LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Kiz bis Klacke(n)-, klacke(n)- (Bd. 2, Sp. 365b bis 368a)
 
Kiz II, Kiizchen F., Kizel, Kizekallef (-källefchen) N.: 1) «Färsenkalb»; 2) Kosename für «Kälbchen» — Rhein. Wb. IV, 557: Kis «Lockruf, Kosename für Kalb, Kuh, Schwein», ähnlich Rhein. Wb. IV, 1776: Kus, Küs; dazu: MARIA PTATSCHEK, Lamm u. Kalb, Bezeichnungen weiblicher Jungtiere in deutscher Wortgeographie 1957, S. 20 ff. (cf. die ähnliche lux. Bildung Giss II/59 und Kitz II).
 
Kizebann ON.: Häusergruppe zwischen Christnach und Savelborn (Wb 06 — cf. das benachbarte Kitzebuer).
 
klaatsch Interj.: «klatsch» (lautmalend zur Bedeutungssippe «schallen») — klaatsch, du hat en eng sëtzen (klatsch, da hatte er eine Ohrfeige bekommen) — s. auch klätsch.
 
Klaatsch F.: onomatopoetische Bildung zum Vorigen (oder postverbal zu klaatschen — s. d.) «(Resultat einer) Handlung, die ein klatschendes Geräusch erzeugt», etwa: 1) «eine Hand oder zwei Hände voll Lehm, Mörtel, Teig»; 2) «mißratenes Gebäck»; 3) persönlich: «Klatschbase» — in dieser Bed. dafür auch überall Klap, Klabei, in Echt. Kleetsch — cf. auch die suffigierte Bildung Klaatschesch; häufig mit dem entspr. Vornamen zusammengesetzt: s. Klaatschmrei; 4) Schülerspr.: «Mitschülerin, die der Lehrerin die Vergehen der anderen mitteilt» (s. das M. dazu sub Klaatschert); 5) übtr.: «große Rechnung, Ausgabe» — si hun nach beim Epicier eng K. ze bezuelen — in dieser Bed. lok. auch Klätsch.
 
Klaatsch M.: «Gerede, Geschwätz, Stadt-, Dorfklatsch» — dee weess och all K. — ech hun dee ganze K. ewell sat.
 
klaatscheg Adj.: 1) «klatschend, schallend» — eng k. Ouerfei (in dieser Bed. auch klakeg — s. d.); 2) «geschwätzig, mitteilsam»; 3) «zum Verpetzen neigend».
 
klaatschen intr. Verb.: 1) «klatschen, schallen» (in ursprünglich schallnachahmender Bedeutung — cf. auch klaken, klätschen) — auch trans.: en huet em de wäisse Kéis riicht an d'Gesiicht geklaatscht (meist dafür: geklaakt); 2) «über persönliche Angelegenheiten eines andern reden, Redereien weitertragen» — auch trans.: ech hun em alles duergeklaatscht, wat ech wosst; 3) Schülerspr.: «petzen» [Bd. 2, S. 366] — pass op, dat as een, dee klaatscht; dazu die Abl.: Geklaatsch(s) N.
 
Klaatschebäcker M.: «Teigverderber» (zu Klaatsch sub 1 und 2).
 
Klaatschert M., Klaatschesch F.: 1) «jem., der gerne über persönliche Angelegenheiten eines anderen berichtet»; 2) «jem., der (in der Schule) zum Petzen neigt».
 
Klaatschmrei F.: = Klaatsch sub 3 und Klaatschesch sub 1.
 
klabasteren intr. Verb.: 1) «klappen» (burschikos) — et klabastert nët (es klappt nicht); 2) spaßh.: «auf der Maschine schreiben» (bez. vor allem das Geräusch dabei).
 
Klabauter-, Klabot(t)termännchen M.: 1) lok. Mosel (Ehnen): «Wassergeist»; 2) scherzh. übtr.: «unruhiges, zur Schadenstiftung neigendes Kind» (cf. auch Klabo u. folg.).
 
Klabber I F.: 1) «Klapper», und zwar bes. die von den Schuljungen (mancherorts nur den Meßdienern) in der Karwoche benutzte Klapper verschiedener Gestalt (s. Klibber), wenn sie den Läutedienst verrichten anstelle der am Gründonnerstag nach dem Gloria verstummten Glocken (s. Klack) — HESS, Volksk. 257: Drei verschiedene Systeme dieser Holzklappern sind im Gebrauch: die eigentliche Kléck, Klabber, Klibber, Kli(pp)- klabber, ein Holzstiel, an dessen äußerstem Ende ein Holzhammer pendelt, der bei der geringsten Bewegung auf ein rund abgeschnittenes Brettpaar aufschlägt und einen fast freudigen, hellen Aufschlag gibt (die ganz schrillen heißen auch Fräsch, Heesprénger, Laiskléck). Die Garren, Jharren, Gärren, Jhärren (II/10 u. 232) lok. auch Briederjännëssen, Schieren, lassen ein gespanntes Brett oder eine Reihe von kleinen Hämmern über ein hölzernes Kammrad rutschen, was viel Lärm macht, aber in niederer Tonlage. Die Drummel (I/232) oder Rubbel besteht aus einer Holzwelle, die beim Drehen der Kurbel vermittels ihrer Pflöcke die Holzhämmer spannt und entspannt und ein Getöse verursacht, das durch den Einbau des Instrumentes in einen Holzkasten verstärkt wird. Der Dorfschreiner baut noch heute dieser Werkzeuge viel, da der Brauch überall (selbst in der Stadt) sehr lebendig geblieben ist. — Eine meterhohe Holzklapper steht im Turm der Dekanatskirche in Körich und wird auf die hochgelegene Kirchhofsmauer gestellt, wenn an den Kartagen zum Gottesdienst gerufen werden soll; 2) «Mundwerk» — 't huet eng gutt K. — nun hal emol eng Kéier d'K.; 3) «Klatschbase».
 
Klabber II, Kläbber (meist im Pl. Klabberen, Kläbberen) F.: lok. Bez. des Ostrandes (Mosel) für die wilde, weiße Erdbeere — cf. Aäärdbier I/52.
 
Klabberbrach F. (ostlux.): «Erdbeerbowle».
 
klabbereg Adj.: 1) «klappernd» — eng k. Kar; 2) «geschwätzig» — k. wéi eng Hueffra (geschwätzig wie die Hofbesitzerin, die isoliert lebt und deshalb auf Neuigkeiten und Gespräch erpicht ist); 3) übtr.: «bange» — 't gouf him k. bei (an) der Box (es wurde ihm heillos bange).
 
klabberen intr. Verb.: 1) «klappern» — se hu mat den Zänn geklabbert vu Keelt, vun Aangscht — Woumat soll ech da k. beim leschte Geriicht, sot de Pätter, ech hu keng Zänn méi; 2) «in der Karwoche den Läutedienst versehen» (s. Klabber sub 1 u. klibberen) — HESS, Volkskunde S. 258: Vor jedem Gottesdienst ziehen die Kinder dreimal um das Dorf, gleicherweise, wie es dreimal zum Gottesdienst läutet. Ihr Klabberen begleiten sie mit den Rufen: d'Klack (oder einfach 't) laut (fir) d'éischt, d'zweet, af (of) oder d'drëtt, unter mutwilliger Beigabe eines Verses, der in verschiedensten Varianten von Dorf zu Dorf abwechselt (und oft nur in der lokalen Lautung reimt), z. B.: auf éischt — wie nët frou as (eiser Härgott, de Péiter Méchel,) gët getréischt, südlich der Hauptstadt (etwa an der Mosel), wo -st in jeder Stellung zu -scht wird kann es heißen: de Mëller gët gebéischt (gebüßt) oder wien nët goë kann dee gët erléischt, im Südwesten (Erzbecken), wo -ch- und -sch- in einem Zwischenlaut zusammenfallen, heißt es: de Mëller gët gehéicht (oder: sëtzt om Héischt «Hengst»); auf zweet — deen nët goë kann (eiser Härgott, de Péiter Méchel) gët geleet oder de Mëller gët gekleet (verkleet — oft genügt es mit einer Assonanz: gebeetscht); statt af (of «ab») heißt auch gelegtl. ze Haf (II/101) — deen nët goë kann, dee laf, oder eiser Härgott (de Péiter Méchel) läit am Graf, oder wien nët héiert, deen as daf, oder de Mëller sëtzt am Schaf (im Schrank); statt (fir) d'drëtt heißt es auch fir d'lescht (zuletzt) — de Mëller gët gemäscht (gemästet); spaßh. wird gelegtl. noch hinzugefügt: 't laut fir d'véiert — de Mëller as krepéiert. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch [Bd. 2, S. 367] Erinnerungen an die untergegangene romanische Ortsmundart wach waren, riefen die Rodinger Kinder: hé, premi coué — hé, dauséng coué — hé, daréng coué (premier, deuxième, troisième coup). — Lok. Var. des Klabberbrauchtums s. Jaudes II/225; 3) «viel sprechen» — si geet de ganzen Dag doeruechter k. (Klatsch verbreiten) — zu allen Bed. die Abl. Geklabbers N.: hal dach eemol op mat deem G. (Geklapper) — sénges Geklabbers (Gerede) gët ee geschwë midd.
 
Klabber-, klabber- -dir Adj.: 1) «klapperdürr» — auch: rabbeldir; 2) «sehr mager»; -dir F.: «im Windzug klappernde Türe» — déi K. huet mech d'ganz Nuecht nët schlofe loosst; -holz N.: «Holz der Holunderstaude» (aus dem Schießrohre geschnitzt wurden — s. Klabis); -kraut N.: «Ackerglitscher, Rhinantus maior»; -mailchen F.: «geschwätziges Kind»; -stän, -steen M.: «Hagelstein» (Ostrand, etwa Vianden, Grevenmacher); dafür auch: Klappe(l)-, Knappe(l)-, Klëppel-, Knëppelstän; -zuel F.: «umständliches, unnützes Gerede» — féier keng K. — maach keng K. draus — maach keng K. a bezuel — s. Abberzuel I/11; dafür auch: Labberzuel.
 
Klabei (Ton: 2 — lok. Ostrand auch Glabei) F.: 1) «müßige(r) Schwätzer(in)», ähnlich: Klabott, Klaboz (s. d.); 2) «dummes Gespräch» — kritt déi K. da keen Enn? — cf. Klap.
 
Klabis F. (Mosel M., Nösl. Klabes): 1) «Knallbüchse, altes Gewehr»; 2) «Holunderbüchse» (von den Buben selbst gefertigte Knallbüchse) — der Ursprung des Wortes (Klak- + Biiss «Büchse» I/111; cf. ndl. klakke-, klakbus) ist dem Mundartsprecher kaum noch bewußt (im Nösl. in der Bed. 2 dafür Poufert); 3) neuerdings als M. in der Soldatenspr.: «Gewehr schlechthin» — s. Klak.
 
Klabissenholz N.: «Holunderholz» — ähnlich: Klabberholz.
 
Klabitsch F. = lok. Spielform zu Clabaude (s. d.).
 
Clabaud, Klabo (wie frz., aber Ton: 1) M.: 1) «Kläffer» (Hund, der ohne Grund bellt); 2) übtr.: «Tölpel»; 3) «Rüpel, ungeschliffener Mensch» — cf. Flabbo I/384, Flantes I/385, Flappert, Flappes I/386.
 
Clabaude, Klabott, Klabootsch (Ton: 2) F.: «Klatschweib, Schwätzerin».
 
klabootschen, klabotten, klabozen intr. Verb.: 1) «kläffen, unnütz bellen»; 2) «eitel schwatzen, allzu laut reden»; 3) «Gerede verbreiten».
 
klabozeg (Ton: 1) Adj.: «frech dreinredend» (bes. bei einer Sache, die einen nichts angeht).
 
Klack I (Ostrand Klook, Kloak, Gloak — entsprechend Ltb. 33) Pl. Klacken, Dim. Kläckelchen F.: 1) «Glocke» (vor allem des Kirchturms) — déi grouss, déck, déi kleng K. — in Stadtlux. heißt die Hauptglocke Bourdon (s. d.) — in Holtz heißt die kleinste Tellerchen — Muerges, Mëttes,- Owes-, Nuets-, Biet-, Brand-, Schoul-, Lompe-, Stierfklack, in Echt. Feientskloak — d'Klacke lauden (ze Haf), drummen oder beieren, pénken, tampen (s. diese Wörter) — d'Klacke versti sech, si schwätze mateneen. — Spww.: Deen nëmmen eng K. héiert, deen héiert (kennt) nëmmen ee Schall — ähnlich: 't muss een och déi aner K. héieren (man soll alle Meinungen berücksichtigen) — 't kann een nët zegläich d'Klacke lauden a mat de Kräizer gon, oder: Dien d'K. lott, kann nit mat de Kräizer (mat der Prëzëssioun, mat der Por) gouen (man kann nicht alles zugleich tun); Raa: en huet eng K. (eng Kläckelche) lauden héieren (er hat ein Gerücht, bes. über bevorstehende Ereignisse gehört) — hien héiert all Klacken am Omkräz lauden (er ist über alle Ereignisse unterrichtet) — ech haën déch, dass d'all Klacken am Ëmkrees lauden héiers — bei ënneschtem Wand héiere mer d'Klacke vun Izeg, daher: d'Izeger (je nach der Lage) Klacke lauden, 't gët Reen — (ëmmer, all Kéier) wann déi déck K. laut, da kënnt en heem (an jedem Festtag kommt er ins Elternhaus) — hien hänkt ëmmer alles gläich un d'grouss (déck) K. (er ist nicht verschwiegen) — déi K. kennen ech (hun ech schon emol héieren — ich kenne diese Meinung) — da's eng aner K. oder déi richteg K. (das ist eine andere Meinung, Stellungnahme); Kinderreim: Bim, bam, Biren, d'Klacke lauden zu Schieren (Bim, bam, buelen, d'Klacke lauden zu Duelem), wie gët begruewen? oder: wien as gestuerwen? usw. (s. MERSCH, Kinderreime S. 28 ff.). Folklor: Am Gründonnerstag, nach dem Gloria verstummen die Glocken bis zum Karsamstag, d'Klacke sin op Roum beichten (die Glocken sind ihre Osterbeichte nach Rom halten), kleinere Kinder fragt man daher zuweilen: hues de d'Klacken nët gesi [Bd. 2, S. 368] laanschtfléien? — anderswo heißt es auch: d'Klacke sin an den Himmel, do kréie se Mëllechbréidercher — nun versehen die Buben (Meßdiener) den Läutedienst (s. Klabber, klabberen), ihr Lohn besteht in Eiern und Geldstücken, die am Karsamstag von Haus zuHaus eingesammelt werden. — Glockengeläute vertreibt das Gewitter (wovon Inschriften an alten Glocken, etwa Rindschleiden 1484, zeugen); 2) «Glockenuhr» — d'K. schléit véier Auer; 3) Glocke als Hauszeichen, etwa: d'gëlle K. (altes Haus auf dem Fischmarkt in Luxemburg; Gaststätte an der Straße Luxbg.-Bettemburg); 4) in Vergleichen, als Sinnbild des «Ganzen, Fehlerlosen, restlos Geglückten» — 't as gaange wéi eng K. (ähnlich: wéi gelaut) — dat do steet ewéi eng K. (stabile Konstruktion) — hien huet et fäerdegbruecht ewéi eng K. — cf. auch klackeganz; übtr.: da's eng aner K.! (jetzt sieht die Sache bereits ganz anders aus!); 5) übtr. in der Ra.: hie laut de Schwäin hir K. oder d'Sauklack (er führt zotige Gespräche).
 
Klacke(n)-, klacke(n)-

 

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