LWB Luxemburger Wörterbuch
 
Klädongsstéck bis Klécker(t) (Bd. 2, Sp. 379a bis 381b)
 
Klädongsstéck N.: «Kleidungsstück» (ans Schriftdt. angelehnt).
 
Kläf (Echt.) F.: 1) «altes Kleid»; 2) «alte Klatschbase»; cf. das stadtlux. klaften, Kläftchen.
 
Kläipeklapp F.: «Kinderklapper».
 
Klälen, Klelen (neben häufigerem Knälen, Knelen — lok. Ostrand Kleilen, auch Kneidel; alt Klaulen) N.: «Knäuel» — e K. Gar, Woll, Kotong usw. — neuerdings gelegtl.: e K. Knätschgumm (ein Klumpen Kaugummi) — Rätsel: Ronn geheien ech et op den Daach, a laang kënnt et erof (e Kläle Gar), ähnlich: 't as nët esou déck ewéi e Kazekapp, an honnert Päerd zéien et nët de Bierg op.
 
klälen, klelen (entspr. dem vor. auch kleilen, kneidelen, klaulen) trans. Verb:. 1) «auf ein Knäuel wickeln» — komm, hal d'Hänn, dann hëllefs de mer dëse Strank Woll nach k. (auch das Komp. opklälen); 2) übtr., in der Ra.: Branntewäi k. (hier meist klaulen) «viel Branntwein trinken».
 
klännen (Vianden klenen — ein ösl. Wort) Verb.: 1) intr.: «fest zupacken, pressen» — klänn zou, soss entwëtscht d'Seel der (halte die Hand fest zu, sonst entwischt dir das Seil); 2) trans.: «quetschen, zwicken» — tjëft, ich ha mer d'Fanger geklannt, wi ich d'Dirr zoumuch (ich habe mir die Finger gequetscht, als ich die Türe schloß).
 
kläpeg I Adj.: «knotig» (vom Teig) — réier virun, den Däg as nach k. (sonst meist: knäppeg).
 
kläpeg, klepeg II Adj.: 1) «kleinlich, zimperlich, geziert» — sëf dach nët k. (mach keine Umstände) — esou e klepegt Gedos — wat e klepegt Wiesen — in dieser Bed. auch klääspreg (s. klääsper); 2) «wählerisch, empfindlich beim Essen» (wie kéier, kir) — deen hei as där Klepecher keen, dee mécht kee spatze Mëndchen; 3) «weinerlich, ängstlich» (bes. von einem Kind, das sich immer an die Mutter klammert) — kuck, ewéi stellt et sech nees esou k.!
 
Kläpi, Klepi M., Kläp, Kleep F.: «zimperlicher, wählerischer Mensch, Muttersöhnchen, ängstliches Kind».
 
Kläpp (ostlux. Kleep) Pl. M.: «Schläge» — elo häls de gläich op, soss gët et K. — ähnlich: Streech, und zu beiden die Hybridform Sträpp.
 
Kläpper (ostlux. Kleper, Echt. auch Kliper) M.: «Mensch, Gegenstand, der klopft, beim Klopfen behilflich ist» — und zwar: A. persönlich: 1) «Raufbold» — géi nët duer op d'Kiirmes, dat si K. — elauter Räpper a Kläpper (cf. Klapp) — von manchen Dörfern heißt es: déi X..er Kläpper an déi Y.er Räpper; 2) «Treiber» (bei der Jagd) — wann s du eng Flënt an de Grapp kriss, da wëll ech awer nët K. sin — s. Dreiwer; B. gegenständlich: 1) «Handschlägel» — dafür neuerdings (bes. beim Schlagball- und Tischtennisspiel): Palette (Ton: 1 — sonst wie frz.); 2) «Teppichklopfer» (aus Weidenzweigen geflochten) — drohend, zu unartigen Kindern: da waart, elo huelen ech de K. — spaßh., von Ehefrauen, die im Rufe der Strenge stehen: äert Siss steet doheem mam K. hannert der Dir; 3) «Glockenklöppel»; 4) «Türklopfer» — Echt.: dem Jeni säi Kleper (der von Spaßmachern entwendete, sprichwörtlich gewordene Türklopfer eines schrulligen Echternacher Bürgers mit Vorn. Eugène), etwa in Wendungen wie: et goung wi mam Jeni seinem Kleper (besungen im Echternacher Kleperléid N. «Türklopferlied»); 5) lok.: «die alte Türklinke» (Ehlingen/Meß) — cf. Klénk sub 1.
 
Kläpperchen F.: «Hahnenkamm, Alecterolophus Crista galli».
 
Kläpperei F.: «Schlägerei» — eng Kiirmes ouni K. ass keng — en as bei all K. derbäi — wann s d'eng K. sichs, Männchen, da sin ech huerteg mat der fäerdeg — dafür auch Geklapps N.
 
Kläranlag F.: «Kläranlage» (an Wasserläufen) — aus der hd. technischen Terminologie; cf. kléieren.
 
Claire, Klär weibl. Vorn.: «Klara», erscheint auch als Klärchen, Clairette, Kléier(chen), bisw. Klier.
 
Clairefontaine (klε·r/fõ:ntε·n) ON.: 1) Dorf der Gem. Bettendorf, Kant. Diekirch — 182; 2) s. Badebureg I/66 — dt. Ba(r)denburg = frz. Clairefontaine (östlich von Arlon — Sitz eines früheren Frauenklosters).
 
klären, kläeren trans. Verb.: «klären» — an die hd. technische Terminologie angelehnt (etwa vom Klären der [Bd. 2, S. 380] Abwässer, des Weins usw. — cf. kléieren, Kloërt sub 3).
 
Clairière (wie frz., aber Ton: 1) F.: «Lichtung, Rodung im Walde».
 
Clairo (wie frz., Ton: 1) M.: 1) «Zinke, helltönende Trompete, Trompete überhaupt»; 2) «Trompter» — d'Musek konnt haut den Owend nët spillen, den éischte C. war krank.
 
Klärt F.: «Klette» — im Südwesten (Schwebsingen, Ellingen), mit Sproß-r aus der lok. phV. Kläet (zu Kliet).
 
klätsch Interj., das klatschende Aufschlagen eines feuchten, nassen Gegenstandes begleitend — ähnlich: platsch, plätsch (s. d. und Komp.).
 
Klätsch (Ostrand Kleetsch) I F.: 1) «Pritsche»; 2) «große Hand» — deem wëllt ech nët tëscht (an) d'Klätsche falen; 3) «große Traube» (die eine ganze Männerhand füllt — Grevenmacher); 4) «Ramme» — auch: Dennklätsch, neben Dennplaatsch, -plätsch I/203; 5) dazu im Nordösl. die Ra.: wann ich en zur K. krein, da geet et nët noëneen (Drohung).
 
Klätsch (Ostrand Kleetsch) II F.: «Klatschbase» — s. Klaatsch- u. Abl.
 
klätscheg Adj.: «naß, feucht, klebrig» — dee klätschege Buedem bleift un dem Schuer (Pflugschar) hänken — de Kallek as ze k., e verleeft der op der Traufel — de Kallek as nët k. genuch, e bënnt nët — d'Brout as k., et as nët genuch gebak; dafür (in der letzten Bed.) auch klätz(er)eg.
 
Klätschewak M.: «Klicker» (Arlon) — s. Klécker (und die Syn. dort).
 
klätschen intr. Verb.: 1) «ein klatschendes Geräusch beim Aufschlagen erzeugen» (wie plätschen — s. d.) — en as duerch de Leem (duerch d'Pill) geklätscht — de Reen klätscht widder d'Fënsteren; 2) lokal: «in die Hände klatschen zum Zeichen des Einverständnisses» — wéi en dat gehéiert huet, du huet en an d'Hänn geklätscht — wéi se eens waren, du hu se sech an d'Hand geklätscht; im Nordösl. ausschließlich für klécken sub A, 2.: datt Klengt hatt mer mol na nët geklätscht — da klätsch dem Monni o sching, da krëss de e Su (gib dem Onkel Patschhändchen, dann bekommst du ein Geldstück) — fréier gungen d'Kanner dem Här, de Schwestere k., wann se se op der Strooss begäänt han (früher liefen die Kinder dem Pfarrer, den Schulschwestern die Hand reichen).
 
klätschnaass Adj.: «vollkommen durchnäßt» (wie plätschnaass).
 
Klätzchen (Ostrand Kleezchen, lok. Klätzen, Klezen — Pl. Klätzercher, -chen) F. (Nordösl. N.): Dim. zu Klatz (s. d.) — im bes.: 1) «Eisenknicker»; 2) lok. spaßh. Hüllwort für «Hode»; 3) lok. belg. Luxemburg: «Klette» (Üdingen), in Viville auch: pickeg Klätzerchen.
 
klätz(er)eg Adj.: «nicht genug gebacken, daher feucht» — cf. klätscheg.
 
Kläv(en)er M.: «roter Spätburgunder» (eine früher gelegtl. gebaute Rebsorte mit runden, dreiteiligen, unten blaßgrünen, etwas wolligen Blättern, dickem, bräunlichem Holz, klumpigen Trauben mit runden Beeren).
 
kléck Interj.: «klick» (bei knackendem Geräusch) — 't huet eng Kéier k. gemat, du wor et futti (da war es entzwei) — zu kleinen Kindern: da maach emol k.! (cf. klécken sub B 2): «gib mir ein Patschhändchen!»).
 
Kléck F.: 1) «Kot an den Kleidern» (der beim Gehen auf nassen, schmutzigen Wegen, beim Vorbeifahren eines Vehikels sich ansetzt) — du hues emol en onggeschéckerleche Marsch, du kriss (du méchs der) eng K., a wann s d'och nëmme vun hei bis duer iwwer d'Strooss gees — eng K. bis un den Aasch (übertrieben: bis an d'Akaul) — übertr.: wien duurch déi Gaass geet, dee kritt eng K. — dazu das Spw.: wat ee méi laang durech d'Liewe geet, wat ee méi eng grouss K. kritt (je länger man lebt, desto mehr erlebt man, nach Wb 06; heute meist: je länger man lebt, desto mehr beschmutzt man sich die Finger) — dafür gelten in dieser Bed. die Synonyma: Schlieder (Mosel), Loaz (Echt.); 2) «schmutziger Ortsteil, am Rande der Siedlung» (cf. etwa Heck sub 4, II/140) — als Orts- oder Stadtviertelbezeichnung vielfach belegt (u. a. in Luxemburg, Diekirch, Wallendorf ...) — an der Kléck; 3) «Schnarre» (Lärmgerät der männlichen Schuljugend, während der Karwoche — cf. Klabber) — 't hält een e Still an der Hand mat engem Zännrad aus Holz um Wupp (einen Stiel mit einem hölzernen Zahnrad am Ende), a wann een dat Geschir an der Luucht ronderëm dréit, da spréngt e Stéck Holz vun Zant zu Zant an et kléckt, datt engem d'Oure baschten (ein an die Zähne gepreßtes Holzplättchen ergibt den schnarrenden Ton, «daß einem die Ohren bersten») — früher: «Vorrichtung zum Vertreiben der Vögel aus frisch besäten Äckern»: mer hun d'Vulle mat Klécken aus dem Flues gedriwwen — in dieser Bed. dafür auch: Laiskléck (cf. klécken), Schier, Ratsch; 4) übtr.: [Bd. 2, S. 381] «Schuld» (in eigtl. Bed., etwa von «Zechschuld», aber auch übtr. «Verschulden») — hien huet eng gehéiereg K. beim Wiirt stoen — hien huet mer eng K. ugehaang (er hat mich verleumdet); 5) «das Geräusch und die Gebärde, wenn man wegwerfend mit dem Daumen über den Zeigefinger knipst» (Ösling) bes. in der Ra. d'Kléck (de Klécker) schloen «sich nicht scheren um etwas, sorglos umherschlendern» — ich ha geschwatt a geschwatt, ma heen hat (mir) d'K. (de Klécker) geschloen — hee schléigt him d'K. (es liegt ihm nichts an ihm) — cf. auch: Kléng und Klénk sub 3; 6) lok. Ösling und Ostrand: «die Türklinke, der Daumendrücker alten Gebrauchs» (mit Riegel, Drücker oder Ziehriemen) — s. Klénk (und Klentsch) — phV. in dieser Bed.: Kleek, Kläk, Klëck.
 
Kléck- -kraut N.: «aufgeblasenes Leimkraut, Silene inflata» — auch Klitschekraut; -stän, -steen M.: «Spielsteinchen, -knöchelchen» — cf. auch das verwandte Klätschewak (mit Wandel- -ck- ^> -tsch-) und das Syn. Béckel; -wo F.: «Balkenwaage».
 
klécken Verb.: «ein knackendes Geräusch verursachen» — und zwar: A. intr.: 1) «in die Hände klatschen» — d'Leit hun an d'Hänn gekléckt, 't war der eng Gällecht (dafür lok.,Arlon, Nordösl.: klätschen — s. d.) — klécken ist weitgehend unbekannt im Nordösling, auch in den folg. Bedeutungen; 2) «ein Patschhändchen geben» — kléck dem Monni (gib dem Onkel das Händchen) — spaßh.: kléck dem Pätter, da laacht d'Giedel, oder da gees de mat op d'Lompen; 3) «mit der Peitsche knallen» (wofür in Wiltz: klatschen — s. d. sub 2); 4) unpers. (oder mit dingl. Subjekt): «ein knackendes Geräusch verursachen» (in dieser Bed. dafür häufig knécksen) — 't huet eng Kéier an der Auer gekléckt, du war se kapott — en zéit sech un de Fangeren, datt s'an de Gelenker k. (auch: knacken, knacksen); 5) «(nervös) zwinkern» — e kléckt mat den Aën — gelegtl. auch wie en A zoudrécken: ech hätt näischt gemierkt, wann s de nët mam A gekléckt häss; B. trans.: 1) «mit einem knackenden Geräusch zerdrücken, knicken» — 't as elauter Pak, si sëtzen op der Trap sech d'Lais ze k. (es sind nur Leute von geringer Herkunft, sie sitzen auf der Türschwelle, einander die Läuse zu zerdrücken) — en huet (weess) soss näischt ze din ewéi Lais ze k. (ein armer, geiziger, kleinlicher Teufel, daher die Abl. Laiskléckert M. — s. d.) — in dieser Bed. knécken, krécken, kracken, im Nordösling knécksen; 2) in unfester Verbindung mit drop-: «verschwenden» — en huet dem Monni séng Suën dropgekléck(s)t (s. I/231) — Nordösl. nur dropmaën; 3) in der Ra. op de Präis (drop)klécken: «ungebührlich (auf den Preis) aufschlagen» — wéi bal keng Fierkele méi um Maart waren, du hu se souvill dropgekléckt wéi se wollten (s. I/230) — Nordösl. nur dropschloën.
 
Klécker(t) M.: «aus Lehm gebrannter Spielmurmel» — wofür häufiger: Jhick (s. d. und die Synonyma II/233); dafür lok. auch Kléckstän, -steen und das westlux. Klätschewak (Arlon), mit dem einheimischen Lautwandel -ck- ^> -tsch- (BRUCH, Grundlegung III12 und Kurt REIN, in «Deutsche Wortforschung in europäischen Bezügen» I/S. 280 f.).

 

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