülerspr.: «Mitschülerin, die der Lehrerin die Vergehen der anderen mitteilt» (s. das M. dazu sub Klaatschert); 5) übtr.: «große Rechnung, Ausgabe» — si hun nach beim Epicier eng K. ze bezuelen — in dieser Bed. lok. auch Klätsch.
 
Klaatsch M.: «Gerede, Geschwätz, Stadt-, Dorfklatsch» — dee weess och all K. — ech hun dee ganze K. ewell sat.
 
klaatscheg Adj.: 1) «klatschend, schallend» — eng k. Ouerfei (in dieser Bed. auch klakeg — s. d.); 2) «geschwätzig, mitteilsam»; 3) «zum Verpetzen neigend».
 
klaatschen intr. Verb.: 1) «klatschen, schallen» (in ursprünglich schallnachahmender Bedeutung — cf. auch klaken, klätschen) — auch trans.: en huet em de wäisse Kéis riicht an d'Gesiicht geklaatscht (meist dafür: geklaakt); 2) «über persönliche Angelegenheiten eines andern reden, Redereien weitertragen» — auch trans.: ech hun em alles duergeklaatscht, wat ech wosst; 3) Schülerspr.: «petzen» [Bd. 2, S. 366] — pass op, dat as een, dee klaatscht; dazu die Abl.: Geklaatsch(s) N.
 
Klaatschebäcker M.: «Teigverderber» (zu Klaatsch sub 1 und 2).
 
Klaatschert M., Klaatschesch F.: 1) «jem., der gerne über persönliche Angelegenheiten eines anderen berichtet»; 2) «jem., der (in der Schule) zum Petzen neigt».
 
Klaatschmrei F.: = Klaatsch sub 3 und Klaatschesch sub 1.
 
klabasteren intr. Verb.: 1) «klappen» (burschikos) — et klabastert nët (es klappt nicht); 2) spaßh.: «auf der Maschine schreiben» (bez. vor allem das Geräusch dabei).

 

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