LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Klack bis klak (Bd. 2, Sp. 367b bis 369a)
 
Klack I (Ostrand Klook, Kloak, Gloak — entsprechend Ltb. 33) Pl. Klacken, Dim. Kläckelchen F.: 1) «Glocke» (vor allem des Kirchturms) — déi grouss, déck, déi kleng K. — in Stadtlux. heißt die Hauptglocke Bourdon (s. d.) — in Holtz heißt die kleinste Tellerchen — Muerges, Mëttes,- Owes-, Nuets-, Biet-, Brand-, Schoul-, Lompe-, Stierfklack, in Echt. Feientskloak — d'Klacke lauden (ze Haf), drummen oder beieren, pénken, tampen (s. diese Wörter) — d'Klacke versti sech, si schwätze mateneen. — Spww.: Deen nëmmen eng K. héiert, deen héiert (kennt) nëmmen ee Schall — ähnlich: 't muss een och déi aner K. héieren (man soll alle Meinungen berücksichtigen) — 't kann een nët zegläich d'Klacke lauden a mat de Kräizer gon, oder: Dien d'K. lott, kann nit mat de Kräizer (mat der Prëzëssioun, mat der Por) gouen (man kann nicht alles zugleich tun); Raa: en huet eng K. (eng Kläckelche) lauden héieren (er hat ein Gerücht, bes. über bevorstehende Ereignisse gehört) — hien héiert all Klacken am Omkräz lauden (er ist über alle Ereignisse unterrichtet) — ech haën déch, dass d'all Klacken am Ëmkrees lauden héiers — bei ënneschtem Wand héiere mer d'Klacke vun Izeg, daher: d'Izeger (je nach der Lage) Klacke lauden, 't gët Reen — (ëmmer, all Kéier) wann déi déck K. laut, da kënnt en heem (an jedem Festtag kommt er ins Elternhaus) — hien hänkt ëmmer alles gläich un d'grouss (déck) K. (er ist nicht verschwiegen) — déi K. kennen ech (hun ech schon emol héieren — ich kenne diese Meinung) — da's eng aner K. oder déi richteg K. (das ist eine andere Meinung, Stellungnahme); Kinderreim: Bim, bam, Biren, d'Klacke lauden zu Schieren (Bim, bam, buelen, d'Klacke lauden zu Duelem), wie gët begruewen? oder: wien as gestuerwen? usw. (s. MERSCH, Kinderreime S. 28 ff.). Folklor: Am Gründonnerstag, nach dem Gloria verstummen die Glocken bis zum Karsamstag, d'Klacke sin op Roum beichten (die Glocken sind ihre Osterbeichte nach Rom halten), kleinere Kinder fragt man daher zuweilen: hues de d'Klacken nët gesi [Bd. 2, S. 368] laanschtfléien? — anderswo heißt es auch: d'Klacke sin an den Himmel, do kréie se Mëllechbréidercher — nun versehen die Buben (Meßdiener) den Läutedienst (s. Klabber, klabberen), ihr Lohn besteht in Eiern und Geldstücken, die am Karsamstag von Haus zuHaus eingesammelt werden. — Glockengeläute vertreibt das Gewitter (wovon Inschriften an alten Glocken, etwa Rindschleiden 1484, zeugen); 2) «Glockenuhr» — d'K. schléit véier Auer; 3) Glocke als Hauszeichen, etwa: d'gëlle K. (altes Haus auf dem Fischmarkt in Luxemburg; Gaststätte an der Straße Luxbg.-Bettemburg); 4) in Vergleichen, als Sinnbild des «Ganzen, Fehlerlosen, restlos Geglückten» — 't as gaange wéi eng K. (ähnlich: wéi gelaut) — dat do steet ewéi eng K. (stabile Konstruktion) — hien huet et fäerdegbruecht ewéi eng K. — cf. auch klackeganz; übtr.: da's eng aner K.! (jetzt sieht die Sache bereits ganz anders aus!); 5) übtr. in der Ra.: hie laut de Schwäin hir K. oder d'Sauklack (er führt zotige Gespräche).
 
Klacke(n)-, klacke(n)- -blumm F.: «glockenförmige Blumen», etwa: 1) «Akelei, Aquilegia vulgaris» — auch: Goldwuurzel; 2) alle Arten von «Campanula»; -fest Adj.: «stabil, unbeweglich»; -ganz Adj.: «heil, unversehrt»; -géisser M.: «Glockengießer»; -haus N.: 1) «Stelle im Kirchturm, wo die Glockenstränge herunterhängen» — oft nur als Dim. -hais-chen (bisw. auch ein Raum hinter dem Kirchenportal, tief unter dem Glockenturm); 2) übtr.: «Stelle im tiefen Wasser, wo der Sage nach zur Revolutionszeit die Glocken versenkt wurden» (auch in dieser Bed. Dim. vorgezogen). — Spaßh. Metapher zur Bez. lauen Kirchgangs: e steet ëmmer am K. (geht bei der Messe nicht ins Innere der Kirche — zur Bed. 1). -hummer M.: «Glockenschlägel»; -jhang M.: häufiger dörflicher Name für den Glockenläuter, Küster; -laudert M.: «Glockenläuter» (cf. d. vor.); -mantel M.: «Hülle der Glocke, beim Guß» (der äußere Teil der Form); -schall M.: «Glockenklang»; -schwengel M.: «Glockenschwengel»; -säl, -seel N.: 1) «Glockenstrang» — hien hänkt um K. (er steht mit dem Klerus auf vertraulichem Fuße); 2) «aus der Nase herausbaumelnder Nasenschleim» (bei Kindern) — hien huet Klackeseler (eraushänken); in dieser Bed. dafür auch Klénk (sub 2) oder spaßh. Hénkel (sub 3). -speis F.: 1) «Glockenmetall» — in Vergleichen: si halen zesummen, dat as fest ewéi K.; 2) folklor.: Umgang der Schuljugend am Vorabend von Allerheiligen, wobei die Dorfbewohner um Geld oder Stroh gebeten werden (K., K., wien näischt gët, dien as nët weis — Rümelingen) — anderswo, z. B. in Esch-Alzette (HESS, Volkskunde S. 275) wurde den Kindern nach dem Allerheiligengottesdienst von Verwandten und Bekannten eine 'Glockenspeise' gereicht, bestehend in Äpfeln, Nüssen, Dörrobst, oder: Belohnung für die Knaben, die an einem Feiertag die Glocken geläutet haben, anderswo vorzugsweise an Meßdiener und Chorjungen; in Düdelingen hatten die Kinder das Recht, alles Obst, das Allerheiligen noch am Baum hing, für sich zu beanspruchen; mancherorts spendeten die Mädchen am Vorabend von Allerseelen den Burschen, die sie bei der Kiirmes zum Tanz geführt hatten, Äpfel, Nüsse und Dörrobst (cf. Luxemburger Land 1883, 65). -spill N.: «Glockenspiel» — dafür auch: Carillon (Ton: 1); -stofft M.: «Glockenmetall» — in Vergleichen bedeutet wéi K. «wohl durcheinandergemengt» oder «rein» — cf. auch -speis; -stull M.: «der Teil des Kirchturms, in dem die Glocken hängen»; -tur M.: «Glockenturm».
 
Klack II F.: «Schmutzleiste an Kleidungsstücken» — häufiger: Kléck, lok. Kladder, Schlieder.
 
Klack III M. (F.): «Peitschenschmicke» — Nösl.: de K. van der Schmack.
 
Claque (wie frz.) F.: «Gruppe gedungener Beifallsklatscher».
 
Kladder F.: 1) «Schmutzkruste des Rindviehs an Hinterbeinen» (wo sie in schlecht gereinigten Ställen im Dreck liegen) — häufiger dafür: Knätzel; 2) lok. = Klack II.
 
kladdereg Adj.: 1) «klebrig, schmierig»; 2) «mit Dreck beschmiert».
 
Klaffer (lok. Ostrand auch Glaffer) M.: «Hahnenkamm, Rhinantus crista galli» — cf. Klabberkraut (Rhein. Wb. IV, 623: Klapper sub 1/k).
 
Klaft, Kloft I (lok. Osten) F.: «Kluft, Abgrund» (cf. außer 'Kluft' auch Rhein. Wb. IV, 720: Klif).
 
Klaft, Kloft II (lok. Osten — aus den Nachbardörfern) F.: verächtlich für «feine (Herren-, Knaben-)Kleidung» — tjës, alt erëm en nei K., wou [Bd. 2, S. 369] hëls de nëmmen d'Suen här? (Echt.) — da loosse mer alt erëm an déi al K. schlaufen!
 
klaften intr. Verb.: «in den Läden herumstöbern (meist ohne zu kaufen)» — Luxbg.-Stadt (aus dem Jenischen über die populäre Ma. der Unterstädte eingedrungen); dazu: Kläftchen F.: «weibliche Person, die herumgeht und klatscht, auch die Läden besucht, ohne zu kaufen».
 
Klafter I (Nordösl.) F.: 1) «alte, minderwertige Kuh» (Händlerspr.); 2) verächtlich für «klatschsüchtige, alte Frau» (Binsfeld); in dieser Bed. lok. auch Klaft.
 
Klafter II, Klofter (lok. Osten) F.: «Klafter» (esou wäit wéi e Mann d'Ärem auserneestreckt) — zéng K. Holz — en zwanzeg K. déiwe Pëtz — eng Spal vun enger K.
 
klafterdéif Adj.: «klaftertief».
 
klafteren trans. Verb.: «(Holz) klafterweise aufstapeln».
 
Klais-chen F.: Dim. zu Klaus (s. d.) — im bes.: 1) als Ortsbezeichnung — so heißt etwa die Einsiedelei am Ernzerberg (gegenüber Echt.) d'Glaischen; 2) «kleiner, abgelegener Raum» — 't kann ee sech knapps réieren an där K. — Mi-, Ma-, Mais-chen, komm aus dénger K. (Kinderreim); 3) kindersprachl.: «Schlafraum, Bett» — an elo séier an d'K.; 4) allg: «Abgeschiedenheit» — e geet de ganzen Dag nët aus der K.
 
Klais-ches- -blumm F.: lok. «Maiglöckchen» (Echt.) — nach dem Standort bei der Klause am Ernzerberg. -brudder M.: «Einsiedler».
 
klaiselen intr. Verb.: «sich zum Zwecke der Heimlichtuerei absondern» — ech kann eemol nët leide, wann der esou an den Ecke sëtzt ze k. — dazu die Abl.: Geklaisels N.: «heimliches Getue, allzu vertrauliche Zwiesprache» — wat e G., Scharwenzels a Gelecks (von zwei versprochenen jungen Leuten, vor der Heirat).
 
klak Interj.: lautmalende Bezeichnung des Schalles, wie ihn etwas Herunterfallendes, fest Aufschlagendes hervorbringt — in dem Spielreim: Klick, klak, Liedersak, wivill Haren huet de Bock? (Mersch, Kinderreime Nr. 450 — s. auch die Var. sub Berlénk I/102); cf. klick.

 

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